Mit ihrer atemberaubenden Artenvielfalt gehören Mangrovenwälder wie Korallenriffe, Seegraswiesen, tropische Regenwälder und Moore zu den produktivsten Ökosystemen.
Mangrovenwälder sind unvergleichlich. Sie leben im Gezeitenbereich tropischer und subtropischer Küsten und bilden eine Schnittstelle zwischen Land und Ozean.
Mangroven spielen eine überproportional wichtige Rolle bei der Klimaregulierung, dem Küstenschutz und dem Biodiversitäts-Erhalt.
Lange ging man davon aus, dass diese „Brücken zum Meer“, angesichts geschätzter jährlicher Verlustraten von fast 1 Prozent bis zum Jahr 2100 verschwunden sein könnten. Mangrovenwälder galten als eines der am stärksten bedrohten Küstenökosysteme.
Hauptursachen für ihren Rückgang sind:
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Rodungen zum Bau von Aquakulturanlagen für die Zucht von Schrimps und Fisch
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Rodungen für Palmölplantagen, für den Reisanbau und zur Brennholzgwinnung
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Verschmutzung und Überdüngung
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Küstenbaumaßnahmen / Landgewinnung
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vom Klimawandel beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels
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vom Klimawandel verursachte Zunahme von Wirbelstürmen (Küstenerosion)

Zeitenwende für Mangroven
Eine im Juni 2026 im Wissenschaftsjournal Science veröffentliche umfassende Studie zeigte, dass die von Mangroven bewachsenen Flächen bereits seit 2010 wieder zunehmen. Weltweit.
Für Ihre Bestandserfassung nutzte das Team um Erstautor Zhen Zhang von der Tulane University in New Orleans Satellitenaufnahmen aus vier Jahrzehnten (von den 1980er Jahren bis 2023).
Die Auswertung der Datensätze zeigte, dass die globale Fläche der Mangrovenwälder bis 2010 von ehemals etwa 152.000 km2 um rund 3.000 km2 zurückgegangen war. Das sind Verluste von mehr als der Größe des Saarlands (ca. 2.570 km²). Ältere Berechnungen waren von weitaus höheren globalen Verlustraten ausgegangen.
Doch seit 2010 dreht sich der Trend überraschenderweise. Für 2023 erfassten die Forscher 154.000 km² von Mangroven bewachsene Flächen und sprechen von einem globalen Nettozuwachs.
Ursache hierfür sind weniger Rodungen bei gleichzeitig intensivierten Renaturierungsmaßnahmen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt aber auch der Klimawandel. Mittlerweile breiten sich diese an tropische Bedingungen angepassten Ökosysteme in nördlichere Regionen aus, in denen sie früher nicht vorkamen. Ein Vordringen bis ins Mittelmeer scheint wahrscheinlich.
Andererseits führt die globale Erwärmung bereits jetzt zu temperaturbedingten Arealverschiebungen. Mangroven haben zunehmend Probleme (Meeresspiegelanstieg, Wirbelstürme) in ihren subtropischen und warmgemäßigten Verbreitungsgebieten zu überleben.1
Auch deshalb geben die Wissenschaftler keine Entwarnung. Oberste Priorität für den Schutz von Mangroven hat nach wie vor der Stopp der Abholzung.2
Mangroven – Hotspots der Biodiversität
Zu den Mangroven zählen ungefähr 70 Arten salztoleranter Bäume und Sträucher. Mangroven sind Kinderstub“ und Lebensraum für unzählige Tierarten wie Schnecken, Krebsen, Haien, Rochen und anderen Fischen. Schlangen, Vögel, unzählige Insektenarten, Meeresschildkröten, Alligatoren, Salzwasserkrokodile und Seekühe (Manatis) finden hier Nahrung und Schutz.

Die giftigen Gelblippen-Seeschlangen (Laticauda colubrine) ernähren sich von kleinen Fischen und Moränen.
Förderungen 2026

MMM7-Konferenz, Ishigaki, Japan:
Wir ermöglichten zwei der von unterstützten Masterstudenten, Mariana Mota Barroso und Tobias Poprick, die Teilnahme.
Masterarbeit:
Neues Wissen für eine nachhaltige Bewirtschaftung, Wiederherstellung und Ausweitung von Mangrovenwäldern

Von Mariana Mota Barroso, Uni Bremen, Internationaler Studiengang aquatische tropische Ökologie (International Studies in Aquatic Tropical Ecology/ISATEC).
Projekttitel:
Einfluss des Bestandsalters auf die Dynamik organischer Substanz in einem malaysischen Mangrovenwald.
Projektpartner:
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung Bremen (ZMT), Arbeitsgruppe Mangrovenökologie
Universiti Malaya
Projektstandorte:
Universität Bremen
Universiti Malaya, Institute of Ocean and Earth Sciences (IOES), Kuala Lumpur, Malaysia
Matang Mangrove Forest Reserve in Malaysia
Betreuung:
Prof. Dr. Martin Zimmer (Universität Bremen)
Prof. Dr. Kishneth Palaniveloo (Universiti Malaya)
Hintergrund:
Mariana Mota Barroso will eine zentrale Wissenslücke bei der Aufforstung von Mangroven schließen. Denn weitgehend unbekannt ist, wie lange wiederaufgeforstete oder neu angelegte Mangrovenbestände benötigen, um wichtige Ökosystemleistungen, wie die Kohlenstoffspeicherung, wirksam bereitzustellen:3
Mangrovenwälder sind Schlüsselökosysteme für den Schutz der biologischen Vielfalt und die Abschwächung des Klimawandels.4
Über ihre Beiträge zur Klimaregulation hinaus erbringen Mangrovenwälder vielfältige ökologische und sozioökonomische Leistungen. Sie schützen Küsten vor Erosion und Sturmfluten und sichern lokale Gemeinschaften durch Fischerei, Tourismus und Holznutzung ab.
Projektziel:
Durch die Verbindung ökologischer Prozesse mit Ökosystemleistungen und menschlichem Wohlbefinden stärkt das Projekt von Mariana Mota Barroso die Resilienz tropischer Küstenregionen. Es liefert praxisrelevantes Wissen für Entscheidungsträger, Wiederherstellungsinitiativen und lokale Gemeinschaften, um eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
Das Projekt trägt insbesondere zu SDG 13 (Klimaschutz), SDG 14 (Leben unter Wasser) und SDG 15 (Leben an Land) bei, indem es die nachhaltige Nutzung, den Schutz und die Wiederherstellung von Küstenökosystemen fördert.
Indirekt unterstützt es auch SDG 2 (Kein Hunger) und SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), indem es die Fischerei und die Lebensgrundlagen der Küstenbevölkerung stärkt.
Ökosystemleistungen von Mangrovenwäldern
Die Küstenwälder haben eine herausragende Funktion im Küsten- und Klimaschutz und für die Ernährungssicherung der Küstenbevölkerung.
Küstenschutz
Mangrovenwälder können bis zu 30 Kilometer weit ins Landesinnere reichen. Eine perfekte Barriere gegen Sturmfluten und Überschwemmungen. Sie verhindern dadurch auch Zerstörung und Zerfall (Erosion) landeinwärts liegender Küstenabschnitte.
Verheerende Stürme oder Tsunamis richten meist dort die größten Zerstörungen an und fordern viele Todesopfer, wo die Küsten früher von Mangroven geschützt waren. In vielen Regionen jedoch hat man sie gerodet, um unüberlegt und kurzsichtig Hotels zu bauen oder Aquakulturen anzulegen.

Mangroven sind Klimaschützer
Mangroven eliminieren, ähnlich wie Seegraswiesen, große Mengen des Treibhausgases CO₂ aus der Atmosphäre. Den Kohlenstoff speichern sie langfristig und effektiv als „blauen Kohlenstoff“ oder Blue Carbon.
2011 ergaben Berechnungen eines internationalen Forscherteams, dass auf jedem Hektar, der im indopazifischen Raum untersuchten Mangrovenwälder etwa 1.000 Tonnen Kohlenstoff im Wurzelgeflecht und den schlammigen, bis zu 10 m tiefen Bodenschichten gespeichert sind.
Ein tropischer Regenwald schafft dagegen etwa 200 Tonnen auf der gleichen Fläche. Unsere heimischen Wälder kommen da erst recht nicht mit. Ihre CO₂-Speicherkapazität liegt bei etwa 13 Tonnen pro Hektar.
Aufgrund ihrer hohen Produktivität können Mangroven mehr Kohlenstoff und Stickstoff in ihrer Biomasse und den Sedimenten einlagern als viele andere Ökosysteme. Folglich sind sie als potente CO₂-Senken ein entscheidendes System im Kampf gegen den Klimawandel.
Betrachtet man den weltweiten Mangrovenbestand von 15 Millionen Hektar, binden Mangroven weltweit jährlich durchschnittlich ungefähr so viel CO₂ wie alle Kraftfahrzeuge in Deutschland in einem Jahr produzieren.
Prof. Dr. Martin Zimmer
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
Unverzichtbar für die Küstenfischerei
Außerdem versorgen Mangrovenwälder die Küstenmeere mit Nährstoffen und liefern Nahrung (Fische, Krebse) und Ressourcen (Holz) für die Küstenbevölkerung.
Die Zerstörung von Mangrovenwäldern hat katastrophale ökologische und ökonomische Auswirkungen. So gehen Erträge der Küstenfischerei dort drastisch zurück, wo Mangrovenwälder abgeholzt wurden. In der Folge verloren unzählige Arten ihren Lebensraum, Menschen ihre Lebensgrundlage.
Die Zerstörung stoppen!
Mittlerweile bewirken Schutzbemühungen, dass die Verluste zurückgehen. In Indonesien und Bangladesch gibt es erfreuliche Renaturierungsprojekte, wie das gezielte Einsetzen von Setzlingen in aufgegebene Teiche für die Zucht von Shrimps. Ein erfreulicher Trend.
Neben dem unmittelbaren Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen hat der Verlust an Mangrovenflächen auch indirekte Effekte. Benachbarte Ökosysteme wie Seegraswiesen oder Korallenriffe leiden ohne die Küstenschutzfunktion der Mangroven häufig unter höheren Sedimenteinträgen.
Abgeschlossene Förderungen
- Malaysia: Die Bedeutung des mikrobiellen Lebens in Sedimenten für die ökologische Fitness von Mangroven
Masterarbeiten von Louise Seemann und Moshiur Rahman, Universität Bremen und Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). - Galapagosinseln: Genetische Fitness als Maßstab für den Siedlungserfolg auf vulkanischen Inseln
Masterarbeit von Tobias Poprick, Arbeitsgruppe Mangrovenökologie am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) - Kolumbien: Ökosystem-Design vegetationsreicher Küstenökosysteme
Masterarbeit von Soyla Kraus im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), sea4soCiety-Projekt - Fidschi: Nachhaltige Fischerei
Masterarbeit von Karl Schrader im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), Arbeitsgruppe „Mangroven Ökologie“, Prof. Dr. Martin Zimmer & Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie). - Südafrika: Schnecken und Mangroven
Masterarbeit von Niklas Reinhardt im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), Arbeitsgruppe „Mangroven Ökologie“, Prof. Dr. Martin Zimmer & Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie). - Fidschi: Mangroven auf Riffdächern
Masterarbeit von Theresa-Marie Fett und Hannah von Hammerstein im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) & Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie).
- Friess, D. A., Adame, M. F., Adams, J. B., & Lovelock, C. E. (2022). Mangrove forests under climate change in a 2°C world. WIREs Climate Change, 13(4), e792. https://doi.org/10.1002/wcc.792 ↩︎
- Zhen Zhang et al., Unexpected expansion and regrowth in Earth’s mangrove forests over the past four decades.Science392,1082-1087(2026). DOI:10.1126/science.aec9773 ↩︎
- Sasmito, S. D., Taillardat, P., Clendenning, J. N., Cameron, C., Friess, D. A., Murdiyarso, D., & Hurley, L. B. (2019). Effect of land-use and land-cover change on mangrove blue carbon: A systematic review. Global Change Biology, 25(12), 4291–4302. https://doi.org/10.1111/gcb.14774 ↩︎
- Donato, D. C., Kauffman, J. B., Murdiyarso, D., Kurnianto, S., Stidham, M., & Kanninen, M. (2011). Mangroves among the most carbon-rich forests in the tropics. Nature Geoscience, 4(5), 293–297. https://doi.org/10.1038/ngeo1123 ↩︎
Zuletzt aktualisiert:
Autor: Ulrich Karlowski
Titelfoto: Dichter Mangrovenwald am Ufer der Rewa auf Fidschi, © Karl Schrader
