Weltklimavertrag vernachlässigt Ozeane

Nur intakte Meere können Klimawandel bremsen

Erstmals haben sich fast alle Staaten der Erde auf die Einhaltung verbindlicher Klimaschutzziele geeinigt. Das ist ein auf den ersten Blick großartiger Erfolg. Denn ob es gelingt, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, steht in den Sternen. Es könnte zu wenig, zu spät sein. Die Einflüsse des Klimawandels auf die Ozeane spielten auf der Konferenz nur eine Nebenrolle.

Die Ozeane haben z.B. in den vergangenen 50 Jahren global rund 20 Prozent ihres Sauerstoffgehalt eingebüßt. Die weltweit größte Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs findet sich in der Ostsee, wo sich die sogenannten Todeszonen 2014 bereits auf eine Fläche von 60.000 Quadratkilometern ausgebreitet hatten.

Unstrittig ist, dass es gewaltiger Anstrengungen im Meeresschutz bedarf, um die Rolle der Ozeane als Klimaregulator der Erde zu stärken. Die Übernutzung durch Überfischung, Rohstoffabbau, Verlärmung und Verschmutzung hat schon jetzt beängstigende Ausmaße angenommen, mit der Folge, dass die Meere wichtige Funktionen im Klimahaushalt nicht mehr erfüllen können.

Ein Abkommen allein bietet keine Garantie zur Begrenzung der Erderwärmung
So ist es mehr als bedauerlich, dass die Emissionen aus internationalem Luft- und Schiffsverkehr nicht in das Abkommen von Paris einbezogen werden. Dabei verursacht allein der Schiffsverkehr bereits jetzt rund drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes, mit steigender Tendenz.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, auch globaler Ebene ein Umdenken für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Ozeane einzuleiten. Nur intakte Meere können helfen, die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Über 90 Prozent des weltweiten Kohlendioxids durchlaufen den marinen Kohlenstoffkreislauf wobei fast 30 Prozent des menschgemachten Kohlendioxids gespeichert, in kalten Tiefenströmen gelöst oder in absinkender Biomasse am Meeresboden gebunden wird. Etwa 50 Prozent des Sauerstoffs auf der Erde stammt von Pflanzen im Meer.

Klimawandel droht den Meeren den Rest zu geben
Der Klimawandel zeigt bereits jetzt seine gefährlichen Folgen. Der pH-Wert des Meerwassers sinkt, wenn sich Kohlendioxid übermäßig löst und Kohlensäure gebildet wird. Das leicht basische Meerwasser wird insgesamt saurer, kalkbildende Organismen wie Korallen, Muscheln und Schnecken haben es zunehmend schwer zu überleben, Kalkschalen und –skelette werden vom sauren Wasser angegriffen und aufgelöst, Fischlaich und Larven werden geschädigt, die Reproduktionsrate von Algen sinkt.

Kein Ende der maßlosen Ausbeutung in Sicht
Doch trotz aller Warnsignale aus dem Meer sollen auch noch die letzten unberührten Regionen der Weltmeere in der Arktis oder der Tiefsee nach Rohstoffen ausgebeutet und auch noch der „letzte Fisch“ gefangen werden.

Die Widerstandskraft der Ozeane ist aufgebraucht! Mit Abkommen, die vorrangig „die Gemüter beruhigen“, werden weder die Meere gerettet, noch der Klimawandel aufgehalten werden können.
DSM, 13.12.2015