Meeresschutz im Mittelmeer mit Project Manaia

Die Organisation Project Manaia aus Österreich wurde von dem Meeresbiologen Manuel Marinelli ins Leben gerufen. Sie konzentriert sich auf den Meeresschutz im Mittelmeer. Dreh- und Angelpunkt des Projekts ist das 21 m lange Expeditionsschiff, die SY Waya Waya. Project Manaia sucht Menschen mit Leidenschaft für die Unterwasserwelt des Mittelmeers, die an den jedes Jahr auf unterschiedlichen Routen verlaufenden Forschungsfahrten teilnehmen möchten. Menschen, die bereit sind, an Meeresforschungsprojekten und an Bord mitzuarbeiten.

Projektinhalte

  • Renaturierung von Seegraswiesen
  • Clean-up-Aktionen (Beseitigung von Plastik- und anderem Meeresmüll)
  • Naturschutzfachliche Unterstützung bei der Einrichtung von Schutzgebieten
  • Erfassung der Artenvielfalt des Mittelmeers (Seascaping the Med)
  • Erforschung der Ausbreitung invasiver Arten wie Feuerfisch, Kugelfisch, Langstacheliger Seeigel
  • Datenerfassungen und Beurteilung des Zustands der Ökosysteme
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit (Workshops, Vorträge)

Fakten zum Projekt

Projektname und Projektregion
Meeresschutz im Mittelmeer
Laufzeit
Seit Anfang 2022/unbegrenzt
Partnerorganisation
Project Manaia aus Österreich
Preise und Auszeichnungen
boot 2024 dive award, 1. Platz Kategorie climate
UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen: Hervorragendes Beispiel
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 4, SDG 12, SDG 13, SDG 14
Unterstützt von
ClimaClic, Gert-Riedel-Stiftung

Im Mittelmeer ist Neptungras (Posidonia oceanica) die bestimmende Seegrasart. Man nennt sie auch die Lunge des Mittelmeers. Wie an vielen anderen Küsten, steht dieses Schlüsselökosystem im Mittelmeer unter erheblichem Druck durch Umweltverschmutzung, Meereserhitzung, Küstenentwicklungsmaßnahmen und Übertourismus. Die Verluste sind teilweise dramatisch. Dadurch verbunden sind ein erheblicher Rückgang mariner Artenvielfalt und von Ökosystemleistungen für den Küsten-, Klima- und Artenschutz.

Posidonia-Renaturierung vor Malta.
Posidonia-Renaturierung vor Malta, © Maria Feck

Seit 2018 führt Project Manaia Kartierungen der Neptungraswiesen des Mittelmeers durch. Dabei zeigte sich ein flächendeckender Rückgang.

„Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs ungefähr zwanzig Prozent Verlust bei den Wiesen, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“, berichtet Manuel Marinelli.

Das ist eine ernsthafte Bedrohung für unzählige Arten von Meerestieren, die zum Überleben auf Seegraswiesen angewiesen sind. Außerdem verliert das Mittelmeer dadurch zunehmend die Fähigkeit, Kohlendioxid zu speichern.

Project Manaia renaturiert Posidonia-Seegraswiesen im Mittelmeer während der Forschungsfahrten mit der SY Waya Waya und mit dem Citizen-Science-Projekt Die Meeresgärtner. Urlauber und Einheimische können intakte, abgerissene Seegraspflänzchen oder Posidonia-Samen bei Meeresgärtner-Netzwerkstationen abgeben. Von dort aus setzen geschulte Taucher Pflänzchen und Samen in bestehende Seegraswiesen ein.

Aufgrund stark verschmutzter Küstengebiete gilt das Mittelmeer als ein Hotspot mariner Plastikvermüllung. Dies ist das Ergebnis eines Berichts von UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) von 2020 zum Zustand des Mittelmeerraums: Jeden Tag landen rund 730 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer!

Gemeinsam mit Partnern vor Ort, wie Tauchbasen, Schulen oder Gemeinden, führt Project Manaia Meeres- und Strandsäuberungen durch. Mithilfe eines PetBot-Geräts werden aus dem Meer gefischte PET-Flaschen zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet (Recycling/Upcycling).

Aus dem Plastikfilament stellt das Team dann auf einem 3-D-Drucker Gegenstände her und gibt diese gegen Spende an Unterstützer ab. Da die Recyclingkapazitäten an Bord begrenzt sind, wird der Großteil der gesammelten Kunststoffe über das lokale Abfallmanagement in den Häfen entsorgt. Aber die Suche nach alternativen Lösungen läuft.

Zudem bietet Project Manaia Online-Workshops für Schulen, Vereine oder Gemeinden an. Dort wird das Recyclingprinzip mit PetBot und 3-D-Drucker erklärt.

Invasive Arten (Neobioten) sind Tiere oder Pflanzen, die in eine neue Umgebung geraten. Derartige Bioinvasoren können sich negativ auf die heimische Flora und Fauna auswirken und diese verdrängen. Das Mittelmeer ist durch den Suezkanal besonders anfällig für Neobioten aus weiter südlich beheimateten Lebensgemeinschaften wie dem Roten Meer.

In Zusammenarbeit mit Kollegen hat Manuel Marinelli eine Liste von Schwerpunktarten erstellt. Anhand dieser Arten wollen sie die Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna untersuchen. Dies sind insbesondere: Feuerfisch, Kugelfisch, Kaninchenfisch, Glatter Flötenfisch und der Langstachelige Seeigel.

Meeresschutz im Mittelmeer: Kampf gegen Bioinvasoren wie Kugelfischen der Gattung Torquineger

Kugelfische der Gattung Torquineger gehören im Mittelmeer zu den invasiven Arten, © Martijn Klijnstra

Invasive Species in the Mediterranean Sea ↗
Fotos und Beschreibungen invasiver Fischarten im Mittelmeer.

Invasive Species Report Form ↗
Sichtungen invasiver Arten melden.

Aktiv mitmachen beim Meeresschutz im Mittelmeer und „Meeresgärtner“ werden mit Project Manaia. Season 2026 – Schedule.

Am 20. April 2026 heißt es: Leinen los für die SY Waya Waya und ihre Crew. Von Licata auf Sizilien führt die erste Route auf direkter Fahrt hinüber in die im Südwesten der Peloponnes-Halbinsel gelegene kleine Hafenstadt Pylos. Über verschiedene Stationen entlang des Peloponnes, darunter auch Stoupa auf der Mani-Halbinsel, Malta und Sizilien, ist für den 26. September die Rückkehr nach Licata geplant.

Erfolgsbilanz 2025

Der Saisonstart war am 21. April 2025 in Licata auf Sizilien. Von dort ging es die italienische Küste entlang nach Crotone, bevor mehrere Stationen entlang der griechischen Westküste, bei den Ionischen Inseln, auf dem Programm standen. Ende September kehrte die SY Waya Waya nach 2.200 gesegelten nautischen Meilen (4.074 km) von Malta aus in ihren Heimathafen in Licata zurück.

Engagierte Menschen (64 Volontäre) aus 20 Nationen verteilten sich auf elf aktive Crews. Darunter auch erstmals zwei Stipendiatinnen aus Ländern des südlichen Mittelmeers (Tunesien und Libanon).

Auffällig waren, die frühzeitig im Jahr beginnenden und dauerhaft anhaltenden, ungewöhnlich hohen Temperaturen der oberen Wasserschicht des Mittelmeers.

Den Saisonabschluss markierte schließlich der 3. November. Manuel Marinelli präsentiere im Rahmen einer Vortragsreihe des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen von 1864 (NWV) in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums das Projekt Meeresschutz im Mittelmeer.

Manuel Marinelli (Project Manaia) mit Dr. Simon Jungblut (Uni Bremen/Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen von 1864) in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums.
Manuel Marinelli (links) mit Dr. Simon Jungblut (Uni Bremen/Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen von 1864) in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums, © Project Manaia

Seegras-Renaturierung

  • Ausbau des Meeresgärtner-Netzwerks im Mittelmeer auf 25 Partnerbasen. Jede Station erhält eine Schulung sowie Neptungrassamen, soweit verfügbar.
  • 457 Seegrassamen sowie unzählige ausgerissene Pflänzchen erhielten ein neues Zuhause in bestehenden  Posidonia-Seegraswiesen.

Clean-up-Aktionen

  • Unter Wasser und an Land: rund 1,7 t Müll (Plastikmüll und unzählige Zigarettenstummel).
  • Es beteiligten sich 226 freiwillige Helfer aus der lokalen Bevölkerung.
Beeindruckendes Ergebnis einer Strandreinigungsaktion des Projekts Meeresschutz im Mittelmeer.
Strandreinigungsaktion von Project Manaia.

Seascaping the Med

  • Während der Saison 2025 wurden 1.485 neue Transektleinen ausgemessen (Mess- und Beobachtungspunkte entlang einer geraden Linie – der Transekte).
  • Vergleiche mit Daten aus den Vorjahren zeigten fast überall Verluste. Diese betrafen die Größe, aber auch die Dichte der Seegraswiesen (einzige Ausnahme: Stoupa).
  • Die kontinuierliche Ausbreitung invasiver Arten (Langstachelige Seeigel, Rotfeuerfische) bereitet Sorge. Insbesondere Korallenriffe werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört.
  • Während der Forschungsfahrten findet eine ständige Beobachtung und Dokumentation der marinen Megafauna statt (Delfine, Haie, Robben, Schildkröten, Mondfische usw.).

Angesichts des zunehmenden Lebensraumverlusts von Posidonia-Seegraswiesen, aber auch von hochwachsenden Braunalgen (Cystoseira), ist es von entscheidender Bedeutung, die Entwicklung dieser Ökosysteme langfristig zu verfolgen. Mit einer detaillierten Basislinie ausgewählter Standorte können wir in den kommenden Jahren einen guten Überblick über die allgemeine Entwicklung geben. Und das zu einem Bruchteil der Kosten, die für eine großangelegte Kartierung erforderlich wären.
Manuel Marinelli, Project Manaia

Artenbestimmungen – Invasive Arten

Dokumentation von mehr als 200 verschiedenen Arten von Meerestieren, was einen guten Überblick über die lokale Meeresfauna gibt.

  • Die bis zu 1,2 m große Edle Steckmuschel (Pinna nobilis) ist die größte europäische Muschel. Sie ist eine ikonische Meerestierart, die nur im Mittelmeer vorkommt. Sie ist akut vom Aussterben bedroht. Nachdem 2022 drei lebende Exemplare an verschiedenen Standorten entdeckt worden waren, kamen 2023 sieben, 2024 fünf und 2025 sogar 19 Standorte in der Ägäis hinzu. Dies ist bemerkenswert, da diese ikonische Art in der Ägäis als ausgestorben galt. Die Standorte werden nicht öffentlich bekannt gemacht!
  • Niemals zuvor gab es so viele Schtungen von Meeresschildkröten. Vermutlich handelte es sich meist um Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta). Eine genaue Artbestimmung vom Segelboot ist schwierig. Über die Saison verteilt wurden mehr als 100 Exemplare beobachtet.
  • Nicht so häufig waren im Jahr 2025 Delfine. Es gab lediglich sechs Sichtungen, obwohl zu einem guten Teil die gleichen Örtlichkeiten wie im Vorjahr besucht wurden.
  • Erneut wurden invasive Rotfeuerfische (Pterios miles) gesichtet. Besonders in griechischen Gewässern traf man fast überall auf sie. Speziell im Süden des Peloponnes in großen Mengen. Während einer Stunde im Wasser konnte man hier gut 30 Exemplare sehen. Auch bei Malta soll es erste Sichtungen gegeben haben.
  • Der Langstachelige Diademseeigel (Diadema setosum) hat sich im Mittelmeer erfolgreich etabliert. Noch vor sechs Jahren sah man ihn nur vereinzelt. Lokale Taucher bestätigten jetzt, dass die Seeigel innerhalb von nur zwei Jahren ganze Riffe abgefressen haben und eine erhebliche Belastung für betroffene Ökosysteme sind.
  • Die invasive Blaukrabbe (Callinectes sapidus) hat sich ebenfalls erfolgreich im Mittelmeer etabliert. Die Art war während der gesamten Saison an fast allen Standorten in wachsender Zahl präsent.

Nachhaltigkeit

  • Die Solarpaneele der SY Waya Waya erzeugten 1.842 kWh Strom.
  • Aus erneuerbaren Energien (Solar und Wind) wurden 11,5 Tonnen Wasser aus Meerwasser gewonnen.

Dank eines großzügigen Spenders, der ungenannt bleiben möchte, kann Project Manaia im Rahmen der Saison 2025 ein Stipendium für eine einmonatige Forschungsexpedition in den atemberaubenden griechischen/italienischen/maltesischen Gewässern anbieten. Diese Möglichkeit steht ausschließlich Studierenden und Hochschulabsolventen aus den Ländern des östlichen und südlichen Mittelmeerraums offen, die Meeresbiologie, Umweltwissenschaften, Ozeanografie oder eine eng verwandte Disziplin studieren.
⇒ Weitere Informationen.

Erstmals konnten wir mit Project Manaia in der Saison 2025 Forschungsstipendien anbieten. Damit ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung.

Das Angebot richtete sich ausschließlich an Studierende und Hochschulabsolventen aus den Ländern des östlichen und südlichen Mittelmeerraums. Idealerweise sollten sie in der Meeresbiologie, Umweltwissenschaften, Ozeanografie oder in einer verwandten Disziplin beheimatet sein. Die Resonanz war überwältigend und die Auswahl für die zwei zur Verfügung stehenden Plätze fiel entsprechend schwer.


Rawan Al Jamal aus dem Libanon, Stipendiatin bei Project Manaia an Bord der SY Waya Waya.

Ich bin syrische Staatsbürgerin, geboren und aufgewachsen im Libanon, wo ich lebe und als Meeresbiologin arbeite. Ich hatte das Glück, mit meinem Projekt (Auswirkungen von Stressfaktoren auf Posidonia-oceanica-Seegraswiesen) bei Project Manaia als Stipendiatin angenommen zu werden.

Die mit dem Stipendium gewonnenen Erfahrungen mit Project Manaia werden entscheidend sein für meinen Weg, die Welt zu verändern. Zunächst in meinem Heimatland und später hoffentlich in der ganzen Welt.

Farah Boussema, angehende Umweltingenieurin aus Tunesien.

Project Manaia fühlte sich schon immer wie eines dieser weit entfernten Dinge an, die für mich einfach unerreichbar schienen. Doch vom 30. Juni bis zum 26. Juli segelte ich quer durch Griechenland, von Porto Cheli nach Kalamata, um an einem Projekt zu arbeiten, an dem ich schon immer arbeiten wollte: in die Welt der Seegraswiesen und ihrer winzigen Bewohner (Flohkrebse) einzutauchen.

Den Stipendiums-Förderern, deren Unterstützung diese Erfahrung möglich gemacht hat, und Project Manaia, die mir diese unglaubliche Chance gaben, bin ich zutiefst dankbar. Ich kehre mit so viel mehr als nur Ergebnissen nach Tunesien zurück. Ich bringe Wissen, Selbstvertrauen und unvergessliche Erinnerungen mit.


Projekt Meeresschutz im Mittelmeer: Medien

Eine Auswahl:

  • CO₂ im Wal – Öko-Institut e.V.
  • Klimalösung aus der Natur: Am Mittelmeer entstehen neue Seegraswiesen – Recherche-Kollektiv Ozean & Meere: Christian Schwägerl auf Riffreporter
  • eforigi.com.gr: Οι Μανιάτες συμφωνούν και περιμένουν την Πολιτεία για την προστασία της θαλάσσιας ζωής (Βίντεο – Φωτογραφίες) – Die Menschen auf der Halbinsel Mani im äußersten Süden Griechenlands (mittlere Halbinsel des Peloponnes) bestehen auf der Schaffung eines Meeresschutzgebiets (MPA) zwischen Stoupa und Agios Nikolaos. Sie warten auf die positive Reaktion des Staates auf den einstimmigen Antrag der lokalen Behörden. Interview mit Manuel Marinelli zu den Vorteilen von MPAs mit Bezug auf Stoupa ab ca. 7:40.
  • Hitzestress im Mittelmeer – Ökosystem in Gefahr – 3sat, Wissen, ZDF-Mediathek
  • Auf zu neuen Ufern – Ocean 7 Yacht Magazin
  • Interview auf euronews zu Blue Carbon Credits

    Unter „Blauem Kohlenstoff“ oder „Blue Carbon“ versteht man Kohlenstoff, den marine Ökosysteme, wie Seegraswiesen, Mangroven oder Salzwiesen, speichern. Diese Ökosysteme spielen also nicht nur eine wichtige Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt in den Meeren, sondern sind auch wichtige Verbündete beim Klimaschutz.

    Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai im Dezember 2023 ging der Nachrichtensender Euronews der Frage nach: „Was sind Blue Carbon Credits und können sie ein geeignetes Instrument sein, um die Klimakrise in den Griff zu bekommen?

    Das Thema Blue Carbon Credits dreht sich dabei um die hochumstrittenen CO₂-Kompensationsprogramme für verursachte Emissionen. Aufgrund ihrer enormen Kapazität als natürliche CO₂-Senken, ist die Verlockung groß, derartige Programme in Form von Blue Carbon Credits auch auf marine CO₂-Speichersysteme auszudehnen. Experte in der Sendung war Manuel Marinelli.

    Netzwerke

    Logo Mediterranean Posidonia Network (MPN).

    UN-Nachhaltigkeitsziele

    Nach Informationen von Project Manaia
    Titelfoto: Forschungsschiff SY Waya Waya ankert im Mittelmeer