Meeresschutz im Mittelmeer

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Ganz dem Meeresschutz im Mittelmeer verschrieben hat sich das Project Manaia des österreichischen Meeresbiologen Manuel Marinelli. Die Schwerpunkte seiner Organisation liegen auf dem Schutz und Erhalt von Seegraswiesen, auf Meeressäuberungen und der Erforschung invasiver Arten. Die so gesammelten Daten stellt Manuel öffentlich zur freien Verfügung, um Schutzbemühungen zu beschleunigen: „Wenn wir alle zusammenarbeiten und im selben Team spielen, können wir mit unseren Bemühungen viel mehr erreichen!“, erklärt er. Wir unterstützen Project Manaia seit Januar 2022.

Das Mittelmeer

Das Mittelmeer steht unter einem enorm hohen Nutzungsdruck. Es ist eines der am stärksten überfischten, am meisten befahrenen, verlärmten und vermüllten Meere. Zusätzlich leidet es unter Übertourismus durch viele Millionen Urlauber jedes Jahr und unter zahlreichen Bioinvasoren. Überhitzung der Meerestemperatur und Versauerung des Meerwassers sind hier besonders ausgeprägt.

Aufgrund stark verschmutzter Küstengebiete gilt das Mittelmeer als Hotspot der Plastikvermüllung. Dies ist das Ergebnis eines Berichts von UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) von 2020 zum Zustand des Mittelmeerraums: Jeden Tag landen rund 730 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer!

Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS.
Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS.

Seegraswiesen im Mittelmeer

Weltweit sind Seegraswiesen aufgrund von Umweltverschmutzung und Küstenentwicklungsmaßnahmen auf dem Rückzug. Die Verluste sind teilweise dramatisch. Dadurch gehen wichtige marine Lebensräume verloren, zahlreiche Arten verlieren ihre Habitate. Posidonia oceanica (Neptungras) ist eine endemische Seegrasart, die im Mittelmeer beheimatet ist: Man nennt sie auch die Lunge des Mittelmeers.

In den vergangenen vier Jahren führte Project Manaia eine großflächige Kartierung von Neptungraswiesen im Mittelmeer durch. Dabei zeigte sich ein flächendeckender Rückgang dieser wertvollen Meeresökosysteme im Mittelmeer. Das ist eine ernsthafte Bedrohung für unzählige Arten von Meerestieren, die zum Überleben auf Seegraswiesen angewiesen sind. Außerdem verliert das Mittelmeer dadurch immer stärker die Fähigkeit CO2 zu speichern.

„Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs um die zwanzig Prozent Verlust bei den Wiesen, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“

Manuel Marinelli, Project Manaia

Was macht Project Manaia?

Mit Forschungsfahrten dokumentiert und kartiert Manuel Marinelli das Mittelmeer. Die so gesammelten Daten bilden wichtige Grundlagen für den Meeresschutz im Mittelmeer. Bei den Forschungsfahrten kann jeder mitmachen.

Außerdem bietet Project Manaia im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit diverse Workshops an.

Grüne Meeresschildkröten

Grüne Meeresschildkröte frisst Seegras.
Im Mittemeer sind Grüne Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht.

Projekt „Die Meeresgärtner“

Aufbau eines über den gesamten Mittelmeerraum reichenden Netzwerkes aus Tauchbasen, Tauchcentern und Meeres-Feldstationen um lokale Seegraswiesen zu erhalten und wiederzubepflanzen. Das Projekt ist als Cititzen-Science-Projekt angelegt. Urlauber und Einheimische können bei den Meeresgärtner-Netzwerkstationen intakte, abgerissene Seegrasbüschel und Seegrassamen abgeben. Hier lagert man die abgelieferten Pflänzchen und Samen, um sie später in bestehende Seegraswiesen einzusetzen.

Ein Meeresgärtner beim Ausmessen einer Seegraswiese

Ein Meeresgärtner beim Ausmessen einer Seegraswiese.
Foto: Project Manaia

Beseitigung von Plastikmüll

Gemeinsam mit Partnern vor Ort, wie Tauchbasen, Schulen oder Gemeinden, führt Project Manaia auf den Forschungsfahrten Meeres- und Strandsäuberungen durch.

Mithilfe eines PetBot-Geräts werden die gesammelten PET-Flaschen zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet (Recycling/Upcycling). Aus dem Plastikfilament stellt das Team dann auf einem 3-D-Drucker Gegenstände her und gibt diese gegen Spende an Unterstützer ab. Für eine Wiederverwertung ungeeigneter Plastikmüll muss derzeit über das lokale Abfallmanagement entsorgt werden. Doch die Suche nach alternativen Lösungen läuft.

Zudem bietet Project Manaia Online-Workshops für Schulen, Vereine oder Gemeinden an. Dort wird das Recyclingprinzip mit PetBot und 3D-Drucker erklärt.

Taucher fischt Plastikmüll aus dem Meer
Plastikmüll aus dem Meer holen
Petbot-Maschine zum Recyceln von PET
PetBot-Gerät: PET-Flaschen werden zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet
Selbst hergestellte Gegenstände aus recyceltem Plastik
Selbst hergestellte Plastikschildkröte
Schlüsselanhänger aus recyceltem Plastik

Invasive Arten

Invasive Arten (Neobioten) sind Tiere oder Pflanzen, die in eine neue Umgebung geraten. Derartige Bioinvasoren können sich negativ auf die heimische Flora und Fauna auswirken und diese verdrängen. Das Mittelmeer ist hier besonders anfällig für Eindringlinge aus weiter südlich beheimateten Lebensgemeinschaften. Sie dringen durch den Suezkanal fast ungehindert vor.

In Zusammenarbeit mit Kollegen hat Manuel Marinelli eine Liste von Schwerpunktarten erstellt. Anhand dieser Arten wollen sie die Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna untersuchen. Dies sind insbesondere: Feuerfisch, Kugelfisch, Kaninchenfisch, Glatter Flötenfisch.

Meeresschutz im Mittelmeer: Kampf gegen Bioinvasoren wie Kugelfischen der Gattung Torquineger

Kugelfische der Gattung Torquineger gehören im Mittelmeer zu den invasiven Arten: Sie können zur Gefahr für die heimische Flora und Fauna werden.
Foto: Martijn Klijnstra

Invasive Species in the Mediterranean Sea ↗

Fotos zu invasiven Fischarten im Mittelmeer bei Project Manaia

Invasive Species Report Form ↗

Melden Sie eine Sichtung / Beobachtung von invasiven Arten im Mittelmeer an Project Manaia

Forschungsfahrten 2022

In diesem Jahr geht es einmal rund um das Tyrrhenische Meer: von Licata auf Sizilien die italienische Küste nach Norden, dann über Korsika und Sardinien zurück nach Süden. Die Forschungsfahrt mit dem Segelboot SY Independence (Foto oben) endet wieder in Licata auf Sizilien. Es werden also gut und gerne 1.500 Seemeilen mit geplanten 120 Stopps für Transekte und Seegras-Untersuchungen zurückgelegt.

Informationen zu Terminplan, Kosten und Anforderungen gibt es direkt auf der Webseite von Project Manaia.

Nach Informationen von Project Manaia
Foto oben: Forschungsboot SY Independence im Mittelmeer

Das Mittelmeer braucht Hilfe!

Ein Meeresgärtner beim Ausmessen einer Seegraswiese

Für Artenvielfalt und Klimaschutz!


Weiterführende Informationen Artenvielfalt im Mittelmeer