Nachhaltiger Fischfang

Überfischte Meere, leere Ozeane – Überfischung ist vor allem eine Folge der Industriefischerei und ihrer technischen Aufrüstung: Supertrawler, Fischfinder, satellitengestützte Informationen, Helikopter oder Fischsammler (FADs). Etwa 4,6 Millionen Fischfangboote sind weltweit im Einsatz. Doch nur von einem Prozent geht der hauptsächliche Überfischungsdruck aus. Denn etwa 35.000 Industrieschiffe fangen rund 80 Prozent des weltweit jährlich gehandelten Fischs. Dennoch stagniert die globale Fangmenge bei ca. 80 Millionen Tonnen Fisch.


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Gier ohne Ende?

Kein nachhaltiger Fischfang für Schwarze Degenfische.

Tiefseefische wie der Schwarze Degenfisch vermehren sich nur sehr langsam. Daher sind sie extrem anfällig für Überfischung. Die Bestände sind meist klein. Foto: AngMoKio/CC BY-SA 2.5

Wenn die Bestände in einem Gebiet erschöpft sind, weicht man auf andere, noch nicht überfischte Bestände aus. Sogar Tiefseelebensräume sind mittlerweile nicht mehr sicher. Grundschleppnetze oder Tiefseelangleinenfischerei vernichten Tiefseefischbestände. Zerstören einmalige Lebensräume und Lebensgemeinschaften.

Viele Fischbestände sind bereits so stark dezimiert, dass eine fischereiliche Nutzung aus biologischer Sicht nicht mehr zu verantworten ist. Laut FAO (Welternährungsorganisation) sind 33,1 % (in Europa 41 %) der Bestände kommerzieller Fischarten überfischt. Weitere 59,8 % werden maximal befischt. Lediglich 7,1 % der weltweiten Bestände werden moderat oder nur wenig befischt.

IUU-Fischerei

In ganz erheblichem Umfang trägt die Piratenfischerei (IUU-Fischerei – illegal, undokumentiert und unreguliert) zur weltweiten Überfischung bei. IUU-Fischer plündern jährlich zwischen acht und 14 Millionen Tonnen Fisch.

Sportfischerei – Big-Game-Fischerei

Kein nachhaltiger Fischfang: Kurzflossen-Makohai.

Makohaie sind bei Sportfischern wegen ihrer Ausdauer und Wehrhaftigkeit sehr „beliebt“

Der weitgehend unregulierte und undokumentierte Bereich der Freizeit- und sogenannten Sportfischerei, insbesondere das Big-Game-Fischen, verursacht erhebliche Bestandsverluste bei Arten wie Marlin, Blauhai, Weißer Hai, Makohai oder Segelfisch.

Die Folgen sind nicht nur für den Menschen gravierend, sondern für alles Leben in den Meeren.

Weltweite Überfischung ist eine der größten Bedrohungen für das Leben in den Meeren.

Alternative: nachhaltiger Fischfang

Nachhaltiger Fischfang ist der einzige Ausweg aus der globalen Fischereikrise. Denn dabei bleibt die Reproduktionsfähigkeit der Zielfischarten erhalten. Die Bestände können wachsen. Fangquoten orientieren sich grundsätzlich an wissenschaftlichen Empfehlungen. Hierbei muss die zulässige Gesamtfangmenge einer Fischart in einem definierten Fanggebiet kleiner als der maximal nachhaltige Ertrag (MSY/maximum sustainable yield) sein.

Nachhaltiger Fischfang mit Pole and Line.

Quelle: Australian Fisheries Management Authority (AFMA)

Zudem gibt es keine Schädigungen des Ökosystems, wie z. B. bei der Grundschleppnetzfischerei. Hinzu kommt, das es kaum bis keine Beifänge gibt. Dabei werden zu kleine Exemplare der Zielfischarten nicht mitgefangen oder können unverletzt wieder freigelassen werden.

Außerdem arbeiten nachhaltige Fischereien verantwortungsbewusst, sozial und ökonomisch gerecht.

Nachhaltiger Fischfang mit Angeln

Die Fischerei mit Angeln (hook & line), also kurzen, mit beköderten Haken versehenen Leinen gehört zu den selektivsten und schonendsten Fischfangmethoden überhaupt. Ihre Beifangrate liegt bei durchschnittlich nur 0,7 % der Gesamtfangmenge und es treten keine Schäden am Meeresboden auf.

Nachhaltiger Fischfang: Jiggermaschine beim Fang von Tintenfisch.

Jiggermaschinen sind hochselektiv (hier beim Fang von Tintenfisch). Folglich gibt es normalerweise keinen Beifang oder Wechselwirkungen mit geschützten Arten. Da das Fanggerät nicht mit dem Boden in Kontakt kommt, wird der Meeresboden nicht beschädigt. Das Fanggerät geht nicht verloren. Quelle: Australian Fisheries Management Authority (AFMA)

Hierunter fallen zahlreiche Variationen wie Handleinen (hand lines), Hand- und elektrische Rollen (hand & powered reels), Jiggermaschinen (jigging reels), Rute und Leine (pole & line) oder Schleppangeln (troll lines).

Modifizierte Schleppnetze und Fischfallen

Auch beim schonenden Einsatz gängiger Fangmethoden, wie modifizierten Schleppnetzen (spezielle Netze mit geringerer Garnstärke und großen Maschenweiten) oder speziell konstruierten Fischfallen (Körbe und Reusen/pots & traps) kombiniert mit striktem Monitoring, lassen sich Kriterien der nachhaltigen Fischerei (Vermeidung von Fehlfängen, wie z. B. Haien) umsetzen.

Nachhaltiger Fischfang mit Fischfallen.

Fischfallen sind so konstruiert, dass Jungfische und Nichtzielfische entkommen können. Die Fallen können sich am Boden verfangen oder losreißen, obwohl dies nicht häufig vorkommt. Aus diesem Grund müssen sie mit Vorrichtungen ausgestattet sein, durch die sich die Fallen automatisch nach einer gewissen Zeit öffnen. Quelle: Australian Fisheries Management Authority (AFMA)

Dabei muss sichergestellt sein, dass das Fischereigerät nicht verloren geht und dann zur Geisterfischerei beiträgt.

Sehr wichtig ist hierbei, dass das Verheddern von Meeressäugern (Wale, Delfine, Robben) in Befestigungsleinen von Körben und Reusen durch entsprechende Modifikationen am Fischereigerät ausgeschlossen ist.

Hand- und Wurfnetze

Mit dem Einsatz von Hand- und Wurfnetzen von Land oder kleinen Booten aus lässt sich nachhaltige Fischerei umsetzen.

Nachhaltiger Fischfang per Hand

Ebenso kann das z. B. auf Fidschi praktizierte Aufsammeln von Mangrovenkrabben Kriterien des nachhaltigen Fischfangs erfüllen. Hierbei gibt es überhaupt keinen Beifang und keine Schädigungen des Bodensubstrats.

Wenn sich Raubfischereien als nachhaltig tarnen

Bedauerlicherweise finden sich unter angeblich als nachhaltig zertifizierten Fischereien recht viele schwarze Schafe. So zertifizierte das Nachhaltigkeitsprogramm Marine Stewardship Council sogar Thunfisch aus Mexiko als nachhaltig, bei dessen Fang Delfine gezielt gejagt, verletzt und getötet werden.

Kein nachhaltiger Fischfang: FAD mit Netzmaterial.

FAD-Fischerei verursacht hohe Beifangraten – Foto: ISSF/David Itano

Auch Fischereien, die Fischsammler (FADs) einsetzen, Fischereien mit hohen Beifangraten von Meeresschildkröten, Seevögeln und Haien gelten unter dem MSC-Fischlabel als nachhaltig.

Meerestiere schützen – Aussterben verhindern

Entscheidend ist, dass auch nachhaltiger Fischfang auf der Basis wissenschaftlich abgesicherter Daten zu den fischereilich genutzten Arten operiert und dass deren Einhaltung strikt überwacht wird.

Wir setzen uns in vielfältiger Weise für nachhaltige Fischerei ein.

Mit Projekten zum Schutz von Haien, Meeresschildkröten, Meeressäugern oder zu nachhaltigem Fischfang in Mangrovenwäldern. Flankiert wird dies von Kampagnen zur Verbraucheraufklärung.

Foto oben: Nachhaltiger Fischfang mit Bambusangeln auf den Azoren auf Thunfische – U.Karlowski


Abgeschlossen

  • Nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern, Fidschi
    Masterarbeit von Karl Schrader im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), Arbeitsgruppe „Mangroven Ökologie“, Prof. Dr. Martin Zimmer & Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie).

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