MSC-Fischlabel in der Kritik

MSC unterstützt Jagen und Töten von Delfinen!

Das besonders in Deutschland weit verbreitete, blaue MSC-Siegel / MES-Fischlabel des Marine Stewardship Council steht für nachhaltige und bestandserhaltende Fischerei – angeblich. Jetzt ist es an eine Thunfischerei aus Mexiko vergeben worden, die beim Thunfischfang Delfine jagt, verletzt und tötet.

Bereits vor einem Jahr zeigte eine interdisziplinäre Studie von Wissenschaftlern aus dem Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und internationaler Kollegen, dass viele MSC-ausgezeichnete Produkte keinesfalls aus nachhaltig operierenden Fischereien stammen. Von 31 Fischbeständen im Nordostatlantik, die die Forscher unter die Lupe nahmen, wurden mehr als zehn Bestände stärker befischt als ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar wäre. Teilweise wurde der vom MSC erlaubte Fang um bis zu 50 Prozent überschritten.

MSC fördert die Vernichtung der marinen Artenvielfalt

Seit Jahren wird seitens der Lebensmittelindustrie verstärkt Wert auf nachhaltig gefischten Fisch und Meeresfrüchte gelegt. Der Druck ist groß und da schaut man beim MSC offensichtlich nicht mehr so genau hin. Hauptsache die Lebensmittelkonzerne sind zufrieden, können mit ihrem angeblich nachhaltigen Umweltengagement werben.

Die Zertifizierungspolitik des MSC ist fragwürdig, gelinde gesagt. Muscheln, die im UNESCO-Weltkulturerbe Nationalpark Wattenmeer gefischt wurden, dürfen das MSC-Logo tragen und auch für bedrohten Schwertfisch aus der spanischen Langleinen-Fischerei sollte das begehrte blaue Logo erhalten. Den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielte das MSC jetzt mit der Anerkennung mexikanischer Fischereien, die beim Thunfischfang im tropischen Ostpazifik (ETP) Delfine mit Netzen einkreisen, sie dabei verletzen und töten. Offiziell dürfen von den im ETP operierenden Fangbooten jährlich bis zu 5 000 Delfine getötet werden.

„Eine Fischerei als nachhaltig auszuzeichnen, die Delfinschulen jagt, mit Netzen einfängt und dabei Delfine verletzt und tötet, um Thunfisch zu fangen, ist eine grobe Verbrauchertäuschung. Das MSC, das sich als unabhängige Naturschutzorganisation bezeichnet und gemeinsam mit Mitinitiator iglo in diesem Jahr 20 Jahre existiert, fördert die Vernichtung der marinen Artenvielfalt statt zu deren Erhalt beizutragen“, kritisiert die Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM). Ursprünglich wurde die Organisation mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Fischbestände für nachfolgende Generationen zu erhalten. „Von diesem wichtigen Ziel hat man sich leider sehr weit entfernt“, bedauert die DSM.

Einwände werden ignoriert, Verbraucherinnen und Verbraucher getäuscht

Selbst der WWF, einst Mitgründer des Marine Stewardship Council, hatte formalen Einwand gegen die Zertifizierung des mexikanischen Thunfisch eingelegt. Unterstützt wurde der Einwand auch vom Earth Island Institute (EII), der Humane Society of the US und der staatlichen US Marine Mammal Commission. Die Organisationen belegten, dass für die Beurteilung der Nachhaltigkeit dieser Fischerei bewusst falsche Zahlen über die tatsächlich zu Tode gekommenen Delfine herangezogen wurden.

Logo SAFE.

Nur Produkte mit dem Logo SAFE sind wirklich delfinsicher.

Der Einwand wurde ignoriert. Obwohl das MSC hier gegen eigene Vorschriften, nach denen es einer zertifizierten Fischerei ausdrücklich verboten ist, gezielt Meeressäuger zu jagen, verstößt.

„Verbraucherinnen und Verbraucher, die Wert auf tatsächlich nachhaltig gefischten Meeresfisch legen, sollten auf Produkte andere Zertifizierer, wie z.B. Friend oft he Sea (FoS) ausweichen“, rät die DSM. „Und wer als Verbraucher sichergehen möchte, dass für seinen Thunfisch keine Delfine gehetzt, gefangen und getötet wurden, der sollte unbedingt auf das Thunfisch-Logo SAFE achten“.
DSM, 30. August 2017
Foto oben: Delfine, gefangen im Ringwadennetz beim Thunfischfang von Sam LaBudde

NDR.de vom 04.09.2017: Wie die Fischindustrie Verbraucher austrickst

Video:
Mexikanische Thunfischereien setzen Ringwadennetze um Delfinschulen und jagen Delfine