Junge Bullenhaie in Flüssen
Von 2015 bis 2026 förderten wir mehrere Forschungsarbeiten der Meereswissenschaftlerin Kerstin Glaus. Darunter auch ihre Dissertation „Unverzichtbare Gewässer: Junge Bullenhaie im größten Flusssystem der Fidschi-Inseln“1 Außerdem versuchte sie die Ursachen für das „Rote Augen“-Phänomen bei jungen Bullenhaien im Fluss Rewa aufzuklären.
Ab Ende 2021 bis Ende März 2025 als ihre Tätigkeit als Forschungsbeauftragte am Institute of Marine Resources (IMR) der University of the South Pacific endete, setzte sie zusätzlich Umwelt-DNA-Analysen (eDNA) ein. Mit dieser nicht-invasiven Methode sollten weitere Erkenntnisse über die für das Überleben dieser spektakulären Haie bedeutenden Kinderstuben in Flüssen auf Fidschi erarbeitet werden.2
Kinderstube in Gefahr
Im Zuge ihrer Forschungsarbeit konnte sie den Fluss Rewa als wahrscheinlich wichtigste Kinderstube für Bullenhaie auf Fidschi identifizieren.
Lokale Schutzkonzepte
Mit der erstmals durchgeführten mehrjährigen Bewertung von drei Flüssen (Rewa, Sigatoka und Navua) auf Fidschi konnten wesentliche Lebensräume für Jungtiere dieser Haiart eingegrenzt werden. Zudem gelang es, Umweltparameter zu identifizieren, die ihre Verteilungsmuster beeinflussen. Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen lassen sich lokale Strategien zum Haischutz in Fidschi aufstellen.
Das Rote-Augen-Projekt
Im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchte Kerstin Glaus auch das rätselhafte Vorkommen von jungen Bullenhaien mit roten Augen in der Rewa. Denn 80 % der 83 der in der Rewa kurzfristig eingefangenen kleinen Haie hatten beidseitig rote Augen. Die Augen von Jungtieren aus anderen Flüssen, wie Navua, Sigatoka oder Ba, zeigten diese Verfärbung nicht.
Die kleinen Haie und ihre Augen waren generell frei von äußeren Verletzungen. Auch hatten sie keine Hautveränderungen oder erkennbaren Parasitenbefall. Insgesamt schienen die Tiere gesund.
Wir finanzierten die Laboranalysen verschiedener Wasserproben sowie einen Teil der Tagging-Studie und die damit verbundene Feldarbeit. Gesucht wurde nach Auffälligkeiten wie das Vorhandensein von Keimen und/oder abiotischen Umweltfaktoren wie toxischen Schwermetallen.
Ergebnisse
Auffällig war eine hohe fäkale Verunreinigung mit Escherichia-coli-Bakterien. Auch erhöhte Ammoniakwerte und damit korrespondierende erhöhte Gesamtstickstoffwerte waren auffällig. Meist wird gasförmiges Ammoniak in der Landwirtschaft freigesetzt. Ammoniak gefährdet die menschliche Gesundheit und schädigt Pflanzen und Ökosysteme.
Dennoch hält Glaus einen Zusammenhang mit dem Auftreten der roten Augen für unwahrscheinlich. Denn die Rötung beschränkte sich auf die Pupille. Die Sklera (Lederhaut, weiße äußere Umhüllung des Augapfels) war weiterhin weiß. Das macht eine äußere, durch Umweltgifte ausgelöste Infektion wenig wahrscheinlich. Verunreinigungen mit Metallverbindungen (Eisen, Chrom, Blei) fanden sich ebenfalls nicht.
Aufgrund der begrenzten Stichprobengröße und da es sich auch um einen inneren okulären Prozess handeln könnte, gelang es schlussendlich nicht, die Ursache(n) herauszufinden3.
forbes.com: Red Eyes In Fiji’s Juvenile Bull Sharks, von Melissa Cristina Márquez ↗
- Glaus KBJ, Brunnschweiler JM, Piovano S, et al., Essential waters: Young bull sharks in Fiji’s largest riverine system, Ecol Evol. 2019;00:1–12. https ://doi. org/10.1002/ece3.5304 ↩︎
- Kerstin Glaus, Laura Benestan, Juerg Brunnschweiler, Floriaan Devloo-Delva, Sharon A. Appleyard, Ciro Rico; Female site fidelity and repeated pairings across years in bull sharks (Carcharhinus leucas) inhabiting Fiji waters. R. Soc. Open Sci. 1 June 2026; 13 (6): 252115. https://doi.org/10.1098/rsos.252115 ↩︎
- Glaus Kerstin, Genter Franziska, Brunnschweiler Juerg M. (2023) Red eyes in juvenile bull sharks (Carcharhinus leucas) from Fiji. Pacific Conservation Biology. https://doi.org/10.1071/PC23009 ↩︎
Fuchshaie: Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning

Im Rahmen seiner von uns 2019 geförderten Masterarbeit setzte sich Meeresbiologe Julian Engel mit der Entwicklung nachhaltiger und alternativer Existenzmöglichkeiten in Entwicklungsländern auseinander.
Sein Fokus war der Haitourismus in Korallenriffen am Beispiel des Pazifischen Fuchshaies (Alopias pelagicus) auf der philippinischen Insel Malapascua. Dort sind Fuchshaie DAS Highlight für Tauchtouristen.
Pazifische Fuchshaie
Der Pelagische oder Pazifische Fuchshai (Alopias pelagicus) ist mit bis zu 3,3 m Länge der kleinste der drei Fuchshai-Arten. Fuchshaie sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet gelistet. Seit 2017 stehen sie auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzüberkommens (CITES).
Diese mit einer überaus imposanten Schwanzflosse ausgerüsteten Haie leben in Tiefen, in die der Mensch nur selten vordringt. Ihren Alternativnamen „Drescherhaie“ verdanken sie ihrer riesigen Schwanzflosse. Denn deren oberer Lappen kann so lang wie der restliche Körper sein. Er wird mit kräftigen Schlägen bei der Beutejagd eingesetzt.
Vor Malapascua können Taucher Drescherhaie aus nächster Nähe bewundern. Denn in den Korallenriffen gibt es „Putzerstationen“. Hier befreien spezialisierte Putzerfische (Labroides dimidiatus) die Haie von Hautparasiten. Geduldig schwimmen Fuchshaie hier „Schlange“, bis sie an der Reihe sind. Es ist ein Top-Highlight für Tauchtouristen aus der ganzen Welt.
Julians Arbeit hatte etliche positive „Nebenwirkungen“. Sie stieß bei Einheimischen und Experten auf großes Interesse. Dank seiner Arbeit wurden außerdem erste Schritte für ein marines Schutzgebiet eingeleitet.
Titelfoto: Seidenhai, © Alex Chernikh
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