Meeresschutz im Mittelmeer

6 Minuten

Das Mittelmeer ist beliebt – und in großer Not. Deshalb unterstützen wir seit Anfang 2022 das Project Manaia des österreichischen Meeresbiologen Manuel Marinelli. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind der Schutz und Erhalt von Seegraswiesen, Meeressäuberungen und die Erforschung invasiver Arten.

Für den Meeresschutz im Mittelmeer!

Das Mittelmeer

Das Mittelmeer steht unter einem enorm hohen Nutzungsdruck. Es ist eines der am stärksten überfischten, am meisten befahrenen, verlärmten und vermüllten Meere. Zusätzlich leidet es unter Übertourismus durch viele Millionen Urlauber jedes Jahr und unter zahlreichen Bioinvasoren. Überhitzung der Meerestemperatur und Versauerung des Meerwassers sind hier besonders ausgeprägt.

Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS.
Lärm-Hotspots des Mittelmeers unter Berücksichtigung für Wale und Delfine ausgewiesener oder empfohlener Schutzzonen. Quelle: ACCOBAMS.

Aufgrund stark verschmutzter Küstengebiete gilt das Mittelmeer als Hotspot der Plastikvermüllung. Dies ist das Ergebnis eines Berichts von UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) von 2020 zum Zustand des Mittelmeerraums: Jeden Tag landen rund 730 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer!

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten in vielen Regionen des Mittelmeers noch große Bestände von Grünen Meeresschildkröten, Unechten Karettschildkröten und Lederschildkröten. Heute sind sie wegen des massiven Ausbaus des Küsten-Tourismus und der damit verbundenen Zerstörung von Lebensräumen (Seegraswiesen, Korallenriffe, strukturierte Küstensäume) für Hafenanalgen, touristische Resorts und Hotels fast restlos verschwunden.

Was macht Project Manaia?

Mit Forschungsfahrten dokumentiert und kartiert Manuel Marinelli das Mittelmeer. Die so gesammelten Daten bilden wichtige Grundlagen für den Meeresschutz im Mittelmeer. Bei den Forschungsfahrten kann jeder mitmachen.

Außerdem bietet Project Manaia im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit diverse Workshops an. Alle Daten stellt Manuel öffentlich zur freien Verfügung, um Schutzbemühungen zu beschleunigen: „Wenn wir alle zusammenarbeiten und im selben Team spielen, können wir mit unseren Bemühungen viel mehr erreichen“, erklärt er. 

Mission Mittelmeer

Seegraswiesen im Mittelmeer

Weltweit sind Seegraswiesen aufgrund von Umweltverschmutzung und Küstenentwicklungsmaßnahmen auf dem Rückzug. Die Verluste sind teilweise dramatisch. Dadurch gehen wichtige marine Lebensräume verloren, zahlreiche Arten verlieren ihre Habitate. Posidonia oceanica (Neptungras) ist eine endemische Seegrasart, die im Mittelmeer beheimatet ist: Man nennt sie auch die Lunge des Mittelmeers.

In den vergangenen vier Jahren führte Project Manaia eine großflächige Kartierung von Neptungraswiesen im Mittelmeer durch. Dabei zeigte sich ein flächendeckender Rückgang dieser wertvollen Meeresökosysteme im Mittelmeer. „Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs um die zwanzig Prozent Verlust bei den Wiesen, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“, sagt Manuel Marinelli.

Das ist eine ernsthafte Bedrohung für unzählige Arten von Meerestieren, die zum Überleben auf Seegraswiesen angewiesen sind. Außerdem verliert das Mittelmeer dadurch immer stärker die Fähigkeit, CO2 zu speichern.

Grüne Meeresschildkröten

Grüne Meeresschildkröte frisst Seegras.
Im Mittelmeer sind Grüne Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht

Projektmodul „Die Meeresgärtner“

Aufbau eines über den gesamten Mittelmeerraum reichenden Netzwerkes aus Tauchbasen, Tauchcentern und Meeres-Feldstationen um lokale Seegraswiesen zu erhalten und wiederzubepflanzen.

Das Projekt ist als Cititzen-Science-Projekt angelegt. Urlauber und Einheimische können bei den Meeresgärtner-Netzwerkstationen intakte, abgerissene Seegrasbüschel und Seegrassamen abgeben. Hier lagert man die abgelieferten Pflänzchen und Samen, um sie später in bestehende Seegraswiesen einzusetzen.

Beseitigung von Plastikmüll

Gemeinsam mit Partnern vor Ort, wie Tauchbasen, Schulen oder Gemeinden, führt Project Manaia auf den Forschungsfahrten Meeres- und Strandsäuberungen durch.

Mithilfe eines PetBot-Geräts werden die gesammelten PET-Flaschen zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet (Recycling/Upcycling). Aus dem Plastikfilament stellt das Team dann auf einem 3-D-Drucker Gegenstände her und gibt diese gegen Spende an Unterstützer ab. Für eine Wiederverwertung ungeeigneter Plastikmüll muss derzeit über das lokale Abfallmanagement entsorgt werden. Doch die Suche nach alternativen Lösungen läuft.

Zudem bietet Project Manaia Online-Workshops für Schulen, Vereine oder Gemeinden an. Dort wird das Recyclingprinzip mit PetBot und 3D-Drucker erklärt.

Taucher fischt Plastikmüll aus dem Meer
Plastikmüll aus dem Meer holen
Petbot-Maschine zum Recyceln von PET
PetBot-Gerät: PET-Flaschen werden zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet
Selbst hergestellte Gegenstände aus recyceltem Plastik
Selbst hergestellte Gegenstände aus recyceltem Plastik
Selbst hergestellte Plastikschildkröte
Schlüsselanhänger aus recyceltem Plastik

Invasive Arten

Invasive Arten (Neobioten) sind Tiere oder Pflanzen, die in eine neue Umgebung geraten. Derartige Bioinvasoren können sich negativ auf die heimische Flora und Fauna auswirken und diese verdrängen. Das Mittelmeer ist hier besonders anfällig für Eindringlinge aus weiter südlich beheimateten Lebensgemeinschaften. Sie dringen durch den Suezkanal fast ungehindert vor.

In Zusammenarbeit mit Kollegen hat Manuel Marinelli eine Liste von Schwerpunktarten erstellt. Anhand dieser Arten wollen sie die Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna untersuchen. Dies sind insbesondere: Feuerfisch, Kugelfisch, Kaninchenfisch, Glatter Flötenfisch.

Meeresschutz im Mittelmeer: Kampf gegen Bioinvasoren wie Kugelfischen der Gattung Torquineger

Kugelfische der Gattung Torquineger gehören im Mittelmeer zu den invasiven Arten: Sie können zur Gefahr für die heimische Flora und Fauna werden.
Foto: Martijn Klijnstra

Invasive Species in the Mediterranean Sea ↗

Fotos zu invasiven Fischarten im Mittelmeer bei Project Manaia

Invasive Species Report Form ↗

Melden Sie eine Sichtung/Beobachtung von invasiven Arten im Mittelmeer an Project Manaia

Forschungsfahrten

2022 ging es einmal rund um das Tyrrhenische Meer: von Licata auf Sizilien die italienische Küste nach Norden, dann über Korsika und Sardinien zurück nach Süden. Die Forschungsfahrt mit dem Segelboot SY Independence (Foto oben) endete wieder in Licata auf Sizilien.

Es wurden also gut und gerne 1.500 Seemeilen mit geplanten 120 Stopps für Transekte und Seegras-Untersuchungen zurückgelegt. Informationen zu Terminplan 2023, Kosten und Anforderungen gibt es direkt auf der Webseite von Project Manaia.

Das Mittelmeer braucht Hilfe!

Ein Meeresgärtner beim Ausmessen einer Seegraswiese

Für Artenvielfalt und Klimaschutz!

Nach Informationen von Project Manaia
Titelfoto: Forschungsboot SY Independence im Mittelmeer


Weiterführende Informationen Artenvielfalt im Mittelmeer