Meeressäuger

Die letzten ihrer Art

Meeressäuger sind weltweit zunehmend in Gefahr. Einige Arten sind bereits ausgestorben, andere werden wir in den nächsten Jahren verlieren. Mindestens ein Viertel aller Delfinarten, mehrere Walarten, die Mittelmeer-Mönchsrobbe sowie alle Seekühe sind derzeit vom Aussterben bedroht – soweit man das weiß. Besonders schwer haben es küstennah lebende Arten. Denn die Nähe zu Menschen hat für die Tiere oftmals fatale Folgen.

In deutschen Gewässern sind nur drei Meeressäugerarten heimisch: Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale.

Meeressäuger, wer gehört dazu?

Im Laufe der Evolution kehrten überraschend viele Lungenatmer dorthin zurück, wo sie einst herkamen: ins Wasser. Einen für sie auf den ersten Blick ungeeigneten und auch gefährlichen Lebensraum. Meeressäuger findet man heute im Salz-, Brack- und Süßwasser. In den Ozeanen, in großen Flüssen und Seen. Denn manche Arten, wie die Irawadi-Delfine, Amazonas-Sotalias oder der Indische Schweinswal, nehmen es mit der Salinität nicht so genau. Sie kommen in allen drei Wasserarten vor. Aber auch unsere heimischen Schweinswale begeben sich gerne einmal auf längere Reisen in Elbe oder Weser.

Einige Meeressäuger können extrem lang und extrem tief tauchen. Rekordhalter in dieser Hinsicht sind Cuvier-Schnabelwale. Sie können mindestens 2992 m tief tauchen und dabei bis zu 4 Stunden unter Wasser bleiben. Wie ihnen dies als Lungenatmer möglich ist, ist unklar.

Zu den heute lebenden Meeressäugern gehören:

  • Cetaceen (Waltiere) mit über 90 Arten. Abgeleitet vom Lateinischen cetus (großes Meerestier) und dem Griechischen ketos (Meeresmonster). Hier hinein gehören die großen Bartenwale (Mysticeti) mit ca. 14 Arten und die große Gruppe der Zahnwale (Odontoceti) mit zwischen 70 bis 80 Arten. Mit Abstand mächtigster Vertreter ist hier der Pottwal, das größte Raubtier der Welt. Mit über 40 Arten sind die Delfine die artenreichste Familie der Zahnwale. Größter Vertreter ist hier der Orca oder Schwertwal mit fast 10 m Länge. Weiterhin gehören zu den Zahnwalen noch Schweinswale mit noch 6 Arten, Belugas, Narwale und andere. Eine größere Einheit bildet die wahrscheinlich 19 Arten umfassende und weitestgehend unbekannte Familie der Schnabelwale (Ziphiidae). Zu den Cetaceen gehören allerdings noch drei oder vier Arten von Flussdelfinen, die ausschließlich im Süß- und Brackwasser von Amazonas, Ganges und Indus leben. Sie zählen damit nicht zu den Meeressäugern. Auch sie sind samt und sonders vom Aussterben bedroht.
  • Pinnipedia oder Flossenfüßer (Robben) mit 34 Arten.
  • Die mit Elefanten verwandten Seekühe (Sirenia) mit 4 Arten. Dabei ist die Familie der Gabelschwanzseekühe (Dugongidae) nur noch mit einer lebenden Art, dem Dugong, vertreten. Dagegen zählen zur Familie der Rundschwanzseekühe (Manatis) drei Arten.
  • See- oder Meerotter (Enhydra) mit einer Art.

Wale und Delfine immer stärker unter Druck

Orca mit springendem Baby.Von den über 90 lebenden Cetaceenarten sind, laut der Roten Liste (Red List) der Weltnaturschutzorganisation IUCN, mehr als die Hälfte in einem bedenklichen Erhaltungsstatus. Dabei sind 13 Arten als „bedroht“ oder „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Sieben Arten gelten als „gefährdet“ und „fast bedroht“. Bedenklich ist, dass es für 24 Wal- und Delfinarten keine Daten gibt, sie gelten als „data deficient“. Sie können gefährdet oder gar schon ausgestorben sein. Man weiß es einfach nicht.

Daten fehlen auch für viele der zahlreichen Unterarten und lokalen Populationen. Ihr Status lässt sich nicht beurteilen.

Im September 2020 warnten mehr als 250 internationale Meereswissenschaftler, dass verschiedene Wal- und Delfinarten noch zu unseren Lebzeiten aussterben werden. Verhindern ließe sich dies nur durch schnelles und entschlossenes Handeln.

Die auch von der DSM unterzeichnete Stellungnahme ist auf der Website der Whale Unit der Universität von Pretoria einzusehen:
AN OPEN LETTER FROM [OVER 250] CETACEAN SCIENTISTS [3/9/2020]

Neben negativen Faktoren wie Lärmbelästigung, Zerstörung von Lebensräumen, Klimawandel und Schiffskollisionen identifizieren die Experten Beifangverluste durch die industrialisierte Fischerei als Hauptursache für den Rückgang von Walen und Delfinen in den Weltmeeren.

Chancenlos gegen die Gier der Menschen

Seit dem Jahr 2000 gilt die Karibische Mönchsrobbe offiziell als ausgestorben, seit 2007 der Chinesische Flussdelfin oder Baiji. Womöglich werden ihnen bald die bei Neuseeland lebenden Maui-Delfine mit ihren vielleicht noch 50 Restexemplaren folgen. Auch für die etwa 100 Irawadi-Delfine, die noch im Mekong leben, sieht es nicht gut aus.

Zeichnung einer Karibischen Mönchsrobbe.

In der Karibik lebten Mönchsrobben relativ ungestört, bis mit Christoph Kolumbus und seiner Crew 1494 Vertreter des brutalsten, grausamsten Tieres auf Erden Fuß auf die kleine Insel Alta Vela setzten. Dann begann das große Schlachten …
Quelle: NOAA

Vaquita im Golf von Kalifornien.

Einer der letzten Vaquitas im Golf von Kalifornien
Foto: © Paula Olson/NOAA/public domain

Einer der Kleinsten geht

Der Vaquita, auch Kalifornischer Hafenschweinswal genannt, dürfte als Art das Jahr 2020 nicht überstehen. Denn im Mai 2020 gab es nur noch 19 Exemplare.

Vaquitas, die ausschließlich im Nordzipfel des Golfs von Kalifornien leben, gehören mit maximal 1,50 m Länge zu den kleinsten Meeressäugerarten.

Einer der großen Meeressäuger geht

Gleichfalls dem Untergang geweiht sind die Atlantischen Nordkaper oder Nordatlantischen Glattwale (Eubalaena glacialis). Die bis 18 m großen Glattwale wurden so intensiv bejagt, dass auch die seit Jahrzehnten geltenden Fangverbote sie nicht mehr retten können.

Nordatlantischer Glattwal wird von Fischereigerät befreit.

Campobello Walrettungsteam entfernt Befestigungsleinen von Hummerreusen und Angelschnüren in denen sich ein 5-jähriger Nordkaper verheddert hat im Golf von St. Lawrence, Kanada, 11. Juli 2019. Foto: NOAA Fisheries

Nordatlantische Glattwale – Die letzten ihrer Art

Im Oktober 2020 zeigten neue Zahlen von NOAA Fisheries, dass es weniger als 366 Nordatlantische Glattwale gibt. Davon sind nur etwa 94 reproduktionsfähige Weibchen. Da wird es zum Problem, dass sich Männchen und Weibchen überhaupt finden, um sich fortzupflanzen.

Forscher gehen davon aus, dass die stark geschrumpfte Population höchstens einen Verlust von 0,9 Tieren pro Jahr wegen menschlicher Aktivitäten verkraften kann. In den letzten fünf Jahren jedoch, starben durchschnittlich 4,2 Glattwale pro Jahr durch menschliche Ursachen. Hier nicht einbezogen sind Todesfälle aus unbekannten Ursachen, Tiere mit lebensbedrohlichen Verletzungen, und nicht dokumentierte Todesfälle. Das bedeutet, dass die tatsächliche Nordkaper-Todesrate noch höher liegen muss.

Die Gefahren: Atlantische Nordkaper sind vor allem durch Befestigungsleinen von Hummerreusen, in denen sie sich heillos verheddern und dann langsam an den sich immer tiefer ins Fleisch schneidenden Schnüren verenden, gefährdet.

Da die massigen Wale vorzugsweise entlang viel befahrener Schifffahrtsrouten wandern, kollidieren sie zudem immer wieder mit Frachtern und anderen großen Schiffen. Dies endet fast immer tödlich.

Im Ergebnis bedeutet das: hohe Sterblichkeit und null Reproduktion.

Seit Juli 2020 sind Norkaper auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion(IUCN) als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Eine Stufe vor „in der Natur ausgestorben“.

Seekühe in Not

Manati mit Jungtier.

Manatis (Seekühe) lieben Mangroven. Sie nutzen sie während der Nahrungsaufnahme. Suchen sie als Rückzugsort auf, um sich auszuruhen und ihre Jungen aufzuziehen. Doch die Mangrovenwälder an den Küsten Floridas stehen unter immer stärkerem Nutzungsdruck. Damit sind sie kein sicherer Lebensraum mehr für Manatis. Allein 2018 starben fast 800 der friedlichen Pflanzenfresser. Denn in den letzten 100 Jahren wurden Mangrovenwälder mit alarmierender Geschwindigkeit abgeholzt. Tampa Bay am Golf von Mexiko hat fast 50 Prozent seiner Mangrovenwälder verloren. Während die Mangroven bei Charlotte Harbor weiter südlich um fast 60 Prozent zurückgegangen sind. Foto: NOAA auf Unsplash

Auch Manatis und der Dugong stehen vor großen Problemen mit den immer stärker werdenden Eingriffen des Menschen. Ihre Lebensräume, Mangrovenwälder und Seegraswiesen, werden zerstört und vergiftet.

Zu viele schnell fahrende Boote bringen den langsam schwimmenden Pflanzenfressern den Tod. Andernorts sind sie immer noch eine begehrte Jagdbeute.

Meeressäuger-Erfolgsgeschichten

Für einige Arten und Populationen haben weltweit bestehende Schutzprogramme und Jagdverbote allerdings auch Erfolge gebracht. Für die allermeisten Arten der Meeressäuger gibt es allerdings einfach zu wenige Daten, um belastbare Aussagen zu ihrer Bedrohungssituation machen zu können.

Grauwale

Grauwale stehen in der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten nicht mehr ganz vorn. Auch Finn- und Buckelwale zeigen sich gut vom Ausrottungsfeldzug des industriellen Walfangs erholt.

Kegelrobben

Währenddessen feiern die in der südlichen Ostsee bereits fast vollständig ausgerotteten Kegelrobben, die größten Raubtiere Deutschlands, seit einigen Jahren ein – wenn auch nicht ganz einfaches – Comeback.

Seeotter

Die wegen ihres Fells beinahe ausgerotteten Seeotter gelten heute als „nur“ noch stark gefährdet.

Adria-Tümmler

Überraschend stabil halten sich die letzten Großen Tümmler in der kroatischen Adria mit ihrem kleinen Bestand von unter 500 Exemplaren.

Omurawale

Und manchmal bekommt man längst verloren Geglaubtes wieder zurück. Wie den Omurawal. Die mit den Brydewalen verwandte Art galt als ausgestorben. Dann, 2011, entdeckte man 25 Exemplare vor der Küste von Madagaskar.

Unserer Förderungen: Schutz von Meeressäugern

Bei den von uns bislang unterstützten Meeressäuger-Projekten geht es vorrangig darum, lokale, küstennah lebende Populationen besser zu schützen. Dabei stehen ganz unterschiedliche Problemstellungen im Vordergrund: Beifangverluste, Meeresverschmutzung oder ausufernder Delfinbeobachtungstourismus, Überfischung.
Darüber hinaus fördern wir Lobbyarbeit für den Schutz der Meere, wie die Teilnahme an internationalen Tagungen und Konferenzen. Auf unserer Agenda steht aber auch die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen, wie Rettungsgeräten zur Bergung gestrandeter Wale und Delfine.

Wale und Delfine: Verhaltenstipps    Mittelmeer-Mönchsrobben: Verhaltenstipps

Foto oben: Ulrike Kirsch