Lederschildkröte

Lederschildkröten (Dermochelys coriacea) sind die größte Schildkrötenart der Erde und die weltweit am weitesten verbreitete Reptilienart.

Zeichnung Lederschildkröte.

© NOAA Fisheries

Im Gegensatz zu allen anderen Meeresschildkröten haben sie keinen starren Knochenpanzer. Eine ledrige Haut schützt ihren aus einer dünnen Knorpelschicht mit eingelagerten Knochenplättchen gebildeten Panzer.

Die Meeresreptilien verfügen zudem über einen ungewöhnlich biegsamen Brustkorb. Ihr langer blauschwarzer Körper läuft nach hinten spitz zu. Somit sind sie bestens gerüstet für die extremen Tauchgänge, zu denen diese Lungenatmer in der Lage sind.

Außer an ihrer Größe erkennt man Lederschildkröten auch gut an sieben auf ihrem Rücken verlaufenden Längskielen und den zu sehr langen Paddeln umgebildeten Vorderextremitäten. Recht untypisch für Schildkröten ist zudem, dass sie keine Krallen haben.

Systematik

Lederschildkröten sind die einzigen Angehörigen der Familie Dermochelyidae. Es sind Meeresschildkröten, auch wenn sie systematisch nicht zu deren Familie (Cheloniidae) gehören. Hierzu wurde die Überfamilie Chelonioidea (Meeresschildkröten) gebildet.

Lebensraum und Verbreitung

Wo leben Lederschildkröten?

Ihr Verbreitungsgebiet umfasst alle Weltmeere außer die Arktis und Antarktis. Lederschildkröten unternehmen sehr weite Wanderungen von mehreren Tausend Kilometern. Meist schwimmen sie fernab von Küsten. Nur gelegentlich sieht man sie in Landnähe, wie z. B. in der kroatischen Adria. Da sie sehr tief tauchen können, zählt auch die Tiefsee zu ihrem Lebensraum.

Weltkarte Verbreitung der Lederschildkröten

Quelle: NOAA Fisheries

Wie hoch ist der Bestand?

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Art als gefährdet mit rückläufiger Bestandsentwicklung gelistet. Einschätzungen zur Populationsgröße sind wegen fehlender Daten nicht möglich.

Man muss allerdings davon ausgehen, dass die weltweite Population in den letzten drei Generationen um 40 Prozent zurückgegangen ist. So gab es in Malaysia 1953 noch etwa 10.000 Nester, seit 2003 nur noch ein bis zwei im Jahr. Damit ist die malaysische Lederschildkröten-Population im Grunde erloschen.

Am stärksten vom Aussterben bedroht sind die Populationen im Pazifik. Dies liegt hauptsächlich an fehlenden Nistmöglichkeiten. So sank der Nisterfolg in den wichtigsten Gebieten in Mexiko und Costa Rica sowie isolierten Nistplätzen in Panama und Nicaragua in den letzten drei Generationen um über 90 Prozent. Auch in Indonesien gibt es dramatische Einbußen um über 80 Prozent.

Fakten über Lederschildkröten

Wie alt?

Experten gehen von einer Lebenserwartung von mindestens 50 Jahren aus. Genau weiß man das nicht.

Wie schwer?

Ihr durchschnittliches Gewicht liegt bei etwa 500 kg. Besonders große Exemplare können allerdings über 900 kg schwer sein.

Ernährung

Mit ihren scharfkantigen Kiefern und deren spitzen, zahnähnlichen Höckern sind sie perfekt an das Erbeuten weicher und glibberiger Beutetiere wie Quallen und Salpen angepasst. Hiervon benötigen sie viele Kilogramm, um satt zu werden.

Dabei verspeisen sie auch problemlos die bei Menschen gefürchteten, weil giftigen Portugiesischen Galeeren, eine Staatsquallenart.

Wie tief und wie lange können sie tauchen?

Die exzellenten Schwimmer können über 1.300 m tief tauchen und dabei über 80 Minuten lang unter Wasser bleiben. Während der Tauchgänge machen die Meeresreptilien erst Strecke mit kräftigen Schlägen ihrer langen Vorderpaddel. Damit schaffen sie einen halben Meter pro Sekunde. Dann lassen sie ihre Lunge kollabieren, werden damit schwerer als das sie umgebende Wasser und können gemächlich in die Tiefe gleiten. Während des Tauchgangs greifen sie auf Sauerstoffvorräte in Blut und Muskeln zurück. Das Auftauchen allerdings ist recht mühsam.

Wann legen sie ihre Eier?

Lederschildkrötenbaby auf dem Weg ins Meer.

Lederschildkrötenbaby – Foto: Turtle Foundation

Die Nistsaison variiert je nach Lebensraum. So dauert sie in den USA und der Karibik von März bis Juli, während in indonesischen Gewässern die Monate November bis Februar bevorzugt werden.

Ein Weibchen kann dabei mehrere Nester anlegen. Im Gegensatz zu anderen Meeresschildkröten zeigen Lederschildkröten keine ausgeprägte Standorttreue bei der Auswahl ihrer Niststrände und wechseln diese.

Wie viele Eier hat ein Nest?

Alle 2 bis 4 Jahre kommen Lederschildkrötenweibchen an Land, um auf Sandstränden große Nisthöhlen zu graben, in die sie 60 bis 90 Eier legen. Hierbei allerdings ist ein gutes Viertel zusätzlich produzierter Eier unfruchtbar. Nach etwas über 50 Tagen beginnen die Jungtiere zu schlüpfen.

Wer sind die natürlichen Feinde?

Wie bei allen Meeresschildkrötenarten sind geschlüpfte und heranwachsende Jungtiere als Beute beliebt bei allem, was Zähne und Fangarme hat, sowie bei großen Seevögeln. Als Erwachsene haben sie praktisch keine Feinde.

Verhalten

Die Art ist nur unzureichend erforscht, sodass über das Leben der erwachsenen Tiere, insbesondere der ihr Leben lang im Meer bleibenden Männchen, nur wenig bekannt ist. Lederschildkröten wachsen am schnellsten von allen Meeresschildkröten. Jedoch weiß man nicht, wann sie die Geschlechtsreife erreichen. Schätzungen gehen weit auseinander und reichen von 9 bis 20 Jahren.

Die Paarung findet in den Weiten der Ozeane statt. Wie die Tiere dabei zueinanderfinden, ob Männchen um Weibchen kämpfen oder ob es bestimmte Paarungsgebiete gibt, das alles ist unbekannt.

Wanderungen

Lederschildkröten legen sehr weite Strecken zurück. So schwimmt ein Teil der Tiere der westpazifischen Population von den Niststränden in Indonesien über den gesamten Pazifik fast 11.300 km weit zu ihren Nahrungsgründen vor der US-Westküste. Sie brauchen dafür bis zu einem Jahr und bleiben dort etwa fünf Jahre. Dann schwimmen sie wieder zurück. Diese langen Rundreisen unternehmen sie mehrfach in ihrem Leben.

Infografik: Die längste Reise - Lederschildkröten wandern aus dem Westpazifik bis zur US-Westküst

Die längste Reise: Lederschildkröten schwimmen über den gesamten Pazifik bis vor die US-Westküste – Quelle: NOAA Fisheries

Während die riesigen Meeresschildkröten vor der US-Küste und an einigen Niststränden in Indonesien gut geschützt sind, erleidet die westpazifische Population während ihrer Wanderungen auf der Hochsee schreckliche Verluste. Hauptsächlich durch die Fischerei.

Gefahren für Lederschildkröten

Die großen Schildkröten sehen sich heute mit einer Mischung unterschiedlichster Gefahren konfrontiert, denen sie nur schwer standhalten können.

Beifang in der Fischerei

Tote Lederschildkröte, Opfer der Langleinenfischerei.

Tote Lederschildkröte, Opfer der Langleinenfischerei.
Foto: Projeto Tamar Brazil/Marine Photobank

Hauptbedrohung für die Lungenatmer ist das Verheddern und Ertrinken in Fischereigerät. Sie sterben in Fangnetzen oder verloren gegangenem Fischereigerät (Geisternetze). Gleichermaßen werden sie Opfer der beköderten Haken der Langleinenfischerei.

Plünderung der Nester und Wilderei

An vielen Niststränden wurden in der Vergangenheit Lederschildkröten wegen ihres Fleisches getötet und ihre Eier zum Verzehr gesammelt. Die Lage hat sich dank der Unterschutzstellung der Art in vielen Ländern und aktiver Schutzprogramme mittlerweile etwas entspannt.

Verlust und Zerstörung der Niststrände

Durch Baumaßnahmen an Stränden und deren intensive touristische Nutzung sowie steigende Meeresspiegel sind viele Niststrände für die Art verloren gegangen. Künstliche Beleuchtung an und in der Nähe von Niststränden bereitet Jungtieren nach dem Schlupf große Probleme, das Meer zu finden. Denn sie orientieren sich dabei nach dem hellsten für sie sichtbaren Horizont.

Schiffskollisionen

Wie andere Meeresschildkrötenarten auch, sterben viele Lederschildkröten bei Kollisionen mit Booten oder Schiffen, wenn sie sich an der Wasseroberfläche aufhalten.

Meeresverschmutzung/Meeresmüll

Tote Lederschildkröte im Karinsko More.

Tote Lederschildkröte im Kariner Meer (Kroatien). Sie hatte Plastiktüten als vermeintliche Beute verschluckt. Diese verstopften den Verdauungstrakt, sodass sie schließlich starb. Foto: Martina Duras

Die zunehmende Verschmutzung küstennaher Lebensräume bedroht alle Meeresschildkröten und beeinträchtigt ihre Lebensräume. Zusätzlich laufen sie Gefahr, herumtreibenden Plastikmüll mit Beute (Quallen) zu verwechseln.

Im Magen toter Lederschildkröten finden sich z. B. Angelschnüre, Ballons, Plastiktüten, Teer und anderer Müll. Auch das Verheddern in herumtreibenden Müllansammlungen ist für die Tiere gefährlich.

Klimawandel

Meeresschildkröten stehen unter starkem Klimastress. Höhere Temperaturen verändern die Strandmorphologie und führen zu höheren Sandtemperaturen. Das kann zum Absterben der Eier führen oder dass nur noch Weibchen zur Welt kommen. Denn die Geschlechterzuordnung steuert sich bei Reptilien über die Nisttemperatur.

Einen Vorteil gibt es hier allerdings für die größten Schildkröten der Welt: Wärmere Meere begünstigen Quallenplagen.

Foto oben:
Ein besendertes Lederschildkrötenweibchen kehrt nach der Eiablage zurück ins Meer – © Turtle Foundation