Kleine Meerestiere, großes Leid

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Ob Seesterne, Seepferdchen und Muscheln oder Krebse, Korallen und kleine Fische … Auch kleine Meerestiere wollen respektvoll behandelt werden. Sie leiden und sterben, wenn man sie aus ihrem Lebensraum nimmt.

Respekt vor dem Leben im Meer

Unsere Bitte: Erfreue dich beim Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen an ihrem Anblick, fotografiere sie nur unter Wasser, aber hole sie nicht heraus. Kleine Meerestiere sind keine Souvenirs und kein „schmuckes“ Beiwerk für ein schnelles Selfie an der Luft.

Wusstest du, dass Seesterne sterben können, auch wenn du sie nur kurz aus dem Wasser holst?

Seesterne sind wunderschöne Meerestiere, die leider allzu oft als Fotomodell für ein Selfie herhalten müssen oder gar getrocknet als Souvenir mit nach Hause genommen werden. Es erscheint uns Lungenatmern paradox, aber Seesterne können an der Luft nicht atmen und ersticken außerhalb des Wassers. Nur wenige Minuten genügen und das arme Tier stirbt qualvoll. Seesterne besitzen kleine Bläschen auf ihrer Körperoberfläche, mithilfe derer sie sich Sauerstoff aus dem Wasser filtern.

Kleine Meerestiere wie dieser Rote Seestern sterben schnell, wenn man sie aus dem Wasser nimmt!
Kleine Meerestiere, großes Leid: Bitte hole Seesterne nicht aus dem Wasser! jacmoermanplanetnl/Pixabay

Seestern: Gut zu wissen

  • Seesterne sind keine Fische, sondern zählen zu den Stachelhäutern. Meist besitzen sie fünf Arme, manchmal auch mehr. An deren Unterseite befinden sich zahlreiche Füßchen, mithilfe derer sie sich fortbewegen. Seesterne leben am Meeresboden.
  • Es gibt rund 1.600 Arten. Im Mittelmeer ist beispielsweise der schöne Rote Seestern (Echinaster sepositus) eine der häufigsten Arten. In Nord- und Ostsee findet man den Gemeinen Seestern (Asterias rubens), der in allen europäischen Meeren vorkommt, aber nicht im Mittelmeer.

Wusstest du, dass Seepferdchen Fische sind?

Die Anmut und Schönheit von Seepferdchen wird ihnen leider oft zum Verhängnis. Touristen nehmen sie getrocknet als Souvenirs mit. Doch nicht nur das: Vor allem in Asien, aber auch in Teilen Europas gelten diese kleinen Meerestiere als Delikatesse. In Asien werden sie zudem als vermeintliches Heilmittel verwendet. Sammler begehren sie für Aquarien, in denen sie meist nicht lange überleben. Hinzu kommen große Verluste von Seegraswiesen, einer ihrer wichtigsten Lebensräume.

Langschnäuziges Seepferdchen in der Adria
Langschnäuziges Seepferdchen. Bitte lass uns leben! Foto: Project Manaia

Seepferdchen: Gut zu wissen

  • Seepferdchen (Hippocampus sp.) gehören zu den Fischen, obwohl sie so ganz anders aussehen und sich nicht waagrecht, sondern senkrecht durchs Wasser fortbewegen. Da ihre Flossen zurückgebildet sind, lassen sie sich mit den Meeresströmungen treiben. Rollentausch: Bei den Seepferdchen tragen die Männchen den Nachwuchs aus!
  • Es gibt rund 42 Hippocampus-Arten. Zwei davon leben im Mittelmeer: das Kurzschnäuzige und das Langschnäuzige Seepferdchen. Beide Arten kommen auch in der Ostsee vor, wenngleich nur sehr selten.

Achtung: Seepferdchen sind gefährdet und unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen: Für Ein- und Durchfuhr sind entsprechende Dokumente erforderlich. Bei Verstößen drohen Geldbußen oder sogar Freiheitsstrafen.

Wusstest du, dass die größte europäische Muschel im Mittelmeer lebt?

Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis) beeindruckt mit bis zu 1,20 m Größe und einer Lebenserwartung von bis zu 25 Jahren … wenn sie nicht vorher stirbt. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Das hält manche leider nicht davon ab, Exemplare dieser nur im Mittelmeer lebenden Muschel einfach auszureißen und als Souvenir mitzunehmen!

Ihre Bestände nehmen kontinuierlich ab. Die Ursachen: Schleppnetzfischerei, Ankerungen, illegale Entnahmen zum Verzehr oder als Souvenir. In jüngerer Zeit bedroht darüber hinaus ein tödlicher Parasit das Überleben der riesigen Muschel.

Edle Steckmuschel in der Adria
Eine der seltenen Edlen Steckmuscheln in der Adria. Die Art lebt nur im Mittelmeer und ist vom Aussterben bedroht, Foto: Đani Iglić/DSM

Edle Steckmuschel: streng geschützt

  • Die Edle Steckmuschel ist streng geschützt. Sammeln und Mitnahme (Ausfuhr/Einfuhr) sind streng verboten. Das gilt auch für Muschelschalen der Art, die man vielleicht am Strand oder am Meeresboden entdeckt.
  • Bei Verstößen drohen Strafen von umgerechnet bis zu knapp 4.000 Euro zum Beispiel in Kroatien, in Italien sogar bis zu 12.000 Euro und 2 Jahre Gefängnis!

Sammle Erinnerungen und keine Andenken

Ob Seesterne, Seepferdchen und Muscheln oder Krebse, Korallen und kleine Fische, ganz gleich ob geschützt oder nicht geschützt – für sie alle gilt: Auch kleine Meerestiere wollen respektvoll behandelt werden. Bewundere sie in ihrem natürlichen Lebensraum … und zwar nur dort.

Wirbel und Knochen eines Finnwals
Wirbel und Knochen eines in der Adria gestorbenen Finnwals. Auch solche Fundstücke einer geschützten Art darf man ohne entsprechende Papiere nicht aus- oder einführen. Foto: Ulrike Kirsch/DSM

Artenschutz: Gut zu wissen

  • Viele geschützte Arten unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen/ CITES. Dieses regelt den Handel mit geschützten Arten.
  • Einfuhr, Ausfuhr oder Durchfuhr sind nur mit entsprechenden behördlichen Genehmigungen gestattet.
  • Dies betrifft sowohl lebende als auch tote Tiere und Pflanzen sowie Teile oder Produkte davon.
  • Artenschutz im Urlaub: Übersicht der Generalzolldirektion

Autorin: Ulrike Kirsch im Juli 2022
Titelfoto: Pixabay


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