Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.) können zur lebensbedrohlichen Gefahr für tropische Korallenriffe werden. Die 30 bis 40 cm großen und mit unzähligen 4–5 cm langen, spitzen Giftstacheln auf ihren 6 bis 23 Armen wehrhaften Seesterne sind gefürchtete Riffzerstörer. Besonders große Exemplare erreichen von Armspitze zu Armspitze Durchmesser von bis zu 80 cm. Crown-of-thorns Seeigel (COTS) leben im gesamten Indopazifik bis zur Westküste Zentralamerikas, im Roten Meer und an der Küste Ostafrikas. Unter bestimmten Bedingungen kann es zu gefürchteten COTS-Abrüchen kommen. Millionen dieser Seesterne zerstören dabei bis zu 90 Prozent der Korallen in einem Riff. COTS profitieren von Meereserwärmung, Düngemitteleinträgen in Küstengewässer und fehlenden Fressfeinden wie Tritonschnecken. Zumindest kurzfristig.
Seit 1962 sind Ausbrüche von Dornenkronenseesternen eine bedeutende Ursache für Korallenverluste am Great Barrier Reef.
Wie viele Arten gibt es?
Lange Zeit ging man von drei Arten innerhalb der Gattung Acanthaster aus:1
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A. planci im nördlichen Indischen Ozean
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A. mauritiensis im südlichen Indischen Ozean
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A. cf. solaris im Pazifischen Ozean.
Im Jahr 2022 identifizierten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität und der Zoologischen Staatssammlung München den Dornenkronenseestern aus dem Roten Meer schließlich durch genetische Analysen als eine eigene Art. Sie erhielt den Namen A. benziei und ist im Roten Meer endemisch (kommt ausschließlich dort vor).2
Der neue Artname ehrt John Benzie, Professor am University College Cork, der mit seinen wegweisenden genetischen Studien über Dornenkronenseesterne in den 1990ern und seiner umfangreichen Sammlung Pionierarbeit geleistet hat.
„Lange nahm man an, dass die erstbeschriebene Art der Gattung, Acanthaster planci, vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis über den gesamten Pazifik verbreitet ist“, sagt Gert Wörheide. Er ist Professor für Paläontologie und Geobiologie an der LMU sowie Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG).
Bei den Dornenkronenseesternen aus dem Roten Meer hatte man bereits früher Besonderheiten beobachtet. Sie sind eher nachtaktiv und haben weniger Arme. Ihre Stacheln sind dünner und weniger giftig.
Erkenntnisse für ein besseres Management von Riff-Ökosystemen
Mit der Unterteilung unterschiedlicher Arten mit unterschiedlichen Lebensraumansprüchen kann man deren Populationsdynamik besser verstehen. So sind Massenvermehrungen korallenfressender Dornenkronenseesterne im Roten Meer weniger heftig als im Great Barrier Reef. Die Forscher vermuten, dass dies an artspezifischen Charakteristika liegt.
Fortan könne man sich somit mehr auf die Biologie und Ökologie des Dornenkronenseesterns Acanthaster cf. solaris aus dem westlichen Pazifik konzentrieren. „Letztlich ein Schritt in Richtung eines besseren Managements der Riff-Ökosysteme“, sagt Gert Wörheide.
Ökologische Funktion
Zur Hauptnahrungsquelle von COTS gehören Steinkorallen. Darunter vorwiegend Acropora– und Montipora-Arten. Außerdem fressen sie auch Schwämme, Weichkorallen und Algen.

Einzelne Dornenkronenseesterne richten in einem Riff keinen großen Schaden an. Innerhalb eines Jahres schafft es ein Seestern, lediglich eine Rifffläche von etwa 5 bis 13 Quadratmetern abzufressen. Ihre natürliche Dichte liegt bei etwa 6 bis 20 Seesternen pro Quadratkilometer.
In intakten Riffen tragen die großen Stachelhäuter zum Erhalt der Korallenartenvielfalt bei. Dann fressen sie ungefähr so viele Korallen, wie nachwachsen. Da sie die schnell wachsenden Arten bevorzugen, schaffen sie auf diese Weise Platz für langsamer wachsende Korallen.
Massenvermehrung
Durch Überfischung und den Souvenierhandel sind natürliche COTS-Feinde, wie die Meeresschnecke Tritonshorn (Charonia tritonis) oder große Rifffische wie der Riesen- oder Titan-Drückerfisch (Balistoides viridescens) stark dezimiert oder lokal ausgerottet worden. Dadurch können sich Dornenkronenseesterne unter bestimmten Bedingungen massenhaft vermehren.
Ein großer weiblicher Dornenkronenseestern kann über 200 Millionen Eier pro Jahr freisetzen! Es dauert sechs Monate bis zu einem Jahr, dann sind die Seesterne ausgewachsen und beginnen, Korallen zu fressen. Ab einem Alter von zwei Jahren können sie sich fortpflanzen.3
Von einem „Ausbruch“ spricht man nach Angaben des Reef Resilience Network, wenn auf einem Hektar Rifffläche mehr als 30 oder mehr ausgewachsene Dornenkronen leben. Dann können sie Riffe großflächig zerstören. Lassen nur deren Kalkskelette übrig.
Einer Heuschreckenplage vergleichbar überfallen viele Hunderttausend Seesterne gleichzeitig ein Riff. Es hat keine Chance, dem Ansturm zu widerstehen, besonders, wenn es bereits anderweitig unter Druck (Ozeanerhitzung, Überfischung, Überdüngung, Sedimenteinträge) steht. Ist dann eines Tages keine weitere Nahrung vorhanden, verhungern die Seesterne.
COTS zerstören Teile des Great Barrier Reef
Eine Massenvermehrung von Dornenkronenseesternen in den 1970er-Jahren den nördlichen Teil des Great Barrier Reef. Der Ausbruch dauerte acht Jahre. Während seines Höhepunkts lebten etwa 1.000 Dornenkronen auf einem Hektar Rifffläche. Am Ende waren 150 Riffe frei von Korallen. 500 Riffe waren mehr oder weniger stark geschädigt.
Bekämpfung von Dornenkronenseesternen
In Australien gibt es spezielle Taucherpatrouillen. Die Taucher injizieren den Seesternen eine für sie tödliche Lösung aus Ochsengalle und natürlicherweise in den Stachelhäutern vorkommenden Vibrio-Bakterien.
Eine andere Methode ist das manuelle Absammeln. Hierbei gilt es, vorsichtig zu Werke zu gehen. Denn die giftigen Stacheln verursachen schlecht heilende, schmerzhafte Stiche. Komplikationen und Sekundärinfektionen können auftreten.

Manuelles Absammeln von Dornenkronenseesternen wie hier in einem Riff vor der philippinischen Insel Malapascua erfordert Werkzeug und Training. © People and the Sea
Massiver Ausbruch vor Okinawa
Bei einem massiven Ausbruch von Dornenkronenseesternen bei Okinawa entfernten Taucher über 1,5 Millionen Seesterne von Tauchern von Hand.
Kann man Dornenkronenseesterne mit Duftstoffen bekämpfen?
Ein internationales Forscherteam berichtete 2025 im Fachjournal iScience über eine neue Methode zur Kontrolle von COTS-Massenvermehrungen. Getestet hat man sie bislang allerdings nur im Labor. Hierbei lockt man COTS mit ihren eigenen Duftstoffen (Pheromonen) an und kann sie so an einem Ort konzentrieren. Das würde das Absammeln einer großen Zahl von Seesternen ermöglichen.4
Unklar ist, ob die Methode auch ein einem Korallenriff funktioniert. Dort herrscht ein komplexer Mix aus chemischen Signalen verschiedener Riffbewohner. Die Wirkung eines künstlich hinzugefügten Dornenkronenseestern-Pheromons könnte dadurch und durch zu starke Verwirbelung in komplexen Riff-Strukturen verpuffen.
Wenn Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten
Die oft leuchtend rot gefärbten Dornenkronen mit ihrem starken Stachelpanzer sind wunderbare Meerestiere und gehören zur natürlichen Artenvielfalt der Riffe im tropischen Indopazifik. Es ist ein Dilemma, dass man – um Korallenriffe und ihre wunderbare Artenvielfalt vor der Vernichtung zu bewahren – viele Zehntausend Seesterne töten muss. Die prächtigen Dornenkronen sind dabei selbst Opfer von vom Menschen verursachter Umweltveränderungen:
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Überfischung großer Rifffische, die Dornenkronenseesterne oder deren Larven fressen.
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Schaffung günstiger Wachstumsbedingungen für Seesternlarven (Algenvermehrung) durch den Eintrag von Düngemitteln aus der Landwirtschaft und durch den Klimawandel verursachter Ozeanerwärmung.
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Touristische Übernutzung der großen Tritonshorn-Meeresschnecken und anderer Meeresschnecken als Urlaubssouvenir.
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Das Tritonshorn gehört zu den wenigen Meerestieren, die ausgewachsene Dornenkronenseesterne fressen.

© Dr. Robert Schroeder, NOAA/NMFS/PISC/JIMAR/CRED
Traurige Lösung für den Dornenkronenseestern
Solange es nicht gelingt, Nährstoffeinträge in küstennahe Ökosysteme zu reduzieren und die natürliche Artenvielfalt in geschädigten Riffsystemen wiederherzustellen, bleibt vorerst nur die traurige Lösung, Dornenkronenseesterne zu eliminieren. Damit das von einer Massenvermehrung betroffene Riff überhaupt eine Überlebenschance hat.

Der Dornenkronenseestern ist ein prachtvolles Meerestier und hat eine wichtige ökologische Funktion in tropischen Riffen. © OceanImageBank/WarrenBaverstock
Fazit
- Dornenkronenseesterne (Crown-of-thorns starfish/COTS) können massive Schäden an Korallenriffen verursachen und vernichten bis zu 90 Prozent der Korallen unter bestimmten Bedingungen.
- Im Jahr 2022 identifizierten Forscher eine neue Art, den Acanthaster benziei, die endemisch im Roten Meer vorkommt. Seitdem gibt es vier anerkannte Acanthaster Arten.
- Massenvermehrungen von Dornenkronenseesternen sind durch Überfischung und Umwelteinflüsse begünstigt und gefährden die Riff-Ökosysteme.
- Zur Bekämpfung der Dornenkronenseesterne setzen Taucher spezielle Lösungen ein oder sammeln sie manuell aus den Riffen.
- Um ihre Population zu kontrollieren, testen Forscher neue Methoden, wie das Anlocken mit Duftstoffen, um COTS gezielt zu erfassen.
- Haszprunar, G.; Vogler, C.; Wörheide, G. Persistent Gaps of Knowledge for Naming and Distinguishing Multiple Species of Crown-of-Thorns-Seastar in the Acanthaster planci Species Complex. Diversity 2017, 9, 22. https://doi.org/10.3390/d9020022 ↩︎
- Wörheide, G., Kaltenbacher, E., Cowan, Z.-L. & Haszprunar, G. (2022) A new species of crown-of-thorns sea star, Acanthaster benziei sp. nov. (Valvatida: Acanthasteridae), from the Red Sea
. Zootaxa, 5209 (3), 379–393. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5209.3.7 ↩︎ - species modulate transition probability from herbivory to corallivory in Acanthaster cf. solaris (Crown-of-Thorns Seastar). Coral Reefs 41, 843–848 (2022). https://doi.org/10.1007/s00338-022-02255-6 ↩︎
- Richard J. Harris, Adam K. Hillberg, Lee D. Bastin, Blake S. Lausen, Saowaros Suwansa-Ard, Tianfang Wang, Abigail Elizur, Sakura Kikuchi, Keisuke Nakashima, Noriyuki Satoh, Cherie A. Motti, Scott F. Cummins, A family of crown-of-thorns starfish spine-secreted proteins modify adult conspecific behavior, iScience, Volume 28, Issue 4, 2025, 112161, ISSN 2589-0042, https://doi.org/10.1016/j.isci.2025.112161 ↩︎
Zuletzt aktualisiert:
Autor: Ulrich Karlowski
Titelfoto: Dornenkronenseestern Crown-of-Thorns Starfish in einem Korallenriff, © OceanImageBank/RenataRomeo

