Als am 3. März 2026 ein Buckelwal im Hafen der Hansestadt Wismar auftauchte, ahnte noch niemand, welch lange Leidensgeschichte der von offizieller Seite zunächst als junger Finnwal identifizierte Meeressäuger noch vor sich hatte.
Erfolgreich hatte die Berufsfeuerwehr Wismar ihn von einem rund 50 m langen Stellnetz befreit, das er hinter sich herzog (siehe Titelfoto). Die Freude war groß, wenngleich Leinenreste den Walkörper noch umwickelten. Auch im Maul hingen noch Leinenreste.
Was folgte, war eine zweimonatige Wal-Odyssee mit erneuten Strandungen im Flachwasser an der deutschen Ostseeküste. Ein Wal-Schicksal nahm seinen Lauf, an dem Millionen Menschen großen Anteil nahmen.
Kernaussagen
- Am 3. März 2026 tauchte ein Buckelwal im Hafen von Wismar auf. Dort konnte er von einem Stellnetz befreit werden.
- Eine zweimonatige Wal-Odyssee begann, mit wiederholten Strandungen und Rettungsversuchen an der Ostseeküste.
- Seit dem 31. März steckte Timmy/Hope rund vier Wochen auf einer Sandbank in der Kirchsee vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht fest.
- Eine private Initiative erhielt grünes Licht, Wal Timmy zu befreien und in die Nordsee zu verfrachten.
- Am 2. Mai wurde Timmy/Hope mit einem Tracker ausgestattet und freigelassen.
- Am 14. Mai fand man ihn tot vor der dänischen Insel Anholt im flachen Wasser.
- Die Geschichte von Buckelwal Timmy verdeutlicht die Notwendigkeit eines professionellen Strandungsnetzwerks in Deutschland.


Retten oder nicht retten?
Diese Frage stellte sich mehrmals. Bei seiner ersten Strandung auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand am 23. März half man ihm: Mithilfe einer ausgebaggerten Rinne konnte er sich schließlich in der vierten Nacht selbst befreien. Der gut 12 m lange Buckelwal war mithilfe von Begleitbooten schon fast auf dem rettenden Kurs Richtung nordwestliche Ostsee, als man ihn aus den Augen verlor.
Es folgte eine weitere Strandung in der Wismarer Bucht. Es gelang ihm, sich freizuschwimmen. Doch seit dem 31. März steckte Timmy/Hope, wie man ihn zwischenzeitlich getauft hatte, in der Kirchsee vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht fest.
Er lag gerade tief genug, damit sein Eigengewicht nicht seine Organe zerquetschte, aber auch nicht tief genug, um sich freizuschwimmen.
Chronik eines angekündigten Todes (der nicht eintreten wollte)
Nachdem Buckelwal Timmy/Hope wider alle Experten-Vorhersagen nach zwei Wochen Liegezeit weiterhin recht eindeutige Lebenszeichen von sich gab, traf Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus eine Entscheidung. Eine von zwei Millionären finanzierte private Rettungsinitiative bekam grünes Licht, einen Versuch zu wagen und den Buckelwal zurück in die Nordsee zu transportieren.
Nach einer stundenlangen Aktion gelang es dem Rettungsteam, den wohl über 12 Tonnen schweren Buckelwal Timmy/Hope in eine speziell herangeschaffte ca. 50 m lange absenkbare Halbtaucher-Barge zu leiten. Diese zog dann ein hochseetauglicher Schlepper innerhalb von vier Tagen bis in den Skagerrak.
Einzigartige Rettungsaktion
Eine derartige Rettungsaktion hatte es in dieser Form weltweit noch nicht gegeben. Am 2. Mai schließlich erfolgte die Freilassung des zwischenzeitlich mit einem Sender (Tracker) ausgestatteten Wals. Der genaue Ablauf ist leider unbekannt.
Angeblich musste man den Wal wegen ungünstiger Wetterbedingungen früher als geplant freilassen. Denn das ursprüngliche Ziel war, Timmy in der offenen Nordsee freizusetzen.
Totfund in Dänemark
Am 14. Mai entdeckte man einen vor der dänischen Insel Anholt im Kattegat treibenden toten Buckelwal. Es war Timmy/Hope, wie sich kurze Zeit später anhand des an seiner Finne befestigten Senders herausstellte.
Das traurige Ende von Wal Timmy: Obduktion am Strand von Anholt
Einige Tage später wurde der tote Meeressäuger an Land gezogen. Am 4. Juni erfolgte die Obduktion durch dänische Experten, um mögliche Krankheiten und Hinweise zur Todesursache zu ermitteln.

Was man nach der Untersuchung mit Sicherheit sagen konnte: Buckelwal Timmy/Hope war ein Weibchen und nicht, wie bislang angenommen, ein Männchen!
Eine Todesursache konnten die dänischen Experten nach eigener Aussage nicht ermitteln. Auch entdeckten sie weder Verletzungen noch Netzreste oder andere Fremdkörper, was aber auch am fortgeschrittenen Verwesungszustand gelegen haben könnte.
Daten geben Aufschluss über die letzten Tage im Leben des Buckelwals Timmy/Hope
Am 12. Juni gab Umweltminister Backhaus in einer Pressekonferenz erste Daten der Trackerauswertung bekannt: So soll Timmy/Hope nach seiner Freilassung am 2. Mai noch bis zum 6. oder 7. Mai gelebt haben. Weitere Auswertungen der Daten sollen in den kommenden Wochen erfolgen.
Fazit
In die Geschichtsbücher der Cetologie wird der Buckelwal Timmy/Hope sicherlich als der Wal mit dem am längsten überlebten „Landgang“ eingehen. Wir begrüßen es sehr, dass ihm eine zweite Chance gegeben wurde. „Die Option, den Meeressäuger womöglich noch Wochen oder gar Monate auf einer Untiefe, von der er sich allein nicht befreien konnte, langsam verhungern zu lassen, ist zynisch und unethisch. Für das Tier hätte das einen extrem qualvollen Sterbeprozess bedeutet“, erklärt DSM-Biologe Ulrich Karlowski.
Die Erlösung (Euthanasie) eines derart großen Meeressäugers ist kompliziert und wäre wohl nur mithilfe von Spezialisten aus den USA oder der Sprengung seines Kopfes möglich gewesen.1
Deutschland benötigt ein professionelles Strandungsnetzwerk
Was diese Walstrandung zeigt: Deutschland benötigt ein funktionierendes bundesländerübergreifendes Strandungsnetzwerk.

Dies ist eine unserer langjährigen Forderungen, die nach dieser außergewöhnlichen Strandung vielleicht endlich Gehör findet.
Zumindest hat Minister Till Backhaus, dem wir eine Vorschlagsliste mit Schlüsselparametern unterbreitet haben, eine länderübergreifende Koordinierungsstelle für solche Fälle bereits angeregt.
Derartige Strandungsereignisse werden an unseren Küsten im Zuge der mit den Folgen des Klimawandels einhergehenden großflächigen Artenverschiebungen in den Meeren zunehmen.
Nicht nur die Abläufe rund um die Freisetzung des Wals haben deutlich gemacht, dass es in Deutschland an Rettungsgeräten, erfahrenen Strandungsfachleuten und klaren Ablaufplänen und Strukturen mangelt.
- Boys, R.M., Stewart, R.O., Lye, G. et al. Estimating the welfare impacts of differing projectile types utilised for stranded cetacean euthanasia. Sci Rep 16, 20825 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-50867-7 ↩︎
Autor: Ulrike Kirsch, 15. Juni 2026
Titelfoto: Die Berufsfeuerwehr Wismar befreit den Buckelwal von gefährlichem Ballast. © Hansestadt Wismar
