Kegelrobbe: Deutschlands größtes Raubtier

Kegelrobben (Halichoerus grypus) bilden mit Seehunden (Phoca vitulina) und Schweinswalen (Phocoena phocoena) die Gruppe unserer heimischen Meeressäugetiere. Die Kegelrobbe ist das größte Raubtier Deutschlands und die seltenste der bei uns heimischen Meeressäugerarten. Sie sind mächtige Raubtiere. Männchen sind bei bis zu 300 kg fast 2,5 m groß. Weibchen sind mit rund 150 kg und bis zu 1,9 m Länge deutlich kleiner und damit kaum größer als männliche Seehunde. Neugeborene erreichen zwischen 85 und 105 cm bei einem Geburtsgewicht von ca. 15 kg.

Kegelrobben leben entlang der Küsten der gemäßigten und subarktischen Zonen des Atlantiks und in der Ostsee. Aufgrund unterschiedlicher Fortpflanzungszeiten und wegen der geografischen Isolation unterscheidet man eine west- und eine ostatlantische Population.

Deutsche Fischer töten Ostsee-Kegelrobben mit einer Reuse

Zwischen Oktober und November 2024 töteten deutsche Fischer mindestens 44 Ostsee-Kegelrobben mit einer vor Thiessow (Naturschutzgebiet Mönchgut) bei Rügen gestellten Reuse. Damit starben mindestens 20 % des Bestands der in den Gewässern vor Mecklenburg-Vorpommern lebenden Kegelrobben auf einen Schlag!

Überraschend erließ das Amtsgericht Stralsund im Februar 2026 Strafbefehle gegen zwei Fischer, 43 und 66 Jahre alt. Sie sollen je drei Monatseinkommen als Strafe für den Tod von fünf der 44 in einer am „Thiessower Haken“ im Südosten von Rügen gestellten Fischreuse gestorbenen Kegelrobben zahlen.

Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden nach den ersten beobachteten Todesfällen nichts unternommen hätten, um weitere Robben daran zu hindern, in die Reuse zu schwimmen und zu sterben. Die Fischer legten Einspruch ein.

Systematik

Kegelrobben sind Raubtiere (Carnivora) der Unterordnung Robben (Pinnipedia). Sie gehören wie der Seehund zur Überfamilie der Hundsrobben (Phocidae) und der Unterfamilie Phocinae. Man unterscheidet zwei Unterarten. Als Hundsrobben besitzen sie keine Ohrmuscheln.

Wie sieht eine Kegelrobbe aus?

Am einfachsten erkennt man sie an ihrer Körpergröße und ihrer Kopfform. Ihr Kopf ist namensgebend, kegelförmig und spitz zulaufend. Im Profil erinnert er bei Männchen an eine „römische Hakennase“. Weibchen dagegen zeichnen sich eher durch eine gestreckte „Stupsnase“ aus. An ihrem Fleckenmuster kann man einzelne Tiere individuell erkennen.
Foto: Wolfgang Vogt/pixabay
Kegelrobbe liegt am Strand.

Wie alt wird eine Kegelrobbe?

Kommt nichts dazwischen, werden Weibchen unter optimalen Bedingungen 45 Jahre alt. Männchen dagegen haben eine Lebenserwartung von etwa 30 Jahren.

Wie schnell schwimmt eine Kegelrobbe?

Mit ihren bis zu 35 km/h handelt es sich um schnelle und gewandte Unterwasserjäger. Da ihre zum Klettern auf unwegsamen Felsküsten mit langen, gekrümmten Krallen gut ausgestatteten Vorderflossen klein sind, setzen sie beim Schwimmen hauptsächlich ihre Hinterflossen ein.

Wer sind ihre natürlichen Feinde?

In der Ostsee haben Kegelrobben keine natürlichen Feinde. Im Atlantik müssen sie vor großen Haien, Kleinen Schwertwalen und Orcas auf der Hut sein.

Wie viele Kegelrobben gibt es?

Laut IUCN liegt der Weltbestand erwachsener Individuen bei etwa 316.000 Individuen. Mit etwa 250.000 Tieren ist die Population im Nordwestatlantik mit Abstand die größte.

Eine Kegelrobbe schaut hinter einer Düne hervor
© A_Different_Perspective/pixabay

In der Ostsee vermutet man einen Bestand zwischen 40.000 und 60.000 Exemplaren.

In der größten Kegelrobben-Kolonie auf Sable Island (Nova Scotia) werden jedes Jahr schätzungsweise 80.000 Kegelrobbenwelpen geboren. Das entspricht etwa 80 % der fortpflanzungsfähigen Population im Nordwestatlantik.

Kegelrobben in der Ostsee (Baltische Kegelrobben)

Die Population in der Ostsee bildet eine eigene Unterart (Halichoerus grypus grypus). Sie ist genetisch isoliert von den nächstgelegenen atlantischen Populationen. Baltische Kegelrobben sind etwas kleiner als ihre atlantischen Verwandten. Im Gegensatz zu diesen bringen Baltische Kegelrobben ihren Nachwuchs nicht nur an Land, sondern auch auf Treibeis zur Welt.

Baltic Seal Disease Complex

Um 1900 soll es etwa 100.000 Exemplare in der gesamten Ostsee gegeben haben. Es dauerte nur etwa 90 Jahre, dann standen die Ostsee-Kegelrobben bereits am Rande der Ausrottung.

In den 1940er-Jahren gab es in der gesamten Ostsee noch rund 20.000 Exemplare. Bis 1980 sank der Ostsee-Bestand weiter auf 3.000 Tiere. Ursachen waren Umweltgifte wie polychlorierte Biphenyle (PCBs) und Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT). Diese lösten den sogenannten Baltic Seal Disease Complex (BSDC) aus, der eine deutlich geringere Geburtenrate bei Ostsee-Kegelrobben zur Folge hatte. Etwa 80 % aller Kegelrobben-Weibchen konnten wegen Unfruchtbarkeit keine Jungen mehr bekommen.

Bestandserholung in der Ostsee seit den 1990er-Jahren

Seit den 1990er-Jahren wächst der Bestand kontinuierlich. Ursachen waren verbesserte internationale Schutzmaßnahmen, insbesondere ein striktes Jagdverbot sowie das Produktionsverbot von PCB und DDT. Für 2021 schätzte die Helsinki-Kommission HELCOM (Baltic Marine Environment Protection Commission) die Gesamtpopulation in der Ostsee auf rund 60.000 Tiere. Gezählt wurden allerdings nur rund 42.000 Kegelrobben. Von diesem Wert rechnete man auf den wahrscheinlichen Gesamtbestand hoch.

Infolge dieser Entwicklung gibt es auch wieder mehr Kegelrobben in der südlichen Ostsee, der dänischen Meerenge und dem Kattegat. Von 150 im Jahr 2003 auf etwa 2.500 im Jahr 2020. Jedoch sank die Geburtenrate im gleichen Zeitraum von 2 auf 0,5 Prozent.

2020 registrierte ein internationales Forscherteam des Deutschen Meeresmuseums Stralsund, der Universität Aarhus und des Museums für Naturkunde Kopenhagen, der Marine Forschungsstation in Polen und des Stockholmer Naturkundemuseums hier lediglich acht Kegelrobbengeburten.

HELCOM

Laut HELCOM erreichen die Kegelrobben in der Ostsee keinen guten Umweltzustand.
Erreicht eine Population keinen guten Umweltzustand,
wird sie rot markiert. © HELCOM

HELCOM bewertet den Status der Kegelrobben in der Ostsee als gut in Bezug auf ihre Häufigkeit. Bei der Vermehrungsrate und damit der Populationsentwicklung erreicht die Art allerdings keinen guten Status.

Insgesamt erreichen die Kegelrobben in der Ostsee laut HELCOM keinen guten Umweltzustand. Das liegt nicht zuletzt an den Abschussquoten in Finnland (1.550), Schweden (1.500) und Lettland (69).

Auch die bewusst herbeigeführte Tötung der großen Unterwasserjäger druch deutsche Fischer in Fischreusen dürfte eine Rolle spielen.

Deutsche Ostsee

In der deutschen Ostsee starb die Ostsee-Kegelrobbe durch systematische Jagd und Umweltverschmutzung um 1920 lokal aus. Seit 2005 jedoch tauchen sie wieder häufiger bei uns auf. Im März/April 2019 zählte man über 300 Tiere im Greifswalder Bodden.

Im März 2018 gab es an der Küste von Rügen nach etwa 100 Jahren wieder eine Kegelrobbengeburt an der deutschen Ostseeküste. Seitdem ist klar, dass Kegelrobben sich bei uns wieder ansiedeln. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Im Greifswalder Bodden, in den Gewässern um Rügen, Usedom und Darß, leben sie mittlerweile ganzjährig. Ihre Bestandsdichte ist allerdings gering.

Dennoch fordern Fischereilobbyverbände die Festlegung einer Bestandsobergrenze mit Abschussquote. Denn die Rückkehr der gewandten Raubtiere stößt nicht überall auf Begeisterung. Zwar freuen sich Touristen und Naturfreunde über ein echtes Wildtierhighlight. Fischer sehen sie als lästige, ihren eigenen Profit schmälernde Nahrungskonkurrenten. Deshalb gab es an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern bereits mehrfach Massentötungen durch Küstenfischer.

Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern töten Kegelrobben mit Fischreusen

Im Herbst 2017 ertrank rund ein Viertel des in vorpommerschen Gewässern lebenden Kegelrobbenbestands (mindestens 23 Tiere) in einer Fischreuse. Die Staatsanwaltschaft Stralsund stellte ihre Ermittlungen gegen einen verdächtigen Fischer wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutz- und das Bundesnaturschutzgesetz im Sommer 2018 allerdings ein.

Anfang Oktober 2024 begann ein mysteriöses Kegelrobbensterben an der Südostküste Rügens. Am 1. November waren es 40 tote Tiere. Bis zum 5. November stieg die Zahl nach Angaben des BUND Mecklenburg-Vorpommern sogar auf 44. Die meisten von ihnen (23) fand man an einem eng begrenzten Küstenabschnitt in der Nähe einer an „Thiessower Haken“ im Südosten von Rügen gestellten Fischreuse. Erst als das fragliche Fanggerät an Land genommen wurde, hatte das Massensterben ein Ende.

Die Tiere waren bei etwa 2 m Länge und mit 150 kg Gewicht in einem guten Ernährungszustand und wiesen keine äußerlichen Verletzungen auf. Untersuchungen im Meeresmuseum Stralsund zeigten, dass alle untersuchten Robben ertrunken waren. Das Meeresmuseum Stralsund erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Die Wasserschutzpolizei nahm aufgrund eines Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft Stralsund Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz auf.

Pikanterweise war in beiden Fällen der gleiche Fischereibetrieb für das Stellen der Reusen verantwortlich.

Aufgrund des erneuten Vorfalls verfügte das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern, dass ab März 2025 in den Küstengewässern des Landes alle Reusen mit Einschwimmsperren für Robben nachgerüstet sein müssen. Bislang waren Robbenschutzvorrichtungen lediglich für Reusen im Greifswalder Bodden vorgeschrieben.

Kegelrobben im Wattenmeer und bei Helgland

Im Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer steigt die Zahl der hier lebenden Kegelrobben seit Jahren. Im Zählzeitraum 2025/2026 erfasste das Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven 12.497 ausgewachsene Tiere (gegenüber 12.064 im Vorjahr) sowie 3.385 Neugeborene (gegenüber 3.051 im Vorjahr). In beiden Fällen sind dies Höchststände (Zuwachs um 3,6 Prozent) seit Beginn der gemeinsamen Zählungen in den Niederlanden, Deutschland und Dänemark im Jahr 2008.

Die meisten Kegelrobben leben im niederländischen Teil des Wattenmeers (8.981). Bemerkenswert ist das Anwachsen der Population im schleswig-holsteinischen Teil des Wattenmeers von 499 Tieren im Jahr 2025 auf 957 im Jahr 2026. Auch in Dänemark (348) gab es eine leichte Zunahme, während die Bestände auf Helgoland (989) und in Niedersachsen (1.222) zurückgingen. 

Nach Einschätzung der trilateralen Expertengruppe für Meeressäuger mit Mitgliedern aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden untermauern die Zahlen den Trend einer kontinierlichen Ausbreitung der Kegelrobbe in Richtung östliche Nordsee.

Jungtiere

In den zurückliegenden fünf Jahren stieg die Zahl der Jungtiere jährlich um durchschnittlich 12 Prozent. Auch im Zählzeitraum 2025/2026 setze sich dieser starke Aufwärtstrend mit einer Zunahme um 11 Prozent auf 3.385 Tiere im Vergleich zum Vorjahr fort. Erneut gab es im niederländischen Wattenmeer die meisten Jungtiere (1.731), gefolgt von Helgoland (1.077) und Niedersachsen (575), was hier eine deutliche Bestandszunahme bedeutet.

Ernährung

Kegelrobben sind gnadenlose Opportunisten. Grundsätzlich versuchen sie, alles, was sie finden, zu fressen, bevorzugen allerdings Fisch. Und davon eine ganze Menge. Täglich etwa 5 bis 7 kg. Hauptsächlich Scholle, Hering, Flunder oder Kabeljau. Gelegentlich erbeuten sie Krebse und Weichtiere am Meeresboden. Dank ihrer Barthaare, auch „Vibrissen“ genannt, können sie selbst bei völliger Dunkelheit gezielt Nahrung finden.

Die Irish Whale and Dolphin Group (IWDG) berichtet von Kegelrobben-Angriffen auf Gemeine Delfine an der irischen Ostküste. Auch Seehunde, Schweinswale und andere Kegelrobben (Kannibalismus) werden erbeutet.

Kannibalismus bei Kegelrobben wurde erstmals 1992 auf Amet Island, Nova Scotia, dokumentiert. Im Februar 2026 veröffentlichte ein Forscherteam aus Großbritannien, Kanada und den USA eine Dokumentation über Infantizide (Kindstötungen) und Kannibalismus von männlichen Kegelrobben in der Kolonie auf Sable Island, Nova Scotia. Forschende vermuten, dass Kindstötungen entweder auf opportunistisches Jagdverhalten oder auf sexuelle Aggression untergeordneter Männchen zurückzuführen sind.1

Besitzen Kegelrobben einen siebten Sinn?

Die großen Robben können bis zu 140 m tief tauchen und dabei mindestens 30 Minuten lang unter Wasser bleiben. Ihre Rekordtauchtiefe soll bei 400 m liegen. Meist belassen sie es bei 65 m Tauchtiefe mit durchschnittlich viereinhalb Minuten unter Wasser.

Anscheinend können Kegelrobben während eines Tauchgangs den Sauerstoffgehalt in ihrem Blut messen. Das versetzt sie in die Lage, die Dauer ihres Aufenthalts unter Wasser besser planen zu können. Wie sie das machen, ist unklar. Eventuell handelt es sich um einen speziellen Sinn. Darauf deutet eine im März 2025 veröffentlichte Studie schottischer Forscher hin.2

Bislang ging man davon aus, dass Kegelrobben, wie andere Meeressäugetiere auch, den Kohlendioxid-Gehalt im Blut messen, um abzuschätzen, wann es an der Zeit ist, wieder an die Wasseroberfläche zu kommen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Weibchen paaren sich mit mehreren Männchen. Während der Fortpflanzungszeit gehen die Männchen kaum auf Nahrungssuche und nehmen stark ab. Die Paarung findet fast zeitgleich mit der Geburt der Jungen statt. Männchen grenzen dann Territorien mit sechs bis sieben Weibchen ab, die sie gegen Nebenbuhler verteidigen. Es gibt allerdings auch monogame Paare. Zum Ende der Fortpflanzungszeit kommt dann der jährliche Fellwechsel. Auch dafür benötigen Kegelrobben hochwassersichere Liegeplätze.

Jedes Jahr, meist von Ende November bis Anfang Januar, kommen trächtige Kegelrobbenweibchen nach Helgoland und zu Liegeplätzen auf dem Jungnamensand und den Knobsänden zwischen Amrum und Sylt. Auf Helgoland bringen sie auf einer kleinen Nebeninsel – der sogenannten Düne – ihre Jungen zur Welt.

Kegelrobbenwelpen

Kegelrobbenwelpen kommen im Winter zur Welt. Das variiert je nach Lebensraum, in der Ostsee z. B. von Mitte Februar bis März. In England dagegen von September bis Oktober. Mit vier bis sieben Jahren erreichen sie ihre Geschlechtsreife. Nach gut 11 Monaten bringen die Weibchen jährlich ein Jungtier zur Welt, das sie bis zu drei Wochen lang säugen. Dank der sehr fettreichen Milch (ca. 50 %) nimmt das Kleine täglich bis zu 2 kg am Tag zu, während die Mutter bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts verliert. Denn sie geht in dieser Zeit nicht auf die Jagd.

Im Gegensatz zum Seehund benötigen Kegelrobben hochwassergeschützte Wurfplätze. Zwar können die Jungtiere schwimmen. Doch kommen sie mit einem weißen, nicht wasserdichten, aber sehr warmen Fell (Lanugofell) auf die Welt. Dieses verlieren sie nach der Entwöhnung. Erst dann können sie das Land verlassen und beginnen, selbstständig zu jagen. Neugeborene können von Felsküsten abstürzen, bei Hochwasser ertrinken oder ihre Mutter verlieren.

Kegelrobben liegen in einer Kolonie eng zusammen am Strand.

Foto: Wolfgang Vogt/pixabay

Selektionsvorteil für baltische Kegelrobbenwelpen

Welpen der Baltischen Kegelrobbe, die auf Meereis geboren werden, haben eine größere Überlebenschance als Welpen, die auf Land geboren wurden. Auf Eisschollen ist für Mütter und Jungtiere ein größeres Areal verfügbar. Dadurch sind die Welpen weniger Risiken durch andere Raubtiere, Menschen oder Infektionen ausgesetzt als in eng besetzten Robbenkolonien an Land.

Die Ostsee-Kegelrobben könnten diesen Selektionsvorteil durch den von der Erderhitzung verursachten Rückgang des Meereises jedoch bald verlieren.

Fastenzeit

Kegelrobbenwelpen müssen nach der Entwöhnung eine längere Fastenzeit durchstehen. Das können mehrere Wochen sein. Währenddessen bleiben sie in der Regel am Ort ihrer Geburt und haben keinen Kontakt zu ihrer Mutter. Denn diese ist bereits weit draußen auf See, oft mehrere hundert Kilometer vom Aufzuchtort entfernt.

Es ist nicht bekannt, dass die Mütter jemals wieder zu ihren Jungen zurückkehren. Nur gelegentlich begeben sich Kegelrobbenwelpen während der Fastenzeit an einen anderen Aufenthaltsort.

Verhalten

Rund 20 Prozent ihres Lebens verbringen Kegelrobben an Land mit Ruhen, Sonnen und Entspannen oder zur Paarung und Jungenaufzucht. Dann kann man die Meeresjäger genau beobachten, z. B. im Winter auf der Helgoland vorgelagerten Insel „Robbenland“.

Wanderungen

Von gelegentlichen Streifzügen einzelner Jungtiere abgesehen, unternehmen Kegelrobben keine größeren Wanderungen. Wenn sie nicht an Land sind, treiben sie sich weit verstreut in ihrem Verbreitungsgebiet herum. An einem Tag können sie bis zu 100 Kilometer weit schwimmen.

Gefahren für Kegelrobben

Totfunde an deutschen Küsten 2025

Im Jahr 2025 strandeten in Schleswig-Holstein im Wattenmeer 34 (darunter 16 Jungtiere) und bei Helgoland 150 (darunter 103 Jungtiere) Kegelrobben. Bei den Lebendfunden gab es die meisten bei Helgoland mit 102 Tieren (darunter 84 Jungtiere) gegenüber 45 (darunter 38 Jungtiere) im Wattenmeer. Acht Kegelrobbenwelpen starben durch Kugeln von Seehundjägern, 36 verbrachte man in die Aufnahmestation Friedrichskoog.

An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gab es 2025 mit 10 Tieren (darunter 3 Jungtiere) weitaus weniger Totfunde als im Wattenmeer und bei Helgoland. Unter den 21 lebend angetroffenen Robben waren 4 Jungtiere. Keines davon wurde erschossen.3

Ausrottungskampagnen

Ihr guter Appetit machte sie bei Fischern nicht sonderlich beliebt. Um 1910 hatte man den gesamten Bestand des Wattenmeers ausgelöscht. Erst mit dem Jagdverbot in den 1970er-Jahren eroberte sich die Kegelrobbe allmählich diesen Lebensraum wieder zurück.

Noch vor 30 Jahren galten die großen Robben in Niedersachsen als ausgestorben. Mit der Aktualisierung der Roten Listen für heimische Säugetiere durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2025 konnte die Kegelrobbe in Niedersachsen als „ungefährdet“ eingestuft werden.

Portrait einer jungen Kegelrobbe.

Foto: pixabay

Quotenjagd auf Ostsee-Kegelrobben

Ein Forscherteam der Universität Göteborg warnte im März 2024 vor hohen Jagdquoten für Ostsee-Kegelrobben. Nach einer im Wissenschaftsmagazin „Journal of Animal Ecology“ veröffentlichten Langzeitstudie4 gefährdet der erlaubte Abschuss von über 3.000 Tieren in Finnland (1.550) und Schweden (1.500) langfristig das Überleben der Art in der Ostsee. Nach Ansicht der Forscher geht jedoch ein erheblicher Anteil verloren oder wird nicht gemeldet.

Ziel ist die Entnahme von jüngeren Männchen. Daten aus Schweden (39 %) und Finnland (47 %) zeigen jedoch einen hohen Anteil von erschossenen weiblichen Kegelrobben. Untersuchungen von 1008 zwischen 2003 und 2021 erlegten Kegelrobbenweibchen zeigten, dass 53 % der Tiere älter als 4 Jahre waren. Die Entnahme vermehrungsfähiger Weibchen ist bei sich langsam entwickelnden Großraubtieren wie Kegelrobben kritisch für das langfristige Überleben der Population.

Im September 2024 erteilte Lettland erstmals die Genehmigung, dass Kegelrobben an der Küste des Landes von Fischern gejagt werden dürfen, berichtet das Online-Magazin Nordisch.info. Damit will man Schäden an Fanggeräten und das Plündern der Netze durch die großen Robben verringern. Die festgesetzte Quote liegt bei 60 Tieren. Die Jagdsaison dauert vom 1. September bis zum 31. Dezember.

Meeresverschmutzung

Kegelrobben zählen zu den marinen Top-Prädatoren. Daher sammeln sich in ihren Körpern Giftstoffe aus Industrie und Landwirtschaft, wie Quecksilber, DDT oder PCB.

Fischerei

Erst das Jagdverbot, bessere Schutzmaßnahmen und die langsame Verbesserung der Umweltbedingungen in der Ostsee führten zu einer allmählichen Erholung der Population. Dies jedoch sorgte für Unmut unter Fischern. Denn die Raubtiere verursachen Schäden an Fang und Fischereigerät. Seit 2020 können Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern allerdings Entschädigungszahlungen für Robbenschäden beantragen.

Kegelrobben sterben als Beifang in der Stell- und Schleppnetzfischerei, in Geisternetzen und durch Wilderei. Im Wattenmeer verheddern sich Kegelrobben in immer größerer Zahl in herumtreibendem Fischereigerät.

In Schleswig-Holstein und Hamburg sind sogenannte Seehundjäger (in Niedersachsen Wattenjagdaufseher) für das Management verletzter, kranker oder verlassener Robben zuständig. Hierbei handelt es sich um unzureichend ausgebildete Hobbyjäger mit Zusatzschulung.

„Management“ an der Nordseeküste bedeutet dabei oft den Tod des Tieres. Denn die Jäger dürfen situativ und ohne weitere Rückfragen eine spontane Entscheidung über Leben und Tod treffen. Letzteres vollziehen sie mit einem Pistolenschuss in den Hinterkopf.

Schlumpi geretteter Kegelrobbenwelpe im Robbenzentrum Föhr

Glück muss man haben: geretteter Kegelrobbenwelpe „Schlumpi“ im Robbenzentrum Föhr.

Schutzstatus

Die Art gilt als nicht bedroht. Allerdings steht es nicht gut um die Ostsee-Kegelrobbe. Sie steht auf der Roten Liste mit der Gefährdungskategorie „stark gefährdet“. Gründe hierfür sind die geringe Anzahl an nachgewiesenen Geburten, der kleine Bestand sowie hohe Verluste durch Beifang in Reusen und Stellnetzen.

Die Atlantische Kegelrobbe (Halichoerus grypus atlanticus) in der Nordsee dagegen steht auf der Roten Liste mit der Gefährdungskategorie „gefährdet“. Langfristig wird für sie bei uns ein starker Rückgang erwartet. Kegelrobben sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH-Richtlinie streng geschützt. Auch nach der Helsinki-Konvention (HELCOM) unterliegt die Art einem besonderen Schutz.

Kegelrobbe in Not?

Wie verhalte ich mich richtig?

Neugeborene Robben werden nur kurz, dafür intensiv von ihren Müttern betreut. Bei der Geburt sind sie bereits relativ groß. Dann bekommen sie für kurze Zeit viel energiereiche Milch. Kegelrobbenwelpen werden bereits nach etwa 18 Tagen entwöhnt. Bei Seehunden dauert dies 10 Tage länger.

Am Strand sitzende Fotografen halten Abstand von einer Kolonie.
Foto: MMarisol/pixabay

Jungtiere sind daher im Rahmen ihres normalen Lebenszyklus schon sehr früh unabhängig von ihren Müttern. Vor allem in den hochsensiblen Lebensphasen (Fortpflanzung, Fellwechsel) sollten die Tiere unbedingt ungestört bleiben. Andernfalls könnten sie von ihren Liegeplätzen vertrieben werden.

Beobachter sollen sich daher an fünf einfache Regeln halten:

  1. Versperren Sie den Tieren niemals den Fluchtweg ins Wasser.
  2. Halten Sie einen Mindestabstand von 100 Metern.
  3. Auf keinen Fall die Tiere berühren, füttern oder bewerfen.
  4. Halten Sie Ihren Hund unbedingt an der Leine!
  5. Stellen Sie sich niemals zwischen Mutter und Jungtier.
    Empfehlungen des Deutschen Meeresmuseums

Wenn Sie auf ein verletztes oder geschwächtes, offensichtlich krankes Tier treffen, versuchen Sie keinesfalls, selbst Hilfe zu leisten! Halten Sie Abstand! Die Tiere beißen und das blitzschnell! Ein Biss ist äußerst schmerzhaft und heilt nur langsam. Informieren Sie umgehend eines der Nationalpark-Häuser und -Zentren, Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, Gemeinde- oder Kurverwaltungen, den Amtsveterinär oder am besten direkt eine Robbenstation.

Tipp: Wenn ein Seehundjäger das Tier birgt, dokumentieren Sie dies. Wenn möglich, versuchen Sie, seinen Namen in Erfahrung zu bringen. Informieren Sie die örtliche Polizei über den Vorfall.

Fazit

  • Kegelrobben sind die größten Raubtiere Deutschlands und aufgrund von Umweltverschmutzung und Fischerei bedroht.
  • Im November 2024 töteten deutsche Fischer bei Rügen mindestens 44 Ostsee-Kegelrobben mit einer Reuse.
  • Um 1910 galt die Kegelrobbe im deutschen Wattenmeer als lokal ausgerottet.
  • Um 1920 galt der Bestand in der deutschen Ostsee durch systematische Jagd und Umweltverschmutzung als lokal ausgestorben.
  • Die Ostsee-Kegelrobbe ist genetisch isoliert und leidet unter einem Rückgang der Geburtenrate.
  • Die Art gilt als nicht bedroht, jedoch steht die Ostsee-Kegelrobbe auf der Roten Liste als stark gefährdet aufgrund niedriger Geburten und hoher Verluste durch Beifang.
  • Der Weltbestand erwachsener Individuen soll bei etwa 316.000 Tieren liegen.
  1. Langley, I., D. Lidgard, P. Varkey, M. Sanchez, M. Rivard, and C. E. den Heyer. 2026. “ Gray Seal Cannibalism at the Largest Colony in the World, Sable Island.” Marine Mammal Science 42, no. 2: e70138. https://doi.org/10.1111/mms.70138. ↩︎
  2. J. Chris McKnight et al., Cognitive perception of circulating oxygen in seals is the reason they don’t drown.Science387,1276-1280(2025).DOI: 10.1126/science.adq4921 ↩︎
  3. Bericht „Meeressäugerfunde den Küsten Schleswig-Holsteins“ des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Landesportal Schleswig- Holstein. ↩︎
  4. Carroll, D., Ahola, M. P., Carlsson, A. M., Sköld, M., & Harding, K. C. (2024). 120-years of ecological monitoring data shows that the risk of overhunting is increased by environmental degradation for an isolated marine mammal population: The Baltic grey seal. Journal of Animal Ecology, 00, 1–15. https://doi.org/10.1111/1365-2656.14065 ↩︎

Halten Sie unbedingt Ihren Hund von einer ruhenden Kegelrobbe fern!

Symbolbild. Foto: Ulrike Mai/pixabay

Robbenzentren in Deutschland

Robbenzentrum Föhr
Achtern Diek 5 – 25938 Wyk auf Föhr
Tel.: 04681 – 57 03 54
Mobil: 01577 – 505 4219
24 Std. Notruf: 0177 – 3300 077
www.robbenzentrum-foehr.de

Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich
Dörper Weg 22 – 26506 Norden,
Tel.: 04931 – 8919
www.seehundstation-norddeich.de

Seehundstation Friedrichskoog
An der Seeschleuse 4 – 25718 Friedrichskoog
Tel.: 048 54 – 13 72
www.seehundstation-friedrichskoog.de

Für die Ostsee:
Deutsches Meeresmuseum
Katharinenberg 14-20, 18439 Stralsund
Tel.: 03831 – 2650 210
Sie können Sichtungen online melden oder per E-Mail: sichtungen[at]meeresmuseum.de
Bei Totfunden machen Sie bitte zusätzlich eine Meldung unter 03831 – 2650 3333, damit das Tier so schnell wie möglich abgeholt werden kann. Bei Lebendstrandungen melden Sie sich bitte außerdem unter 0173 – 9688 267 beim Kurator für Meeressäugetiere!

Zuletzt aktualisiert:

Autor: Ulrich Karlowski

Titelfoto: © A_Different_Perspective/pixabay