Wallriffschildkröte

Wallriffschildkröten (Natator depressus) leben ausschließlich in flachen Küstengewässern des nördlichen australischen Kontinentalschelfs. Lange hielt man die Art für eine Variante der Suppenschildkröte (Grüne Meeresschildkröte). Daher stammt auch der frühere Name Australische Suppenschildkröte.

Grafik Wallriffschildkröte

Autor: Alan Riverstone McCulloch (1885-1925)

Es handelt sich um eine der größeren Arten unter den Meeresschildkröten. Wallriffschildkröten werden fast einen Meter groß und zwischen 70 und 90 kg schwer.

Sie sind leicht an ihrem glatten, flach gewölbten Panzer mit seitlichen nach oben gebogenen Kanten zu erkennen. Daher auch ihr englischer Name „Flatback Turtle“. Außerdem ist ihr Panzer dünner als bei den anderen Meeresschildkröten und bricht leicht. Es handelt sich um vergleichsweise blasse Schildkröten. Sie sind hellolivgrün bis grau gefärbt.

Systematik

Wallriffschildkröten sind eine von sechs Arten der Familie Cheloniidae und die einzige Art der Gattung Natator. Natator bedeutet „Schwimmer“. Die Gattung erschuf der australische Zoologe und Ichthyologe Allan Riverstone McCulloch 1908. Spätere DNA-Analysen bestätigten den Status der Art.

Interessanterweise sind Wallriffschildkröten enger mit Unechten Karettschildkröten, Echten Karettschildkröten und Bastardschildkröten verwandt als mit Grünen Meeresschildkröten.

Lebensraum und Verbreitung

Wo leben Wallriffschildkröten?

Sie leben in flachen Gewässern des nördlichen australischen Kontinentalschelfs bis in die Küstengebiete Papua-Neuguineas. Von allen Meeresschildkrötenarten haben sie das kleinste Verbreitungsgebiet. Sie nisten ausschließlich in Nordaustralien. Und dort nur an wenigen Stränden in Queensland, dem Northern Territory und Westaustralien.

Verbreitung der Wallriffschildkröte, rote Punkte markieren die wichtigsten Nistplätze

Verbreitung der Wallriffschildkröte, die roten Punkte markieren die wichtigsten Nistplätze
Von B kimmel – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Während ihres Lebenszyklus gibt es keine ozeanische Phase. Die gesamte Entwicklung läuft in Gewässern ab, die nicht tiefer als 200 m sind. Alle anderen Meeresschildkrötenarten verbringen ihr gesamtes juvenilen Lebensstadium oder zumindest einen Teil davon im offenen Ozean.

Wie hoch ist der Bestand?

Wallriffschildkröten sind die am wenigsten erforschten Meeresschildkröten. Wie viele es von ihnen gibt, ist unbekannt. In Australien sind sie als gefährdet (vulnerable) gelistet. Die Rote Liste der IUCN listet die Art als „data deficient“ (ungenügende Datenlage).

Wahrscheinlich sind sie die am wenigsten gefährdete Art aller Meeresschildkröten. Denn ihre Niststrände liegen einsam. Zudem gibt es keine Nachfrage nach ihrem Fleisch. Wegen der küstennahen Lebensweise verfangen sie sich nicht so oft in Netzen.

Fakten über Wallriffschildkröten

Wie alt?

Kopfanischt eines Weibchens

Copyright: Queensland Government

Ihre Lebenserwartung ist unbekannt.

Wie schwer?

Ausgewachsene weibliche Exemplare können fast 70 kg schwer werden.

Wie groß werden Wallriffschildkröten?

Die durchschnittliche Panzerlänge reicht von 76 bis 96 cm. Dabei sind erwachsene Weibchen größer als die Männchen.

Ernährung

Wallriffschildkröten sind Allesfresser. Mageninhaltsanalysen zeigten, dass sie sich jedoch bevorzugt von Quallen, Seegurken und anderen Wirbellosen ernähren. Nur gelegentlich wird auch Seegras verzehrt. Sie scheinen Riffe zu meiden.

Wie viele Eier hat ein Nest?

Ein Nistling schlüpft aus dem Ei

Copyright: Queensland Government

Wallriffschildkröten legen mit 50–54 Stück die wenigsten Eier pro Nest von allen Meeresschildkröten. Allerdings sind diese recht groß, vergleichbar mit der Größe der Eier von Lederschildkröten. Folglich sind die Schlüpflinge fast so groß wie die der Lederschildkröte. Möglicherweise verschafft dies der Art Schutz vor Feinden.

Wie oft nisten Wallriffschildkröten?

‎Etwa alle 16 Tage legen die Weibchen zwei- bis drei Nester pro Nistsaison. Nach etwa 48–66 Tagen beginnt der Schlupf. Erstaunlich ist, dass die Nester Temperaturen von bis zu 36,5 °C aushalten können. Zwar führt dies zu einem geringeren Schlupferfolg. Für andere Meeresschildkrötenarten dagegen wäre es tödlich.

Wer sind die natürlichen Feinde?

Wie bei allen Meeresschildkrötenarten sind geschlüpfte und heranwachsende Jungtiere als Beute beliebt bei allem, was Zähne und Fangarme hat, sowie bei großen Seevögeln.

Wallriffschildkröten-Nistling

Copyright: Queensland Government

Problematisch für die Art sind vor allem Landraubtiere. Hierzu zählen Füchse, Warane und Dingos. Aquatische Fressfeinde sind Salzwasserkrokodile, Haie und andere größere Raubfische.

Verhalten und Fortpflanzung

Wie bei allen Meeresschildkröten findet die Paarung im Meer statt. Weibchen bevorzugen innerhalb einer Nistsaison jeweils denselben Strand. Ihre Nistzeiten sind variabel. Je nach Region von November bis Januar oder das ganze Jahr über.

Wanderungen

Wallriffschildkröten wandern kaum. Ihr Lebensraum ist eng umrissen auf die Gewässer des australischen Kontinentalschelfs.

Gefahren

Wallriffschildkröten erleiden Verluste durch die indigene Bevölkerung Australiens. Denn Aborigines dürfen sie im Rahmen der traditionellen Jagd, aber nicht für kommerzielle Zwecke nutzen.

Hinzu kommen Beifangverluste in der Fischerei sowie Meeresverschmutzung durch Plastikmüll. Insgesamt gibt es für eine Gefahrenabschätzung allerdings zu wenige Daten.

Schutz

In Australien sind ‎Wallriffschildkröten geschützt. 2003 integrierte man sie zusammen mit anderen Meeresschildkröten in ein nationales Schutzprogramm. Dies zielt u. a. darauf ab, Beifänge in der kommerziellen Fischerei zu reduzieren. Außerdem soll die Nutzung durch Aborigines Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Im Kakadu-Nationalpark existiert ein Monitoringprogramm.

Foto oben:
© Lyndie Malan CC BY-SA 3.0