Korallenriffe

Neben Mangroven- und Regenwäldern gehören Korallenriffe mit ihrer überwältigenden Artenvielfalt zu den wichtigsten und produktivsten Ökosystemen der Erde. Riffbildende tropische Korallen (u. a. Steinkorallen, Feuerkorallen oder die Blaue Koralle) sind eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus koloniebildenden, festsitzenden Nesseltieren (Cnidarien) und einzelligen, Fotosynthese betreibenden Algen (Zooxanthellen).

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Korallenriffe schützen


Die größten von Lebewesen errichteten Bauwerke der Erde

Meeresschildkröete im Korallenriff.

Foto: pexels

Gemeinsam mit anderen Kalk abscheidenden Organismen bauen die Winzlinge gigantische Bauwerke: Korallenriffe.

Das größte von ihnen ist das berühmte, 2.300 Kilometer lange Große Barriereriff (Great Barrier Reef) an der Nordostküste Australiens. Es besteht aus über 2.900 einzelnen Riffen. Die UNESCO erklärte es 1981 zum Weltnaturerbe.

Korallenriffe sind die Kinderstube für über 25 Prozent aller Meeresbewohner – und sie sind in großer Gefahr.

Korallenriffe: den Menschen zu Diensten

Diese skurrilen, ungemein kreativen Baumeister der Ozeane sind nicht nur von überragender Bedeutung für den Erhalt mariner Biodiversität. Sie dienen darüber hinaus in vielfältiger Weise auch uns Menschen.

Korallenriff mit vielen roten Fischen.

Foto: Francesco Ungaro/unsplash

Denn Küstenschutz, Erholung, Tourismus sowie Fischerei profitieren von intakten Korallenriffen. Gleichzeitig sind sie eine (noch) unerschöpfliche Quelle für Arzneimittel, wie z. B. neue Antibiotika.

Zwar bedecken Korallenriff-Ökosysteme weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, doch versorgen sie uns mit „Dienstleistungen“ von enormem Wert. So spült beispielsweise der Tourismus jedes Jahr große Summen in die Kassen der Länder, die noch über halbwegs intakte Riffstrukturen verfügen.

Klimawandel, Versauerung, destruktive Fischerei, Überdüngung – Henker der Riffe

Es besteht die akute Gefahr, dass diese wichtigen Meeresökosysteme in naher Zukunft vollständig zusammenbrechen.

Bereits Anfang 2002 ereignete sich das bis dahin größte Korallensterben am Großen Barriereriff: Über 60 Prozent der Korallen waren von Korallenbleiche befallen.

Denn steigt die Wassertemperatur zu stark an, kippt die ungewöhnliche Symbiose. Dann beginnen die Polypen, die für ihr eigenes Überleben auf Dauer unentbehrlichen Partner abzustoßen. Das Riff „bleicht“ aus, es stirbt.

Steigen die Temperaturen weiter an, könnte das größte Riff der Meere nach Meinung von Experten in etwa 25 Jahren völlig abgestorben sein.

Juwelen in kalter und dunkler Tiefe

Kaltwasserkorallen - Lophelia pertusa.

Kaltwasserkorallen wie diese Kolonie von Lophelia pertusa können keine Symbiose mit Fotosynthese betreibenden Zooxanthellen bilden. Sie sind bei der Ernährung ganz auf sich allein gestellt. Image courtesy of Lophelia II 2009: Reefs, Rigs, & Wrecks

Korallen leben nicht nur in warmen, lichtdurchfluteten tropischen Küstengewässern.

Auch dort, wo es sehr dunkel und sehr kalt ist, an den Rändern der kontinentalen Schelfe, zwischen 40 und 3.000 Metern Tiefe, gibt es Riffe. Hier bauen Kaltwasserkorallen. Sehr langsam zwar, aber sie haben Zeit.

Die vorherrschende riffbildende Art im Nordostatlantik ist die zu den Blumentieren (Anthozoa) gehörende Steinkoralle Lophelia pertusa.

Zerstörungen durch Grundfschleppnetzfischerei an einem Tiefseeberg.

Zerstörungen durch Grundfschleppnetzfischerei an einem Tiefseeberg. Foto: CSIRO Marine Research

Trotz magerer Wachstumsraten von 4 bis 25 Millimetern pro Jahr errichteten Lophelias in Tausenden von Jahren vor Norwegen ein Unterwasserbauwerk mit einer Fläche von über 130 Quadratkilometern. Folglich ist dieses Riff größer als Manhattan.

Über 8.500 Jahre verbringen Blumentiere damit, wundervolle Kaltwasserriffe zu bauen.

Doch Grundschleppnetzfischer benötigen nur wenige Stunden, um sie komplett und unwiederbringlich zu zerstören.

Eine Tragödie. Sie spielt sich im Verborgenen ab.


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