Mondfisch (Mola mola)

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Mit seinen großen, runden Augen und dem winzigen Maul, das er nicht vollständig schließen kann, sieht er aus, als ob er mit einem staunenden „Oh“ durch die Meere treiben würde. Dabei ist er eine Kreatur, die selbst Staunen auslöst: der riesige Mondfisch (Mola mola) mit seinem bizarr anmutenden scheibenförmigen Körper. Mondfische zählen zu den schwersten und größten Knochenfischen.

Systematik

Mola mola ist eine von insgesamt fünf Arten aus der Familie der Mondfische (Molidae). Mola ist eine von drei Gattungen und umfasst drei Arten. Die Familie zählt zur Ordnung der Kugelfischartigen (Tetraodontiformes). Diese Verwandtschaft ist insbesondere bei sehr jungen Mondfischen zu erkennen, die an Kugelfische erinnern. Mondfischlarven sind sogar mit 5 mm langen Stacheln als Schutz vor Feinden bewehrt.

Erdgeschichtlich betrachtet, gehören sie zu den jüngeren Arten: Fossilfunde zeigen, dass die ersten Mondfische vor rund 50 Millionen Jahren erschienen.

Einer der sonderbarsten Fische der Welt

Er hat so große Augen …

Mondfisch vor Fischernetz
© istock.com/Michael Zeigler

… damit er besser sehen kann: Sie verleihen dem Mondfisch mehr Sehschärfe, die besser ist als die von Delfinen oder Belugawalen. Und so kann er in der Wassersäule auch auf größere Entfernung fast durchsichtig erscheinende Quallen entdecken, seine Hauptspeise.

Keine Schwimmblase

Anders als die meisten anderen Knochenfische besitzen Mondfische keine Schwimmblase zur Lagestabilisierung. Stattdessen warten sie mit einer dicken Schicht gelatinösen Gewebes unter ihrer dicken, gummiartigen Haut auf.

Artensteckbrief

Warum heißt der Mondfisch Mondfisch?

Der Name dürfte seinem Aussehen geschuldet sein: Wenn der scheibenförmige silbergrau schimmernde Fisch an der Wasseroberfläche liegt, um sich zu wärmen, erinnert er an den Mond. Im Englischen heißt er aufgrund seines Verhaltens, sich zu „sonnen“, sunfish, also Sonnenfisch. Der lateinische Name mola wiederum bedeutet Mühlstein. Weitere deutsche Trivialnamen sind Klumpfisch und Schwimmender Kopf.

Wo leben Mondfische?

Mondfische leben im offenen Meer in tropischen und gemäßigten Meeren. Sie sind weltweit verbreitet und gelegentlich auch in der Nordsee, Ostsee und im Mittelmeer anzutreffen.

Wie groß wird ein Mondfisch?

Mola mola ist einer der schwersten Knochenfische der Erde: Er kann bis zu 2,3 Tonnen auf die Waage bringen. Durchschnittlich wiegt er jedoch weniger (1 t) und ist mit 1,80 m auch kleiner als die bisher dokumentierte Maximallänge von 3,33 m. Das Gehirn ist sehr klein und wiegt weniger als 6 g.

Wie alt wird ein Mondfisch?

Wie alt sie werden können, ist noch ein Rätsel. In Aquarien erreichten manche Tiere ein Alter von mehr als 10 Jahren. In freier Wildbahn könnten sie mindestens 20 Jahre alt werden, schätzen Wissenschaftler.

Wovon ernähren sich Mondfische?

Die bevorzugte Kost sind Quallen. Aber auch andere gallertartige Lebewesen wie Zooplankton, Salpen, Tintenfische, Fische, Krustazeen, Algen stehen auf ihrem Speiseplan. Mondfische besitzen keine einzelnen Zähne. Stattdessen sind diese zu zwei schnabelartigen Zahnleisten verschmolzen, die jedoch nicht zum Kauen dienen. Größere Beute wie Quallen saugen sie mit ihrem kleinen Maul wiederholt ein und spucken sie wieder aus, bis sie in gut zu verschluckende kleinere Häppchen zerteilt sind. Zudem besitzen sie Schlundzähne, die ebenfalls zur Zerkleinerung von Beute dienen, aber auch zur Erzeugung von Geräuschen.
Foto: Giovanni ILagan/Creative Commons 2.5 Generic license
Mondfisch schräg von vorne

Ist der Mondfisch für Menschen gefährlich?

Mondfische sind neugierig und nähern sich oft Tauchern. Aber trotz ihrer Größe sind sie für Menschen völlig ungefährlich. Es sei denn, es landet einer bei seinem Sprung aus dem Wasser auf einem Boot. So geschehen 2015 vor der Küste in Wales, als ein 30 kg schweres Exemplar auf dem Boot einer Familie auf dem vierjährigen Sohn landete. Zum Glück trug der Junge nur Kratzer und Schürfwunden davon.

Wer sind die natürlichen Feinde?

Ihre natürlichen Fressfeinde sind Seelöwen, Orcas und Haie.

Fortpflanzung

Die Weibchen können bis zu 300 Millionen Eier pro Vorgang ablaichen. Die Art zählt somit zu den fruchtbarsten Fischen der Welt.

Mondfische in der Ostsee

Forscher Uwe Krumme mit Mondfisch
Dr. Uwe Krumme mit Mondfisch
Foto: © Annemarie Schütz/Thünen-Institut

In die Nordsee gelangen Mondfische mit dem Golfstrom, und in die westliche Ostsee mit Salzwasser-Einströmen, wie etwa 2015. Damals entdeckte man zwei tote junge Exemplare: Einer war in der Mecklenburger Bucht in einem Schleppnetz gelandet, den anderen fand man am Rostocker Strand.

Die Überlebenschancen für Mondfische sind in der Ostsee aber generell schlecht: „Hier können die Tiere kurze Zeit überleben, aber dann setzen ihnen Nahrungsmangel, verringerter Salzgehalt und die niedrigen Temperaturen zu“, erklärt Dr. Uwe Krumme, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei.

Mondfische in der Adria

In den letzten Jahren gab es wiederholt dokumentierte Sichtungen von Mondfischen in der Adria: Im November 2018 vor dem slowenischen Piran, 2019 geriet ein Mondfisch ins Netz eines kroatischen Fischers, der ihn wieder befreien konnte, und ebenso im Herbst 2020, als sich ein Exemplar bei der kroatischen Insel Krk in einem Netz verfing und ebenfalls wieder befreit wurde. Im Juli 2021 ging Fischern nahe der Insel Cres ein rund 200 kg schwerer Mondfisch ins Netz. Sie ließen ihn zum Glück wieder frei.

Untersuchungen des kroatischen Ichthyologen J. Dulčić und seiner Kollegen vom Institut für Ozeanografie und Fischerei in Split zeigten, dass es im Zeitraum 1781 bis 2006 nur 43 Aufzeichnungen von Mola mola gab. Davon stammten die meisten Fänge aus der warmen Jahreszeit, betonen die Forscher.

Verhalten von Mondfischen

Nachts gehen Mondfische in den kalten Tiefen jagen. Die bislang größte dokumentierte Tiefe betrug 644 m, wie amerikanische Forscher mithilfe besenderter Tiere in der Monterey Bay herausfanden.

Mondfische treiben gerne an der Wasseroberfläche, um sich aufzuwärmen.

Nach der Jagd in den kalten Tiefen wärmen sich Mondfische in horizontaler Lage tagsüber an der Wasseroberfläche wieder auf. Foto: © Jennifer Stock/NOAA-CBNMS

Mitunter springen sie aus dem Wasser, wohl auch, um sich von Parasiten zu befreien. Denn Mondfische sind beliebte Wirte: 40 verschiedene Parasiten wurden an und um diese Fische gezählt.

Daher sind sie ein wahres Büfett für Möwen, die die an der Wasseroberfläche liegenden Fische gerne „säubern“. Werden ihnen die Vögel beim Parasitenentfernen jedoch zu lästig, spucken die Fische sie mit einem Wasserstrahl an, um sie zu verjagen. Auch Menschen wurden auf diese Weise schon bespritzt.

Mondfische gelten zwar als träge Schwimmer. Allerdings können sie Spitzengeschwindigkeiten von 3,2 km pro Stunde erreichen, wie die Forschung mit besenderten Tieren zeigte. Beim Schwimmen bewegen sie die Rücken- und Afterflosse seitwärts synchron. Statt einer Schwanzflosse besitzen sie nur noch einen Hautlappen, der ungefähr von der Rücken- bis zu Afterflosse reicht.

Gefahren für Mondfische

Als Speisefisch dienen Mondfische nur in Teilen Asiens. Zudem finden sie auch in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung.

Die größte Gefahr lauert jedoch in Form von Beifang in der Fischerei: So sollen allein in Südafrika jährlich 340.000 Mondfische in der Schwertfisch-, Thunfisch– und Makrelenfischerei (Trachurus capensis) als Beifang sterben. Dort macht der Mondfisch-Beifang ein Fünftel bis ein Viertel des Gesamtfangs aus! Auch beim Schwertfischfang vor Kalifornien sind 30 Prozent der Beute ungewollt mitgefangene Mondfische!

Historisches Foto von riesigem gefangenem Exemplar

1908, Santa Catalina Island (Kalifornien): der riesige Fang war zu schwer zum Wiegen und wurde auf rund 2.500 Pfund geschätzt. Foto: © NOAA

Des Weiteren werden ihnen Plastiktüten zum Verhängnis, die sie – wie etliche andere Meerestiere auch – mit Quallen verwechseln.

Gefährdungsstatus

Weltweit gelten Mondfische gemäß der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet. Für Europa und Mittelmeer gibt es keine ausreichende Datengrundlage.

Erwachsener Mondfisch im Atlantik
Erwachsener Mondfisch im Atlantik – Foto: © Kristina Barz/Thünen-Institut

Mondfisch-Sichtungen bitte melden

Autorin: © Ulrike Kirsch

Titelfoto: Mondfisch vor San Diego, Kalifornien, © istock.com/Michael Zeigler


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