Alaska bis Mexiko – Grauwale wandern weite Wege

Die jährlichen Wanderungen der ost-pazifischen Grauwale gehören zu den bekanntesten und längsten im Tierreich

Bei ihrer Rundwanderung zwischen den Nahrungsgründen entlang der Küste Alaskas und den Fortpflanzungsgründen entlang der Küste Mexikos in die Baja California, wo sie normalerweise im Dezember eintreffen und sich bis zu vier Monate lang aufhalten, um ihre Jungen zur Welt zu bringen, legen Grauwale bis zu 20 000 Kilometer zurück. Lediglich Buckelwale wandern noch längere Strecken.

Ein Wal wie kein anderer
Der Grauwal (Escherichtius robustus) unterscheidet sich derart deutlich von allen anderen Walen, dass er einer eigenen systematischen Familie zugeordnet wird.

Unter den heutigen Bartenwalen, zu denen z. B. der Buckelwal oder der Blauwal zählen, steht die Art einmalig da, weil sie ihre Nahrung hauptsächlich am Meeresboden sucht und dort kleine Organismen aus dem Sediment flacher Meere filtert. Bis zu 1,25 Tonnen dieser Nahrung kann ein ausgewachsenes Exemplar der bis zu 15 m langen und bis zu 34 Tonnen schweren Giganten täglich konsumieren. Ungewöhnlich ist auch, dass diese Walart eine Tragzeit von über einem Jahr aufweist. Wie die anderen Bartenwale wandert sie zwischen Nahrungs- und Fortpflanzungsgründen hin und her, der Reproduktionszyklus ist eng an den Wanderzyklus gebunden.

Leichte Beute für Walfänger
Während des 17. und 18. Jahrhunderts gab es Grauwale auch im Nordatlantik, sie wurden dort aber durch den Walfang ausgerottet. Heute findet man sie noch in einer verschwindend kleinen Population mit nur noch 100 bis 200 Individuen im westlichen Pazifik und der Hauptpopulation von über 26.000 Individuen im Ostpazifik entlang der Küsten der USA und Mexikos. Dieser Bestand hat sich dank der Schutzbemühungen so weit erholt, dass er wieder von der roten Liste bedrohter Tierarten gestrichen wurden.

Jährliches Treffen in der Baja California
Seinen Namen verdankt er seiner graumelierten Körperfarbe. Auf der Haut sitzen unregelmäßig verteilt Seepocken und Walläuse. Der Grauwal lebt grundsätzlich in Küstennähe und ist daher eine der am besten untersuchten Walarten.

Fast alle Tiere treffen sich jedes Jahr in den geschützten Gewässern der Baja California. Die Walkälber kommen bei der Geburt mit dem Schwanz voran zur Welt. Sie werden sofort von ihren Müttern und manchmal „Helferinnen“ an die Wasseroberfläche gebracht, damit sie ihre Lungen mit Luft füllen können. Nur das sehr salzhaltige und flache Wasser der Lagunen der Baja California bietet den Walmüttern eine optimale Möglichkeit ihre bei der Geburt bereits etwa viereinhalb Meter langen und 500 Kilogramm schweren Kälber sicher zu gebären und aufzuziehen.
Ulrich Karlowski
Foto: Grauwalbaby in der Baja California. von Yohena Raya/Marine Photobank