Stiftung für das MeerMeer in Not

 

 

 

Gefährliches Blubbern in der Tiefe - Seichte arktische Meere stoßen riesige Mengen des Treibhausgases Methan aus

05.03.2010 | Ein internationales Forscherteam schlägt Alarm: Bisher unbemerkt beginnen ungeheure Mengen des Treibhausgases Methan durch das Auftauen des Meeresbodens aus dem Arktischen Ozean auszutreten. 7,7 Millionen Tonnen werden gegenwärtig aus dem ostsibirischen Rücken jährlich freigesetzt, was der bisherigen Bilanz der gesamten Weltmeere entspricht. Und es kommt noch schlimmer: Die Fläche des Methan-Austritts unter Wasser ist dreimal so groß wie das Areal der Dauerfrostböden in den arktischen Tundren, die bisher den traurigen Rang als größte Quelle für Methan bekleideten.

 

Der ostsibirische Rücken im Polarmeer erstreckt sich über zwei Millionen Quadratkilometer. Um den Methangehalt dieser riesigen Seefläche in verschiedenen Wassertiefen zu messen, musste ein Eisbrecher zu 5000 Forschungsfahrten auslaufen. Zusätzlich kontrollierten die Forscher den Methangehalt der Luft in 2000 Meter Höhe mit dem Helikopter.

"Bisher wurde angenommen, dass kaltes Meereswasser den Dauerfrostboden konserviert, weshalb auch niemand dieses Gebiet beachtet hat", berichtet Natalia Shakhova von der University of Alaska in Fairbanks. "Nach unseren Proben zeigt der Boden aber deutliche Zeichen von Destabilisierung. Und wenn sich das fortsetzt, so messen wir das austretende Methan bald nicht mehr nur in Millionen von Tonnen."

 

Nach den Untersuchungen sind 80 Prozent des Grundwassers und über 50 Prozent des Oberflächenwassers über dem ostsibirischen Rücken mit Methan übersättigt. Im Sommer sind die Messwerte in einigen Gebieten sogar 1400 Mal höher als im Winter: Die Forscher entdeckten über 100 Hotspots, aus denen das Methan in Gasblasen an die Meeresoberfläche blubberte.

Durch steigende Wassertemperaturen ist die für das Methan undurchdringliche Schicht löchrig geworden. Normaler Weise verwandelt sich austretendes Methan auf dem Weg zur Wasseroberfläche in Kohlendioxid, doch wegen der Schnelligkeit des Aufstiegs aus den relativ flachen Gewässern findet keine Reaktion mit Sauerstoff statt. Entsprechend kritisch sind auch die Ergebnisse der Luftanalysen: Während der Methangehalt in der Arktis gewöhnlich acht bis zehn Prozent über dem globalen Durchschnittswert liegt, übersteigt das Niveau über dem Untersuchungsgebiet diese Werte nochmals um fünf bis zehn Prozent.

 

"Gelangt nur ein Prozent des Methans, das unter den seichten Gewässern nördlich von Sibirien gespeichert ist, in die Atmosphäre, so verändert das die gegenwärtige Belastung durch dieses Treibhausgas um das Drei- bis Vierfache", warnt Shakhova vor den Folgen einer fortgesetzten Klimaerwärmung. Für die Klimamodelle sei der Effekt eine noch unkalkulierbare Variable.

 

Erwärmt sich der Dauerfrostboden, so entweicht das Methan, das sich beim Abbau von organischem Material und bei geologischen Prozessen gebildet hat. Dieser Vorgang ist in den Tundren zu beobachten. Tritt das Gas am Meeresgrund aus, so erhöht sich der Methangehalt des Wassers. In großen Tiefen wird es durch den hohen Druck und niedrige Temperaturen in festes Methanhydrat umgewandelt, das auch Methan-Eis genannt wird. Steigt die Wassertemperatur, so beginnt es zu schmelzen.

Quelle: Natalia Shakhova (University of Alaska, Fairbanks) et al. / ddp/wissenschaft.de

 

 

Ozeane geben Jahrzehnte altes DDT frei

11.01.2010 | Trotz des jahrzehntelangen Verbots von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) in der Landwirtschaft ist das Pestizid immer noch nachweisbar. Einer aktuellen Computersimulation zufolge werden Rückstände des Giftes nun sogar von der Meeresoberfläche emittiert. Die Berechnungen zeigen zudem, dass die Verteilung des in der Umwelt noch vorhandenen DDT, das heute praktisch nur noch in einigen tropischen Ländern zum Einsatz kommt, durch Winde und Meeresströmungen in Richtung Norden verlagert wird.

 

Gerhard Lammel vom Max Planck Institut für Chemie und Irene Stemmler vom Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften konnten nachweisen, dass das Gift aus dem Meer und den Böden wieder in die Atmosphäre gelangt, und so erneut in einen Kreislauf eintritt.

 

Immer noch große Mengen von DDT nachweisbar
"Das DDT sitzt in Böden oder wird mit Meeresströmungen langsam verlagert und wartet aber sozusagen auf den nächsten Zyklus durch die Atmosphäre - weil es nicht oder nur sehr, sehr langsam abgebaut wird.", so Lammel. "Wir haben ein Computermodell erstellt und konnten die Zirkulation des DDT zwischen den Ozeanen und der Atmosphäre im Zeitraum von 1950 bis 2002 simulieren", erklärt Stemmler. "Dabei konnten wir feststellen, dass das DDT, das in den Tropen emittiert wurde, in mehreren Zyklen Richtung Norden wandert."

 

DDT gegen Malaria
Zwischen 1940 und 1970 wurden geschätzte 1,5 Millionen Tonnen DDT als Pestizid in der Landwirtschaft, aber auch gegen Malaria eingesetzt. Aufgrund der hohen Toxizität der Substanz wurde der Einsatz in den meisten Industriestaaten in den 70er-Jahren verboten. Weltweit ist die Verwendung von DDT in der Umwelt seit Inkrafttreten der Stockholmer Konvention im Jahr 2004 nur noch einigen Ländern zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten, insbesondere den Überträgern der Malaria gestattet.

Quelle: pressetext.deutschland

 

Saures Meer lässt Muscheln und Schnecken wachsen

07.12.2009 | Mit dem starken Anstieg von CO2 in der Atmosphäre werden auch die Ozeane immer saurer. Nun haben Forscher der University of North Carolina in Chapel Hill entdeckt, dass einige Schalentiere unter diesen Bedingungen noch größer wachsen. Zu den Gewinnern gehören auch einige kommerziell nutzbare Meerestiere wie etwa die Amerikanischen Hummer, berichten die Forscher im Fachmagazin Geology.

 

"Das sind einige ganz überraschende Erkenntnisse, auf die uns diese experimentelle Studie US-amerikanischer Kollegen aufmerksam macht", meint der Christian Wild, Leiter der Coral Reef Ecology Arbeitsgruppe am GeoBio-Center München. "Bisher war es wissenschaftlicher Konsens, dass gestiegene CO2-Konzentrationen im Meer die Kalkskelettbildung durch Meerestiere wie zum Beispiel Seeigel, Muscheln und Schnecken sowie Meeresalgen deutlich verringert, da es über die chemischen Reaktionen im sogenannten Karbonatpuffersystem zu einer Ansäuerung des Meerwassers kommt."

 

Bisherige Annahmen nicht immer zutreffend
Die neue Publikation zeige, dass die bisherige Annahme nicht immer zutreffe. Fast die Hälfte aller untersuchten Meeresorganismen - darunter kalkbildende Rot- und Grünalgen sowie Seeigel und eine Napfschnecke - konnten ihre Skelettbildung sogar verbessern, wenn sie höheren CO2-Gehalten ausgesetzt waren. "Ein Hauptgrund dafür könnte sein, dass diese Organismen physiologische Mechanismen entwickelt haben, die höheren CO2-Konzentrationen zu nutzen, obwohl das Wasser saurer ist", so Wild.

"Denkbar wäre auch, dass zusätzliche Faktoren wie die Nahrungs- und Nährstoffverfügbarkeit eine entscheidende positive Rolle gespielt haben", meint der Wissenschaftler. "Andere Organismen, darunter Korallen und Austern, reagierten dagegen wie erwartet. Sie blieben unter höheren CO2-Werten kleiner und waren zum Teil sogar verstümmelt."

 

Komplexe Thematik Meeresansäuerung bleibt unverstanden
"Insgesamt betont diese Studie durch die neuen Erkenntnisse, dass wir noch weit davon entfernt sind, die komplexe Thematik der Meeresansäuerung und ihre Auswirkungen auf marine Organismen zu verstehen", so Wild. "Weitere Untersuchungen auf der Organismenebene sind absolut notwendig."

"In der Zwischenzeit sollte alles unternommen, um unsere CO2-Emissionen so gering wie möglich zu halten, denn beides, Verringerung oder Verstärkung der Kalkbildung, beinhaltet Störungen empfindlicher mariner Ökosysteme mit Folgen, die nicht absehbar sind für uns", erklärt der Experte.

"Eine magische Formel, die vorhersagt, wie einzelne Lebewesen auf die geänderten Bedingungen reagieren, gibt es nicht", meint Studien-Autor Justin Ries. Klar sei jedoch, dass sich das gesamte Ökosystem ändern werde, weil es so viele verschiedene individuelle Reaktionen darauf gibt.

Quelle: pressetext.deutschland

 

 

Überraschende Funde: Die Tiefsee ist extrem artenreich

23.11.2009 | Die Tiefsee ist deutlich artenreicher als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Forschungsprogramms Census of Marine Life. Bei der ersten Zwischenbilanz des "Meeresinventars" mit Hilfe von technischen Equipment, sind die Forscher auf mindestens 17.600 verschiedene Arten gestoßen. In Zukunft könnten einige davon auch für die Technik oder Medizin wichtig sein.

 

"Wir wissen über die Tiefsee von 500 Metern Tiefe abwärts kaum etwas", so Robert Carney von der Louisiana State University. "Uns hat interessiert, welche Lebewesen im freien Wasser und am Meeresgrund leben."

 

Große Relevanz für besseres Verständnis der Ökologie
"Viele der Tiere, die in der Wassersäule leben, erzeugen mit Lichtorganen ihr eigenes Licht, einerseits um Beutetiere zu fangen, andererseits um eventuelle Sexpartner anzulocken", erklärt Mike Vecchione von der Smithsonian Institution. Vecchiones Team hat auf zwei Forschungsreisen in diesem Jahr mehrere verschiedene seltene Cirrentragenden-Kraken (Dumbo-Oktopus) am Mid-Atlantic-Ridge geborgen. "Die Bergung vieler Lebewesen aus diesen Tiefen sind äußerst kompliziert, da sie sehr häufig eine ähnliche Konsistenz haben wie Quallen und in dem Augenblick, in dem sie mit Netzen an die Wasseroberfläche kommen, zerstört sind", so der Forscher. "Wir waren sehr erstaunt, in diesen Tiefen derart viele Tiere zu finden." Die Cirrentragenden Kraken gehören zu den größten Lebewesen in diesen Tiefen.

 

Biologische Wunder am Meeresgrund
Auch Lebewesen, die den Meeresboden besiedeln, interessieren die Forscher sehr. "Wir wissen kaum, wie Tiere diesen immensen Druck in 12.000 Metern Tiefe aushalten und welche chemischen Voraussetzungen sie erfüllen müssen", erläutert der Tiefsee-Experte Paul Snelgrove. "Wir gehen davon aus, dass in diesen Regionen, vor allen in Tiefsee-Kaltwasserkorallen und Schwämmen, neue medizinische Wirkstoffe verborgen sind, die in der Zukunft der Medizin eine große Rolle spielen werden", meint Carney.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind auch die zahlreichen heißen Quellen in der Tiefsee. "Hier leben erstaunlich große Mengen von wirbellosen Tieren wie etwa Muscheln, Schnecken, Krebse und Würmer", erklärt Snelgrove.

 

Große Gefahr für Tiefsee durch den Menschen
"Mit dem Abnehmen der Fischerträge in den seichteren Gewässern greift nun der Mensch auf Vorräte in der Tiefsee zurück", warnt Carney. "Wir wissen vom größten Ökosystem der Welt am wenigsten. Nun droht Ausbeutung und Umweltverschmutzung."

Quelle: pressetext.austria

 

Toxische Geschäfte - Die Mafia soll bis zu 40 Giftmüllfrachter im Mittelmeer versenkt haben - nun gibt es erste Beweise

14.09.2009 | Ein vermutlich mit Giftmüll beladenes Wrack eines Frachters ist vor der kalabrischen Mittelmeerküste entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Region geht davon aus, dass es sich bei dem Schiff um einen von der Mafia absichtlich vor der Westküste versenkten Giftmülltransport handeln könnte. Auf Geheiß der Behörden wurde das Wrack mit einem Spezialroboter untersucht.

 

Der Frachter befindet sich etwa 20 Seemeilen vor Cetraro in einer Tiefe von rund 500 Metern. Durch ein Loch im Bug des Schiffes sind viele Fässer zu erkennen. Nach ersten Untersuchungen soll das Schiff in den 1960er- oder 1970er-Jahren gebaut worden sein. Eine Fässerentnahme, um den Inhalt zu untersuchen, war bisher noch nicht möglich. Auf den vom Roboter gemachten Fotos ist ein großes Frachtschiff auf dem Meeresgrund zu erkennen. Aus dem Bug ragt ein Fass, von dem die Ermittler vermuten, es sei Teil der gesamten radioaktiven Ladung des Frachters.

 

Ein reumütiges Mitglied der kalabrischen Mafiavereinigung 'Ndrangheta hatte im Rahmen einer Ermittlung gegen illegale Müllentsorgung von einem Schiff mit dem Namen "Cunsky" berichtet, das von den Kriminellen mit einer Explosion am Bug versenkt worden sei. Da die Namenszüge bisher nicht erkennbar waren, ist die Identität des Frachters noch unklar. Das organisierte Verbrechen könnte Geld für eine Giftmüllentsorgung kassiert und das Schiff dann einfach zerstört haben.

 

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll die Mafia im Mittelmeer vor Kalabrien Dutzende Schiffe mit giftigem, teilweise auch radioaktivem Müll versenkt haben. Der Fund im tyrrhenischen Meer wäre der erste konkrete Beweis in einem internationalen Müllskandal, dessen Umrisse in Italien bereits seit Jahren bekannt sind. Aus Mangel an Beweisen kamen die Ermittler nicht voran. Doch längst weiß man, dass nicht nur die Camorra aus Kampanien mit der illegalen Entsorgung von Giftmüll Geld verdient. Seit Jahrzehnten, so geht aus den Nachforschungen der Staatsanwälte hervor, ist auch die kalabrische 'Ndrangheta im Giftmüll-Geschäft aktiv und unterhält auch auf dem Festland illegale Deponien, etwa in der schwer zugänglichen Bergregion des Aspromonte.

 

Dass die seit Anfang der neunziger Jahre laufenden Ermittlungen nicht voran kamen, lag auch an den fehlenden technischen und finanziellen Mitteln, behauptet die Staatsanwaltschaft. Im vergangenen Dezember hatten Messungen der regionalen Umweltbehörde den Verdacht genährt, im Meer vor Cetraro liege ein gesunkener Frachter. Daraufhin beschloss die Staatsanwaltschaft den Einsatz des Unterwasser-Roboters. Die italienische Umweltorganisation Legaambiente geht von etwa 40 von der Mafia im Mittelmeer versenkten Giftmüllfrachtern aus.

 

Das italienische Umweltministerium kündigte nun an, eine Task-Force einzurichten. Die Opposition wollte bereits im Parlament durch eine Anfrage Druck machen.

Quellen: dpa/www.sueddeutsche.de

 

Bundesamt für Naturschutz fordert besseres Management für die Fischerei in Nord- und Ostsee

07.09.2009, Bonn | Die Fischerei in den Meeren kann global betrachtet nicht mehr als nachhaltig gelten. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in den heimischen Gewässern der Nord- und Ostsee dar: Hier gelten der Europäischen Kommission zufolge mittlerweile 88 % der Bestände als überfischt, 30 % sogar unterhalb der kritischen biologischen Grenze. Gleichzeitig lassen Ergebnisse anderer Studien hoffen, dass durch geeignete Managementmaßnahmen, wie Fangbeschränkungen, selektive Fanggeräte und Schutzgebiete sich Ökosysteme und Fischerei wieder erholen können.

 

„Für die Fischbestände vor unserer Haustür ist es vielerorts bereits fünf vor zwölf, und es besteht dringender Handlungsbedarf, die Fischerei endlich effektiv zu regulieren. Zumal sich die intensive Befischung der Nord- und Ostsee nicht nur auf die Bestandsgröße, Altersstruktur und genetische Vielfalt kommerziell genutzter Fischbestände auswirkt, sondern gravierende Beeinträchtigungen des gesamten Meeresökosystems nach sich zieht. Zu nennen sind hier beispielsweise der Beifang und Rückwurf von Meerestieren, der etwa in der Plattfisch- und Krabbenfischerei der Nordsee bis zu 90 % der Gesamtfänge ausmachen kann, sowie zerstörerische Effekte auf die Arten und Lebensräume am Meeresboden durch die Grundschleppnetzfischerei“, sagte Professor Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

 

Insbesondere in den marinen Natura 2000 - Schutzgebieten in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Nord- und Ostsee, für die der Bund zuständig ist, bestehe die Notwendigkeit die Fischerei durch entsprechende Maßnahmen so zu gestalten, dass negative Auswirkungen auf geschützte Arten und Lebensräume vermieden würden, so Jessel. „Aus Sicht des BfN ist es ein völlig unbefriedigender Zustand, dass die Fischerei in den marinen Natura 2000-Schutzgebieten in der deutschen AWZ der Nord- und Ostsee nach wie vor weitgehend unbeschränkt durchgeführt wird, obwohl hier die negativen Auswirkungen der Fischerei auf Arten und Lebensräume wissenschaftlich dokumentiert wurden“, sagte die BfN Präsidentin Jessel unter Verweis auf Studien, die im BfN u.a. durch den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) erstellt worden sind.

 

Angesichts der bedrohlichen Situation der Fischbestände global und insbesondere in den europäischen Meeresgebieten, hat das BfN heute ein Positionspapier zur „Ökosystemgerechten nachhaltigen Fischerei“ herausgegeben. Darin werden die negativen Auswirkungen der Fischerei auf kommerziell genutzte Fischbestände, und andere Arten und Lebensräume im Meer beschrieben. Das Positionspapier zeigt Handlungserfordernisse und Lösungsmöglichkeiten auf, wie die Fischerei ökosystemgerecht und nachhaltig gestaltet werden kann.

 

Wesentlicher Handlungsbedarf besteht aus Sicht des BfN
- in der Anpassung der viel zu hohen Fangmengen an die verfügbaren Fischressourcen,
- einer strikten Umsetzung der wissenschaftlichen Empfehlungen bei der Festlegung der Gesamtfangmengen,
- einer konsequente Umsetzung von Vorsorge- und Ökosystemansatz,
- sowie einer effektiveren Bekämpfung der illegalen, unregulierten Fischerei.

 

Das BfN setzt sich dabei für verschiedene Lösungsansätze ein, um die kommerzielle Fischerei ökosystemgerecht zu gestalten. Beispielsweise die Zertifizierung ökologisch nachhaltig gemanagter Fischereien und die Einrichtung eines Netzwerks „gut verwalteter“ Meeresschutzgebiete. „Eine der möglichen Managementmaßnahmen, um die Fischerei auch in Schutzgebieten nachhaltig zu gestalten ist der verpflichtende Einsatz von selektiven Fanggeräten wie Fischfallen, die keine negativen Auswirkungen auf Nichtzielarten und Lebensräume haben“, fordert Beate Jessel.

 

Eine gute Chance für den Meeresschutz bietet aus Sicht des BfN die bevorstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik im Jahre 2012. Die Europäische Kommmission hat hierzu ein Grünbuch verfasst, in dem die wesentlichen Missstände der Europäischen Fischereipolitik fundiert und schonungslos analysiert sind.

 

Bei der Präsentation des Hintergrundpapiers verwies die BfN Präsidentin Prof. Dr. Jessel darauf, dass die fischereiliche Nutzung nach wie vor eine der menschlichen Aktivitäten ist, die weltweit und „vor unserer Haustür“ besonders negative Auswirkungen auf marine Ökosysteme hat. Wie der jüngste Bericht der Welternährungsorganisation FAO zeigt, sind mittlerweile weltweit 28% der Fischbestände überfischt und 52 % bis an die Grenzen an ihrer biologischen Kapazität genutzt. Die Übernutzung der Fischbestände in flachen und produktiven Küstenmeeren hat dabei zu einer Verlagerung des Fischereiaufwands in größere Wassertiefen und in die Küstenmeere weniger entwickelter Staaten geführt, in denen die Menschen in besonders hohem Maße von wildlebenden Fischbeständen als Proteinquelle angewiesen sind. „Die Übernutzung der Fischressourcen“ so Jessel „hat deshalb sowohl eine ökologische als auch eine soziale und ethische Komponente“.

 

„Es ist dringend erforderlich, dass Deutschland und die Europäische Kommission ihren Verpflichtungen gemäß den EU Naturschutzrichtlinien endlich nachkommen und durch entsprechende Managementmaßnahmen der günstige Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen auch im Meer gesichert bzw. wiederhergestellt wird.“ Um die Erarbeitung von Maßgaben für eine nachhaltig- ökosystemverträgliche Fischerei in den marinen Schutzgebieten weiter voran zu treiben, hat das BfN in dieser Woche ein weiteres Forschungs- und Entwicklungsvorhaben auf den Weg gebracht, das zusammen mit dem IFM-GEOMAR, Universität Kiel durchgeführt wird.

 

Das Positionspapier „Ökosystemgerechte nachhaltige Fischerei“ können Sie unter www.bfn.de/positionspapiere.html herunterladen.

 

Weitere Informationen:
Habitat Mare - aktiv für marine Lebensvielfalt

 

KOM (2009) Grünbuch: Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik

Quelle: BfN

 

UN-Programm gegen illegale Fischerei läuft ins Leere

26.08.2009, Rom | Die Überfischung der Meere und die illegale Fischerei berauben vor allem arme Länder in Afrika und Asien wichtiger Ressourcen zur Ernährung ihrer Bevölkerung. Ein Programm der Vereinten Nationen, das Häfen dazu verpflichtet gegen Piratenfischer vorzugehen, läuft einer neuen Studie zufolge jedoch weitgehend ins Leere. Innerhalb von fünf Jahren wurden nur 55 von 176 Fischtrawlern, die auf einer schwarzen Liste geführt werden, in Häfen registriert.

 

Die Pew Environment Group, die zum Pew Charitable Trust gehört, übergab der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) jetzt in Rom einen Report, in dem es heißt, die Bemühungen der Vereinten Nationen, die illegale Fischerei zu unterbinden, scheitere an unzureichenden Informationen, einer lückenhaften Umsetzung des UN-Programms und mangelnder internationaler Kooperation.

 

In den fünf Jahren seit 2004 seien 176 Fischtrawler von regionalen Fischereibehörden auf eine schwarze Liste gesetzt worden, so die Pew Environment Group. Nur 55 von ihnen seien überhaupt in Hafenregistern aufgetaucht. In einigen Häfen werde die Identität von Schiffen nicht überprüft, sondern lediglich eine Schiffsnummer aufgezeichnet. In anderen Fällen hätten Fischerboote ihre Namen vor der Einfahrt in den Hafen gefälscht, um einer Entdeckung zu entgehen.

 

Die Ladung von Schiffen, die auf der schwarzen Liste geführt werden, darf nach den UN-Bestimmungen in den Häfen nicht gelöscht werden. Weil sich aber nicht alle Häfen an dem UN-Programm gegen illegale Fischerei beteiligten, sei es leicht, den Fang in einem anderen Hafen zu löschen, erklärte Pew-Experte Stefano Flothmann. Statt des regionalen sei ein globaler Ansatz nötig, der alle Häfen mit einbeziehe.

 

Pew schätzt, dass ein Fünftel des globalen Fischfangs von illegalen oder nicht registrierten Fischtrawlern stammt, bei einigen wertvollen Thunfischarten sogar die Hälfte.

 

Vor allem arme Länder in Westafrika und Südasien können sich keine Küstenwache leisten, die ihre Hoheitsgewässer lückenlos überwacht. Die habe gravierende Folgen für den Staatshaushalt und die Entwicklung der Ländern, sagte Flothmann. In Somalia, dessen Staatsmacht seit den 1990er Jahren zerfallen ist, sei die Küstenfischerei durch illegale Fangschiffe vernichtet worden. Die arbeitslosen Fischer seien nun ideale "Rekruten für die Piratenbanden", so Flothmann.

 

In asiatischen Ländern wie China, Südkorea und Taiwan, in denen viel Fisch gegessen wird, werde nicht lange danach gefragt, woher der Fang stamme, kritisierte der Fischereiexperte. Und Fischfangflotten in Europa, namentlich Spanien und Norwegen, nutzten Schiffe mit Billigflaggen, um die EU-Fischfangquoten zu umgehen.

Quelle: epo.de

Seekatzen und Borstenwürmer in der Tiefsee entdeckt

Bizarre Knorpelfische mit Sexual-Organen an der Stirn

 

23.09.2009, San Francisco/Göteborg | Die Tiefsee zählt immer noch zu den am wenigsten bekannten Lebensräumen der Erde. Nun haben zwei Forschergruppen wieder neue bisher unbekannte Tierarten entdeckt. Einem Team von Wissenschaftlern der Universität von Göteborg ist es gelungen eine bisher unbekannte Borstenwurmart zu entdecken, die sich ausschließlich von Walkadavern am Meeresboden ernährt. Ein US-Forscherteam hat in der Tiefsee vor Kalifornien eine bisher unbekannte Seekatzen-Art entdeckt. Seekatzen sind Knorpelfische und gehören zu den ältesten Fischarten der Erde.

 

Wenn ein Wal stirbt und der Kadaver anschließend zum Meeresboden sinkt, liefert er ind der Tiefsee seltene und große Mengen an Nahrung für verschiedene Lebewesen - angefangen von Haien bis hin zu Krebsen und Würmern am Boden. Einige dieser Tiere haben sich auf die Ernährung durch tote Meeressäuger spezialisiert, hat das Forscherteam um Helena Wiklund vom Department of Zoology festgestellt. Ein einzelner toter Wal liefert so viele Nährstoffe, wie sie sonst durch organisches Material in 2.000 Jahren anfallen. Mit Hilfe von Kameras haben die Schwedischen Forscher nun neun verschiedene Borstenwürmer entdeckt, die sich von Bakterien ernähren, die sich sehr rasch am Skelett toter Walen bilden. Vier der neuen Würmer konnten die Forscher in Tiefen von rund 120 Metern vor der Küste von Strömstad in Westschweden entdecken, die anderen fünf in der Tiefsee vor der Küste von Kalifornien. DNA-Proben haben ergeben, dass die Borstenwürmer auch wenn sie von außen sehr ähnlich aussehen, sich genetisch zum Teil stark voneinander unterscheiden.

 

Forscher der California Academy of Sciences haben vor der Westküste Kaliforniens sie zwei neue Knorpelfischarten entdeckt, die man als "lebende Fossilien" bezeichnen kann. Sie haben sich von ihren nächsten Verwandten, den Haien, vor fast 400 Mio. Jahren separat entwickelt. Die Fische - darunter Hydrolagus melanophasma - gehören zur Ordnung der Chimaeren (Seekatzen) und werden auch als Rattenfische, Hasenfische oder Geisterhaie bezeichnet. Eine Besonderheit der männlichen Fische ist, dass sie einfahrbare Sexual-Gliedmaßen an der Stirn und vor den Beckenflossen tragen. Einige der Seekatzen tragen einen giftigen Stachel vor der Rückenflosse. Ursprünglich war diese Fischgattung mit verschiedenen Spezies sehr häufig vertreten. Wie Dinosaurier haben sie sich seit ihrer Entwicklung kaum verändert. Der Lebensraum der meisten Arten ist allerdings auf die Tiefsee beschränkt, weshalb man bisher kaum Näheres über sie weiß.

Quelle: pressetext.austria

 

 

Lebende Tiefseeaustern im Mittelmeer

Erster Nachweis des als ausgestorben geglaubten Tieres

 

20.07.2009, Bremen | Tiefseeforscher des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen MARUM haben in der Alburan-See zwischen Südspanien und Marokko in einer Tiefe von 500 Metern lebende Tiefseeaustern entdeckt. Die bis zu 30 Zentimeter großen Schalentiere galten im Mittelmeer als ausgestorben. "Bisher wurden im Mittelmeer nur Fossilien aus der letzten Eiszeit und davor gefunden", berichtet Forschungsleiter Dierk Hebbeln.

 

"Die Entdeckung geht vor allem auf den Fortschritt der technischen Entwicklung zurück. Wir setzten ferngesteuerte Tauchroboter ein, die in größeren Tiefen Videoaufnahmen vom Meeresgrund liefern. Somit können steile Felswände und sogar Überhänge untersucht und beprobt werden, an denen diese Austernart vor allem beheimatet ist", erklärt Hebbeln. Der einzige Nachweis lebender Tiefseeaustern vor dieser Entdeckung war einem Forschungs-U-Boot nahe den Azoren im Atlantik gelungen. Dass auf dem Mittelmeer-Meeresboden noch zahlreiche unbekannte Lebewesen ihrer Entdeckung harren hält der Tiefseeforscher für sicher, die Suche könne jedoch nur langsam erfolgen. "Auf einer einzigen Expedition kann letztendlich nur ein Gebiet von der Größe eines halben Fußballfeldes mit Videoaufnahmen untersucht werden." Die Geschichte des Ökosystems der Mittelmeer-Tiefen soll somit schrittweise erforscht werden, um mit Hilfe dieser Informationen den heutigen Wandel der Umwelt besser bewerten zu können.

 

Wichtig hält Hebbeln den Fund der Tiefseeaustern vor allem aufgrund ihrer speziellen Form der Alterung. "Die Tiere können bis zu 500 Jahre alt werden. Jedes Jahr bilden sie einen Anwachsstreifen, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumstammes. Wenn man eine geochemische Analyse dieser Schalen vornimmt, können diese Informationen zahlreiche Rückschlüsse auf Umweltentwicklungen wie etwa die Meerestemperatur über einen langen Zeitraum geben."

Quellen: pressetext.austria

 

Spektakuläres Tiefsee-Riff vor Irland entdeckt

Unterwasserhügel ragen bis 100 Meter aus der Tiefsee hoch

 

27.05.2009, Galway | Wissenschaftler des NUI Galway haben bei einer kürzlich beendeten Tiefsee-Expedition am Südende der Porcupine Bank vor der Westküste Irlands ein spektakuläres Tiefsee-Korallenriff entdeckt. Auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometer befinden sich 40 Riffköpfe auf untermeerischen Hügeln, die vom Meeresgrund hundert Meter emporragen. Dem Forscherteam ist es mit Tauchrobotern gelungen, Aufnahmen von der Rifflandschaft zu machen.

 

"Das sind die bisher beeindruckendsten Korallenriffe, die ich in mehr als zehn Jahren Studium in den Gewässern Irlands gesehen habe", so Expeditionsleiter Anthony Grehan. Grehan betont, dass diese Kaltwasserriffe für die Artenvielfalt in der gesamten Porcupine Bank wichtig sind, da sie eine Quelle für Larven zahlreicher Lebewesen sei und diese Region ein Kandidat für die Errichtung einer speziellen Schutzzone sei. Vor der Küste Irlands gibt es bereits vier solcher Special Areas of Conservation (SAC).

 

Untersuchungen haben auch deutlich gezeigt, dass die Wiederherstellung zerstörter Tiefseeriffe extrem lange dauert. In der Tiefsee verlaufen aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen alle Wachstumszyklen deutlich langsamer. Mit den Korallen im Flachwasser haben die Tiefseestöcke nur sehr wenig gemeinsam, denn die im tropischen und subtropischen Seichtwasser vorkommenden Korallen leben in enger Symbiose mit Algen, die das Licht zum Überleben brauchen.

 

Die Expedition mit dem Forschungsschiff Celtic Explorer war eine Kooperation zwischen dem NUI Galway und dem französischen IFREMER-Institut. Ein Ziel der Untersuchungen ist, in den bisher unerforschten Tiefseeregionen neue Substanzen für die Pharmazie zu finden. Das Marine Institute fördert das Bio-Entdeckungsprogramm "A Marine Knowledge, Research and Innovation Strategy for Ireland 2007 - 2013", das von der NUI Galway durchgeführt wird.
Fotos des neu entdeckten Riffs auf eu-fp7

Quellen: pressetext.austria

 

Wale und Delfine: Vollgepumpt mit Umweltgiften

 

22.05.2009, Washington DC | Meeressäuger wie Delfine oder Wale sind Pestiziden und anderen Umweltgiften hoffnungslos ausgeliefert. Die bisher ausführlichste Studie über die Belastung durch gefährliche Chemikalien ist im Fachmagazin Environmental Pollution erschienen. Ein Forscherteam hatte dazu das Gehirn von elf verschiedenen Meeressäugern und einem gestrandeten Seehund untersucht. Unter den gefundenen Substanzen befanden sich auch einige, die bereits seit den 1970-er Jahren aufgrund ihrer Gefährlichkeit für den menschlichen Organismus verboten sind.

 

Studien-Leitautor Eric Montie hat mit der Studie als Student bei der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) begonnen und nun als Post-Doc gemeinsam mit Forscherkollegen des College of Marine Science an der University of South Florida abgeschlossen. "Montie ist es gelungen mehr als 170 verschiedene chemische Substanzen und deren Anreicherung im Hirngewebe von den Säugern zu untersuchen", so Co-Autor Chris Reddy, der die Arbeit als bahnbrechend bezeichnet. Untersucht wurden etwa die Gehalte von polychlorierten Biphenylen (PCBs), bromierten Flammschutzmitteln und Pestiziden wie etwa DDT. Viele dieser Chemikalien sind aufgrund der hohen Toxizität für den Menschen schon vor Jahrzehnten verboten worden.

 

"Wir haben erschreckend hohe Konzentrationen von PCB in der Hirnflüssigkeit des Seehundes festgestellt", so Montie. PCBs sind giftige und krebsauslösende chemische Chlorverbindungen, die bis in die 1980er Jahre vor allem in Transformatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit und als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet wurden. Bei Meeressäugern führen PCBs zu Störungen in der Sensorik.

 

Neu an der jetzt vorliegenden Studie ist die Untersuchung von Gehirnen von Meeressäugerm. Die Das Forscherteam um Montie will nach den nun publizierten Studien nun herausfinden wie die einzelnen Umweltgifte das Zentralnervensystem der Tiere beeinflussen.

Quellen: pressetext.austria/GRD
Foto: © Dr. Grehan/NUI Galway

 

Gemeine Delfine im östlichen Mittelmeer kurz vor dem Aussterben

 

Überfischung bedroht das Überleben des Gemeinen Delfins (Delphinus delphis) im Mittelmeer. Naturschützer fordern deshalb von der griechischen Regierung, gegen die chronische Überfischung der Gewässer vorzugehen.

 

Anlässlich des ausgerechnet von der EU - hauptverantwortlich für den massiven Artenverlust in europäischen Gewässern und darüber hinaus - ausgerufenen "Europäischen Tages der Meere" am 20. Mai machen Naturschutzorganisationen auf den besorgniserregenden Rückgang der Gemeinen Delfine im Ionischen Meer aufmerksam: waren sie hier früher häufig anzutreffen, wurden 2007 nur noch 15 Tiere in diesem Gebiet gezählt. Damit steht die Art im östlichen Mittelmeer kurz vor dem Aussterben. Hauptgrund: die Fischerei. Viel zu viele Delfine verfangen sich in den immer "perfekteren" Netzen der Fischkutter.

 

Zusätzlich vernichtet die chronische Überfischung die Nahrungsgrundlage der Delfine: Die Fischerei führt zu einem Zusammenbruch des Ökosystems und zu einer Artenveramung der maritimen Fauna, obwohl das Gebiet im Rahmen des Programms Natura 2000 unter besonderem Schutz steht.

 

Natur- und Meeresschutzzorganisationen fordern von der griechischen Regierung und der Europäischen Union, im Seegebiet um Lefkas auf die strikte Einhaltung der Natura 2000-Auflagen zu achten. Dazu gehören begrenzte Fangquoten und Einschränkungen bestimmter Fischereimethoden auf einzelne Monate im Jahr. Zum Schutz der Fischbestände sollten die Fischer zudem Netze mit größeren Masche einsetzen. Derartige Beschränkungen liegen mittelfristig auch im Interesse der Fischerei. Zwar konnten griechische Fischer durch effizientere Techniken und immer größere Netze ihren Fangerfolg zwischen 1970 und 1994 auf das Dreifache steigern, seit Mitte der 90er Jahre sind die Erträge aber um fast 50 Prozent zurückgegangen - eine direkte Folge der jahrzehntelangen Überfischung.

 

 

Fast 6000 Irawadi-Delfine in Bangladesch entdeckt!

 

02.04.2009 | Forscher der Wildlife Conservation Society (WCS) haben im Süsswasser der Sundarbans, eines gigantischen Mangrovenwalds im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und davor im Golf von Bengalen fast 6000 Irawadi-Delfine entdeckt. Die WCS betonte zugleich, dass die Meeressäuger durch Fischerei und Klimawandel gefährdet seien.

Es handelt sich damit um das mit weitem Abstand größte bisher bekannte Vorkommen dieser Delfinart. "Die Entdeckung gibt uns große Hoffnung, dass die Irawady-Delfine eine Zukunft haben", erklärte der Leiter der Studie, Brian Smith. Bangladesch diene den Tieren eindeutig als wichtige Zuflucht. Daher müsse ihr Schutz in der Region höchste Priorität haben, forderte er.

Der IUCN-Chef in Bangladesch, Ainun Nishat, sieht in dem überraschenden Fund ein Anzeichen dafür, dass "die Ökologie in der Region noch nicht tot ist". Es gebe reichlich Nahrung, vor allem Fisch, für die Delfine. Jetzt müsse zu ihrem Schutz die Fischerei in der Region eingeschränkt werden. Die Studie berichtet von einer wachsenden Gefahr für die Delfine, sich in Fischernetzen zu verfangen und zu ertrinken. Auch der Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels ist demnach eine Bedrohung, weil das Süßwasser landeinwärts verdrängt wird.

 

Die WCS rief Bangladesch auf, in den Mangrovenwäldern der Sundarbans ein Schutzgebiet für die Irawaddis einzurichten. "Ein Schutzgebiet kann dauern", meinte Mohammed Jalilur Rahman vom staatlichen Institut für Fischereiforschung. "Aber wir ermutigen die Fischer bereits, die Delfine zu schonen, wenn sie sich in ihren Netzen verfangen."

 

Der Irawadi-Delfin gehört zur Gruppe der Meeresdelfine. Es handelt sich um eine weitgehend unbekannte Delfinart, stellenweise sollen sie in ihren Verbreitungsgebieten noch häufig vorkommen. Irawadis stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) mit dem Status: "Vulnerable" (mittelfristig hohes Risiko des Aussterbens). Die bis 2,6 m großen, hell gefärbten und äußerlich einem Beluga-Wal ähnelnden Delfine sind in seichten Küstengewässern des tropischen Indopazifik und großen Flusssystemen, wie Ganges oder Mekong verbreitet. Irawadi-Delfine können bis zu 1300 Kilometer flussaufwärts wandern, manche wiederum leben vermuitlich zeitlebens im Salzwasser. Sie halten sich nur wenige Kilometer von der Küste entfernt auf. Wie viele Exemplare es überhaupt noch gibt, ist nicht bekannt.

 

2005 wurden die Tiere vor Australien und Papua Neuguinea als eigene Art Orcaella heinsohni, Australischer Stupsfinnendelfin, eingestuft.

Quellen: AP/GRD/DSM
Foto: © Department of Fishery of Thailand
Karte: © CMS / GROMS

 

Dem Meer stockt der Atem: Vor Peru und Ecuador geht dem Pazifik die Luft aus

10.03.2009 | Kiel - Delfine, Wale und Seelöwen schienen auf ein üppiges Leben hinzuweisen. Doch die großen Meeressäuger waren von Bord der "Meteor" aus so häufig zu sehen, weil sie nur in den obersten Metern des Pazifiks vor Peru und Ecuador Nahrung finden. Wenige Meter tiefer beginnt eine lebensfeindliche Zone fast ohne Sauerstoff.

Insgesamt vier Monate lang waren vier Teams von Geologen, Geochemikern, Ozeanographen, Biologen und Meteorologen mit dem Forschungsschiff im Ost-Pazifik unterwegs. Gestern zogen die Fahrtleiter Olaf Pfannkuche, Prof. Martin Frank und Lothar Stramma im Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR ein erstes Fazit der Expedition M77 des Sonderforschungsbereichs (SFB) 754.

"Sauerstoff-SFB" nennt dessen Sprecher Prof. Douglas Wallace kurz, was offiziell "Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean" heißt. An dem im Januar 2008 gestarteten Großforschungsvorhaben sind auch Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) beteiligt, dessen Vertreter Prof. Ralph Schneider, Leiter des zweiten Fahrtabschnitts der Expedition M77, aber längst wieder mit der "Meteor" unterwegs ist - jetzt wie berichtet in der "Salzküche" des Golfstroms in der Karibik.

 

"Südlich von Lima haben wir nahe der Küste extrem sauerstoffarme Bedingungen vorgefunden. Es wurde Schwefelwasserstoff in der Wassersäule festgestellt und schon fünf Meter unter der Wasseroberfläche gab es keinen freien Sauerstoff mehr", erzählt Frank.

 

Vor den Küsten Perus und Ecuadors erstreckt sich die weltweit größte "Sauerstoffminimumzone". Ein erster Vergleich der neuen Daten mit Messungen aus dem Jahr 1993 zeigt, dass der Sauerstoffgehalt noch weiter abgenommen hat.

 

Deutlich wurde bei der Expedition aber auch, dass Sauerstoffarmut nicht jedes Leben verhindert. "Ein Leben mit ganz wenig Sauerstoff ist möglich", betont Pfannkuche. In Zonen fast ohne Sauerstoff und giftigem Schwefelwasserstoff gebe es "Bakterien, die wir noch gar nicht kennen".

 

Im östlichen Pazifik fanden die Forscher jetzt sogar mitten in der Minimumzone in Tiefen um 100 Meter besonders viel Chlorophyll. Dort leben offenbar Cyanobakterien (Blaualgen) - "eine spezialisierte Gemeinschaft, die dort überlebt, weil sie keine Konkurrenz hat", erklärt Frank. Die Forscher haben bei dieser Expedition eine solche Fülle von Messdaten und mehr als 400 Meter Sedimentkerne als "Archive der Vergangenheit" gewonnen, dass die Auswertung noch drei Jahre dauern wird. Und es kommen noch ständig neue Daten aus dem Pazifik hinzu.

 

Denn auch wenn die Forscher längst wieder an Land sind, geht die Expedition ohne sie weiter. Von Bord der "Meteor" haben sie südlich des Äquators zehn Floats ausgesetzt, die alle zehn Tage aufsteigen und Daten per Satellit nach Kiel senden. Die Messroboter erfassen Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoff. "Damit erhalten wir auch in den nächsten zwei bis drei Jahren noch kontinuierlich Daten", erklärt Stramma.
Quellen: KN-online/IFM-GEOMAR | Fotos: IFM-GEOMAR

 

Globale Fischereikrise verschärft sich | FAO-Report: Die Plünderung der Meere geht weiter

02.03.2009 | Die Zahl der überfischten oder bis an die biologischen Grenzen ausgebeuteten Fischbestände ist zwischen 2004 und 2006 erneut gestiegen - von 77 auf 80 Prozent. Dies ist geht aus dem neuen in Rom veröffentlichten Weltfischereireport der UN-Welternährungsorganisation (FAO) hervor. Nach Ansicht von Experten gefährdet der drohende Zusammenbruch vieler Fischbestände nicht nur die Ernährungssicherheit in den Entwicklungs- und Schwellenstaaten, sondern auch hunderttausende von Arbeitsplätzen und das gesamte Ökosystem der Ozeane. Die seit langem von Politik und Fischereiindustrie in Aussicht gesetllte Trendwende ist jedenfalls ausgeblieben.

Die Zahl der nur moderat genutzten Fischbestände hat sich laut FAO seit den 1970er Jahren halbiert - von 40 auf 20 Prozent. Der Fischfang ist laut FAO bereits rückläufig. 2006 wurden 81,9 Millionen Tonnen Meeresfisch angelandet, dass sind über vier Prozent weniger als noch zwei Jahre zuvor.

Schon heute schätzen Experten die wirtschaftlichen Verluste durch die Überfischung der Meere auf etwa 40 Milliarden Euro im Jahr. Dabei könnten die Ozeane mehr Fisch mit weniger Aufwand liefern - wenn die Fischereien endlich nachhaltig gemanagt würden.

 

Ein Paradebeispiel für die wirtschaftlichen Schäden durch die Überfischung liefert der Nordsee-Kabeljau. Derzeit dürfen EU-Fischer ansgesichts stark gesunkener bestände 24.000 Tonnen im Jahr fangen - was nach Ansicht von Wissenschaftlern immer noch viel zu viel ist. Eine nachhaltig befischte Kabeljau-Population wäre um ein Vielfaches größer und könnte laut WWF etwa 140.000 Tonnen Fischfang im Jahr erlauben.

 

Meeresschützer fordern seit langem einen Paradigmenwechsel in der Fischereipolitik. Mehr Schutzgebiete und fischereifreie Zonen, umweltfreundliche und nachhaltige Fangtechniken und eine massive Verkleinerung der Fangflotten sind erforderlich, um der Krise zu begegnen, die in Europa besonders drastisch ist.

 

Die Verbraucher sollten beim Einkauf auf Fische aus gefährdeten Beständen - wie zum Beispiel Wolfsbarsch, Kabeljau, Scholle, Seezunge oder Rotbarsch - verzichten und auf zertifizierte Produkte, wie z.B. SAFE bei Dosenthunfisch oder mit dem FOS-Logo (Friend of the Sea) versehene Fischereiprodukte zurückzugreifen.

 

Scheidender US-Präsident schafft weltweit größtes Meeresschutzgebiet

09.01.2009 | Als eine seiner letzten Amtshandlungen hat US-Präsident George W. Bush das mit einer Fläche von rund 500.000 Quadratkilometer weltweit größte Meeresschutzgebiet (MPA) rund um US-Besitzungen im Südpazifik eeingerichtet. Unter Schutz gestellt wurde ein Gebiet von der Größe Spaniens.

Wie das Weiße Haus mitteilte, wird es drei neue Reservate geben: das Marianas Trench Marine National Monument, das Pacific Remote Islands Marine National Monument und das Rose Atoll Marine National Monument. Das Schutzgebiet umfasst den 2400 Kilometer langen Marianengraben mit dem tiefsten Punkt der Erde, Inseln der Nördlichen Marianen, das Rose-Atoll in Amerikanisch-Samoa und eine Kette abgelegener Inseln im Zentralpazifik, die sogenannten Remote Islands.

 

Im größten der drei Gebiete, dem Marianengraben, kommen 19 Arten von Meeressäugern vor, darunter einige seltene Schnabelwalarten. Geschützt werden auch Korallenriffe, seltene Haiarten und andere Raubfische, bedrohte Meeresschildkrötenarten und Millionen Seevögel. Kommerzieller Fischfang sowie der Abbau von Bodenschätzen ist verboten - eine vergleichsweise leichte Entscheidung, da derartiges dort bislang kaum stattfand. In der neuen Schutzzone soll das Fischen in mehreren Inselregionen in einem Umkreis von bis zu 50 Seemeilen verboten werden. Auch die 21 Vulkane und Hydrothermalquellen in der Tiefsee sollen besonders geschützt werden. Fangerlaubnisse für Einheimische, zu touristischen oder Forschungszwecken sollen von Fall zu Fall erteilt werden.

 

Das bislang größte Meeresschutzgebiet weltweit lag um die Phoenixinseln im Südpazifik, es wurde vom Pazifikstaat Kiribati ausgerufen. George W. Bush hatte bereits 2006 ein rund 363.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Pazifik nordwestlich von Hawaii zum Schutzgebiet erklärt. Wie die Washington Post berichtete, spiegelt die Entscheidung kurz vor dem Amtswechsel den "widersprüchlichen Kurs" Bushs im Umweltschutz wider. Auf der einen Seite habe er in seiner achtjährigen Amtszeit bindende Obergrenzen beim Ausstoß von Treibhausgasen abgelehnt und Meeresgebiete vor den US-Küsten für die Ölförderung geöffnet. Andererseits habe Bush am Ende seiner Amtszeit mehr Meeresschutzgebiete geschaffen als jeder andere Politiker in der Geschichte.

 

 

Vögeln und Meeressäugern bleibt nur Junkfood

Juni 2008 - Die weltweite Überfischung und die Auswirkungen des Klimawandels setzen eine Reihe von Tieren, die im und am Meer leben, einer einseitigen Diät aus. Statt der für sie wertvollen Nahrungsquelle bleibt ihnen praktisch nur noch "Junkfood." Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität von Stockholm.

Räuberische Fische wie etwa der Dorsch sind durch die nicht nachhaltige Fischerei praktisch aus ihrem Lebensraum verschwunden, dafür haben sich ihre Beutetiere wie etwa Sprotten stark vermehrt. Sprotten sind als Nahrung für Seevögel aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts allerdings nur ein magerer Ersatz. Die Biologen um Henrik Österblom argumentieren, dass schlechte Nahrungsangebot für Raubvögel und Meeressäuger zu einem rapiden Gewichtsverlust der Räuber führt, da ihnen die notwendige Energie fehlt. In den 1990er Jahren hatten Österblom und seine Forscherkollegen festgestellt, dass die 20 Tage alten Küken von Trottellummen in der Ostsee ein viel geringeres Gewicht aufwiesen als in den Jahren zuvor. "Wir waren sehr überrascht darüber, denn zur gleichen Zeit nahm die Dorsch-Fischerei in der Region deutlich zu", meint Olof Olsson von der schwedischen Umweltforschungsstiftung Mistra.

 

"Weniger Dorsch bedeutet mehr Sprotten und die Lummeneltern fütterten die Jungen fortan mit Sprotten." Doch auch die Sprotten erwiesen sich in den folgenden Untersuchungen als abgemagert. Dadurch, dass ihnen der Fressfeind fehlte, nahmen sie zwar mengenmäßig zu, mussten sich aber mit anderen Tieren ihre Nahrungsquelle - das Zooplankton - teilen. Mengenmäßig bekamen die Lummenjungen zwar gleich viel Fisch, allerdings deutlich weniger Kalorien.

 

Diese Erkenntnisse seien nichts Neues, meint der Fischereiexperte Michael Fogerty vom US-National Marine Fisheries Service (NOAA). Ähnliches habe man an der Ostküste der USA bei Blauflossen-Tunfischen festgestellt, die deutlich abnahmen, weil auch ihre Beutefische, die Heringe, immer dünner wurden. Auch die Heringe nahmen durch den Wegfall ihrer Fressfeinde mengenmäßig zu, gewichtsmäßig allerdings deutlich ab.

 

In den Jahren 2000 bis 2004 nahm man in der Ostsee die Jagd nach Sprotten vermehrt auf, und das Gewicht der Lummenküken stieg wieder an. Die schwedischen Forscher wurden damit Zeugen der "Junkfood-Hypothese". Eine Meta-Analyse von 47 Studien über die Auswirkungen der "Nahrungsquantität und Qualität auf Meeressäuger und Vögel" kommt zu ähnlichen Ergebnissen.
Quelle: pressetext.austria