Rochen sind von großer ökologischer, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Sie leben in allen Meeren – auch im Arktischen Ozean und in der Antarktis. Vorwiegend findet man Rochen allerdings in gemäßigten und tropischen Regionen.
Rochen sind die „vergessenen Haie“. Einige Arten sind wahrscheinlich bereits unbemerkt ausgestorben.
Mit mehr als 630 anerkannten Arten in 26 Familien sind sie die artenreichste Gruppe der Knorpelfische. Jedoch existieren noch mindestens 50 bislang nicht vollständig beschriebene und damit wissenschaftlich nicht anerkannte Arten. Das Wissen über Rochen ist vergleichsweise gering. So gibt es für die meisten Arten keine ausreichenden Bestandsdaten.
Unser Einsatz für Rochen

Kroatien: Meeresschutzgebiet Kvarner Bucht
mit MareMundi

Fidschi: seltene und unbekannte Arten – dark diversity
mit Dr. Kerstin Glaus

Fidschi: Geigenrochen – dark diversity
mit Dr. Kerstin Glaus

Globales Netzwerk: Stoppt das Aussterben von Haien und Rochen
Gemeinsam mit zahlreichen NGOs, mit Regierungen und Artenschutz-Übereinkommen fordern wir Maßnahmen gegen das drohende Aussterben von Haien und Rochen. Die in ihrer Art einmalige Koalition stellte sich am 11. Juni 2025 auf der UN-Ozeankonferenz UNOC-3 in Nizza erstmals der Öffentlichkeit vor.
Rochen in Not
Rochen sind hauptsächlich durch Überfischung, Beifang, Verlust des Lebensraumes und die Auswirkungen der Klimakrise bedroht. Es gilt heute als erwiesen, dass fünf Familien innerhalb der Rochen zu den am stärksten gefährdeten Meeresbewohnern zählen.
In den vergangenen Jahrzehnten sind die Populationen im offenen Meer wie auch in Korallenriffen stark zurückgegangen. Einige der teuersten Produkte (Flossen und Kiemenreusen) auf Fischmärkten stammen von Rochen. Etwa 19,9 % der bekannten Rochenarten stehen auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Allerdings gibt es für 47,5 % der bekannten Rochenarten nicht genügend Daten, um ihren Erhaltungszustand beurteilen zu können.
Besonders dramatisch ist die Situation bei den urtümlichen, haiähnlichen Sägerochen und Geigenrochen. Die meisten der fünf Sägerochenarten, die einst an Küsten, in Flussmündungen und Seen von 90 Ländern lebten, sind heute in mehr als der Hälfte davon ausgestorben. Und 15 von 16 Geigenrochenarten der Familien Rhinidae und Glaucostegidae gehören zu den weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Knorpelfischen.
Fast ausgestorben: Rochen in Nord- und Ostsee
Bereits gegen Ende des Jahres 2018 wies das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in deutlichen Worten auf die kritische Bestandssituation fast aller unserer heimischen Hai- und Rochenarten hin. Ausgestorben oder verschollen sind nämlich bereits der Gewöhnliche Stechrochen und der Glattrochen. Vom Aussterben bedroht ist der Nagelrochen. Andere Arten wie der Sternrochen sind gefährdet, Fleckrochen und Kuckucksrochen außergewöhnlich selten.
Früher nannte man Rochen auch „flache Haie“. Denn die Körper vieler Arten ähneln denen von Plattfischen.
Clown- oder Raunasen-Geigenrochen
Diese Rochenart (Rhynchobatus cooki) ist nur durch eine Handvoll in Südostasien auf Fischmärkten gesammelter Exemplare bekannt. Laut IUCN gab es in den vergangenen 23 Jahren nur einen einzigen Nachweis. Das war 2019. Wissenschaftler kennen nicht einmal die Lebensraumansprüche des Tieres. Lebend gesehen, wurden Clown-Geigenrochen, die etwa so lang wie ein Baseballschläger sind, jedoch noch nie.

Detective McDavitt and the Curious Case of the Clown Wedgefish ↗
Wissenschaftler schrieben bereits den Nachruf auf diese Rochenart, als ein Anwalt, der zum Internet-Detektiv wurde, an einem unwahrscheinlichen Ort Beweise für ihre Existenz fand (Text auf hakaimagazine.com).
Was sind Rochen?
Haie und Rochen entwickelten sich vor etwa 250 Millionen Jahren parallel aus haiähnlichen Vorfahren. Außer in der deutlich unterschiedlichen Körperform sind sie sich in vielem jedoch ähnlich. Allerdings haben Rochen ihre Kiemenspaltenpaare, Maul und Nasenlöcher auf der Körperunterseite.
Es gibt Rochenarten, die nur einen kleinen Lebensraum, z. B. Gebiete mit Seegraswiesen, beanspruchen. Andere leben dagegen in den Weiten der Tiefsee oder im Brack- und Süßwasser.
Skate oder Ray?
Es existieren unterschiedliche Vorstellungen zur Rochen-Systematik. Am bekanntesten ist die Aufteilung in Echte Rochen (Ordnung Rajiformes / engl. Skates) und Rochen (engl. Rays). Zu letzteren zählen Geigenrochen, Sägerochen und Zitterrochen. Während Skates ausschließlich Eier (Oviparie) legen, sind Rays lebengebärend in unterschiedlichen Varianten (vivipar). In europäischen Gewässern findet man vor allem Echte Rochen (Skates). Sie kommen auch in sehr tiefen und kalten Gewässern vor und sind in den Tropen wiederum eher selten.
Spiraculum
Auf der Körperoberseite befinden sich hinter den Augen Spiraculum (Spritzloch) genannte Atemöffnungen. Damit saugen am Meeresboden lebende Rochen Meerwasser ein und leiten es zu den Kiemen. Dies ist eine Anpassung an die bodennahe Lebensweise vieler Arten, die sich auch gerne im sandigen Meeresboden eingraben.
Kleine und große Rochen
Die kleinsten Rochenarten sind nur ca. 25 cm im Durchmesser groß. Zur marinen Megafauna gehörende Arten wie Teufelsrochen oder Riesenmantas erreichen dagegen acht Meter Länge bei Spannweiten von sieben Metern. Sie sind bis zu drei Tonnen schwer. Dennoch können sie gewaltige, bis zu zwei Meter hohe Sprünge vollführen und sich dabei in der Luft drehen. Anschließend lassen sich die schweren Knorpelfische laut klatschend auf die Wasseroberfläche fallen. Damit befreien sie sich vermutlich von lästigen Hautparasiten.
Revolvergebiss
Als Knorpelfische besitzen Rochen, wie die meisten Haie, ein sogenanntes Revolvergebiss. Es besteht aus mehreren hintereinanderliegenden Zahnreihen. Fällt einer der vorderen Zähne aus, rückt der nächste nach.
Nicht alle Rochen „fliegen“ durchs Wasser
In der Art ihrer Fortbewegung unterscheiden sich die meisten Rochenarten allerdings stark von ihren Cousins, den Haien.
Sie schlagen mit ihren flügelartigen Brustflossen, schweben oder „fliegen“ gleichsam durchs Wasser. Es gibt allerdings auch Rochen, die wie Haie schwimmen. Sie verschaffen sich zusätzlichen Antrieb durch Seitwärtsbewegungen des Körpers und Schläge der Schwanzflosse. Dazu zählen die Geigenrochen und die Sägerochen.

Manta- oder Teufelsrochen (Mobulidae) durchstreifen als filtrierende Planktonfresser die Weiten der Ozeane. Die meisten Rochen jedoch ernähren sich von wirbellosen Tieren wie Muscheln, Krebsen und Stachelhäutern, aber auch von Fischen. © OceanImageBank/Hannes Klostermann
Sonderbare Rochen
In ihrem Grundbauplan sind sich zwar alle Rochen ähnlich, es gibt allerdings Sonderformen. Neben Riesenmantas gehören die fünf Arten von Sägerochen (Sägefische) sicherlich zu den spektakulärsten Vertretern. Schmalzahn-Sägerochen kommen mit ihrer 1,7 m langen heckenscherenartigen Kopfverlängerung auf 8 m Körperlänge und ein Gewicht von über 350 kg. Leider gibt es nur wenige aktive Schutzprojekte.
Säge- und Geigenrochen sehen dabei aus wie eine Übergangsform zwischen Haien und Rochen. Ihr Körperbau erinnert noch an ihre haiähnlichen Vorfahren. Zwar sind sie relativ flach, besitzen aber Rücken- und Schwanzflossen, wie es für Haie typisch ist.
Adlerrochen haben eine schnabelartige Schnauze. Zitterrochen sind sogar elektrisch geladen. Sie betäuben ihre Beute mit Stromstößen von bis zu 220 Volt. Andere Arten, wie der Amerikanische Stechrochen, besitzen einen Giftstachel am Schwanz. Zitter-, Stech- und Stachelrochen können für Menschen gefährlich werden.

Fortpflanzung
Auch bei Fragen rund um die Vermehrung der Rochen besteht ein großes Wissensdefizit. Wie bei Knorpelfischen üblich, bekommen sie vergleichsweise wenig Nachwuchs, erreichen erst spät ihre Geschlechtsreife, bei manchen Arten kann die Tragzeit über ein Jahr dauern.
Es gibt Rochenarten, wie die Mantarochen, mit festen Reproduktionszeiten. Bei den meisten Arten, hauptsächlich bei der etwa 100 Arten umfassenden Familie der Stechrochen (Dasyatidae), geht man eher von einem kontinuierlichen Reproduktionszyklus aus. Es sind allerdings auch Ausnahmen bekannt. Bei den zur Familie der Stechrochen zählenden Maskenrochen (Neotrygon-Artenkomplex) gibt es sowohl Hinweise auf einen kontinuierlichen Zyklus als auch auf saisonale Reproduktionszeiten.
Bei Rochen unterscheidet man grundsätzlich zwei Vermehrungsstrategien: Oviparie und Viviparie. Allerdings fehlen für viele Arten Angaben darüber, wie sie sich fortpflanzen.
Oviparie
Eierlegende (ovipare) Arten verpacken ihren Nachwuchs in stabilen Horn- oder Eikapseln. Diese befestigen sie mit spiraligen Haftfäden, im Tang, an Seegräsern oder Korallen. In den Kapseln wachsen die Embryonen auf dem Dottersack bis zum Schlüpfen heran. Skates (Echte Rochen) vermehren sich ausschließlich ovipar.

Ovoviviparie (überholt)
Der Begriff Ovoviviparie, welcher für die Entwicklung im Ei im Mutterleib, ohne direkte Versorgung durch die Mutter steht, gilt mittlerweile als überholt. Heute spricht man von aplazentaler Viviparie mit Lecithotrophie.
Viviparie
Vivipar lebendgebärend, ist die evolutionär fortschrittlichste Fortpflanzungsstrategie. Damit sind diese Knorpelfische bereits nah dran an den mit einer Plazenta ausgestatteten Säugetieren.
Aplazentale Viviparie
Bei der aplazentalen Viviparie (lebendgebärend ohne Plazenta) der Rochen findet man eine Vielzahl von Haupt- und Unterformen der Fortpflanzungsstrategie (mehr als 12).
Allen gemeinsam ist, dass sich die Embryonen direkt im Mutterleib entwickeln und dort die notwendigen Nährstoffe erhalten (matrotrophe Versorgung). Entweder über den Dottersack des Eis ohne Verbindung zwischen Mutter und Embryo (Lecithotrophie), was man früher ovovivipar nannte. Oder mit einer Verbindung zwischen Mutter und Embryo.
Stachelrochen wie die Arten der Gattung Neotrygon ernähren ihre wenigen Embryos beispielsweise über Trophonemata. Das sind fadenartige Ausstülpungen der Gebärmutterschleimhaut. Diese sondern eine protein- und nährstoffreiche Flüssigkeit, auch Uterusmilch genannt, ab. Man nennt das histotrophe Ernährung.
Rochen und ihre Ökosystem-Funktionen
Je nach Art, Habitat und Alter nehmen Rochen unterschiedliche Positionen im Nahrungsnetz der von ihnen bewohnten Ökosysteme ein.
Bioturbation
Am Meeresboden lebenden Rochenarten sind bedeutende Bioturbatoren.

Sie wühlen im Meeresboden nach Nahrung und graben sie aus. Gerne verbuddeln sie sich zur Tarnung ganz oder teilweise. Bei all diesen Aktivitäten wirbeln sie eine Menge anorganischer und organischer Materialien auf, durchmischen und durchlüften den Boden. Das fördert den Stoffaustausch im Sediment, was wiederum das Ökosystem des Meeresbodens stärkt.
Mesoprädatoren
Die meisten Rochenarten gelten als Mesoprädatoren. Sie stehen somit nicht an der Spitze eines Nahrungsnetzes.
In ihrer Funktion als Mesoprädatoren spielen sie als Beutetiere für küstennah lebende Spitzenprädatoren wie Bullenhaie, Breitnasen-Siebenkiemerhaie oder große Hammerhaie wie den Bogenstirn-Hammerhai eine wichtige Rolle.
Bei der Ernähung überwiegen bodenlebende Organismen wie Muscheln, Garnelen, Würmer und kleinen Fische. Große Arten, wie die Mantas, wiederum sind Filtrierer und fressen Plankton.

Gefahren für die vergessenen Haie
Rochen sind beliebte Speisefische. Viele Arten leben sehr küstennah und sind daher leicht zu befischen. Ihre Bestände brechen unter hohem Fischereidruck jedoch schnell zusammen. So kamen Sägerochen einst an Küsten in Flussmündungen und Seen von 90 Ländern vor. Heute sind sie in mehr als der Hälfte davon ausgestorben.
In der traditionellen asiatischen Medizin begehrt sind auch die Kiemenreusen („gill plates“). Hier sind die Gewinnspannen enorm. Um die 500 € werden für ein Kilogramm gezahlt. Folglich verzeichnet der Handel mit Kiemenreusen in den letzten beiden Jahrzehnten enorme Zuwachsraten.
Hinzu kommt die gezielte Flossenfischerei auf große Arten. Denn deren helle Flossen gelten als die hochwertigsten und teuersten Flossen für den menschlichen Verzehr, kosten etwa 1.000 US-Dollar pro Kilogramm. Flossen von Geigenrochen eignen sich daher perfekt für Haifischflossensuppe, eine Delikatesse, die von wohlhabenden ostasiatischen Fischliebhabern geschätzt wird.
Ein großes Manko im Rochenschutz sind fehlende Bestandsdaten. Somit kann weder ihre Überlebenschance beurteilt werden, noch lassen sich Schutzkonzepte aufstellen.
Titelfoto: Mobula-Rochen © Theresa Fett






