Gewöhnlicher Schweinswal

Voraussichtliche Lesedauer: 16 Minuten

Schweinswale (Phocoena phocoena), engl. harbour porpoise, puffin pigs, puffers oder common porpoise, bilden mit Kegelrobben (Halichoerus grypus) und Seehunden (Phoca vitulina) die Gruppe unserer heimischen Meeressäugetiere. Dabei sind Schweinswale die einzigen Cetaceen (Waltiere), die in deutschen Gewässern von Nord- und Ostsee leben. Andere Namen für die kleinen Wale sind Braunfisch, Kleiner Tümmler oder Meerschwein.

Systematik

Schweinswale sind keine Delfine. Sie gehören zu den Cetaceen der Unterordnung Zahnwale (Odontoceti). Sie bilden die Familie der Phocoenidae mit drei Gattungen und sieben Arten. Beim bei uns heimischen Gewöhnlichen Schweinswal (Phocoena phocoena) unterscheidet man drei Unterarten: Phocoena phocoena phocoena im Nordatlantik, Phocoena phocoena vomerina im Nordpazifik sowie Phocoena phocoena relicta im Schwarzen und Asowschen Meer.

Lebensraum und Verbreitung

Schweinswale gibt es nur auf der nördlichen Erdhalbkugel. Ihr Lebensraum sind Buchten und flachere Küstengewässer, die weniger als 200 m tief sind. Meist entfernen sie sich nicht weiter als 10 km vom Festland. Gerne schwimmen sie saisonal auch weite Strecken in Flüsse hinein. Deshalb kann man sie bei uns im Frühjahr mit etwas Glück auch in Elbe, Weser und Jade vom Ufer aus beobachten.

Vor Sylt, Fehmarn, Wilhelmshaven oder in der Flensburger Förde bestehen ebenfalls gute Chancen auf Schweinswalsichtungen.

Wie hoch ist der Bestand?

Schweinswale zu zählen, ist schwierig. Laut Weltnaturschutzunion IUCN liegt der Weltbestand erwachsener Individuen bei etwa 700.000 Individuen. In der gesamten Nordsee sollen noch etwa 345.000 leben (laut Zählung SCANS-III von 2016). Jedoch verzeichneten Schweinswal-Populationen in der Keltischen und Irischen See, einen starken Rückgang. Über die Gründe hierfür herrscht Unklarheit.

Weltkarte Lebensraum von Schweinswalen.
Weltkarte mit ungefährer Darstellung des Verbreitungsgebiets – Quelle: NOAA Fisheries

Immer weniger Schweinswale in der deutschen Nordsee

In der deutschen Nordsee sinkt der Bestand der Schweinswale kontinuierlich. Zwischen 2002 und 2019 im Durchschnitt um etwa 1,8 Prozent jährlich. Damit dürften hier nur noch rund 23.000 der kleinen Wale leben. Diese besorgniserregende Entwicklung deckte eine Studie von Forschern der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg und der Fundación Macuáticos Colombia auf. Das Fachmagazin „Frontiers in Marine Science“ veröffentlichte sie Anfang Januar 2021. Darin sprechen die Autoren von einer besorgniserregenden Entwicklung für Nordsee-Schweinswale.

Als klares Zeichen der verfehlten deutschen Meeresschutzpolitik ist dabei die Tatsache zu werten, dass ausgerechnet im Schweinswal-Schutzgebiet vor Sylt besonders starke Verluste auftreten. Denn am Sylter Außenriff, einer „Schweinswal-Kinderstube“, sank der Bestand um durchschnittlich 3,8 Prozent jährlich. Schweinswalmütter kommen hierher, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Hier verbringen sie dann auch die wichtigen ersten Lebenswochen mit ihnen. Weiter südlich vor Borkum dagegen verzeichneten die Forscher einen Anstieg der Population.

Die Ursachen für den Rückzug der Nordsee-Schweinswale liegen auf der Hand: von Kies- und Sandabbau, intensiver Fischerei, dem Bau von Offshore-Windkraftanlagen, intensivem Schiffsverkehr bis hin zum Betrieb der Ölbohrinsel „Mittelplate A“ vor Friedrichskoog mitten im Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer.

Schweinswale in der Ostsee

In der Ostsee gibt es zwei Populationen. Sie unterscheiden sich genetisch und in ihrer Morphologie voneinander. Eine in der Beltsee, westlich von Rügen bis ins Kattegat. Dort ergab die letzte Zählung 2016 einen Bestand von 42.000 Tieren. Eine wesentlich kleinere Populationen lebt in der zentralen Ostsee östlich von Rügen. Sie nennt man auch Deutschland-Wale. Ihr Bestand dürfte zwischen 300 und 500 Individuen liegen und ist vom Aussterben bedroht.

Artensteckbrief Schweinswal

Woran erkennt man einen Schweinswal?

Die scheuen Wale haben einen kurzen, gedrungenen Körper. Ihr Kopf ist eher rund, die Stirn flach und die Schnauze kurz. Ihr Rücken ist dunkel gefärbt, Jungtiere sind heller gefärbt. Ihre mittig auf dem Rücken befindliche Finne ist dreieckig mit stumpfer Spitze. Die beim kurzen Auftauchen meist nicht sichtbaren Flipper sind klein und rundlich mit spitzen Enden. Bauch und Kehle sind heller, oft fast weiß. Über jede Körperhälfte verläuft ein vom Mundwinkel bis zum Ansatz der Flipper reichender schwarzer Streifen.
Foto: Brendan Hunter/iStock
Schweinswal Portrait.

Wie alt werden Schweinswale?

Ihre Lebenserwartung soll bei bis zu 22 Jahren liegen. Meist erreichen sie jedoch nur ein Alter von 12 bis 15 Jahren. Damit sind sie im Vergleich zu anderen Meeressäugerarten relativ kurzlebig.

Wie groß sind sie?

Schweinswale gehören mit ihrer Länge von bis zu 1,9 m (selten auch 2 m) zu den kleinsten Cetaceenarten. Meistens erreichen sie auch nur 1,6 m. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Neugeborene Schweinswale sind zwischen 70 und 75 cm klein.

Wie schwer werden sie?

Mit ihren bis zu 90 kg zählen sie zu den Leichtgewichten unter den Cetaceen. Meistens sind nur 60 bis 70 kg schwer. Die Weibchen sind dabei etwas schwerer. Schweinswalkälber sind bei ihrer Geburt etwa 5 bis 6 kg schwer.

Wie schnell schwimmen Schweinswale?

Mit bis zu 23 km/h sind die kleinen Wale nicht besonders schnell unterwegs. Meist reisen sie auch eher mit vergleichsweise gemütlichen 5–7 km/h.

Wie tief und wie lange können sie tauchen?

Ihre maximale Tauchtiefe ist unbekannt. Schweinswale in der kanadischen Bay of Fundy schaffen 226 m und zurück in etwas über 5 Minuten. Tiefer geht es dort allerdings auch nicht. Andernorts begnügen sie sich mit Tauchgängen von 14 bis 41 m bei Tauchlängen von 44 Sekunden bis 1,5 Minuten. An der Küste Nordkaliforniens erreichen sie meist Tiefen zwischen 20 und 60 m, selten über 60 m.

Was fressen Schweinswale?

Auf ihrem Speiseplan steht Fisch, Fisch und noch mal Fisch. Dabei sind sie nicht wählerisch. Ob am Meeresgrund lebende Fische oder Schwarmfische, Hauptsache viel davon. In der Regel bevorzugen Schweinswale kleine bis mittelgroße Beute. In der Ostsee z. B. Grundeln, Heringe oder kleine Dorsche. In der Nordsee dagegen stehen auch die Aalmutter, Seezungen, Stöcker, Stinte oder Sandaale auf ihrem Speiseplan. Je je nach Verfügbarkeit verändert sich ihr Nahrungsspektrum im Laufe des Jahres. Da sie ihre Beute mit dem Kopf voran in einem Stück verschlingen und diese nicht zerkauen, ist diese normalerweise nicht größer als 30 cm. Erst seit Kurzem weiß man, dass Pazifische Schweinswale der Unterart Phocoena phocoena vomerina gelernt haben, auch große Fische wie Lachse oder Amerikanische Maifische von bis zu 60 cm Größe zu jagen und zu erbeuten. Nur gelegentlich fressen Schweinswale auch Tintenfische, Krebstiere, Schnecken oder Borstenwürmer.

Die kleinen Wale sind recht hungrig. Ihr kleiner Körper kann nicht viel Energie speichern. Zudem haben sie eine hohe Stoffwechselrate und leben in kalten bis sehr kalten Gewässern. Daher benötigen sie täglich etwa 10 % ihres Eigengewichts an Fisch. Das können dann gerne bis zu 500 kleinere Beutefische sein.

Wer sind die natürlichen Feinde?

Außerhalb von Nord- und Ostsee müssen Schweinswale vor großen Haiarten, Orcas und Kleinen Schwertwalen auf der Hut sein. Aber auch der Große Tümmler, selten auch Gemeine Delfine, sind für tödlich endende Attacken auf ihre kleinen Verwandten bekannt. Diese dienen aber eher dazu, Nahrungskonkurrenten auszuschalten. Außerdem gehören Schweinswale zur Jagdbeute unserer heimischen Kegelrobben.

Verhalten

Schweinswale sind sehr scheu. Meist leben sie allein oder als Mutter-Kalb-Paar. Ab und an bilden sich auch kleinere Gruppen von sieben oder mehr Tieren. Überwiegend sind sie tagsüber aktiv, scheuen aber auch nicht davor zurück, in der Nacht Beute zu jagen. Zum Atmen kommen sie regelmäßig zwei- bis viermal pro Minute ganz kurz an die Wasseroberfläche. Bei ihren kurzen Schlafphasen verharren sie dümpelnd in der Wassersäule, bis sie absinken und sich dann wieder aktiv nach oben bewegen.

Schweinswalmutter mit Baby erbeutet einen Amerikanischen Maifisch.

Schweinswalmutter mit Kalb erbeutet einen Amerikanischen Maifisch. Foto: William Keener

Zur Kommunikation untereinander, zur Orientierung unter Wasser und bei der Jagd nutzen Schweinswale das für Zahnwale typische Biosonar. Mit diesem „siebten Sinn“ machen sie sich ein akustisches Bild von ihrer Umgebung – ähnlich wie es Fledermäuse beherrschen. Daher können die kleinen Wale auch nachts oder in trübem Wasser jagen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Bereits mit zwei bis drei Jahren erreichen Schweinswalmännchen ihre Geschlechtsreife, bei den Weibchen dagegen dauert es etwas länger bis zum vierten Lebensjahr. Die Paarungszeit liegt von Mitte Juli bis Ende August. Die Tragzeit beträgt zehn bis elf Monate. Meist erblickt dann nur ein Kalb das Licht der Welt, das bis zu einem Jahr lang mit extrem energiereicher Milch, die einen Fettgehalt von bis zu 50 % hat, gesäugt wird.

In der Nordsee findet die Geburt der Kälber zwischen Juni und August statt, in der Ostsee etwa einen Monat später.

Da Weibchen sich kurz nach der Geburt erneut paaren, sind sie kontinuierlich tragend oder säugend. Wichtigste Fortpflanzungsgebiete in Nord- und Ostsee sind das Sylter Außenriff sowie der Fehmarnbelt und das Seegebiet zwischen den schwedischen Inseln Öland und Gotland.

Wanderungen

Schweinswale folgen saisonal ihrer Beute. Sie gehören zu den wenigen Meeressäugerarten, die weit in große Flüsse hinein wandern und sich dort längere Zeit aufhalten können.

Schweinswalzählungen – eine schwierige Materie

Von Booten aus lassen sich die Bestände der kleinen Wale nicht erfassen. Denn meist sieht man sie nicht. Zum Atmen kommen sie nur kurz an die Wasseroberfläche. Dann sind sie auch schon wieder weg. Zumindest, wenn Menschen in der Nähe sind. Daher setzen Wissenschaftler auf Zählungen aus der Luft. Aus den per Flugzeug beim Auftauchen oder Schwimmen gesichteten Tieren wird dann eine ungefähre Bestandsgröße errechnet.

Gefahren

Die kleinen Wale sehen sich mit einem großen Cocktail unterschiedlichster Gefahren konfrontiert. Beifang in Fischer- und Geisternetzen, Lärm, Plastikmüll, Unterwassersprengungen von Altmunition, Überfischung, Offshore-Windparks, Elbvertiefung, Bau des Fehmarnbelt-Tunnels, große Mengen an Phosphor, Stickstoff und Ackergiften aus Abwässern der industriellen Landwirtschaft und vieles mehr.

Meeresverschmutzung

Da sie zu den marinen Top-Prädatoren gehören, sammeln sich in ihrem Körper Giftstoffe, wie Quecksilber, DDT oder PCB, Pestizide und Antibiotika, die ins Meer gespült werden. Dies verringert ihre Reproduktionsfähigkeit und schwächt das Immunsystem, was sie anfälliger gegenüber Parasiten macht.

Stellnetzfischerei

Eine besondere Gefahr für Schweinswale geht von den Tausenden von Stellnetzen aus, die in der Ostsee und entlang der dänischen Nordseeküste, aber auch in deutschen Meeresschutzgebieten stehen. Sie können diese nicht orten, werden aber durch dort gefangene Fische angelockt.

2019 erreichte die Zahl tot aufgefundener Schweinswale an deutschen Küsten einen traurigen Rekordwert, auch wenn bis zum Oktober 2020 nur Zahlen für die Ostsee vorlagen. Demnach strandeten an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste 133 Schweinswale. An den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns waren es weitere 47. Damit ist für die Ostseeküste der dritthöchste Stand nach 2016 (221) und 2018 (203) erreicht. Da sich die Zahl der Totfunde in Nord- und Ostsee meist die Waage halten, könnte 2019 mit ca. 360 toten Tieren einen Spitzenplatz in der Todesstatistik erreichen.

Totfund am Sandstrand in Sylt.

Schweinswal am Sandstrand in Sylt. Foto: nature.picture / pixelio.de

Schutzstatus

Die Art gilt als nicht gefährdet. Die Population in der zentralen Ostsee ist laut Weltnaturschutzorganisation IUCN allerdings akut vom Aussterben bedroht. National wie europäisch sind Schweinswale durch die FFH-Richtlinie streng geschützt.

Es gibt ein spezielles Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS, das von der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) ins Leben gerufen wurde. Hier wurde sogar ein eigener Schutzplan für die letzten Ostsee-Schweinswale verabschiedet, der Jastarnia-Plan. Doch genutzt hat dies den kleinen Walen bislang nicht sonderlich viel.

Besserer Schutz für Ostsee-Schweinswale

Ende Februar 2022 trat die neue EU-Verordnung (2022/303) für einen besseren Schutz von Schweinswalen in der Ostsee in Kraft. Insbesondere für die kleine Schweinswalpopulation in der zentralen Ostsee. In der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Ostsee ist die für Schweinswale extrem gefährliche Stellnetzfischerei allerdings lediglich im FFH-Schutzgebiet „Greifswalder Boddenrandschwelle und Teile der Pommerschen Bucht“ und im Naturschutzgebiet (NSG) „Pommersche Bucht-Rönnebank“ vom 1. November bis 31. Januar verboten. Zwar sind Schweinswale zu der Zeit vermehrt dort zu finden, dennoch ist das Stellnetzverbot halbherzig und viel zu kurz. Die Schutzgebiete können damit ihre eigentliche Aufgabe weiterhin nicht adäquat erfüllen.

„Fischereimanagementmaßnahmen speziell zum Schutz des Schweinswals in der Ostsee umgesetzt. Weitere wichtige Schritte sollten folgen, unter anderem sind auch Maßnahmen außerhalb der Schutzgebiete dringend erforderlich, um die Schweinswalpopulation der zentralen Ostsee vor dem Aussterben zu retten.“

Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN)

In dänischen, schwedischen und polnischen Schutzgebieten verlangt die EU-Verordnung dagegen weiter gehende Schutzmaßnahmen für Schweinswale. Hier wird die Stellnetzfischerei in einigen Schutzgebieten entweder ganzjährig oder saisonal geschlossen. Darüber hinaus ist ein begrenzter Einsatz von akustischen Abschreckvorrichtungen, sogenannten „Pingern“, in schwedischen und polnischen Gebieten vorgesehen. Das sind akustische Vergrämungsgeräte, die die Tiere vor Netzen warnen können. Ihr Nutzen ist allerdings nicht unumstritten.

Die EU-Verordnung (2022/303) basiert einerseits auf Forderungen von Meeresschutzorganisationen und andererseits auf einer Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Auf dessen Grundlage werden jetzt weitere, ergänzende Schutzmaßnahmen unter fachlicher Beratung des BfN diskutiert.

Wie verhalte ich mich richtig?

Beim Beobachten von Schweinswalen kann man nicht viel falsch machen, dazu sind die Tiere zu scheu. Wer mit einem Boot unterwegs ist, sollte natürlich genügend Abstand halten.

Wenn man ein angespültes, verletztes oder offensichtlich krankes Tier entdeckt, sollte man es keinesfalls wieder ins Wasser bugsieren. Man kann versuchen, den Körper feucht zu halten. Informieren Sie umgehend die Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, Gemeinde- oder Kurverwaltungen oder den zuständigen Amtsveterinär.

Schweinswalsichtungen bitte melden!

Wer einen Schweinswal gesehen hat, sollte dies melden:

Foto oben: Ecomare/Sytske Dijksen


Meerwissen über Schweinswale

  • Der Schweinswal hat mit Schweinen an sich nicht viel zu tun. Im Mittelalter nannte man ihn noch Meerferkel. Denn damals gab es sehr viel mehr von ihnen und so nutzten Küstenbewohner sie als Nahrungsquelle.
  • Auf der dänischen Insel Fünen gab es seit 1500 die Zunft der „Meerschweinjäger“.
  • Beim Ausatmen machen Schweinswale ein ganz charakteristisches Geräusch. Es klingt wie ein Schnäuzen oder angestrengtes Schnaufen.
  • Einen Schweinswal im Sprung zu sehen, ist ein echter Glücksfall, denn die kleinen Wale springen fast nie.
  • Manchmal nehmen Schweinswale das Maul zu voll. Beim Versuch, große Plattfische zu erbeuten, können sie ersticken.
  • Entlang der niederländischen Küste stranden besonders viele Schweinswale. Sie kommen wahrscheinlich in Schleppnetzen zu Tode.

Ihre Spende für bedrohte Meeressäuger

Springender Adria-Delfin.

Aussterben verhindern – bedrohte Populationen schützen. Helfen Sie bedrohten Walen, Delfinen und Robben!


Grömitz: Touristen streicheln Schweinswal tot

Schweinswal-Tod bei Grömitz

Touristen kesseln einen kleinen Schweinswal Anfang an einem Strand in Grömitz (Ostsee) ein. Sie halten ihn fest, lassen nicht mehr los. Alle wollen ihn streicheln, drücken, fotografieren. Es ist die reinste Qual für den kleinen Wal, der in der Folge stirbt. Wir unterstützten den bundesweiten Zeugenaufruf der Staatsanwaltschaft Lübeck und der Polizeidirektion Lübeck zum Schweinswal-Tod bei Grömitz.

Weil der Vorfall bundesweit für Entsetzen und große Beachtung in den Medien fand, meldete sich Ende Juli 2021 schließlich ein Mann aus Nordrhein-Westfalen. Er sei einer der Erwachsenen gewesen, die bei dem Tier im Wasser waren. Allerdings handelt es sich nicht um den Mann im Neoprenanzug auf dem Foto (oben), das die Staatsanwaltschaft für die Öffentlichkeitsfahndung freigab. Gegen ihn wird nun wegen Verdachts einer Straftat gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt.

Tierquälerei

Wie die Polizei mitteilte, wurde am Freitag, den 9. Juli 2021, der in Ostholstein tätige Seehundjäger zur Mittagszeit darüber informiert, dass mehrere Erwachsene einen kleinen Schweinswal im Badegebiet von Grömitz (Kreis Ostholstein) eingekesselt und gefangen hatten, um ihn an der Wasseroberfläche zu halten. Die Erwachsenen rufen dann über 20 Kinder herbei. Sie stürmen ins Wasser. Halten den jungen Schweinswal fest. Umarmen und streicheln ihn. Machen Selfies. Nach Zeugenaussagen ist das Tier zunächst noch agil. Doch mit der Zeit lassen seine Kräfte immer mehr nach. Dann ist der Schweinswal tot. Zu Tode gestreichelt.

Schließlich übergab man den leblosen Körper des kleinen Meeressäugers an den Seehundjäger. Bei der Erstsektion im Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum fanden die Veterinäre zwar Herz- und Lungenwürmer. Dennoch schlossen sie nicht aus, dass sein Tod durch den intensiven Kontakt mit den Menschen (Stress) verursacht wurde.

Schweinswale gehören in Deutschland zu den streng geschützten und stark gefährdeten Tierarten. Die Polizei weist darauf hin, dass das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) es unter anderem unter Strafe stellt, wenn wild lebenden Tieren der streng geschützten Arten nachgestellt wird, sie gefangen, verletzt oder getötet werden. Vorsätzliches Handeln kann mit Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Fahrlässigkeit mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe.

Warnung – Gefahr für Mensch und Tier

Zudem wird vor Zoonosen gewarnt. Dabei handelt es sich um Infektionskrankheiten. Sie werden von Viren, Bakterien, Pilzen, Protozoen und anderen Parasiten verursacht. Eine Übertragung kann von Mensch zu Tier und umgekehrt stattfinden.

Quelle: Lübeck (ots), gemeinsame Medien-Information der Lübecker Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Lübeck
Foto „Schweinswal-Tod bei Grömitz“: Polizeidirektion Lübeck