Umweltgifte gefährden Delfine

Hohe Konzentrationen von PCB und Quecksilber gefährden den Bestand im Ärmelkanal

Nach einer Anfang September vorgestellten Studie der französischen Ökotoxikologin Cyrielle Zanuttini und ihrer Kollegen sind Delfine im Ärmelkanal durch hohe Konzentrationen giftiger Polychlorierter Biphenyle (PCB) und Quecksilber belastet.

Damit bestätigen sich die Ergebnisse einer britischen Studie vom Anfang des Jahres, die die großflächige Vergiftung von Delfinen in europäischen Gewässern mit PCB dokumentierte. Bei rund 400 untersuchten Tieren stellten die französischen Wissenschaftler 1,4 Mal mehr PCB fest als eine vergleichbare Untersuchung aus dem USA gezeigt hatte. Auch die gemessenen Quecksilber-Konzentrationen seien besorgniserregend hoch, warnt Cyrielle Zanuttini.

PCB gefährdet Überleben von Delfinen

Auch der britische Zoologe Paul Jepson und sein Team von der Zoologischen Gesellschaft in London hatten im Rahmen einer 25-jährigen Studie bei Großen Tümmlern, Streifendelfinen, Orcas und Schweinswalen aus ganz Europa erschreckend hohe PCB-Werte gemessen. Als stark belastet erwiesen sich die Delfinarten im Mittelmeer. Bei ihnen fanden die Wissenschaftler 50 bis zu 350 Milligramm PCB pro Kilo Körpergewicht. Ab Werten von 40 Milligramm pro Kilo wird es für den betroffenen Organismus gefährlich.

Springender Orca.

Auch die wenigen Orca-Populationen in westeuropäischen Gewässern sind mit PCB belastet. Foto: (c) Emma Foster 2010/Marine Photobank.

Schwächung des Immunsystems und der Fortpflanzungsrate

PCB-Belastungen führen u.a. zu verringerter Fruchtbarkeit. Die Tiere bekommen seltener Nachwuchs, der dann auch noch mit einer schleichenden Vergiftung zu kämpfen und nur geringe Überlebenschancen hat, denn Delfinmütter geben über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Schadstoffe an ihren Nachwuchs weiter.

Zusätzlich verursachen PCB durch eine Schwächung des Immunsystems ein erhöhtes Infektionsrisiko uns stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Das „Dreckige Dutzend“

PCB gehören zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“ krebserregender und hochgiftiger Umweltgifte. Ihr Einsatz ist seit 2001 weltweit verboten, in Europa wurden sie allerdings schon seit den 1980er-Jahren kaum noch verwendet. Sie waren beispielsweise in Weichspülern, Flammschutzmitteln oder Farben enthalten. Da sie in nur sehr langsam abgebaut werden, reichern sie sich in den Nahrungsnetzen an und sie finden sich folglich auch in Gebieten, wo sie niemals zum Einsatz kamen, wie im arktischen Eis.

Trotz Verbots ist der Eintrag nicht gestoppt

Offensichtlich gelangen in Europa – trotz des lang zurückliegenden Verbots – nach wie vor PCB in großen Mengen in die Umwelt. Das zeigen die Studien von Cyrielle Zanuttini und Paul Jepson. Die Forscher vermuten, dass durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Altlasten nach wie vor große Mengen des Giftes in die Meeresumwelt gelangen. So soll es in der EU noch rund 1,1 Millionen Tonnen mit PCB kontaminiertes Material geben, das noch nicht entsorgt ist, vor allem in Spanien und Frankreich. Bei Delfinen, die an den Küsten Nordamerikas leben, sind die PCB-Werte bereits gesunken. Dagegen gibt es für Europa keinen Grund zur Entwarnung, im Gegenteil.

Meeresschützer und Wissenschaftler fordern dringend Maßnahmen, die den PCB-Eintrag in europäische Meeresgewässer unterbinden, damit Delfine und andere Meerestiere nicht weiter unter der schleichenden Vergiftung ihres Lebensraumes leiden müssen.
Ulrich Karlowski, September 2016

„Erst stirbt der Delfin – dann der Mensch“ – Quecksilberverseuchte Meerestiere bedrohen Gesundheit von Millionen Menschen von Michael Odenwald auf Focus Online