Die Kegelrobbe

Kegelrobben (Halichoerus grypus), engl. grey seals, bilden mit Seehunden (Phoca vitulina) und Schweinswalen (Phocoena phocoena) die Gruppe unserer heimischen Meeressäugetiere. Dabei sind Kegelrobben die seltenste und größte Meeressäugerart in Deutschland.

Systematik

Kegelrobben sind Raubtiere (Carnivora) der Unterordnung Robben(Pinnipedia). Sie gehören wie der Seehund zur Überfamilie der Hundsrobben (Phocidae) und der Unterfamilie Phocinae. Man unterscheidet zwei Unterarten. Als Hundsrobben besitzen sie keine Ohrmuscheln.

Wo leben Kegelrobben?

Kegelrobbe liegt am Strand.

Foto: PIXABAY

Kegelrobben leben entlang der Küsten der gemäßigten und subarktischen Zonen des Atlantiks und in der Ostsee. Aufgrund unterschiedlicher Fortpflanzungszeiten und wegen der geografischen Isolation unterscheidet man eine west- und eine ostatlantische Population.

Hinzu kommt die baltische Population in der Ostsee, die eine eigene Unterart (Halichoerus grypus grypus) bildet.

Wie viele Kegelrobben gibt es?

Laut IUCN liegt der Weltbestand erwachsener Individuen bei etwa 316.000 Individuen. Mit etwa 250.000 Tieren ist die Population im Nordwestatlantik mit Abstand die größte. Im Wattenmeer soll es über 6.000 Kegelrobben geben, in der Ostsee fast 30.000. Der Bestand an der deutschen Ostseeküste dürfte allerdings noch unter 100 Individuen liegen.

Wie groß und wie schwer werden Kegelrobben?

Kegelrobbe liegt am Strand.

Vom Seehund unterscheiden sich Kegelrobben durch ihre viel massigere Gestalt und ihren charakteristischen, spitz zulaufenden Kopf. Foto: Wolfgang Vogt/pixabay

Kegelrobben sind mit ihren bis zu 300 kg Körpergewicht bei fast 250 cm Körperlänge mächtige Raubtiere, zumindest die Männchen.

Denn weibliche Kegelrobben sind mit 150 kg und bis zu 190 cm Länge deutlich kleiner und damit kaum größer als männliche Seehunde. Die Neugeborenen sind zwischen 85 und 105 cm groß und um die 15 kg schwer.

Wie alt können Kegelrobben werden?

Kommt nichts dazwischen, können weibliche Kegelrobben unter optimalen Bedingungen ein Alter von 45 Jahren erreichen. Männchen dagegen haben eine Lebenserwartung von 30 Jahren.

Wie schnell schwimmen Kegelrobben?

Mit bis zu 35 km/h sind diese großen Meeresraubtiere sehr schnell. Da ihre zum Klettern auf unwegsamen Felsküsten mit langen gekrümmten Krallen gut ausgestatteten Vorderflossen klein sind, setzen sie beim Schwimmen hauptsächlich ihre Hinterflossen ein.

Wie tief tauchen Kegelrobben?

Schwimmende Kegelrobbe.

Von gelegentlichen Streifzügen einzelner Jungtiere abgesehen, unternehmen Kegelrobben keine größeren Wanderungen.
Foto: pixabay

Kegelrobben können bis zu 140 m tief tauchen und mindestens 30 Minuten lang unter Wasser bleiben. Ihre Rekordtauchtiefe soll bei 400 m liegen.

Woran erkennt man eine Kegelrobbe am besten?

Am einfachsten erkennt man Kegelrobben an ihrer Körpergröße und ihrer Kopfform. Ihr Kopf ist namensgebend kegelförmig und spitz zulaufend. Im Profil erinnert er bei Männchen an eine „römische Hakennase“. Weibchen dagegen zeichnen sich eher durch eine gestreckte „Stupsnase“ aus.

Wovon ernähren sich Kegelrobben?

Kegelrobben sind wie ihre Verwandten, die Seehunde, gnadenlose Opportunisten. Sie versuchen grundsätzlich, alles, was sie finden, zu fressen, bevorzugen allerdings Fisch. Und davon eine ganze Menge. Täglich benötigen sie 5 bis 7 kg, hauptsächlich Scholle, Hering, Flunder oder Kabeljau. Ab und an erbeuten sie auch Krebse und Weichtiere am Meeresboden.

Dank ihrer Barthaare, auch „Vibrissen“ genannt, können sie selbst bei völliger Dunkelheit gezielt Nahrung finden.

Gezielte Ausrottungskampagnen in Nord- und Ostsee

Ihr guter Appetit machte sie bei Fischern nicht sonderlich beliebt. Um 1910 hatte man den gesamten Bestand des Wattenmeers in der Nordsee ausgelöscht. Erst mit dem Jagdverbot in den 1970er-Jahren eroberten Kegelrobben nach und nach das Wattenmeer zurück.

Portrait einer jungen Kegelrobbe.

Foto: pixabay

Um 1920 hatte man die Ostsee-Kegelrobben fast ausgerottet. In den 1990er-Jahren kam die Wende, nach einem Jagdverbot. Im März 2018 gab es dann nach etwa 100 Jahren wieder eine Kegelrobbengeburt an der deutschen Ostsee. Doch stabil etabliert haben sich die großen Robben hier noch lange nicht.

Wer sind die natürlichen Feinde?

In der Ostsee haben Kegelrobben keine natürlichen Feinde. Im Atlantik müssen sie vor großen Haien, Kleinen Schwertwalen und Orcas auf der Hut sein.

Gefahren

Weil Kegelrobben zu den marinen Top-Prädatoren gehören, sammeln sich in ihrem Körper Giftstoffe aus Industrie und Landwirtschaft, wie Quecksilber, DDT oder PCB. Dies führte Ende der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Schädigungen des Immunsystems und Unfruchtbarkeit. Damals, Anfang der 1980er-Jahre, erreichte die Ostseepopulation mit etwa 2.500 Tieren ihren Tiefpunkt.

Kegelrobben sterben als Beifang in der Stell- und Schleppnetzfischerei, in Geisternetzen und durch Wilderei. Weitere Verluste treten auf, wenn Neugeborene von Felsküsten abstürzen, bei Hochwasser ertrinken oder ihre Mutter verlieren.

Fortpflanzung und Entwicklung

Kegelrobbenbabys kommen im Winter zur Welt. Das variiert je nach Lebensraum, in der Ostsee z. B. von Mitte Februar bis März. In England dagegen von September bis Oktober. Kegelrobben erreichen mit vier bis sieben die Geschlechtsreife. Nach gut 11 Monaten bringen die Weibchen jährlich ein Jungtier zur Welt, das sie bis zu drei Wochen lang säugen.

Dank der sehr fettreichen Milch (ca. 50 %) nimmt das Kleine täglich bis zu 2 kg am Tag zu, während die Mutter bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts verliert. Denn sie geht in dieser Zeit nicht auf die Jagd.

Kegelrobben Kolonie.

Foto: Wolfgang Vogt/pixabay

Im Gegensatz zu Seehunden benötigen Kegelrobben hochwassergeschützte Wurfplätze, denn die Jungtiere können zwar schwimmen, kommen aber mit einem weißen, nicht wasserdichten, aber sehr warmen Fell (Lanugofell) auf die Welt. Dieses verlieren sie erst nach der Entwöhnung. Und erst dann können sie das Land verlassen und beginnen, selbstständig zu jagen.

Zwei Kegelrobben kämpfen.

Foto: Wolfgang Vogt/pixabay

Die Paarung findet fast zeitgleich mit der Geburt der Jungen statt. Männchen grenzen dann Territorien mit sechs bis sieben Weibchen ab, die sie gegen Nebenbuhler verteidigen. Es gibt allerdings auch monogame Paare.

Zum Ende der Fortpflanzungszeit kommt dann der jährliche Fellwechsel. Auch dafür benötigen Kegelrobben hochwassersichere Liegeplätze.

Verhalten

Nur 20 Prozent ihres Lebens verbringen Kegelrobben an Land mit Ruhen, Sonnen und Entspannen oder zur Paarung und Jungenaufzucht. Dann kann man sie auch am besten beobachten, z. B. im Winter auf der Helgoland vorgelagerten Insel „Robbenland“.

Wanderungen

Von gelegentlichen Streifzügen einzelner Jungtiere abgesehen, unternehmen Kegelrobben keine größeren Wanderungen. Wenn sie nicht an Land sind, treiben sie sich irgendwo weit verstreut in ihrem Verbreitungsgebiet herum.

Schutz

Die Art gilt als nicht bedroht. In Deutschland sind Kegelrobben stark gefährdet. Aus diesem Grund sind sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH-Richtlinie eine streng geschützte Art. Auch nach der Helsinki-Konvention (HELCOM) unterliegt die Art einem besonderen Schutz.

Wie verhalte ich mich richtig?

Kegelrobben sollten vor allem in den hochsensiblen Lebensphasen (Fortpflanzung, Fellwechsel) ungestört bleiben, andernfalls könnten sie von ihren Liegeplätzen vertrieben werden.

Fotografen halten Abstand zu einer Kegelrobben Kolonie.

Foto: MMarisol/pixabay

Beobachter sollten sich deshalb an fünf einfache Regeln halten:

  1. Versperren Sie den Tieren niemals den Fluchtweg ins Wasser.
  2. Halten Sie einen Mindestabstand von 100 Metern.
  3. Auf keinen Fall die Tiere berühren, füttern oder bewerfen.
  4. Halten Sie Ihren Hund unbedingt an der Leine!
  5. Stellen Sie sich niemals zwischen Mutter und Jungtier.
    Empfehlungen des Deutschen Meeresmuseums

 

Halten Sie unbedingt Ihren Hund von einer ruhenden Robbe fern!

Hund greift ein Seehundbaby an.

Foto: Ulrike Mai/pixabay

Kegelrobbe in Not?

Wenn Sie auf ein verletztes oder geschwächtes, offensichtlich krankes Tier treffen, versuchen Sie keinesfalls, selbst Hilfe zu leisten! Halten Sie Abstand! Die Tiere beißen und das blitzschnell! Ein Biss kann nicht nur äußerst schmerzhaft sein, er heilt auch nur sehr langsam ab.

Informieren Sie umgehend eines der Nationalpark-Häuser und -Zentren, Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, Gemeinde- oder Kurverwaltungen, den Amtsveterinär oder direkt eine Robbenstation:

Robbenzentrum Föhr
Achtern Diek 5 – 25938 Wyk auf Föhr
Tel: 04681 – 57 03 54
Mobil: 01577 – 505 4219
24Std. Notruf: 0177 – 3300 077
www.robbenzentrum-foehr.de

Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich
Dörper Weg 22 – 26506 Norden,
Tel.: 04931 – 8919
www.seehundstation-norddeich.de

Seehundstation Friedrichskoog
An der Seeschleuse 4 – 25718 Friedrichskoog
Tel: 048 54 – 13 72
www.seehundstation-friedrichskoog.de

Für die Ostsee:
Deutsches Meeresmuseum
Katharinenberg 14-20 – 18439 Stralsund
Tel: 03831 – 2650 210
Sie können Sichtungen online melden oder per E-Mail: sichtungen[at]meeresmseum.de
Bei Totfunden machen Sie bitte zusätzlich eine Meldung unter 03831 – 2650 3333, damit das Tier so schnell wie möglich abgeholt werden kann.
Bei Lebendstrandungen melden Sie sich bitte außerdem unter 0173 – 9688 267 beim Kurator für Meeressäugetiere!

 

Meerwissen für Schlauberger

  • Im Englischen nennt man Kegelrobben auch „Horsehead“ (Pferdekopf).
  • Kegelrobben können an einem Tag bis zu 100 Kilometer weit schwimmen.
  • An ihrem Fleckenmuster kann man jede einzelne Kegelrobbe individuell wiedererkennen.
  • Auch die Männchen gehen während der Fortpflanzungszeit kaum auf Nahrungssuche und nehmen stark ab.
  • Weibchen paaren sich auch mit mehreren Männchen.