Ägypten: Tourismus vertreibt Delfine

Thomas Cook, Neckermann und FTI-Touristik beteiligen sich an Delfin-Hetzjagden

In Ägypten sind kommerziell organisierte Ausflüge zu Delfingruppen im Roten Meer eine ernsthafte Bedrohung für die betroffenen Tiere. Die Situation ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Auch deutsche Reiseveranstalter verdienen an der touristischen Delfinquälerei kräftig mit. Bootsausflüge zu Indopazifischen Großen Tümmlern bei Hurghada oder den Spinnerdelfinen beim Sataya-Riff, bei denen fast immer auch die Möglichkeit besteht, mit den Meeressäugern zu schwimmen, gehören für viele Touristen zum Höhepunkt ihrer Ägyptenreise.

Der Delfin-Tourismus vertreibt die Tiere aus wichtigen Rückzugs- und Ruheräumen
Doch der ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere betriebene Massen-Tourismus vertreibt die Tiere aus wichtigen Rückzugs- und Ruheräumen in die sie sich von der nächtlichen Jagd zurückkehrend zum Ruhen und Schlafen zurückziehen.

Ein trauriger „Zirkus“
Ist eine Delfinschule gesichtet, versuchen die Skipper sich gegenseitig zu übertreffen, mit Verfolgungsjagden, Einkreisen der Tiere und Touristen, die sich dann johlend in großer Zahl ins Wasser stürzen, um einmal mit Delfinen schwimmen zu können.

Spinnerdelfin mit zwei Schraubenverletzungen. Foto: OCEAN

Spinnerdelfin mit zwei Schraubenverletzungen. Foto: OCEAN

Die hysterischen Zuneigungsbekundungen stoßen bei den Tieren jedoch auf nur wenig Gegenliebe. Sie vernachlässigen ihren Nachwuchs, kommen kaum zur Ruhe, haben zu wenig Zeit zur Futtersuche oder sozialen Interaktionen untereinander, verschwenden wertvolle Energie beim Versuch, den Booten zu entkommen, sind zunehmend erschöpft und stehen unter enormem Stress.

Viele Delfine in den besuchten Gebieten weisen Schraubenverletzungen von den dicht und schnell an sie heranfahrenden Zodiacs auf. Da die Tiere ruhen wollen, können sie nicht schnell genug reagieren und den Propellern der Außenborder ausweichen.

Möglichst viele Touristen werden auf die Delfine „losgelassen“
Die Art, wie der Großteil der Touren abläuft, zeigt, dass weder die Bootskapitäne noch die Tour-Guides sich für schonende Delfinbeobachtungen interessieren. Es geht einzig und allein darum, möglichst viele Touristen zu den Delfinen zu bringen und dann mit allen Mitteln Begegnungen mit den Meeressäugern zu erzwingen.

Sollte sich an der untragbaren Situation nicht schnell etwas ändern, dann wird es in den betroffenen Gebieten bald keine Delfine mehr geben, sie werden sich andere Rückzugs- und Ruheräume suchen müssen, die dann hoffentlich nicht so bald von Tour-Anbietern entdeckt werden.

Appell an Ägypten-Urlauber
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass aktive Delfinbesuche durch kommerzielle Anbieter einen negativen Einfluss auf die Tiere haben können. Die Riffe vor Hurghada (Indopazifische Große Tümmler, Tursiops aduncus) wie auch das Sataya-Riff (Spinnerdelfine, Stenella longirostris) dienen den Tieren als Rückzugs- und Ruheräume, in die sie von der nächtlichen Jagd erschöpft zurückkehren.

Wir appellieren an alle, die einen Delfinbesuch in diesen Gebieten planen, zu überlegen, ob sie ihr Bedürfnis nach Nähe zu Delfinen über das Bedürfnis der Delfine nach Schlaf, Ruhe und sozialer Interaktion untereinander stellen wollen.
DSM – Oktober 2014