Wale in der Adria

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Auch wenn die Adria kein Hotspot zum Whalewatching ist, kann man gelegentlich auch Wale in der Adria sehen. Es ist selten, und es gehört schon eine Portion Glück dazu, so einem Meeressäugetier leibhaftig zu begegnen. Vier Walarten sind bislang in der Adria nachgewiesen: zwei Zahnwalarten, nämlich Pottwal und Cuvier-Schnabelwal, sowie zwei Bartenwalarten, Finn- und Buckelwal. Alle Meeressäugetiere sind streng geschützt. Deshalb gibt es auch Empfehlungen, wie man sich bei einer Begegnung richtig verhält. Denn nur so bleibt sie unvergesslich für die Beobachtenden und stressfrei für die Tiere.

Finnwale (Balaenoptera physalus)

sind nach dem Blauwal die zweitgrößten Tiere der Erde. Bei uns erreichen sie Größen bis zu 24 m (auf der Südhalbkugel sogar bis zu 27 m). Ihr Gewicht liegt zwischen 30 und 80 t. Sie besitzen einen dunkelgrauen Rücken und eine helle bis weiße Unterseite. Ihre Lebenserwartung soll bei 80 bis 90 Jahren liegen. Im Mittelmeer gelten sie als stark gefährdet.

Finnwal vor Hvar
Finnwal vor der Insel Hvar. Foto: Martina Đuras/VAL-DSM

Erkennungsmerkmale

  • Blas: schmal, 4–6 m hoch
  • beim Abtauchen ist die Fluke meist nicht sichtbar
  • kleine, sichelförmige und weit hinten sitzende Finne (Rückenflosse)

Finnwale sind die einzigen Bartenwale, die ganzjährig im Mittelmeer leben. In der Adria sind sie selten, wenngleich es fast jedes Jahr ein oder zwei Sichtungen gibt. 2020 war sogar ein regelrechtes „Finnwaljahr“. Finnwale sind Filtrierer, die sich von Plankton und Kleingetier ernähren.

Pottwale (Physeter macrocephalus)

sind Lebewesen der Superlative: die größten der Zahnwale, die größten Raubtiere und die größten Fleischfresser der Erde. Sie werden bis zu 18 m lang und 20 bis 50 t schwer. Ihre Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren oder mehr.

Zwei Pottwale unter Wasser vor Dominica
Pottwale vor Dominica. Vincent Kneefel/Ocean Image Bank

Erkennungsmerkmale

  • langer, eckiger Kopf
  • ein Blasloch (Bartenwale besitzen zwei), ganz vorne links am Kopf
  • Blas: buschig, tritt schräg nach links aus, meist nicht höher als 2 m
  • beim Abtauchen heben sie die Fluke gut sichtbar senkrecht in die Luft
  • anstelle einer Finne besitzen sie einen dreieckigen oder runden Buckel

Pottwale trifft man im Mittelmeer häufiger an, wenngleich der genaue Bestand nur schwer zu ermitteln ist. Die Mittelmeer-Subpopulation beträgt laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN zwischen 250 und 2.500 erwachsenen Tieren und gilt als stark gefährdet. In der Adria sind sie lediglich äußerst seltene Irrgäste.

Für die Tieftaucher – sie steigen in Tiefen von bis zu 1.000 m, vereinzelt sogar bis auf 2.000 bis 3.000 m hinab – ist die flache Adria oft eine Todesfalle, da sie nicht mehr ins tiefere Wasser zurückfinden.

Die jüngste Sichtung stammt aus Süddalmatien. Bei der Insel Korčula wurde im August 2023 eine Gruppe von mindestens fünf Pottwalen gesichtet. Im Jahr 2016 hatten sich drei Pottwale bis in die Nordadria auf Höhe der istrischen Hafenstadt Rovinj gewagt. 2014 wurden mehrere Tiere an verschiedenen Orten der kroatischen Küste gesehen. Möglicherweise waren es dieselben, die später auf italienischer Seite auftauchten. Dort strandeten sieben junge männliche Pottwale, von denen vier leider starben.

Die durchschnittliche Tiefe der Adria beträgt 252 m. Die tiefste Stelle, im sogenannten Adriabecken, misst 1.233 m und befindet sich grob zwischen dem italienischen Ort Bari und Dubrovnik. Nördlich von Zadar ist das Wasser nicht tiefer als 100 m und weiter gen Norden sogar noch flacher, teils nur 40 bis 50 m.

Beim Ruhen liegen Pottwale oft an der Wasseroberfläche und sehen aus wie riesige treibende Holzstämme (im Englischen nennt man dieses Verhalten logging, von log = Holzstamm). Sie können dann von Booten und Schiffen leicht übersehen werden.

Buckelwale (Megaptera novaeangliae)

werden bis zu 15 m groß und 25 bis 30 t schwer. Sie besitzen eine dunkle bis schwarze Oberseite. Ihre Lebenserwartung soll mindestens 50 Jahre betragen, mancher Autor spricht von 70 bis 80 oder gar 100 Jahren. Berühmt ist die Art für ihre Gesänge und ihre Springfreudigkeit. Die Bartenwale ernähren sich von Plankton und kleinen Fischen, wie Heringen.

Springender Buckelwal
Springender Buckelwal. Foto: Michael Blum/Unsplash

Erkennungsmerkmale

  • extrem lange weiße Flipper (bei Tieren der Südhalbkugel ist die Oberseite schwarz)
  • Blas: buschig und bis zu 3 m hoch
  • beim Abtauchen strecken sie die Fluke aus dem Wasser
  • namensgebender Buckel mit kleiner Finne

Buckelwale sind zwar Kosmopoliten, im Mittelmeer jedoch sehr selten. Aber auch in der Adria tauchten sie schon auf. 2009 schwamm ein erwachsener, etwa zwölf Meter langer Buckelwal mehrere Tage lang durch die Bucht von Piran (Slowenien) im Golf von Triest. 2002 wurde einer vor dem italienischen Badeort Senigallia gesehen.

Der Mensch hatte es fast geschafft, diese beeindruckenden Meeressäuger auszurotten. Doch dank des seit 1986 gültigen Walfangmoratoriums haben sich die Bestände wieder sehr gut erholt. Global gilt die Art inzwischen als nicht mehr gefährdet.

Cuvier-Schnabelwale (Ziphius cavirostris)

erreichen Größen von 5 bis 7 m und ein Gewicht von 2 bis 3 t. Ihr Körper ist braun bis dunkel. Man vermutet, dass sie mindestens 40 Jahre, evtl. sogar mehr als 60 Jahre, alt werden können.

Cuvier-Schnabelwal
Foto: NOAA Fisheries

Erkennungsmerkmale

  • am auffälligsten ist die Färbung von Kopf und „Gesicht“: hell bis weiß
  • kleiner Kopf
  • 2 kleine Zähne ganz vorne im Unterkiefer, bei geschlossenem Schnabel sichtbar

Cuvier-Schnabelwale sind ebenfalls Tieftaucher. Regelmäßige Sichtungen gibt es im östlichen Mittelmeer nur im Hellenischen Graben. In der Adria kommen diese Zahnwale lediglich als Irrgäste vor. 2001 tauchte ein nicht sehr scheuer, etwa fünf bis sechs Meter großer Cuvier-Schnabelwal vor Dubrovnik auf. Obwohl diverse Maßnahmen zu seinem Schutz ergriffen wurden, fand man ihn nach rund einem Monat tot auf. Eine fatale Mahlzeit war sein Todesurteil gewesen: Er hatte Plastiktüten mit Quallen, seiner Lieblingsspeise, verwechselt. Die Tüten verstopften seinen Magen und er verhungerte.


Weitere Meerestiere in der Adria

In unserer als PDF oder Print verfügbaren Broschüre Artenvielfalt in der Adria – Meeressäuger, Haie, Schildkröten und andere faszinierende Meerestiere“ stellen wir 32 größtenteils bedrohte Meerestiere von Klein bis Groß vor, die man in der Adria sehen kann. Zudem enthält die Broschüre wichtige Informationen zum Naturschutz in Kroatien sowie ein paar Aktionstipps.

Ulrike Kirsch im Mai 2022, aktualisiert August 2023

Titelfoto: Finnwal vor Hvar. Martina Đuras/VAL-DSM


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