Das OSPAR-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks ist nach den ursprünglichen Übereinkommen von Oslo (1972) und Paris (1974) („OS“ für Oslo und „PAR“ für Paris) benannt, die es ersetzte. Es ist seit dem 25.03.1998 völkerrechtlich in Kraft. Das Konventionsgebiet umfasst die Küstenmeere und die Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Vertragsstaaten sowie Gebiete auf der Hohen See. Allerdings nicht die Ostsee und das Mittelmeer. Sie sind durch andere Übereinkommen abgedeckt. Mitglieder sind 15 Staaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Island, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz) und die EU.
Zwar ist OSPAR für den Meeresboden und die Wassersäule in den betroffenen Gebieten zuständig. Großer Mangel ist jedoch, dass es keinen Zugriff auf die Fischerei hat.
Kernaussagen
- Das OSPAR-Übereinkommen schützt die Meeresumwelt im Nordostatlantik und ist seit 1998 in Kraft.
- Mitgliedsstaaten sind 15 Länder und die EU; die Kommission koordiniert die Meeresschutzbemühungen.
- 2025 leitete das Übereinkommen eine Reduktion der Einleitungen von Abwasser aus Abgasreinigungssystemen in Binnengewässern und Hafengebieten ein.
- 2021 vereinbarte OSPAR eine neue Umweltstrategie zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung und Verlust der Biodiversität.
- OSPAR kann verbindliche Beschlüsse fassen.
- Ein neues Schutzgebiet für Seevögel (NACES) wurde 2021 etabliert und deckt 600.000 km² im Nordostatlantik ab.
Was kann OSPAR?
Der Geltungsbereich von OSPAR reicht im Nordostatlantik von Grönland und der Barentssee, über die Nordsee bis zu den Azoren und in den Golf von Biskaya. Koordiniert werden die Meeresschutzbemühungen über das Kommissions-Büro in London. Die Mitgliedsstaaten kooperieren über die OSPAR-Kommission, die sich jährlich im Juni trifft.
Neue Umweltstrategie
Im Jahr 2021 vereinbarte OSPAR eine neue Umweltstrategie. Sie legt ehrgeizige Verpflichtungen für das kommende Jahrzehnt fest. Damit möchte man die größten Probleme der Ozeane angehen:
- Verlust der biologischen Vielfalt
- Meeresverschmutzung, einschließlich Plastikmüll
- Auswirkungen der Klimakatastrophe
- Versauerung der Ozeane
So ist das Ziel definiert, Abfälle im Meer bis 2025 um 50 % und bis 2030 um 75 % zu reduzieren. Zudem verpflichten sich die Vertragsstaaten bis 2030 30 % des OSPAR-Meeresgebiets unter Schutz zu stellen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Schutz von Seetangwäldern. Denn sie können viel CO₂ speichern. Damit helfen sie, die Auswirkungen der Klimakrise abzufedern.
Beobachterstatus
OSPAR hat Beobachterstatus bei anderen Organisationen.
- Internationale Meeresbodenbehörde ISA (International Seabed Agency).
- IMO (Internationalen Seeschifffahrtsorganisation)
- ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas)
Verbindliche Beschlüsse
Anders als das Helsinki-Abkommen (HELCOM) kann OSPAR neben im Sinne des Völkerrechts „nur“ verbindlichen Empfehlungen auch rechtsverbindliche Beschlüsse verabschieden. So ist es unter anderem gelungen, außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Mitgliedstaaten liegende Meeresschutzgebiete auf der Hohen See (high seas) auszuweisen.
Ein Beispiel hierfür ist das Charlie-Gibbs-Meeresschutzgebiet, das einen sehr artenreichen Tiefseelebensraum umfasst, der im Atlantik zwischen Island und den Azoren liegt. Hier gibt es ein Verbot für bodenberührende Fischerei (Grundschleppnetzfischerei). Fische, die sich in der Wassersäule befinden, dürfen allerdings nach wie vor befischt werden
Beim Fischereimanagement oder der Ausbeutung von Meeresbodenschätzen setzt das Abkommen auf die Zusammenarbeit mit anderen Kommissionen. Hierzu steht die sogenannte „kollektive Vereinbarung“ als Instrument zur Verfügung.
Verbot der Einleitung von Abwasser aus Abgasreinigungssystemen (Scrubber)
Im Juni 2025 verbot OSPAR das Einleiten von Abwässern von Open-loop-Scrubbern in Binnengewässern und Hafengebieten im gesamten Nordostatlantik ab Juli 2027. Einleitungen von Closed-loop-Scrubbern sind ab Januar 2029 untersagt.

Wir hatten diesen Schritt gemeinsam mit weiteren Umweltorganisationen unter Federführung von Seas At Risk gefordert. Die Einschränkung dieser kontinuierlichen, globalen und erheblichen Meeresverschmutzung ist ein erster, überfälliger Schritt, dem weitere Maßnahmen folgen müssen!
Sogenannte Abgaswäscher (Scrubber) sollen schädliche Emissionen wie Schwefeloxide (SOx) in Schiffsabgasen senken. Doch der Preis für etwas reinere Luft ist hoch: Scrubber verschmutzen die Meere mit großen Mengen im Abwasser enthaltener hochgefährlicher Umweltgifte.
Meeresschutzgebiet basierend auf Vogelzugdaten
Am 1. Oktober 2021 wies OSPAR ein neues Schutzgebiet für Seevögel auf der Hohen See im Nordostatlantik aus. Das „North Atlantic Current and Evlanov Sea basin“ (NACES) hat mit 600.000 km² ungefähr die Größe von Deutschland und Großbritannien zusammengenommen.
Mit der Etablierung von NACES gelang es erstmals, ein Meeresschutzgebiet anhand von Vogelzugdaten zu identifizieren. Bei der Umsetzung ist, wie beim Charlie-Gibbs-MPA, die Beteiligung der Fischereikommission für den Nordostatlantik (NEAFC) entscheidend.

Seit der Unterschutzstellung des NACES-Schutzgebietes erfüllt OSPAR das für 2020 ausgegebene Unterziel 14.5 des UN-Nachhaltigkeitsziels 14. Denn mindestens zehn Prozent seines Zuständigkeitsgebiets sind jetzt Schutzgebiete.
Das NACES-Schutzgebiet ist ein Biodiversitäts-Hotspot. Bis zu fünf Millionen Seevögel nutzen das Gebiet. Es ist das größte bisher entdeckte Vorkommen auf der Hohen See im Nordatlantik. Regelmäßig versammeln sich im NACES-Gebiet 21 Seevogelarten aus 56 Kolonien. Darunter Desertas Sturmvögel oder Papageientaucher.

Doch auch viele andere Meerestiere suchen NACES auf. Darunter Blauwale, Weißseitendelfine, Orcas, und Kleine Schwertwale.
Ferner stark gefährdete Riesenhaie, Kurzflossen-Makohaie sowie Lederschildkröten und Mondfische.
47 Seeberge tragen mit ihrem Artenreichtum zur Bedeutung des NACES für die marine Artenvielfalt im Nordostatlantik bei.
Nordostatlantik unter starkem Fischerei-Druck
Tatsächlich ist der Schutz großer Meeresgebiete im Nordostatlantik wie NACES entscheidend. Denn die pelagischen Fischbestände im Nordostatlantik gehören zu den größten Fischpopulationen in Europa. Noch. Denn seit vielen Jahren werden sie zu stark befischt, überschreiten sämtliche wissenschaftlichen Empfehlungen. Nur weil sich die beteiligten Regierungen nicht auf eine ökologisch tragfähige Fangquotenzuteilung einigen.
Im FAO-Fanggebiet 27 – Nordostatlantik – liegen die Fangquoten für Makrele, Atlanto-skandischem Hering und Blauem Wittling seit Jahren um 34 Prozent über den wissenschaftlich empfohlenen, nachhaltigen Fangmengen. Nach Angaben des Marine Stewardship Council (MSC) entspricht dies etwa 4,8 Millionen Tonnen zu viel gefischtem Fisch. Sie hätten bei nachhaltiger Befischung im Meer bleiben müssen!
Daten vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) zeigen zudem einen klaren Abwärtstrend für alle drei Bestände. So ging der Atlanto-skandische Heringsbestand in den vergangenen zehn Jahren um 32 Prozent zurück. Früher war dies einer der weltweit größten Fischbestände. In den 1960er Jahren jedoch brach er infolge jahrelanger Überfischung zusammen. Es dauerte 20 Jahre. Erst dann hatte sich der Bestand des Atlanto-skandischen Herings im Nordostatlantik von der hemmungslosen Überfischung erholt.
ICES bewertet jährlich den Zustand von Fischbeständen und gibt wissenschaftliche, an nachhaltiger Befischung ausgerichtete Fangmengenempfehlungen.
Weiterführende Informationen
- Charlie-Gibbs High Seas Marine Protected Area
- Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks – BfN
- Zum Internationalen Tag der Meeresschutzgebiete
- UN-Vertrag zum Schutz der Hohen See
- Meeresschutzgebiete – Marine Protected Areas (MPAs)
- Was ist die ICCAT?
- UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity/CBD)
- UN-Nachhaltigkeitsziel 14
