Klimakatastrophe

Die vom Menschen verursachte Klimakrise (Erhitzung der Erde) entwickelt sich immer stärker zum größten Motor des Artensterbens im Meer. Laut einer Studie der Princeton University vom April 2022 hat der stetig steigende Ausstoß von Treibhausgasen das Potential, ein Massenaussterben von Meereslebewesen auszulösen. Dieses sei in seinen Dimensionen mit dem Aussterben der Dinosaurier vergleichbar.

Klimagase

Kurzlebige klimawirksame Schadstoffe wie Feinstaub, Ruß, Methan, troposphärisches Ozon (O3) oder Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs) sind für 40 bis 45 Prozent der Erderhitzung verantwortlich. Sie verweilen nur kurz in der Atmosphäre. Feinstaub und Ruß nur wenige Tage, Methan etwa 10 bis 12 Jahre. Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) verweilt etwa 120 Jahre in der Atmosphäre. Bei Kohlendioxid dauert es länger, viel länger (bis zu 1.000 Jahre). Dafür trägt Methan gegenüber CO2 etwa hundertmal stärker zur Klimakatastrophe bei. Derzeit ist Methan das zweitwichtigste Klimagas. Mindestens ein Viertel der Erderhitzung wird von Methanemissionen verursacht. Tendenz stark steigend.

Auch Lachgas, als drittstärkstes langlebiges Klimagas, hat ein hohes Treibhauspotential und trägt erheblich zur Erderhitzung bei.

Klimakiller SF6

Das gefährlichste bisher bekannte Treibhausgas ist SF6 (Schwefelhexafluorid). Es wird hauptsächlich für Technologien eingesetzt, mit denen man die Klimakrise bekämpft: Windräder und Solaranlagen. SF6 findet hier als Isoliergas für Hochspannungs-Schaltanlagen und in Umspannwerken Verwendung. Dort entweicht es aus Leckagen oder beim Abbau der Anlagen. SF6 verbleibt über 3.000 Jahre in der Atmosphäre, da es keine natürlichen Senken gibt. Sein Treibhauseffekt ist gewaltig: 1kg SF6 wirken wie 23 Tonnen CO2 in 100 Jahren (sogenanntes CO2-Äquivalent).

Deutschland ist in Europa mit Abstand der größte Emittent von SF6. Auch wenn vergleichsweise nur geringe Mengen davon entweichen, ist deren Treibhauseffekt aktuell höher als der des gesamten innerdeutschen Flugverkehrs.

SF6 – Die schlummernde Gefahr in Windrädern ↗

ARD Mediathek: Sendung von Plusminus vom 17.08.2022

Die Ozeane: wirkungsvollster Wärmespeicher im Klimasystem der Erde

Dass die Klimakatastrophe noch nicht weit schlimmere Ausmaße hat, verdanken wir in erster Linie den Ozeanen. Denn sie speicherten seit den 1970er-Jahren mehr als 90 Prozent der vom Menschen verursachten überschüssigen Hitze. Das ist eine gigantische Energiemenge. Allein von 2018 bis 2019 entzogen die Ozeane der Atmosphäre etwa 44-mal mehr Energie in Form von Hitze, als die gesamte Menschheit im gleichen Zeitraum für Transport, Industrie, Heizung und im Haushalt genutzt hat (Quelle: world ocean review 7).

Dramatische Auswirkungen der Klimakatastrophe

Bereits heute hat die Ozeanerhitzung teilweise dramatische Konsequenzen. Das ArtengefĂĽge verändert sich groĂźflächig (z. B. von den Tropen in die Subtropen). Gleichzeitig sinken in vielen Regionen marine Artenvielfalt und Biomasseproduktion. Tropische Korallenriffe könnten selbst bei Erreichen des 1,5 Grad Ziels bis 2050 ausgestorben sein. Der Meeresspiegel steigt. Die Versauerung nimmt zu. Von 1960 bis 2019 bĂĽĂźten die Weltmeere mehr als zwei Prozent ihres Sauerstoffgehalts ein. Es gibt immer mehr Todeszonen ohne Sauerstoff (dead zones) in KĂĽstengebieten.

Klimaretter werden
Küstenökosysteme schützen

Die Meere werden immer heißer, höher, saurer, verlieren Sauerstoff, die Durchmischung der Wassermassen ist gestört, ihr CO2-Speicherpotential sinkt.

Ursachen sind dabei nicht nur ständig steigende Emissionen von Treibhausgasen. Sondern auch die anhaltende Zerstörung potenter ozeanischer CO2-Speichersysteme wie Mangroven, Kelpwälder, Salzwiesen und besonders von Seegraswiesen. Und dass, obwohl diese naturbasierten Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) heutzutage zu den aussichtsreichsten und kostengünstigsten Ansätzen im Kampf gegen die Klimakatastrophe und das globale Massenaussterben zählen!

Was wir tun:
CO2-speichernde Ă–kosysteme

Wissen Hoch 2 auf 3sat:
Gefährliches Gas – auf der Jagd nach den Methanlecks ↗

Jedes Jahr entweichen mehr als 80 Millionen Tonnen Methan aus der Öl- und Gasindustrie in die Atmosphäre: Das extrem schädliche Klimagas ist der Hauptbestandteil von Erdgas.

Klimakrise in den Meeren

My Ocean Challenge – Kurs auf Klimaschutz

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten Als Weltumsegler und Profisportler kennt Boris Herrmann die Meere wie wohl kaum ein anderer. Boris Herrmann weiĂź: Meeresschutz und Klimaschutz gehen Hand in Hand. Gemeinsam mit seiner Frau Birte Lorenzen-Herrmann hat…

Gericht stoppt SHELL: keine Gas- und Ă–lsuche vor SĂĽdafrika!

Erfolg fĂĽr den Meeresschutz: Der Ă–lriese Shell darf nicht mit Schallkanonen (Airguns) an der Wild Coast vor der OstkĂĽste SĂĽdafrikas seismische Erkundungen zur Suche nach Ă–l- und Gaslagerstätten durchfĂĽhren. Gegen erhebliche Proteste hatte der Ă–lgigant…

Küstenökosysteme in Kolumbien

Von April bis Ende Juli 2022 fĂĽhrte die angehende Meeresbiologin Soyla Kraus auf Isla BarĂş in Kolumbien Feldstudien zu ihrer Masterarbeit „Identifizierung des Einflusses von Eigentumsrechten und Management auf vegetationsreiche KĂĽstenökosysteme“ durch. Wir förderten dieses…

Seegras-Renaturierung: Wie Urlauber helfen können

FĂĽr den Erhalt der Artenvielfalt in den Ozeanen und den Kampf gegen den Klimawandel muss die Zerstörung von Seegraswiesen gestoppt und, dort wo es möglich ist, mĂĽssen diese wiederhergestellt werden. Dabei hat Priorität, die Seegras-Renaturierung…

ErdĂĽberlastungstag 2022

Voraussichtliche Lesedauer: 3 Minuten Der diesjährige ErdĂĽberlastungstag (Earth Overshoot Day) fällt auf den 28. Juli. Ab dann hat die Menschheit alle natĂĽrlichen Ressourcen, die unser Planet innerhalb eines Jahres erzeugen und regenerieren kann, verbraucht. 2021…

Doggerbank: Briten ächten Grundschleppnetze

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten Ab Juli 2022 sperrt die britische Regierung vier Meeresschutzgebiete fĂĽr Grundschleppnetzfischer. „AuĂźerhalb der EU nutzen wir unsere neuen Freiheiten, um unsere Meeresumwelt zu schĂĽtzen. Es ist der Beginn der Renaturierung der…

Viel Zucker im Meeresboden

Seegraswiesen speichern nicht nur gewaltige Mengen des Klimagases CO2, sondern auch zusätzliches CO2 in Form groĂźer Mengen von Zucker im Meeresboden. Diesen ĂĽberraschenden Fund machte ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut fĂĽr Marine Mikrobiologie (MPIMM) in Bremen.…

Probleme der Korallenrestauration

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Zeitschrift Natur und Landschaft

Voraussichtliche Lesedauer: 3 Minuten In ihrer aktuellen Ausgabe thematisiert die Zeitschrift „Natur und Landschaft“ (Herausgeber Bundesamt fĂĽr Naturschutz) den kritischen Status deutscher Meeresschutzgebiete in der Nordsee. Zwei groĂźe Krisen belasten Meere und Ozeane im globalen…

EU-Subventionen fĂĽr die Fischerei

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten EU-Fischer verbrauchen jedes Jahr etwa 2,3 Milliarden Liter Schiffsdiesel. Dabei erzeugen sie fast 7,3 Millionen Tonnen CO2. Trotzdem zahlt die EU Subventionen fĂĽr die Fischerei von bis zu 1,5 Milliarden Euro…

Mikroplastik im Meer und seine Klimafolgen

Voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten Neue Studie Mikroplastik im Meer und seinen Klimafolgen. Wie können die Auswirkungen bewältigt werden? Mikroplastik im Meer stammt aus zahlreichen Quellen und Wirtschaftsbereichen [1]. Neben weitreichenden negativen Folgen fĂĽr die Umwelt…

EU soll Abbau von Tiefsee-Rohstoffen verbieten

Die EU soll in ihren Gewässern den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee verbieten und sich weltweit fĂĽr ein Moratorium einsetzen. Dies fordert der europäische Meeresschutz-Dachverband „Seas At Risk“, dem auch wir angehören, mit seinem…

Schiffe sollten langsamer fahren

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten Langsame Schiffe bringen viel fĂĽr den Klimaschutz und die Meeresumwelt. Denn sie erzeugen weniger CO2 und andere Schadstoffe, wie RuĂź, Schwefeloxide oder Stickoxide. Zudem könnten Wale langsamen Schiffen besser ausweichen. AuĂźerdem…

Korallenbleiche

Warum sterben Korallen? Eine entscheidende Frage angesichts des gegenwärtigen globalen Massensterbens. Besonders im Pazifik sterben in Symbiose mit Algen lebenden Korallenarten in nie gekanntem AusmaĂź. Sie verlieren ihren Symbionten, verhungern und bleichen aus. In warmen…

Rettungsplan fĂĽr die Meere

Heute präsentieren 102 Umweltschutzorganisationen, darunter die Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM), Seas At Risk und die Surfrider Foundation Europe das „Blaue Manifest – Blue Manifesto – The Roadmap to a Healthy Ocean in 2030“. Der Rettungsplan…

Dirk Steffens: Artenschutz größtes Problem unseres Jahrhunderts

Voraussichtliche Lesedauer: 15 Minuten Dirk Steffens traut sich was: „Das Artensterben ist möglicherweise das größte Menschheitsproblem unseres Jahrhunderts. Wir haben das GefĂĽhl entwickelt, dass alles wieder gut wird, wenn wir die Klimakatastrophe in den Griff…

Die Meerwalnuss erobert die Ostsee

Die ersten Exemplare der Meerwalnuss (Mnemiopsis leidyi) in der Ostsee entdeckte man 2006. Da hatten die Raubquallen bereits begonnen, Eier von Dorsch, Grundel, Seestichling oder Wittling im groĂźen Stil aufzufressen. Denn diese invasive Quallenart hat…

Titelfoto: Bella White / pexels