People and the sea (PepSea) arbeitet auf mehreren Inseln in der Visayas-See, einem kleinen Teilmeer des Pazifiks. Das Projektbüro ist auf der Insel Malapascua. Dort findet der überwiegende Teil der Arbeit statt. Übergeordnetes Ziel ist es, dass die Menschen Verantwortung für ihre Ressourcen übernehmen und diese nachhaltig nutzen. Als Gemeinschaft lernen sie, mit der Anwendung nachhaltiger Fangmethoden die marine Artenvielfalt ihrer Heimat langfristig zu bewahren und besser mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen.
Projektinhalte
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Erfassung von und eines digitalen Fangüberwachungssystems zur Etablierung nachhaltiger Fangmethoden.
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Regelmäßige Treffen der Gemeinden zur Überprüfung der Daten und Entwicklung von Managementmaßnahmen, die der Lebenswirklichkeit der Fischer entsprechen.
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Verbesserung der gemeindebasierten Fischereibewirtschaftung durch gemeinsame Regeln für die nachhaltige Befischung gemeinsamer Fischgründe.
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Schutz von Knorpelfischen (Fuchshaie, Tigerhaie, Blaupunktrochen)
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Ökosystem-Management, Korallenriffe: Bekämpfung des Dornenkronen-Seesterns durch die lokale Bevölkerung
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Ökosystem-Management, Seegraswiesen: von Fischerfrauen selbst verwaltete Schutzzonen
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Schutzgebiete: Betreuung eines Projekts lokaler Fischer für eine Locally Managed Marine Area (LMMA) vor der Insel Malapascua
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Zusammenarbeit mit der lokalen Verwaltung und nationalen Behörden, um sicherzustellen, dass die eingesetzten nachhaltigen Fangmethoden unterstützt werden und mit den bestehenden Richtlinien in Einklang sind
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Informations- und Öffentlichkeitsarbeit (Workshops, Vorträge, Fortbildungen für Fischerfamilien, Einsatz von Volontären)
Warum ist die Entwicklung nachhaltiger Fangmethoden wichtig?
Die Insel Malapascua liegt nördlich von Cebu in der Visayas-See. Sie ist 2 Kilometer lang, etwa 800 m breit und vergleichsweise dicht besiedelt. Das liegt am Tourismus.

Tauchresorts bieten den Einwohnern alternative Einkommensquellen und einen besseren Lebensstandard. Zuvor lebte die Inselbevölkerung hauptsächlich vom Fischfang. Dabei kam illegal auch immer wieder Dynamit zum Einsatz.
Malapascua hat sich mit dem Tauchtourismus rasant entwickelt, was unweigerlich zu Konflikten führte. Fischer und Tourismusanbieter sehen sich als Kontrahenten. Lokale Fischer wurden marginalisiert, ihre Fischgründe ohne Alternativangebote verkleinert.
Zu Beginn des Projekts fehlte den Fischern zudem das Wissen über nachhaltige Fangmethoden oder darüber, welche Fangmethoden illegal sind.
Haie und Rochen vor Malapascua
Malapascua ist international bei Tauchern wegen seiner „Hai-Lights“ bekannt. Es ist einer der wenigen Orte, an denen man Pazifische Fuchshaie (Alopias pelagicus), die kleinste der drei Fuchshaiarten, beobachten kann (am Kimud Shoal). Die Chance, Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) am Monad Shoal beobachten zu können, trägt zur touristischen Anziehungskraft der Insel bei.
Auch Mantarochen (Manta birostris) und andere Rochenarten finden sich ein. Mitunter auch Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran), Grauhaie (Hexanchus griseus), Silberspitzenhaie (Carcharhinus albimarginatus) und Weißspitzenriffhaie (Triaenodon obesus).
Die Insel ist umgeben von Seegraswiesen, Mangroven und Korallenriffen.
Programm für nachhaltige Fangmethoden
Das Programm für die Entwicklung nachhaltiger Fangmethoden entstand aus einer einfachen Erkenntnis heraus: Wenn man Fischbestände gesund erhalten will, muss man lokalen Kleinfischern die Werkzeuge und das Wissen an die Hand geben, um zu verstehen, was in ihren Meeren wirklich vor sich geht.
Viel zu lange wurden Entscheidungen über die Fischerei getroffen, ohne die Stimme von Fischern zu hören oder echte Daten aus der Praxis zu berücksichtigen. Deshalb begann PepSea, mit lokalen Fischergruppen zusammenzuarbeiten, um ihnen dabei zu helfen, ihre eigenen Fangdaten zu sammeln und zu nutzen. So können sie Trends erkennen, Veränderungen diskutieren und überlegen, wie sie darauf reagieren können.

Auf Malapascua und Higatangan konnte PepSea bis Ende 2024 die tägliche Erfassung der Fangdaten fortsetzen und verbessern. Beteiligt waren daran 188 Fischer aus fünf Dörfern. Sie erhielten Unterstützung von geschulten lokalen Datenerfassern.
Im Zuge des Programms etablierte PepSea auch Kontakte zu lokalen Fischereigemeinschaften wie der Malapascua Fishermen Association (MAFA).
Zusätzlich begann PepSea 2022 dörfliche Kleinfischer bei der Gründung einer neuen Fischereivereinigung (LogFA) zu unterstützen. Innerhalb weniger Monate schlossen sich ihr 114 Fischer an.
Ökosystem-Management Korallenriffe: Bekämpfung von Dornenkronen-Seestern
Weltweit leiden Korallenriffe nicht nur unter Überfischung, Überdüngung, direkten Zerstörungen bei Küstenbaumaßnahmen oder den Folgen des Klimawandels (Korallenbleiche).

Immer bedeutender wird ein normaler Riffbewohner: der Dornenkronenseestern, auf Englisch Crown-of-Thorns starfish (COTS oder COT) genannt.
Die großen Seesterne ernähren sich von Hartkorallen. Unter bestimmten Umweltbedingungen vermehren sich diese wunderschönen Stachelhäuter massenhaft. In einigen Riffsystemen ist die COTS-Population auf das 500-Fache ihres natürlichen Niveaus angestiegen.
Die Folgen sind verheerend. Sie führen letztlich zum Verlust der betroffenen Riffsysteme. PepSea schützt und pflegt die Riffe vor Malapascua durch die aktive Reduzierung der Bestandsdichte von Dornenkronen.
Vor Malapascua stellten PepSea in mehreren Riff-Flächen zu hohe COT-Bestandsdichten fest. Zwei dieser Flächen liegen im Coral-Gardens-Meeresschutzgebiet auf der Ostseite der Insel, andere im südlich vorgelagerten Dakit-Dakit-Schutzgebiet.
Fortschritte

Freitaucher können die Seesterne mit speziellen Zangen manuell entfernen. Das hat den Vorteil, dass man keine ausgebildeten Taucher benötigt und viele Menschen daran teilnehmen können. In größeren Tiefen ist man allerdings auf Taucher angewiesen. Sie töten COTS per Essig-Injektion.
PepSea trainiert lokale Fischer als COTS-Absammler und stellt auch die hierfür notwendigen Werkzeuge. Das Absammeln ist nicht ganz ungefährlich. Die großen Seesterne sind mit unzähligen spitzen Giftstacheln bewehrt.
Im Laufe des Jahres 2024 fanden vor Malapascua 9 Absammelaktionen statt mit 726 entfernten COTS.
Vor der Insel Higatangan konnte PepSea 8 Säuberungsaktionen durchführen. Dabei wurden 917 Dornenkronenseesterne aus Korallenriffen entfernt.


Ich habe so viel gelernt und hatte das Gefühl, dass ich wirklich etwas beitragen kann, als wir anfingen, die COTS-Entnahmen durchzuführen. Mir wurde klar, wie wichtig unsere Riffe sind und wie sehr sie zu unserem Lebensunterhalt beitragen. Jetzt weiß ich, dass Korallenriffe sehr empfindlich sind und ein geringes Ungleichgewicht sie beeinträchtigen kann.
Ökosystem-Management Seegraswiesen: Etablierung selbst verwalteter Schutzzonen
Im Laufe des Jahres 2024 führte PepSea die erste Analyse von Seegras-Lebensräumen rund um Malapascua durch. Dabei wurden acht Seegrasarten identifiziert. Mit den Daten will PepSea Vorschläge für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wiesen erarbeiten.
PepSea will die Bevölkerung für den Schutz von Seegraslebensräumen sensibilisieren. Die Menschen sollen deren Bedeutung für die Ernährungssicherheit und die Gesundheit der Küstengebiete erkennen. Mithilfe eines neuen Systems zur Datenerfassung arbeitet PepSea mit 145 Sammelnden (darunter 90 Frauen) aus sieben Gemeinden zusammen. Sie erfassen, was sie aus den Seegraswiesen sammeln.
Das Programm fördert Fischerinnen, um ihre Beteiligung am lokalen Fischereiverband zu erhöhen und das Geschlechterverhältnis bei der Entscheidungsfindung über die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen zu verbessern.

Schutzgebiete: Einrichtung einer Locally Managed Marine Area (LMMA)
2023 kartierte PepSea Lebensräume rund um Malapascua. Die daraus entstandene Karte wurde gemeinsam mit lokalen Fischern validiert. Ursprünglich sollte so ein geeigneter Standort für die Anlegung eines künstlichen Riffs gefunden werden.

Diesen Plan gab man jedoch auf. Stattdessen plant man gemeinsam mit den Fischern, ein etwa fünf Hektar großes LMMA-Meeresschutzgebiet nördlich von Malapascua einzurichten.
Diese positive Entwicklung unterstreicht das gestiegene Verständnis bei lokalen Fischern für die Bedeutung von Meeresschutzgebieten und ihren ökologischen und sozioökonomischen Nutzen.
Was ist eine Locally Managed Marine Area (LMMA)?
Eine Locally Managed Marine Area (LMMA) ist ein Küsten- oder Meeresgebiet, das hauptsächlich von den lokalen Gemeinschaften, Landbesitzern, Partnerorganisationen und/oder kooperierenden Regierungsvertretern verwaltet wird. Diese Gebiete fördern nachhaltige Ressourcennutzung und den Schutz der marinen Umwelt durch lokale Beteiligung und traditionelle Praktiken.
Öffentlichkeitsarbeit
Mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps sorgt PepSea für ein besseres Meeresschutz-Verständnis bei der jungen Generation.

UN-Nachhaltigkeitsziele
Informationen und Fotos (soweit nicht anders angegeben): People and the sea







