Ein Meeresschutzgebiet für die Kvarner Bucht mit MareMundi

In der Kvarner Bucht in der Nordadria, zwischen den Inseln Cres und Krk, soll ein Meeresschutzgebiet (Marine Protected Area/MPA) entstehen. Das „mpa4Kvarner“ genannte Projekt plant zwei fischereifreie Zonen (No-take). MareMundi betreibt in Punat (Insel Krk) eine eigene Meeresforschungsstation. Sie ist Ausgangsstation der Projektarbeiten.

Projektinhalte

  • Erfassung der marinen Megafauna (Mittelmeer-Mönchsrobbe, Großer Tümmler, Finnwal, Riesenhai, usw.)
  • Erforschung der Artenvielfalt zur Absicherung der wissenschaftlichen Grundlagen für die Etablierung des MPA (GoDeep-Forschungsprojekt)
  • Erfassung der Seegraswiesen in der Kvarner Bucht (in Vorbereitung)
  • Clean-up-Aktionen (Müllbeseitigung an den Stränden der Insel Krk)
  • Datenerfassungen und Beurteilung des ökologischen Zustands der Kvarner Bucht
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit im MareMundi Institut Krk

Fakten zum Projekt

Projektname und Projektregion
Etablierung eines Meeresschutzgebiets in der Kvarner Bucht, Kroatien
Laufzeit
Seit Anfang 2024/unbegrenzt
Partnerorganisation
MareMundi aus Österreich
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 13, SDG 14

Kroatien hat zu wenige und zu kleine Meeresschutzgebiete

Laut des Marine Protection Atlas vom Marine Conservation Institute kommt Kroatien bei der Umsetzung des 30×30-Ziels1 nicht voran. Lediglich 9,2 % der kroatischen Küstengewässer sind als Meeresschutzgebiete ausgewiesen. Zumeist nur auf dem Papier. Weniger als 1 % oder 22,7 km2 der Küstengewässer sind durch fischereifreie Zonen (No-take) vollständig geschützt. Wie im kleinen Brijuni-Nationalpark oder dem Jabuka Pit in der südlichen Adria.

Wenn hier nicht bald etwas passiert, dann werden auch die letzten entscheidenden Hotspots der Artenvielfalt in der kroatischen Adria durch fischereiliche und touristische Übernutzung unwiederbringlich verloren gehen.

Kerngebiete des geplanten Meeresschutzgebiets

Geplant ist ein ca. 952 km2 großes Schutzgebiet (grau eingefärbte Bereiche). Darin soll es zwei No-takeZonen geben: eine im Gurgurov-Kanal (blau eingefärbt, 71 km2) und eine im Krušija-Kanal (gelb eingefärbt, 25 km2).

Karte mit den beiden Kerngebieten im neuen Meeresschutzgebiet in der Kvarner Bucht.

Geplant ist ein ca. 952 km2 großes Schutzgebiet (grau eingefärbte Bereiche). Darin soll es zwei No-takeZonen geben: eine im Gurgurov-Kanal (blau eingefärbt, 71 km2) und eine im Krušija-Kanal (gelb eingefärbt, 25 km2).

Außerhalb der Kerngebiete sollen Fischerei und Tourismus kontrolliert ablaufen. Das soll eine nachhaltige und zukunftsorientierte ökologische Entwicklung ermöglichen.

Für die lokalen Fischer wird das neue Meeresschutzgebiet in der Kvarner Bucht von elementarer Bedeutung sein. Denn durch fischereiliche und touristische Übernutzung gibt es hier immer weniger Fisch. Mit der Folge, dass die Fischer ihre Lebensgrundlage verlieren.

Auf gesellschaftspolitischer Ebene möchte MareMundi durch entsprechende Informationsangebote eine verstärkte Akzeptanz für das Schutzgebiet in der Kvarner Bucht bei der örtlichen Bevölkerung sowie den relevanten Akteuren wie der Tourismusbranche, der Fischerei und der Gastronomie erreichen. Mehrere kroatische Umweltschutzorganisationen und weitere lokale Stakeholder haben für das Vorhaben bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Umweltbelastungen

Die Kvarner Bucht ist ein weitgehend abgeschlossenes, eher seichtes Meeresgebiet, das nur einen begrenzten Wasseraustausch mit der offenen Adria hat.

Gleichzeitig ist die Umweltbelastung in der gesamten Region hoch. Allein schon durch die Abwässer, die bisher größtenteils ungeklärt ins Meer geleitet werden. Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler wie Dr. Robert Hofrichter oder Dr. Vladimir Tkalcic aus Rijeka tauchen und schnorcheln hier seit ihrer Kindheit in den 1960ern. Seitdem hat sich das Ökosystem enorm verändert. Und das nicht zum Guten!

Alle Experten sind sich einig, dass sich das Mittelmeer und auch die nördliche Adria sowohl hinsichtlich Artenvielfalt als auch hinsichtlich Artendichte dramatisch verschlechtert haben. Die Einrichtung von Meeresschutzgebieten ist alternativlos, um dem ökologischen Niedergang etwas entgegenzusetzen.

Auf die Insel Krk kamen im Jahr 2022 etwa 5 Millionen Besucher. Sämtliche Küsten rund um die Kvarner Bucht, sowohl am Festland als auch auf den Inseln, wurden in den vergangenen Jahren signifikant verbaut. Am Festland und auf Krk gibt es bedeutende petrochemische Anlagen.

Biodiversitätskrise in der Kvarner Bucht

Der dramatische Rückgang der noch vor 40 bis 50 Jahren großartigen Artenvielfalt und Artendichte des Mittelmeers spiegelt sich auch in der kroatischen Adria und der Kvarner Bucht wider.

mpa4Kvarner Projekt für ein Meeresschutzgebiet in der Kvarner Bucht, Kroatien.

Ikonische Arten wie große Haie, Rochen, Thunfische, Steckmuscheln oder Delfine, die dem hohen Nutzungsdruck bis heute standgehalten haben, sind selten geworden. Viele andere trifft man hier gar nicht mehr an.

Im Krušija-Kanal liegt mit bis zu 125 m die tiefste Stelle der nördlichen Adria. Bei der von MareMundi durchgeführten GoDeep-Studie zur Erforschung des Kanals stießen die Meeresschützer in den Tiefen des Kanals jedoch auf eine unerwartet reichhaltige Artenvielfalt. Doch nicht nur in den tieferen Regionen des Gebiets leben schützenswerte Arten, wenn auch nicht mehr sehr viele.

Tec-Diver von MareMundi.

Tec-Diver von MareMundi untersucht in den Tiefen des Krušija-Kanals einen Geweihschwamm der Gattung Axinella. Derartige Tauchgänge mit speziellen Gasgemischen sind technisch und finanziell aufwendig. © Chris Hölzl

Artenvielfalt in der Kvarner Bucht

Delfine, Wale und Robben

Zwei Große Tümmler in der Adria (Mutter mit Kalb).
© U. Kirsch/DSM

In der Kvarner Bucht lebt eine kleine Population von ca. 200 bis 250 Großen Tümmlern (Tursiops truncatus). Sie gehören zur etwa 500 Tiere starken Population der Adria-Delfine. Sie leben das ganze Jahr über nahe der kroatischen Küste und Inseln. Meist trifft man sie weniger als 5 Kilometer vom Land entfernt.

Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens) und Rundkopfdelfine (Grampus griseus) sind dagegen seltene Irrgäste. Das gilt auch für aus dem Mittelmeer in die Adria schwimmende Finnwale (Balaenoptera physalus). Im August 2020 wurde ein Finnwal unter der Krk-Brücke gesichtet.

Gelegentlich schwimmen einzelne Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) bis in die Nordadria. Die Art gilt in kroatischen Gewässern als lokal ausgestorben.

Knorpelfische

Eine 2018 von MareMundi unterstützte Masterarbeit über die in der Kvarner Bucht lebenden Knorpelfischarten fand Nachweise für 15 Hai- und 11 Rochenarten.

Die Studie stützte sich auf Auswertungen von Fängen von Grundschleppnetzfischern aus Mali Losinj sowie auf Tauchgänge, Museumsbesuche und Literaturrecherchen. Dabei stellte sich heraus, dass Artenvielfalt und Artendichte von Haien und Rochen in der Kvarner Bucht bereits seit dem 19. Jahrhundert rückläufig sind. Wobei die Artenvielfalt von Haien und Rochen in der Kvarner Bucht niedriger ist als im übrigen Adriatischen Meer und wesentlich niedriger als im Mittelmeer. Grund hierfür ist der starke Nutzungsdruck auf die Nordadria.

Haie

Spitzenprädatoren wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) gelten als lokal ausgestorben. Fehlende Spitzenprädatoren in einem Ökosystem begünstigen Mesoprädatoren. Das spiegelt sich in der Kvarner Bucht im Vorkommen zahlreicher Kleingefleckter Katzenhaie (Scyliorhinus canicula) wider. Nur noch gelegentlich schwimmen Riesenhaie (Cetorhinus maximus) bis in dieses Gebiet der Nordadria.

Überraschend waren zwei Arten von Tiefseehaien, obwohl das Kvarner-Gebiet im Durchschnitt nicht sehr tief ist. Es handelt sich um den Stumpfnasen-Sechskiemerhai (Hexanchus griseus) und die Gefleckte Meersau (Oxynotus centrina), eine bedrohte Art.

Stumpfnasen-Sechskiemerhai in der Tiefsee, Pacific Remote Islands Marine National Monument.
Sechskiemerhaie sind ursprüngliche Tiefseehaie. Sie zeichnen sich durch sechs Kiemenspalten auf jeder Kopfseite aus. Damit unterscheiden sie sich von allen anderen Haien. © NOAA Office of Ocean Exploration and Research, Deepwater Wonders of Wake.

Gefährdete, bedrohte oder vom Aussterben bedrohte Haiarten in der Kvarner Bucht:

Informationsflyer der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM): Haie – Gejagte Jäger.
  • Großgefleckter Katzenhai (Scyliorhinus stellaris)
  • Gewöhnlicher Glatthai (Mustelus mustelus)
  • Schwarzpunkt-Glatthai (Mustelus punctulatus)
  • Dornhai (Squalus acanthias)
  • Gemeiner Fuchshai (Alopias vulpinus)
  • Blauhai (Prionace glauca)

Rochen

Unter den 11 Rochenarten war der nicht bedrohte Spiegelrochen (Raja miraletus) die häufigste Art. Aber auch auf den vom Aussterben bedrohten Gestreiften Adlerrochen (Aetomylaeus bovinus) konnte man 2018 in der Kvarner Bucht noch treffen.

Auffällig war das Vorkommen des Marmor-Zitterrochens (Torpedo marmorata), der zu den elektrischen Fischen zählt. Diese etwa 1 m großen Rochen können eine elektrische Entladung von bis zu 200 Volt erzeugen, mit der sie kleinere Fische lähmen. Die Art gilt laut der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet. Für Fischer sind sie uninteressant. Sie werden allerdings oft als Beifang in der Grundschleppnetzfischerei mitgefangen.

Ausstellung „Die besten Unterwasserfotos der nördlichen Adria“

Anfang 2025 endete der Fotowettbewerb „Unterwasserfotos aus der nördlichen Adria“. Die Gewinnerfotos sind in einer informativen Fotoausstellung im Foyer des MareMundi-Instituts auf Krk zu sehen. Besucher können Hintergrundinfos zu den Fotos in verschiedenen Sprachen per QR-Code abrufen.

Die Ausstellung der besten Unterwasserfotos aus der nördlichen Adria wurde mit unserer Unterstützung realisiert.
Foto Sepie, von Ina Beinheuer, MareMundi-Fotoausstellung.

Die Ausstellung wurde mit unserer Unterstützung realisiert.

UN-Nachhaltigkeitsziele

  1. Mit dem 30×30-Ziel des UN-Abkommens zur biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity/CBD) verpflichtete sich die Staatengemeinschaft Ende Dezember 2022, dass bis zum Ende der Dekade 30 Prozent der Land- und 30 Prozent der Meeresflächen unter Schutz stehen. Damit beabsichtigt man, das vom Menschen verursachte sechste globale Massenaussterben (Biodiversitätskrise) aufzuhalten. ↩︎
Der Film zum GoDeep-Projekt

Zuletzt aktualisiert:

basierend auf Informationen von MareMundi


Artenvielfalt in der Adria