Haie in der Adria

Die Zeiten, da die Strände in Kroatien mit Netzen vor gefährlichen Haien geschützt wurden, sind schon sehr lange vorbei. Angst vor Haien in der Adria muss man nicht mehr haben. Hier stellen wir einige der zumeist bedrohten Arten vor, denen man mit etwas Glück in der Adria begegnen kann.

Ein Hai-Hotspot war die Adria zwar nie, doch gab es hier früher durchaus auch große Arten häufiger, wie etwa Weiße Haie oder Blauhaie. Mittlerweile ist es im gesamten Mittelmeer um diese Knorpelfische schlecht bestellt, wie der WWF in seinem Haibericht 2019 für das Mittelmeer (Sharks in Crisis – A call to action for the Mediterranean) schreibt. Von den derzeit 73 dort vorkommenden Spezies sind mehr als die Hälfte gefährdet.

Haie in Not

Die mit Abstand größte Gefahr für Haie und Rochen geht von der Überfischung aus. 80 % der erfassten Bestände im Mittelmeer gelten als überfischt! Dies nicht nur, weil sie gezielt gefangen werden, sondern häufig auch, weil sie als Beifang oder Rückwurf sterben.

Haigerichte im Restaurant

In Kroatien, ebenso wie in Deutschland und anderen Ländern, werden in Restaurants und an Fischtheken auch gefährdete Haiarten ganz legal angeboten. Foto: U. Kirsch/DSM

Ohnehin sieht es für Haie und Rochen weltweit noch schlechter aus als bislang bekannt: 37 Prozent der Haie und Rochen weltweit sind inzwischen vom Aussterben bedroht, wie die Weltnaturschutzunion IUCN auf ihrer Tagung im September 2021 mitteilte. Die Gefahren liegen vor allem in der Fischerei (Überfischung, Beifang, Shark Finning). Hinzukommen Lebensraumverlust und Klimawandel.

Haiarten in der Adria

In der Adria gibt es rund 53 Knorpelfischarten (Haie, Rochen, Chimären), davon rund 30 im kroatischen Teil. Viele davon sind kleiner und unspektakulärer. Am beeindruckendsten dürften die zwei Großen sein: Weißer Hai und Riesenhai. Doch für sie wie für einige andere der größeren Arten gilt: Sie sind selten oder selten geworden.

Riesenhai (Cetorhinus maximus)

Riesenhai in der Adria

Mit geöffnetem Maul schwimmen Riesenhaie umher und lassen Wasser einströmen, aus dem sie Zooplankton durch die Kiemenreusen herausfiltern. Foto: David Mark/Pixabay

Im Mittelmeer werden die bis zu 12 großen und völlig harmlosen Filtrierer häufig gesichtet, vor allem im Frühjahr im Nordwesten. Bei Sardinien sind sie saisonal sogar regelmäßige Besucher. Die Art gilt weltweit als stark gefährdet. Ein ausführliches Artenporträt gibt es hier.

Auch in der nördlichen Adria waren sie schon zu sehen. Erst im März 2021 wurde ein Riesenhai von einem Fischer zwischen der Insel Cres und Istrien bei Koromačno gesichtet.

Bislang sollen mehr als 35 Sichtungen in der Adria dokumentiert worden sein. Am häufigsten sah man sie im Frühjahr und Sommer in der Bucht von Rijeka und im Golf von Triest.

Weißer Hai (Carcharodon carcharias)

Weißer Hai

Foto: Gerald Schömbs/unsplash

Ob es sich bei den medialen Sensationsmeldungen im Sommerloch tatsächlich immer um einen Weißen Hai in der Adria handelt, darf bezweifelt werden. Denn Verwechslungen mit Kurzflossen-Mako oder Heringshai sind möglich. Ausgeschlossen ist es jedoch nicht. Im Oktober 2017 wurde beispielsweise einer vor Rimini gesichtet (VIDEO).

Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die in der Adria durchschnittlich 3 bis 5 m großen Weißen Haie in den Küstengewässern der östlichen Adria sogar relativ häufig. Doch mit dem Schwund seiner Hauptbeute Thunfisch verschwand auch der Weiße Hai mehr oder weniger. Biologen vermuten in der Adria jedoch eine Kinderstube der weltweit gefährdeten Art.

Kurzflossen-Makohai (Isurus oxyrinchus)

Kurzflossen-Makohai Im Juni 2019 kreuzte ein Vertreter dieser bis zu 4 m großen Art vor Makarska. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h – manche Experten gehen von bis zu 100 km/h aus – gelten Makos als die schnellsten Haie der Welt. Außerdem springen sie gern aus dem Wasser, sogar bis zu 9 m hoch.

Kurzflossen-Makos sind im Mittelmeer allerdings nicht häufig anzutreffen und nur selten in der Adria. Von 2014 bis 2017 wurden acht Exemplare gefangen, davon zwei auf italienischer Seite. Insbesondere der große Fischereidruck und schlechtes Fischereimanagement gefährden die (in Kroatien allerdings geschützte) Art.

Weltweit gelten Kurzflossen-Makos als stark gefährdet. Die Population im Nordatlantik steht kurz vor der Ausrottung durch die Fischerei.

Blauhai (Prionace glauca)

Blauhai im Atlantik

Foto: istock.com/Velvetfish

Die durchschnittlich 3 m große Art gehörte einst zu den häufigsten Haiarten in der Adria. Heute ist sie vom Aussterben bedroht. In der Nordadria soll sich eine Kinderstube befinden.

Während Blauhaie in Kroatien streng geschützt sind, zählen sie im Mittelmeer zu einer bedeutenden Zielfischart. Zudem sterben sie in der Fischerei häufig als Beifang.

Küstennahe Sichtungen gab es etwa im Mai 2020 vor Soverato, Italien, und im April 2020 im Hafen der kroatischen Ortschaft Crkvenica.

👉 Verzichten Sie auf den Verzehr von Blauhaien!

Der im Mittelmeer vom Aussterben bedrohte Blauhai gilt als Speisefisch, der auch in Deutschland in Fischtheken und Restaurants verkauft wird.

Gewöhnlicher Glatthai (Mustelus mustelus)

Glatthai

Gewöhnlicher Glatthai – Foto:  iStock.com/CreativeNature

Die durchschnittlich 1 bis 1,2 m große Art kommt in der Adria häufig vor. Man nimmt an, dass sich die in Bodennähe lebenden Haie hier fortpflanzen.

Die auch in Kroatien nicht geschützten Haie werden – obwohl sie weltweit stark gefährdet sind – im gesamten Mittelmeer intensiv mit Grundschleppnetzen, Langleinen und manchmal auch mit Stellnetzen befischt. Zudem sterben sie häufig als Beifang in der Fischerei.

Heringshai (Lamna nasus)

toter Heringshai

Heringshai – Foto: NOAA/gemeinfrei

Die durchschnittlich 2,2 bis 2,5 m große Art steht im Mittelmeer aufgrund der Fischerei (Fang, Beifang, Sportfischerei) am Rande der Ausrottung.

In der Adria gab es laut dem Haiexperten Andrej Gajić bis heute 26 dokumentierte Funde, davon 11 in der östlichen und 15 in der Westadria.

In Kroatien drohen empfindliche Strafen für Fang eines Heringshais: zwischen 4.000 und 27.000 Euro, wie Gajić berichtet.

👉 Verzichten Sie auf den Verzehr von Heringshai!

Der Heringshai gilt im Mittelmeer und in Europa als vom Aussterben bedroht. Dennoch wird er im Handel angeboten, oft als Kalbsfisch oder Seestör „getarnt“.

Fuchs- oder Drescherhai (Alopias vulpinus)

Gewöhnlicher Fuchshai

Foto: iStock.com/bearacreative

Die durchschnittlich 3-4 m große Art ist selbst für Laien leicht an ihrer extrem langen Schwanzflosse zu erkennen. Der Flossen-Oberlappen kann so lang sein wie der restliche Körper! Besonders gut ist er über Wasser zu sehen: Denn als eine von nur wenigen Haiarten vollführen Fuchshaie gelegentlich sehr hohe Luftsprünge.

Die lange Schwanzflosse dient Fuchshaien als „Jagdwerkzeug“: Sie treiben damit Fische zusammen oder betäuben sie mit einem Flossenhieb. Auf diese Weise erbeuten sie sogar Seevögel.

Gemeine Fuchshaie sind im Mittelmeer relativ häufig und gehörten früher ebenfalls mit zu den häufigsten Haiarten in der Adria. Im nördlichen Teil soll sich auch eine Kinderstube befinden. Obwohl sie laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN im Mittelmeer als stark gefährdet gelten, werden sie dort – auch in Kroatien – gezielt befischt.

Weitere Haie in der Adria

DSM-Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“

DSM-Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria: Meeressäuger, Haie, Meeresschildkröten und andere faszinierende Meerestiere“. Darin stellen wir 32 Meerestiere aus der Adria von Groß bis Klein vor.

Kurzporträts von weiteren, eher selteneren Haiarten in der Adria finden Sie in unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria – Meeressäuger, Haie, Schildkröten und andere faszinierende Meerestiere“:

  • Weißspitzen-Hochseehai
  • Grauhai
  • Glatter Hammerhai
  • Sandtigerhai
  • Sandbankhai
  • Hundshai
  • Samtbauchhai

Zudem enthält die Broschüre wichtige Informationen zum Naturschutz in Kroatien sowie ein paar Aktionstipps.


👉Ihre Hilfe für Haie in der Adria

👉 Bildspenden

Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer über Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

👉 Citizen Science – Bürgerforscher

Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr über Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank über die Arten zu erstellen. Dafür wurde das MECO Project gegründet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser können wir Arten schützen!

Die öffentliche Facebook-Gruppe heißt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort können Sie Ihre Sichtungen eintragen … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

👉 Haischutz-Projekte unterstützen

Titelfoto: Blauhai, istock.com/Velvetfish