Mangroven und Mangrovenwälder

Mit ihrer atemberaubenden Artenvielfalt gehören Mangrovenwälder neben Korallenriffen und tropischen Regenwäldern zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Mangroven leben im Gezeitenbereich tropischer und subtropischer Küsten. Hier bilden sie die Schnittstelle zwischen Land und Ozean.

Mangroven – Hotspots der Biodiversität

Manati mit Jungtier.

Manatis (Seekühe) lieben Mangroven. Sie nutzen sie während der Nahrungsaufnahme. Suchen sie als Rückzugsort auf, um sich auszuruhen und ihre Jungen aufzuziehen. Doch die Mangrovenwälder an den Küsten Floridas stehen unter immer stärkerem Nutzungsdruck. Damit sind sie kein sicherer Lebensraum mehr für Manatis. Allein 2018 starben fast 800 der friedlichen Pflanzenfresser. Denn in den letzten 100 Jahren wurden Mangrovenwälder mit alarmierender Geschwindigkeit abgeholzt. Tampa Bay am Golf von Mexiko hat fast 50 Prozent seiner Mangrovenwälder verloren. Während die Mangroven bei Charlotte Harbor weiter südlich um fast 60 Prozent zurückgegangen sind. Foto: NOAA auf Unsplash

Mangrovenwälder bestehen aus gut 70 Arten von salztoleranten Bäumen und Sträuchern. Sie sind die „Kinderstube“ von unzähligen Tierarten wie z. B. Schnecken, Krebsen oder Fischen.

Aber auch Schlangen, Vögel, unzählige Insektenarten, Meeresschildkröten, Alligatoren und Salzwasserkrokodile finden hier Nahrung und Schutz. Sie sind Kinderstube von Haien, Rochen und anderen Fischen. Und die seltenen Manatis (Seekühe) lieben Mangroven geradezu!

Mangrovenwälder – unverzichtbar

Darüber hinaus sind diese Küstenwälder für den Küstenschutz als Barriere gegen Sturmfluten von großer Wichtigkeit. Zusätzlich bremsen sie die Erosion entlang der Küste. Sie binden CO2. Versorgen die Ozeane mit Nährstoffen, liefern Nahrung und Ressourcen für die Küstenbevölkerung.

Ihre weltweit anhaltende Zerstörung hat katastrophale ökologische und ökonomische Auswirkungen. So gehen Erträge der Küstenfischerei dort drastisch zurück, wo Mangrovenwälder abgeholzt wurden. In der Folge verloren unzählige Arten ihren Lebensraum, Menschen ihre Lebensgrundlage.

Mangrovenwälder gehören zu den effizientesten CO2-Senken

Aufgrund ihrer hohen Produktivität können Mangroven mehr Kohlenstoff und Stickstoff in ihrer Biomasse und den Sedimenten einlagern als viele andere Ökosysteme. Somit können sie zur Abschwächung des Klimawandels beitragen.

Ein unschätzbarer Verlust

Derzeit können Ansätze, diese einzigartigen Wälder wieder aufzuforsten, die Verluste nicht auffangen. Weltweit stehen Mangroven durch anhaltende Abholzung, Verschmutzung oder Überdüngung von Flüssen und Küstengewässern, Sedimententnahme oder den Bau von Deichen zur Landgewinnung unter einem enormen Nutzungsdruck. Dem können sie nicht mehr lange standhalten.

Derzeit verlieren wir sie noch schneller als tropische Regenwälder. Kein Wunder, liegt die jährliche Verlustrate mittlerweile bei fast 1 %. Experten befürchten denn auch, dass diese Küstenwälder innerhalb der kommenden 100 Jahre gänzlich verschwinden könnten. Von den schätzungsweise 240.000 km2 Mangroven, die es Anfang der 90er-Jahre gab, sind bis 2012 bereits etwa 40 % – das sind ca. 100.000 km2 – verloren gegangen!

Alligator

Alligator – Foto: Karlowski/Kirsch