Segelqualle (Velella velella)

Ihr Name ist Programm, wie leicht zu erkennen ist. Die tiefblau-violettfarbene Segelqualle (Velella velella) – von lateinisch „Velum“ für Segel – driftet mithilfe ihres fast durchscheinenden, gallertartigen Segels durch die Meere. Das bis 4 cm lange s-förmige Segel befindet sich circa 40 Grad quer zur Körperachse auf einem länglichen, abgeflachten Floß. Dieses ist bis zu 6 cm lang und besteht aus 20 bis 30 luftgefüllten Chitinringen. An der Unterseite hängen Tentakeln mit Nesselzellen. Die auch „Segler vor dem Wind“ genannten Quallen leben weltweit in warmen bis warm-gemäßigten Meeresregionen und im westlichen Mittelmeer. Die Art ist bekannt für periodisches massenhaftes Auftreten (Quallenplage) und gehört zum Pleuston (halb eingetaucht oder an der Wasseroberfläche lebende planktonische Meerestiere). Segelquallen bilden mitunter kilometerlange Schwärme und sind für Menschen vollkommen ungefährlich.

Systematik

Velella velella gehört zur etwa 3.800 Arten umfassenden Klasse der Hydrozoa (Wassertiere). Die weitere Klassifizierung ist noch umstritten. Unstrittig ist, dass die Segelqualle zur artenarmen Familie Porpitidae gehört und dort monotypisch ist. Also die einzige bekannte Art der Gattung Velella.

Staatsqualle oder Polyp?

Umstritten ist, ob der Segler vor dem Wind ein einzelnes Tier ist oder eine Polypenkolonie (Staatsqualle) aus vielen spezialisierten, miteinander verbundenen Individuen, die zusammen als ein Lebewesen agieren. Jede Einheit einer Staatsqualle übernimmt eine spezifische Funktion, wie Fortbewegung, Nahrungsaufnahme, Nesselzellen, Verdauung oder Fortpflanzung. Bekanntester Vertreter der Staatsquallen sind die berüchtigten und giftigen Portugiesischen Galeeren (Physalia spp., engl. Portuguese man o’ war).

Andererseits könnte es sich um einen einzelnen, komplex ausdifferenzierten, kopfüber schwimmenden Polypen handeln, dessen Münder und Tentakeln in der oberen Wasserschicht baumeln.

Eine Segelqualle (Velella velella), Segler vor dem Wind, auf einem Stein.
© Steve Lonhart/NOAA-MBNMS
Was frisst eine Segelqualle?

Sie ernähren sich unter anderem von Fischeiern und Krebslarven. Segelquallen leben, wie tropische Korallen, in Symbiose mit einzelligen Algen, sogenannten Zooxanthellen. Diese tragen durch Fotosynthese zur Ernährung der Quallen bei.

Wer frisst Segelquallen?

Sie selbst werden unter anderem von Albatrossen, Meeresschildkröten, Mondfischen und vor allem von der Veilchenschneckenart Janthina prolongata verspeist.

Ist die Segelqualle giftig?

Die Segler vor dem Wind sind bei Berührung für den Menschen ungefährlich.

Wie schnell kann Velella velella segeln?

Bei Windstärke 2 sollen sie bis zu 0,37 km/h schnell werden können. Bei guten Winden können die Tiere mehrere Kilometer am Tag schaffen.

Warum sind Segelquallen blau?

Die intensive Färbung der kleinen Quallen stammt von mit der Beute aufgenommenen und verarbeiteten Carotinoid-Pigmenten. Dabei nutzen die Tiere die Farbe als natürlichen Sonnenschutz vor der direkt an der Meeresoberfläche besonders starken Sonneneinstrahlung.

Verhalten

Winden und Strömungen ausgeliefert, treiben Segelquallen auf der Meeresoberfläche und suchen dort nach Nahrung.

Segelquallen haben kurze Tentakel, © Project Manaia

Es gibt rechts- und linksegelnde Kolonien. Ein gleichgerichteter Wind zerteilt einen gemischten Schwarm je nach Stellung des Segels in nach links und nach rechts „segelnde“ Teilschwärme.

Velella velella ist ein außerordentlich stabiler Segler. Das dreieckige, an der Basis etwas dickere Segel ist zwar durch oberflächliche Rippen versteift, aber unter Last biegsam. Kentert ein Segler vor dem Wind dennoch einmal, dann kann er sich wieder aufrichten. Dabei setzen die Tiere den rund um ihr Floß reichenden, umschlagbaren Mantelsaum ein.

Strandungen

Strandet ein Schwarm, dann liegen unzählige der sterbenden Tiere als blaue Schicht auf dem Strand. So wie Ende April 2024, als Tausende Segelquallen an der Südostküste Mallorcas angespült wurden. Oder im März 2015 und 2016 an der französischen Mittelmeerküste bei Argelès-sur-Mer. Quallenschicksal.

Fortpflanzung

Der Fortpflanzungszyklus von Velella velella ist bisher nicht vollständig bekannt, da wesentliche Entwicklungsstadien in der Tiefsee leben.

Segelquallen (Velella velella), Segler vor dem Wind, treibend an der Wasseroberfläche.
Segelquallen (Velella velella), Segler vor dem Wind,
treiben an der Wasseroberfläche. © Project Manaia

Segelquallen sind entweder männlich oder weiblich. Sie vermehren sich aber nicht direkt, sondern schnüren winzige, etwa 1 mm große, kugelförmige Geschlechtsmedusen ab. Diese sinken in große Tiefen von über 1.000 Metern und laichen dort am Meeresgrund. Im Zuge der weiteren Entwicklung bilden sich dann zur Wasseroberfläche aufsteigende Larven, die sich zu vollständigen Segelquallen entwickeln.

Im Mittelmeer vermutet man in den tiefen und strömungsintensiven Gewässern von Messina eine Brutstätte der Segelqualle. Seit 2022 stoßen unsere Partner von Project Manaia im Mittelmeer wiederholt auf Massenansammlungen von Velella velella.

Diese bedecken über Quadratkilometer ganze Meeresbereiche. Die Ursachen für die Massenvermehrung sind unklar.

Fazit

  • Die Segelqualle (Velella velella) nutzt ihr gallertartiges Segel, um durch die Meere zu driften, und kommt weltweit in warmen Meeresregionen vor.
  • Unklar ist, ob es sich um ein einzelnes Tier (Polyp) oder eine Polypenkolonie (Staatsqualle) handelt.
  • Die Segelqualle ernährt sich von Fischeiern und lebt in Symbiose mit Algen, die sie per Fotosynthese mit Energie versorgen.
  • Sie ist für Menschen ungefährlich und kann bei bestimmten Bedingungen mehrere Kilometer am Tag segeln.
  • In den vergangenen Jahren kam es zu massenhaften Strandungen.

Zuletzt aktualisiert:

Autor: Ulrich Karlowski

Titelfoto: Segelquallen erinnern an Optis, © istock.com/lisad


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