Dornenkronenseestern

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Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.) können zur lebensbedrohlichen Gefahr für Korallenriffe werden. Die 30 bis 40 cm großen und mit unzähligen 4–5 cm langen, spitzen Giftstacheln auf ihren 6 bis 23 Armen wehrhaften Seesterne sind gefürchtete Riffzerstörer. Besonders große Exemplare erreichen auch Durchmesser von bis zu 80 cm von Armspitze zu Armspitze. Sie leben im gesamten Indopazifik bis zu bis zur Westküste Zentralamerikas, im Roten Meer und an der Küste Ostafrikas. Dornenkronenseesterne profitieren von der Ozeanerhitzung und Düngemitteleinträgen in Küstengewässer, zumindest kurzfristig. Bis November 2022 waren drei Arten anerkannt: Acanthaster planci im nördlichen Indischen Ozean, Acanthaster mauritiensis im südlichen Indischen Ozean und Acanthaster cf. solaris im Pazifischen Ozean. Dann identifizierten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität und der Zoologischen Staatssammlung München den Dornenkronenseestern aus dem Roten Meer als eine eigene Art. Sie heißt Acanthaster benziei.

Ökologische Funktion

Zur ihrer Hauptnahrungsquelle gehören Steinkorallen. Darunter vor allem Acropora– und Montipora-Arten. Außerdem fressen sie auch Schwämme, Weichkorallen und Algen. Einzelne Dornenkronenseesterne richten in einem Riff keinen großen Schaden an. Innerhalb eines Jahres, schafft es ein Seestern lediglich eine Rifffläche von etwa 5 bis 13 Quadratmetern abzufressen. Ihre natürliche Dichte in Riffgbieten ist niedrig (zwischen 6 bis 20 pro Qudratkilometer).

In intakten Riff-Ökosystemem tragen die großen Stachelhäuter zum Erhalt der Korallen-Artenvielfalt bei. Dann fressen sie ungefähr so viele Korallen wie nachwachsen. Da sie die schnell wachsende Arten bevorzugen, schaffen sie auf diese Weise im Riff Platz für langsamer wachsende Korallen.

Dornenkronenseestern (Acanthaster planci)

© Patrick Schmidt

Massenvermehrung

Da natürliche Feinde wie die Meeresschnecke Tritonshorn (Charonia tritonis) oder große Rifffische wie der Riesen- oder Titan-Drückerfisch (Balistoides viridescens), stark dezimiert wurden, kommt es seit einigen Jahren immer häufiger zur Massenvermehrung von Dornenkronenseesternen.

Ein Dornenkronenseestern crown-of-thorns starfish auf einer Korallen, Riff vor Malapascua, Phlippinen
© People and the Sea

Von einem derartigen „Ausbruch“ spricht man nach Angaben des Reef Resilience Network, wenn auf einem Hektar Rifffläche mehr als 30 oder mehr ausgewachsene Dornenkronseesterne leben. Dann können sie Riffe großflächig zerstören. Lassen nur deren Kalkskelette übrig. Einer Heuschreckenplage vergleichbar überfallen viele Hunderttausend Seesterne gleichzeitig ein Riff. Es hat keine Chance, dem Ansturm zu widerstehen, besonders, wenn es bereits anderweitig unter Druck (Ozeanerhitzung, Überfischung, Überdüngung, Sedimenteinträge) steht. Ist dann irgendwann keine weitere Nahrung vorhanden, verhungern die Seesterne mit der Zeit.

So traf eine Massenvermehrung von Dornenkronenseesternen in den 1970er Jahren den nördlichen Teil des Great Barrier Reef. Der Ausbruch dauerte acht Jahre. Während seines Höhepunkt lebten etwa 1.000 Seesterne auf einem Hektar Rifffläche. Am Ende waren 150 Riffe frei von Korallen. 500 Riffe waren mehr oder weniger stark geschädigt.

Neue Art im Roten Meer

Im November 2022 identifizierten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität und der Zoologischen Staatssammlung München die Dornenkronenseesterne des Roten Meeres als eine eigene Art. Sie heißt Acanthaster benziei*. Damit gelang seit mehreren Jahrzehnten die erste Beschreibung einer neuen Art von Dornenkronenseesternen. „Lange nahm man an, dass die erstbeschriebene Art der Gattung, Acanthaster planci, vom Roten Meer über den indischen Ozean bis über den gesamten Pazifik verbreitet ist“, sagt Gert Wörheide, Professor für Paläontologie und Geobiologie an der LMU sowie Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG).

Bei Dornenkronenseesternen aus dem Roten hatte man bereits früher Besonderheiten beobachtet. Sie sind eher nachtaktiv und haben weniger Arme. Ihre Stacheln sind dünner und weniger giftig. Mit ihren Untersuchungen wiesen die Münchner Wissenschaftler nach, dass sie eine eigenständige Art und dort endemisch sind. Acanthaster benziei kommt ausschließlich dort vor.

Erkenntnisse für ein besseres Management von Riff-Ökosystemen

Mit der Unterteilung unterschiedlicher Arten mit unterschiedlichen Lebensraumansprüchen, kann man die Populationsdynamik besser verstehen. So sind Massenvermehrungen korallenfressender Dornenkronenseesterne im Roten Meer weniger heftig als im Great Barrier Reef.

Die Forscher vermuten, dass dies an artspezifischen Charakteristika liegt. Fortan könne man sich somit auf mehr auf die Biologie und Ökologie des Dornenkronenseesterns Acanthaster cf. solaris aus dem westlichen Pazifik konzentrieren. „Letztendlich ein Schritt in Richtung eines besseren Managements der Riff-Ökosysteme“, sagt Gert Wörheide.

Quelle:
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns, Fachartikel: ZOOTAXA, doi: 10.11646/zootaxa.5209.3.7

* Der neue Artname ehrt John Benzie, Professor am University College Cork, der mit seinen wegweisenden genetischen Studien über Dornenkronenseesterne in den 1990ern und seiner umfangreichen Sammlung Pionierarbeit geleistet hat.

Bekämpfung von Dornenkronenseesternen

In Australien gibt es spezielle Taucherpatrouillen. Die Taucher injizieren den Seesternen eine für sie tödliche Lösung aus Ochsengalle und natürlicherweise in den Stachelhäutern vorkommenden Vibrio-Bakterien.

Taucher injizieren Gift in einen Dornenkronenseestern crown-of-thorns starfish.

Taucher injizieren Gift in einen Dornenkronenseestern. © OceanImageBank/ShaunWolfe

Eine andere Methode ist das manuelle Absammeln. Hierbei gilt es, vorsichtig zu Werke zu gehen. Denn die giftigen Stacheln verursachen schlecht heilende, schmerzhafte Stiche. Komplikationen und Sekundärinfektionen können auftreten.

Freitaucher entfernt eine Dornenkrone aus einem Korallenriff vor Malapascua, Philippinen.

Manuelles Absammeln eines Dornenkronensterns wie hier in einem Riff vor der philippinischen Insel Malapascua erfordert Werkzeug und Training. © People and the Sea

Wenn Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten

Die oft leuchtend rot gefärbten Dornenkronenseesterne mit ihrem starken Stachelpanzer sind wunderbare Meerestiere und gehören zur natürlichen Artenvielfalt der Riffe im tropischen Indopazifik. Es ist ein Dilemma, dass man – um Korallenriffe und ihre wunderbare Artenvielfalt vor der Vernichtung zu bewahren – viele Zehntausend Seesterne töten muss. Die prächtigen Dornenkronen sind dabei selbst Opfer von vom Menschen verursachter Umweltveränderungen:

Meeresschnecke Tritonshorn.
© Dr. Robert Schroeder – NOAA/NMFS/PISC/JIMAR/CRED
  • Überfischung großer Rifffische, die Dornenkronenseesterne oder deren Larven fressen.
  • Touristische Übernutzung der großen Tritonshorn-Meeresschnecken und anderer Meeresschnecken als Urlaubssouvenir. Das Tritonshorn gehört zu den wenigen Meerestieren, die ausgewachsene Dornenkronenseesterne fressen.
  • Schaffung günstiger Wachstumsbedingungen für Seesternlarven (Algenvermehrung) durch den Eintrag von Düngemitteln aus der Landwirtschaft und von der Klimakatastrophe ausgelöster Erhitzung der Ozeane.
Dornenkronenseestern crown-of-thorns starfish.

Der Dornenkronenseestern ist ein prachtvolles Meerestier und hat eine wichtige ökologische Funktion in tropischen Riffen. © OceanImageBank/WarrenBaverstock

Traurige Lösung für den Dornenkronenseestern

Solange es nicht gelingt, Nährstoffeinträge in küstennahe Ökosysteme zu reduzieren und die natürliche Artenvielfalt in geschädigten Riffsystemen wiederherzustellen, bleibt vorerst nur die traurige Lösung, Dornenkronenseesterne zu eliminieren. Damit das von einer Massenvermehrung betroffene Riff überhaupt eine Überlebenschance hat.

Titelfoto: Dornenkronenseestern Crown-of-Thorns Starfish in einem Korallenriff. © OceanImageBank/RenataRomeo


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