Walhai – größter Fisch der Welt

Bereits die Dimensionen des friedlichen Planktonfressers erklären seinen Namen: Walhai (Rhincodon typus). Und wenn sein Name fällt, bekommen nicht nur Taucher große Augen. Doch Begegnungen mit den bis zu 14 m langen Fischen sind selten geworden. Denn Walhaifleisch ist hauptsächlich in Asien eine beliebte Delikatesse. Die große Nachfrage, besonders aus Taiwan und Hongkong, und die Aussicht auf über 3.000 Euro pro erlegtem Walhai verlocken Fischer immer wieder dazu, die Meeresgiganten zu jagen. Daher sind sie vielerorts bereits verschwunden oder akut vom Aussterben bedroht. Es ist nicht bekannt, wie viele Walhaie es derzeit noch gibt. Kein Wunder, dass die größte Fischart heute als stark gefährdet mit sinkender Bestandsentwicklung auf der Roten Liste der IUCN steht.

Im September 2025 wurde erstmals ein Walhai vor der israelischen Mittelmeerküste gesichtet! Eine Sensation, denn im Mittelmeer kommt der größte Fisch der Meere eigentlich nicht vor.

Whale Shark Day – Internationaler Walhai-Tag

Geschenkspendenurkunde Walhai.

Am 30. August ist der Internationale Tag des Walhais (Whale Shark Day). Er wurde am 30.8.2008 anlässlich der 2. Walhaikonferenz auf der mexikanischen Insel Holbox ins Leben gerufen, um auf den drastischen Rückgang der Bestände aufmerksam zu machen.

Für Walhaifreunde haben wir nicht nur anlässlich des Whale Shark Day etwas Besonderes: einen Walhai als Motiv bei unseren To-go-Spendenurkunden/-Geschenkurkunden.

Diese Urkunden sind unabhängig von der Spendenhöhe, zum Selbstausfüllen und direkt fertig als PDF für den Versand oder zum Ausdrucken.

Artensteckbrief

Wie groß ist ein Walhai?

Die riesigen Knorpelfische lassen so manche Walart klein aussehen. Sie erreichen bis zu 14 m Länge und können dann bis zu 15 Tonnen schwer sein. Markant ist auch ihre 4 m hohe, elegant geschwungene Schwanzflosse. Die Brustflossen messen bis zu zwei Meter. Walhaie haben ein riesiges, etwa 1,50 Meter breites Maul. Ihre Haut ist bis zu 10 cm dick.

Haben Walhaie Zähne?

Wie alle anderen Haie besitzen auch Walhaie Zähne. Etwa 3.000. Deren Nutzen und Funktion sind allerdings unklar. Denn die sanftmütigen Riesen gehören zu den 3 Filtrierern unter den Haien. Die beiden anderen sind der Riesenhai und der Riesenmaulhai.

Wie alt wird ein Walhai?

Die Lebenserwartung liegt wahrscheinlich bei über 70 Jahren.

Lebensraum und Verbreitung

Die großen Fische leben meist in warmen, tropischen und subtropischen Gewässern rund um den Äquator zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Sie sind sowohl in küstennahen Gewässern als auch im offenen Ozean unterwegs. Im Atlantik liegt ihre nördlichste Verbreitung ungefähr auf Höhe der Azoren.

Nicht dokumentiert sind sie dagegen in den südlicher liegenden Gewässern von Madeira und den Kanarischen Inseln.

Mittelmeer

Im Mittelmeer kommt der Walhai nicht vor. Bislang hat es nachweislich nur dreimal einen Irrgast hierhin verschlagen.

Die jüngste Sichtung ereignete sich Ende September 2025 vor Aschdod an der israelischen Mittelmeerküste. Nach Informationen von Dr. Aviad Scheinin von unseren Partnern von Delphis und Forscher an der Morris Kahn Marine Research Station ist dies die erste Sichtung eines Walhais an der israelischen Mittelmeerküste. Er kam vermutlich über den Suezkanal aus dem Roten Meer.

Im Dezember 2022 berichtete uns der Biologe und Mondfischforscher Lukas Kubicek über einen Walhai vor der spanischen Enklave Ceuta. Der Hai war in eine Almadraba geraten, eine Fangeinrichtung für den Thunfischfang. Taucher vom Cecam, dem Zentrum für Forschung und Schutz von Meerestieren in Ceuta, entdeckten den rund 10 m langen Fisch bei Routinekontrollen der Almadraba und befreiten ihn.

Die erste nachgewiesene Sichtung gab es im Oktober 2021 vor der türkischen Küste. Auch in diesem Fall vermuten Forscher, dass der Hai über den Suezkanal ins Mittelmeer gelangt war.

Walhai-Treffen

Zu den vielen Rätseln rund um den größten Fisch gehören seine saisonalen Treffen in immer den gleichen Gebieten. Ebenso ist unklar, ob sich bei den regionalen Treffen tatsächlich Tiere aus einer oder mehreren Populationen einfinden. Genetische Studien deuten darauf hin, dass es bis zu fünf Populationen von Rhincodon typus geben könnte. Eine im Atlantik und vier im Indo-Pazifik.

Zu bestimmten Jahreszeiten treffen sich die Einzelgänger in für sie offenbar sehr reizvollen Meeresgebieten. Dazu gehören die Gewässer vor der philippinischen Insel Pamilacan, der Golf von Kalifornien, die Küsten von Mosambik und Belize, die Galapagos-Inseln, die Malediven und das Ningaloo-Reef in Nordwestaustralien. Nach Meinung von Wissenschaftlern geschieht dies entweder zur Paarung oder wegen eines saisonbedingten reichhaltigen Nahrungsangebotes. Letzteres könnte immerhin die jährlichen Walhai-Versammlungen erklären.

Die größten Fische sind friedliche Filtrierer und stark bedroht.
© Toby Matthews/Ocean Image Bank

Denn dort stoßen Korallen zwischen April und Mai Milliarden Eier und Spermien ins Wasser ab. Offensichtlich eine Delikatesse für Walhaie. Sie saugen die eiweißreiche Kraftnahrung aus dem warmen Wasser Tag und Nacht mit ihrem bis zu 6.000 Liter Wasser pro Stunde fassenden Maul ein. Anschließend wird sie über sogenannte Kiemenreusen – Tausende etwa 10 cm lange bartenähnliche Plättchen – aus den jeweils 5 seitlichen Kiemenöffnungen ausgeseiht.

Rätselhafte innere Uhr und faszinierende Navigationskünste

Im Gegensatz zu anderen Haiarten setzen sie, wie haifischähnliche Rochen, beim Schwimmen ihren ganzen Körper mit Seitwärtsbewegungen und nicht nur die Schwanzflosse ein. Die riesigen Fische können bis fast 2.000 m hinab in die Tiefsee tauchen.

Niemand weiß bis heute, auf welchen Wegen Walhaie zu ihren jährlichen Treffpunkten gelangen, noch wie ihre innere Uhr funktioniert. Sie ermöglicht es ihnen, zur gleichen Zeit am gleichen Ort einzutreffen, noch wo genau sie sich die übrige Zeit des Jahres aufhalten.

Ernährung

Im Gegensatz zum Riesenhai ist der Walhai ein aktiver Filtrierer. Die Fische erzeugen dabei aktiv einen Sog und filtern die Nahrung anschließend. Größtenteils ist das Plankton. Doch auch Kleinkrebse, kleinere und größere Fische wie Sardinen, Makrelen und sogar kleine Thunfische werden verspeist. Dabei schwimmen sie direkt an der Oberfläche, mitunter sogar in vertikaler Position.

Filtrierender Whale Shark mit weit aufgerissenem Maul
© VincentKneefel/OceanImageBank

Der Eindruck, hier seien dumpfe Fressmaschinen am Werk, täuscht gewaltig. Wahrscheinlich kann ihr Gehirn mithilfe spezieller Rezeptorzellen zahlreiche Signale der Umwelt gleichzeitig verarbeiten: mechanische, chemische, visuelle und elektrische Reize.

Walhaie können gründeln

2023 wurde erstmals beobachtet, wie ein Walhai „gründelt“, also am Meeresboden im Sediment nach Nahrung sucht.

Gefilmt hat dies ein Ökotourismus-Guide bei einer Walhai-Beobachtungstour in Baja California Sur, Mexiko. Es habe sich um einen 5 m großen jungen Walhai gehandelt, der wie ein Grauwal in rund 6 m Tiefe gründelte, heißt es im Artikel des New Scientist.

Fortpflanzung

Walhaie sind vivipar lebendgebärend. Die Jungtiere schlüpfen bereits im Mutterleib aus den Eiern, sodass die Weibchen ihren über 60 cm langen Nachwuchs scheinbar lebend gebären. Wie die meisten Hai- und viele Rochenarten vermehren sie sich extrem langsam. Erst mit 30 Jahren ist ein Walhai geschlechtsreif.

Über die Entwicklung der Tiere bis zur Geschlechtsreife oder ihr Paarungsverhalten ist kaum etwas bekannt.

Leichte Beute

Ausgerechnet ihre geheimnisumwitterten Treffen werden den Meeresbummlern zum Verhängnis. Da sie den Menschen als Feind nicht fürchten, sich Tauchern gegenüber friedlich verhalten und anfassen lassen, sind sie leichte Beute. Zudem sind sie recht gemütlich mit nur 5 km/h unterwegs. Fischer haben es auf ihre kostbaren Flossen und das weißliche Fleisch abgesehen. Da hilft den großen Knorpelfischen auch ihre gute Tarnung nicht. Mit ihrer weiß-gelb gefleckten und gestreiften Haut verschmelzen sie unter der Wasseroberfläche schwimmend optisch mit ihrer Umgebung.

Toter Walhai mit abgeschnittenen Flossen am Strand.
© Peri Paleracio/Marine Photobank

So töteten die Fischer dreier Dörfer in Indien allein jährlich etwa 1.000 Walhaie.

Um einen Walhai zu töten, wird ihm vom Fangboot aus ein schwerer Eisenhaken in den Leib geschlagen. Mit dessen Hilfe zieht man das Tier anschließend an Land. Dort zerlegt man die hilflosen Riesen bei lebendigem Leib. Das kann dauern. Qualvoll, oft über drei Tage lang, verenden sie langsam.

Im August 2001 stellte die Regierung Rhincodon typus 2001 endlich unter strengsten Artenschutz. Fang und Tötung der sanften Riesen sind seitdem verboten und werden bestraft. Damit folgte Indien Ländern wie den USA, Australien und den Philippinen, die Handel mit Walhaiprodukten verboten hatten.

Gier scheint unstillbar

Die Nachfrage nach Haifleisch in Taiwan oder Hongkong bleibt unverändert hoch. Zusätzlich verschärfen Stell- und Schleppnetze ihre Situation. Auch gegen die gigantischen Netze von EU-Supertrawlern haben die Riesenfische keine Chance und verenden als unbeabsichtigter Beifang. Zudem sind die langsamen Schwimmer anfällig für Schiffskollisionen. Die messerscharfen Schiffsschrauben führen häufig zu schweren, oft tödlichen Verletzungen.

Diese horrenden Verluste kann die Art nicht mehr kompensieren. Experten schätzen, dass nur zehn Prozent der Neugeborenen das fortpflanzungsfähige Alter erreichen.

Handel mit Walhaiprodukten

Der Walhai steht seit 2002, wie auch sein kleinerer Verwandter, der Riesenhai, auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA/CITES). Dadurch wird der internationale Handel mit Walhaiprodukten erfasst und reglementiert, ist aber nicht verboten. Daher ist es fraglich, ob der größte Fisch in den Ozeanen langfristig eine reelle Überlebenschance hat.

Der „recovery score“ der IUCN, mit dem die Erholung des Bestands einer Art eingestuft wird, lag 2021 für Rhincodon typus bei lediglich 29 %. Die bewerteten Walhai-Bestände sind demnach größtenteils erschöpft (largely depleted).

Whale Shark Watching mit großem touristischem Potenzial

Mittlerweile hat sich das große wirtschaftliche Potenzial der friedlichen Nutzung von Walhaien herumgesprochen. Beim staatlich geschützten Ningaloo-Reef sind sie eine Touristenattraktion. Rund zehn Millionen Dollar bringen Tauchtouren den Einheimischen jährlich ein.

Doch auch beim Walhaitourismus kommt es immer zu Zwischenfällen. Zum Beispiel, wenn Boote Mindestabstände nicht einhalten und die Tiere verletzen. Oder wenn sich rücksichtslose Touristen von den Giganten durchs Wasser ziehen lassen oder sich auf ihren Rücken setzen.

Walhai mit halb geöffnetem Maul, Seychellen.
© Olivier Roux/Marine Photobank

Titelfoto: © DaniEscayola/OceanImageBank

Was können Sie tun?

Informationsflyer der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM): Haie – Gejagte Jäger.

Verzichten Sie – auch im Urlaub – auf den Verzehr von Haiprodukten. Achten Sie dabei auf als Kalbsfisch, Seestör oder Schillerlocke „getarnte“ Haiprodukte.

Verteilen Sie unseren Flyer: Haie – Gejagte Jäger

Citizen Science – Bürgerforscher:
Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr über Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank über die Arten zu erstellen. Dafür wurde das MECO Project gegründet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser können wir Arten schützen!

Die öffentliche Facebook-Gruppe heißt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort können Sie Ihre Sichtungen melden … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

Bildspenden:
Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer über Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.


Weiterführende Informationen