Rochen – Projekte für Rochenschutz

Rochen sind wie Haie Knorpelfische. Mit 633 anerkannten Arten in 26 Familien bilden sie deren artenreichste Gruppe. Es existieren allerdings noch mindestens 50 weitere, bislang nicht beschriebene und unbekannte Rochenarten. Früher nannte man sie „flache Haie“, denn die Körper vieler Rochen ähneln der von Plattfischen. Sie leben weltweit in allen Meeren und vielen Küsten vor allem in gemäßigten und tropischen Regionen.

Mobularochen

Mobularochen – © OceanImageBank/Nick Polanszky

Es gibt Arten, die nur einen kleinen Lebensraum beanspruchen. Andere leben in den Weiten der Tiefsee oder im Brack- und Süßwasser.

Die kleinsten Rochen sind nur etwa 25 cm im Durchmesser groß. Zur marinen Megafauna gehörende Arten wie Teufelsrochen oder Riesenmantas sind dagegen bis zu sieben Meter groß und bis zu drei Tonnen schwer.

Manta- oder Teufelsrochen (Mobulidae) durchstreifen als filtrierende Planktonfresser die Weiten der Ozeane. Die meisten Rochenarten jedoch ernähren sich von wirbellosen Tieren wie Muscheln, Krebsen und Stachelhäutern, aber auch von Fischen.

Rochen in Not

Eine alarmierende Studie, die Anfang 2021 in der Fachzeitschrift Nature erschien, zeigt, dass der Bestand nahezu aller Rochen (und der von Hochseehaien) in den letzten 50 Jahren im Schnitt um 70 Prozent zurückgegangen ist! Dabei sind sie als unerlässlich für stabile, vielfältige und produktive Meeresökosysteme. Es mangelt an wirkungsvollem Rochenschutz.

Besonders dramatisch ist die Situation bei den urtümlichen, haiähnlichen Sägerochen und Geigenrochen.

Die meisten der fünf Sägerochenarten, die einst an Küsten, in Flussmündungen und Seen von 90 Ländern lebten, sind heute in mehr als der Hälfte davon bereits ausgestorben. Und 15 von 16 Geigenrochenarten der Familien Rhinidae und Glaucostegidae gehören heute zu den weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Meerestieren.


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Rochen – Cousins der Haie

Haie und Rochen entwickelten sich vor etwa 250 Millionen Jahren parallel aus haiähnlichen Vorfahren.

Bauchseite eines Rundkopf-Geigenrochens (Rhina ancylostoma)

Körperunterseite eines Rundkopf-Geigenrochens (Rhina ancylostoma) – © Moazzam Khan/IUCN

Außer in der deutlich unterschiedlichen Körperform sind sie sich in vielem ähnlich. Die fünf Kiemenspaltenpaare, Maul und Nasenlöcher befinden sich bei Rochen allerdings auf der Körperunterseite.

Auf der Körperoberseite haben sie hinter den Augen Spiraculum (Spritzloch) genannte Atemöffnungen. Damit saugen sie Wasser zum Atmen ein und leiten es zu den Kiemen.

Dies ist eine Anpassung an die bodennahe Lebensweise vieler Rochenarten, die sich gerne im sandigen Meeresboden eingraben.

Stachelrochen gräbt sich im Sand ein

Stachelrochen – © OceanImageBank/Toby Matthews

Wie Haie besitzen Rochen ein sogenanntes Revolvergebiss mit mehreren hintereinanderliegenden Zahnreihen. Fällt einer der vorderen Zähne aus, rückt der nächste nach.

Auch in der Art der Fortbewegung unterscheiden sich die meisten Rochenarten von Haien. Sie schlagen mit ihren flügelartigen Brustflossen und schweben oder „fliegen“ gleichsam durchs Wasser.

Es gibt jedoch auch Rochen, die wie Haie schwimmen können. Sie verschaffen sich zusätzlichen Antrieb durch Seitwärtsbewegungen des Körpers und Schläge der Schwanzflosse.

Sonderbare Rochen

In ihrem Grundbauplan sind sich alle Rochen zwar ähnlich, es gibt allerdings Sonderformen. Sägerochen etwa besitzen eine je nach Art bis zu 1,7 m lange heckenscherenartige Kopfverlängerung.

Östlicher Geigenrochen (Trygonorrhina fasciata)

Östlicher Geigenrochen (Trygonorrhina fasciata) – © OceanImageBank/JordanRobins

Viele Arten der Geigen- oder Gitarrenrochen sehen aus wie eine Übergangsform zwischen Hai und Rochen, sind aber dennoch Rochen.

Adlerrochen haben eine schnabelartige Schnauze, Zitterrochen sind elektrisch geladen. Sie betäuben ihre Beute mit Stromstößen von bis zu 220 Volt. Andere Arten, wie der Amerikanische Stechrochen, besitzen einen Giftstachel am Schwanz.

Sowohl Zitter- als auch Stech- und Stachelrochen können Menschen gefährlich werden.

Langsame Vermehrung

Wie ihre Cousins, die Haie, vermehren sich auch die „flachen Haie“ nur sehr langsam. Rochen erreichen erst nach vielen Jahren ihre Geschlechtsreife. Die Tragzeit kann über ein Jahr lang sein und dann gibt es nur wenig Nachwuchs. Zwar ist dieser bei den meisten Arten bereits voll entwickelt (ovovivipar – lebend gebärend). Doch es sind nur wenige. Ein Weibchen der bis zu 3 m großen Weißfleck-Geigenrochen hat durchschnittlich nur 14 Jungtiere.

Gefahren

Wie Haie leiden Rochen unter hohem Fischereidruck. Ihre Bestände brechen schnell zusammen.

Rochen und Meeresmüll in Fischernetz - Rochenschutz? Fehlanzeige!

© OceanImageBank/Srikanth Mannepuri

Hinzu kommt die gezielte Flossenfischerei auf große Arten wie Säge- und Geigenrochen. Denn deren helle Flossen gelten als die hochwertigsten Flossen für den menschlichen Verzehr. Sie gehören zu den wertvollsten im internationalen Haiflossenhandel.

Fast ausgestorben: Rochen in Nord- und Ostsee

Ende 2018 wies das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in deutlichen Worten auf die kritische Bestandssituation fast aller unserer heimischen Hai- und Rochenarten hin.

Ausgestorben bzw. verschollen sind bereits Gewöhnlicher Stechrochen und Glattrochen. Vom Aussterben bedroht ist der Nagelrochen. Andere Arten wie der Sternrochen sind gefährdet, Fleckrochen und Kuckucksrochen extrem selten.

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Foto oben:
Mantarochen – © OceanImageBank/Amanda Cotton