Meeresschutzgebiete - No-Take-Zonen

Deutschland versagt beim Meeresschutz vor eigener Haustür

Im Stellnetz ertrunkener Schweinswal. Foto: Krzysztof E. Skora

Bundesumweltministerin Hendricks: Umfallerin des Jahres

Wahljahre sind keine guten Jahre für den Tier-und Naturschutz. Gerade erst ist Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit der trefflichen "neue Bauernregeln-Kampagne" vor der geballten Lobbymacht des Bauernverbandes eingeknickt, da versagt ihr Ministerium auch noch auf ganzer Linie auch beim Schutz wertvoller Meeresgebiete.

Der Schutz von Nord- und Ostsee wird verschlechtert und verwässert
Umwelt- und Meeresschutzorganisationen beklagen unisono Änderungen des novellierten Bundesnaturschutzgesetzes im Bereich Meeresschutz. Hendricks‘ Ministerium hat erneut Druck von außen nachgegeben. Wer hat da wohl an welcher Schraube gedreht? Nicht ohne Hintergrund dürfte den Ministerien für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Forschung jetzt bis dahin nicht existierendes Vetorecht bei der Unterschutzstellung wichtiger Meeresgebiete zugesichert worden sein. Eine weitere Blamage wie beim jüngsten Gerichtsentscheid zur Elbvertiefung will man bei der SPD offensichtlich vermeiden - im Wahljahr 2017

SPD kuscht vor allem und allen
Fischerei-, Rohstoff-, Schifffahrts- oder Windkraftlobby, diese und andere Interessengruppen können jetzt ohne Mitsprache der Bürgergesellschaft mitentscheiden, ob und wenn ja, welche Maßnahmen zum Schutz unserer heimischen Meeressäuger wie Schweinswalen und Kegelrobben, oder von bedrohten Riffen oder Seegraswiesen ergriffen werden – harte Zeiten für den Meeresschutz im Wahljahr. Es droht der weitere Ausverkauf von Nord- und Ostsee.

Ein einziges Ministerium kann künftig Verordnungen und Maßnahmen zum Schutz der Meere blockieren
Mit dem Paragraphen 57 des novellierten Gesetzes wird den anderen Bundesministerien - statt wie bisher eine Beteiligung – jetzt eine Blankovollmacht zur Blockade, Einvernehmensregelung genannt, zugesichert. Das neue Bundesnaturschutzgesetz wird die Übernutzung unserer Meere weiter zementieren.

Ausverkauf der Meere ist in vollem Gange
Als hätten sie es gar nicht erwarten können, wurden in den letzten Monaten bereits zahlreiche Ausnahmen in die Entwürfe der Naturschutzgebietsverordnungen um die deutschen Natura-2000-Gebiete von anderen Ministerien vorgebracht. Mit der Folge, dass jetzt in deutschen Schutzgebieten weiterhin gefischt, Sand- oder Kies abgebaut und mit extrem lauten Air-Guns (Schallkanonen) nach fossilen Rohstoffen gesucht werden darf. Es bleibt nicht nur alles beim Alten, der Schutz wichtiger Schutzgebiete verschlechtert sich!

Nord- und Ostsee bereits jetzt am Limit
Jede dritte Art in Nord- und Ostsee gilt nach der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten als gefährdet. Die Gründe sind – laut Bundesregierung - vor allem Fischerei, Kies- und Sandabbau sowie der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen.
DSM, 13. Februar 2017

Weitere Informationen

⇒ DSM mit dringendem Appell Bundeskanzlerin Angela Merkel

⇒ Fischerei bleibt in deutschen Meeresschutzgebieten erlaubt - Offenbarungseid verfehlter deutschen Meeresschutzpolitik