Maugean-Rochen zählen zu den seltensten Fischen. Diese bis zu 87 cm großen Stachelrochen leben in der Macquarie-Harbour-Bucht auf der Insel Tasmanien, dem südlichsten Bundesstaat von Australien. Laut Weltnaturschutzorganisation IUCN gibt es noch ca. 1.120 Exemplare. Auf der Roten Liste der IUCN steht die Art als stark gefährdet, mit abnehmender Bestandsentwicklung. Ihr Name geht auf die kühl-gemäßigte biogeografische Region „Maugean Province“ zurück. Sie umfasst die Küstengewässer von Victoria, New South Wales und Tasmanien. In Tasmanien sind die ikonischen Rochen eine Schlüsselart.
Systematik
Maugean-Rochen gehören zur artenreichen Familie der Echten Rochen (Rajidae). Die weitere systematische Zuordnung der Art war allerdings lange umstritten. Zwischen 2019 und 2025 gehörte sie als Dipturus maugeanus dem Dipturus-Artenkomplex an. Mittlerweile gilt wieder – nach taxonomischen Überarbeitungen durch die IUCN SSC Shark Specialist Group – der vorherige Artname Zearaja maugeana.
Lebende Fossilien
Die Evolution dieser Rochen reicht weit in die Erdgeschichte zurück, denn es soll sie bereits zu Zeiten des Urkontinents Gondwana gegeben haben. Dieser zerbrach vor etwa 150 Millionen Jahren, gegen Ende des Jura.
Maugean-Rochen gelten als lebende Fossilien.
Lebensraum
Es gab sicherlich nie sonderlich viele dieser Stachelrochen. Denn ihr tasmanischer Lebensraum beschränkt sich auf zwei Subpopulationen.

Eine Populationen lebt in Macquarie Harbour. Das ist ein 315 km² großer, flacher Fjord an der Westküste der Insel.
Eine weitere Population existierte in der weiter südlich gelegenen Bathurst-Harbour-Bucht. Jedoch gab es dort seit über 30 Jahren keine bestätigte Sichtung auch nur eines einzigen Maugean-Rochens.
Brackwasser Rochen
Macquarie Harbour ist mit seinem sauerstoffarmen Brackwasser, schwankenden Salzgehalten, geringer Lichtdurchlässigkeit und schlammigen Böden ein herausfordernder Lebensraum. Die Trübung des Wassers stammt von Tanninen. Das sind pflanzliche Gerbstoffe, die man von Nüssen, Kaffeebohnen oder Rotwein kennt. Sie werden von den in die Bucht mündenden Flüssen, dem King River im Nordosten und dem Gordon River im Südosten, eingetragen.
Tasmanische Wildnis und UNESCO-Welterbe
Der südöstliche Teil der Macquarie-Harbour-Bucht gehört zur „Tasmanischen Wildnis“. Diese ist seit 1982 ein UNESCO-Welterbe und aufgrund ihrer einzigartigen Natur- und Kulturschätze geschützt. Die „Tasmanische Wildnis“ umfasst über 15 800 km². Das entspricht etwa 20–25 % der Fläche der Insel.
Lebensweise
Einen Maugean-Rochen zu Gesicht zu bekommen, ist ein seltenes Glück, denn sie halten sich meist in 7,5 bis 12,5 m Tiefe am schlammigen Meeresboden auf. Dort jagen sie hauptsächlich kleinere Krebstiere. Ihre maximale Tauchtiefe beträgt etwa 55 m. Laut australischem Umweltministerium soll die Lebenserwartung bei über 15 Jahren liegen.
Vermehrung
Männchen sind ab 63,3 cm Größe geschlechtsreif, Weibchen ab 66,5 cm im Alter von 5 Jahren. Die Art gehört zu den Eier legenden (oviparen) Knorpelfischen. Vermutlich erfolgt die Eiablage in Tiefen von 2,5 bis 33 m zwischen März und November nach einer Reifezeit von etwa 7 Monaten. Die für die Eiablage bevorzugten Tiefen sind jedoch zwischen 5 und 10 m.
Gefahren
Die Bucht von Macquarie Harbour steht unter Nutzungsdruck durch den Kreuzfahrttourismus und mehrere Fischzuchtanlagen (Lachse und Forellen).
Fischzuchtanlagen
Mitten im Lebensraum der Rochen arbeiten eine Reihe von Aquakulturbetrieben, insbesondere Lachsfarmen. Alle werden von der tasmanischen Umweltbehörde EPA überwacht, einige sind sogar als Öko-Fischzuchten zertifiziert.

Nährstoffeinträge aus den Fischfarmen gefährden allerdings das Überleben der urtümlichen Rochen. Sie verursachen ein weiteres Absinken der Sauerstoffkonzentration in den bodennahen Wasserschichten der Bucht. Das bringt selbst diese Brackwasser Rochen und Spezialisten für das Überleben in Sauerstoffminimumzonen an ihre Toleranzgrenze.
Australische Wissenschaftler sehen im Betrieb der Anlagen die Hauptursache für den starken Rückgang des Bestands der Maugean-Rochen. In nur sieben Jahren ist er um die Hälfte zusammengebrochen. Das zeigten Studien des Instituts für Meeres- und Antarktisstudien der Universität Tasmanien (IMAS).1
Hoffnung für tasmanische Stachelrochen
Seit mehreren Jahren unterstützen die australische und die tasmanische Regierung mit 37,5 Millionen Dollar sowohl intensives Monitoring des Wildbestands als auch ein Nachzuchtprogramm an der IMAS. Dafür wurde am IMAS in Taroona eine liebevoll als „Skate Park“ bekannte Nachzuchtanlage gebaut. Sie ist Teil des Naturschutzaktionsplans der tasmanischen Regierung. „Dies ist eine unglaublich wichtige Einrichtung“, erklärt Professor Jayson Semmens, Leiter des Maugean Skate Research Program. 2
Im Februar 2025 verzeichneten IMAS-Wissenschaftler in Macquarie Harbour erstmals seit 2022 einen signifikanten Anstieg bei Jungtieren in der Wildpopulation dieser Brackwasser Rochen. „Wir freuen uns, dass diese aktuellen Schätzungen denen von 2014 ähneln“, sagte IMAS-Forscher Dr. David Moreno.3 „Wir sind zwar vorsichtig optimistisch, aber es ist noch ein langer Weg“, ergänzt Jayson Semmens.
- Under pressure: scientists call for urgent conservation action to save Maugean skate ↩︎
- New ‘Skate Park’ facility supports Maugean Skate conservation program ↩︎
- Maugean skate return to levels not seen for a decade – but not out of the woods yet ↩︎
Internationaler Protest gegen Greenwashing mit Nachhaltigkeitszertifikaten
Im Sommer 2023 hatten wir einen offenen Brief von über 80 Organisationen, Unternehmen und Wissenschaftlern aus 17 Ländern unterstützt. Die Unterzeichner forderten Rücknahme von Nachhaltigkeitszertifizierungen und ein Ende des Greenwashings.

„Die Zertifizierungen für die Fischfarmen von Macquarie Harbour sollten sofort widerrufen werden, oder es werden die ersten Zertifizierungssysteme der Welt sein, die das Aussterben einer Art zertifizieren.“
Alistair Allan, Kampagnenleiter Meere und Antarktis von der Bob Brown Foundation aus Hobart, Tasmanien
Supermarkt-Petition auf eko.org
Fazit
- Maugean-Rochen sind stark gefährdet. Ihr Lebensraum beschränkt sich auf die Macquarie-Harbour-Bucht in Tasmanien.
- Diese tasmanischen Stachelrochen gehören zur Familie der Echten Rochen. Sie gelten als lebende Fossilien.
- Maugean-Rochen sind Brackwasser Rochen, die in Sauerstoffminimumzonen leben können.
- Ihr Überleben ist durch mehrere Fischzuchtanlagen in Gefahr, die ihren Lebensraum belasten.
- Die australische und die tasmanische Regierung investieren in ein Nachzuchtprogramm und das Monitoring der Wildpopulation.
- Eine internationale Protestaktion hatte die Rücknahme von Nachhaltigkeitszertifikaten für die Fischfarmen in der Macquarie-Harbour-Bucht gefordert.
Weiterführende Informationen
- THE GUARDIAN – Australia News:
Global calls to revoke ‘misleading’ sustainable farming certification for salmon in Tasmania’s Macquarie Harbour - ABC Radio:
Calls for eco-certification of Tasmanian salmon farms to be revoked over concerns of greenwashing - ASC-Fischsiegel für Lachs
- Aquakultur ist keine Lösung
- Rochen – Cousins der Haie
Zuletzt aktualisiert:
Autor: Ulrich Karlowski
Titelfoto: Maugean-Rochen, Macquarie-Harbour-Bucht, Tasmanien, © Neville Barrett

