Meeresschutz im Mittelmeer

Voraussichtliche Lesedauer: 6 minutes

Ganz dem Meeresschutz im Mittelmeer verschrieben hat sich das Project Manaia des österreichischen Meeresbiologen Manuel Marinelli. Die Schwerpunkte seiner Organisation liegen auf dem Schutz und Erhalt von Seegraswiesen, auf Meeressäuberungen und der Erforschung invasiver Arten. Die so gesammelten Daten stellt Manuel öffentlich zur freien Verfügung, um Schutzbemühungen zu beschleunigen: „Wenn wir alle zusammenarbeiten und im selben Team spielen, können wir mit unseren Bemühungen viel mehr erreichen!“, erklärt er. Wir unterstützen Project Manaia seit Januar 2022.

Aktiver Meeresschutz im Mittelmeer

Mit Forschungsfahrten dokumentiert und kartiert Manuel Marinelli das Mittelmeer. Die so gesammelten Daten bilden wichtige Grundlagen für den Meeresschutz im Mittelmeer. Bei den Forschungsfahrten kann jeder mitmachen. Außerdem bietet Project Manaia im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit diverse Workshops an.


Unterstützen Sie Project Manaia „Meeresschutz im Mittelmeer“


Seegras (Posidonia)

Meeresschutz im Mittelmeer: Katzenhai in einer Seegraswiese

Katzenhai. Seegraswiesen sind wichtiger Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner. Foto: Shannon Moran/Ocean Image Bank

Weltweit sind Seegraswiesen aufgrund von Umweltverschmutzung und Küstenentwicklungsmaßnahmen auf dem Rückzug. Die Verluste sind teilweise dramatisch. Dadurch gehen wichtige marine Lebensräume verloren, zahlreiche Arten verlieren ihre Habitate. Posidonia oceanica (Neptungras) ist eine endemische Seegrasart, die im Mittelmeer beheimatet ist: Man nennt sie auch die Lunge des Mittelmeers.

Forschung und Renaturierung

Project Manaia kartiert Seegraswiesen im Mittelmeer. An Stellen, wo sie zu verschwinden drohen, werden sie neu angepflanzt. Dadurch wird nicht nur ein unschätzbarer Lebensraum wiederhergestellt, sondern auch eine wirkungsvolle Kohlenstoffsenke geschaffen, die der zunehmenden Kohlenstoffsättigung der Atmosphäre entgegenwirkt. In Zusammenarbeit mit lokalen Tauchzentren, Feldforschungsstationen und Tauchclubs machen die Meeresschützer zusätzlich auf die Bedeutung von Seegras für den Meeresschutz im Mittelmeer und den Erhalt seiner Artenvielfalt aufmerksam.

Seegras in der Adria

In den vergangenen drei Jahren waren Manuel und sein Team in der Adria unterwegs. Das Ergebnis ihrer Forschung ist ernüchternd: „Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs um die zwanzig Prozent Verlust bei den Wiesen, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“, erklärt er.

Seegraswiesen wiederherstellen


Meeresschutz im Mittelmeer: Beseitigung von Plastikmüll

Als Binnenmeer und aufgrund stark verschmutzter Küstengebiete gilt das Mittelmeer gilt als Hotspot der Plastikvermüllung. Dies ist das Ergebnis eines Berichts von UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) von 2020 zum Zustand des Mittelmeerraums: Jeden Tag landen rund 730 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer! Gemeinsam mit Partnern vor Ort, wie Tauchbasen, Schulen oder Gemeinden, führt Project Manaia auf den Forschungsfahrten Meeres- und Strandsäuberungen durch.

Offene Mülldepnie auf der Insel Pasman, Kroatien

Wilde Mülldeponien im Mittelmeerraum: Der Wind weht den Müll ins Meer und wird zur Gefahr für Meerestiere.
Foto: U. Karlowski/DSM

Plastikflaschen

Mithilfe eines PetBot-Geräts werden die gesammelten PET-Flaschen zerkleinert und zu Kunststofffäden verarbeitet (Recycling/Upcycling). Aus dem Plastikfilament stellt das Team dann auf einem 3-D-Drucker Gegenstände her und gibt diese gegen Spende an Unterstützer ab.

Meeresschutz im Mittelmeer mit recyceltem Meeresplastik: Selbst hergestellte Plastikschildkröte

Auf einem 3-D-Drucker stellen Manuel und Forschungscrew zum Beispiel Anhänger aus recyceltem Meeresplastik her. Foto: Project Manaia

Zudem bietet Project Manaia Online-Workshops für Schulen, Vereine oder Gemeinden an. Dort wird das Recyclingprinzip mit PetBot und 3D-Drucker erklärt.

Für eine Wiederverwertung ungeeigneter Plastikmüll muss derzeit über das lokale Abfallmanagement entsorgt werden. Doch die Suche nach alternativen Lösungen läuft.

Invasive Arten

Invasive Arten (Neobioten) sind Tiere oder Pflanzen, die in eine neue Umgebung geraten. Derartige Bioinvasoren können sich negativ auf die heimische Flora und Fauna auswirken und diese verdrängen. Das Mittelmeer ist hier besonders anfällig für Eindringlinge aus weiter südlich beheimateten Lebensgemeinschaften. Sie dringen durch den Suezkanal fast ungehindert ins Mittelmeer vor.

Meeresschutz im Mittelmeer: Kampf gegen Bioinvasoren wie Kugelfischen der Gattung Torquineger

Kugelfische der Gattung Torquineger gehören im Mittelmeer zu den invasiven Arten: Sie können zur Gefahr für die heimische Flora und Fauna werden.
Foto: Martijn Klijnstra

In Zusammenarbeit mit Kollegen hat Manuel Marinelli eine Liste von Schwerpunktarten erstellt. Anhand dieser Arten wollen sie die Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna untersuchen. Dies sind insbesondere: Feuerfisch, Kugelfisch, Kaninchenfisch, Glatter Flötenfisch. Fotos zu diesen invasiven Fischarten gibt es hier.  Project Manaia bittet um Sichtungsmeldungen.

Forschungsfahrten 2022

Am 1. Mai sticht Manuel voraussichtlich wieder in See. Diesmal geht es einmal rund um das Tyrrhenische Meer: von Licata auf Sizilien die italienische Küste nach Norden, dann über Korsika und Sardinien zurück nach Süden. Die Forschungsfahrt mit dem Segelboot SY Independence endet wieder in Licata auf Sizilien. Es werden also gut und gerne 1.500 Seemeilen mit geplanten 120 Stopps für Transekte und Seegras-Untersuchungen zurückgelegt.

Informationen zu Terminplan, Kosten und Anforderungen gibt es direkt auf der Webseite von Project Manaia.

Nach Informationen von Project Manaia
Foto oben: Taucher in Seegraswiese, Griechenland. Dimitris Poursanidis/Ocean Image Bank


Weiterführende Informationen