Red Tide – Giftgas aus dem Meer

Vergiftete Fische, tote Delfine, Wale und Seekühe

Meist tragen Menschen die Verantwortung für das Entstehen der „Red Tide“ – einer gefürchteten, hochtoxischen Algenblüte. Nährstoffe aus der übermäßigen Düngung landwirtschaftlicher Flächen, von Rasenflächen oder aus Kläranlagen sind z.B. an der Küste von Florida immer wieder Ursache für das Entstehen von über das Meer treibenden Giftgaswolken, die sogar Menschen gefährden können.

Gefährliche Kettenreaktion
Überdüngung und erhöhte Eisenkonzentrationen im Meerwasser führen erst zur explosionsartigen Vermehrung von Cyanobakterien der Gattung Trichodesmium. Mit Hilfe des Enzyms Nitrogenase bilden die primitiven Blaualgen aus im Meerwasser vorhandenem Stickstoff organische Verbindungen. Ein gefundenes Fressen für die zum Phytoplankton gehörenden einzelligen Dinoflagellaten der Art Karenia brevis, die sich in der Folge ebenfalls explosionsartig vermehren. Es kommt zur „Algenblüte“, der Red Tide, die sich über mehrere Qudratkilometer Meeresoberfläche ausbreiten kann.

Giftgas aus dem Meer
In einem Liter Meerwasser sind dann mehrere Millionen der winzigen Dinoflagellaten enthalten, die nicht nur die Wasseroberfläche rötlich färben. Wie nach einem militärischen Angriff mit Giftgas wehen über den rötlichen Wellen von den Winzlingen emittierte Neurotoxine, die es in sich haben.

Fische, Delfine, Wale oder Seekühe die sich im Gebiet einer Red Tide befinden, sterben. Bei einer einzigen Algenblüte vor der Küste von Florida verendeten mehrere Millionen Fische und Hunderte Seekühe.

Nervengift landet auf dem Teller
An Land getriebene Gaswolken lösen bei Menschen schwere Schleimhautreizungen und Atemprobleme aus. Der Verzehr von Fischen, die das Nervengift aufgenommen haben, kann zu Lähmungen und Gedächtnisstörungen führen.

Natürliche Ursachen – Der Tod kommt aus der Sahara
Aber auch gewaltige Staubwolken aus der Sahara können Auslöser für eine Red Tide sein. Dies zeigte eine von der NASA (National Aeronautics and Space Administration) finanzierte Studie des College of Marine Science der Universität Florida. Die bei ihrer Reise um den Globus voran getriebenen Sandkörnchen enthalten Eisen und immer wenn eine der riesigen Staubwolken aus der Sahara bei Ostwind im Golf von Mexiko vor der Küste Floridas im Meer niedergeht, steigt dort die Eisenkonzentration an und zündet die Kettenreaktion der Vermehrung von Trichodesmium und nachfolgend Karenia brevis.

Bei ihrer Studie setzten die Wissenschaftler Boden- und NASA-Satellitenmessungen ein und konnten so den Weg einer Staubwolke verfolgen, die am 17. Juni 1999 von Afrika aus Richtung Osten getrieben wurde. Bereits am 1. Juli hatte sie West-Florida erreicht. Im Oktober war dann der Gehalt organischer Stickstoffverbindungen im Meerwasser um 300 Prozent gestiegen und es entwickelte sich eine gewaltige Algenblüte, die sich über fast 13.000 qkm von Tampa Bay bis nach Fort Myers erstreckte.
Ulrich Karlowski, April 2017
Foto oben: Sarah Frias-Torres/Marine Photobank.