Was fressen Delfine?

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Delfine sind mit mehr als 40 anerkannten Arten die artenreichste Gruppe der Zahnwale (Odontoceti). Die allermeisten Delfine fressen vor allem Fisch (Knochen- und Knorpelfische), Tintenfische und Kalmare. Manchmal stehen aber auch Seevögel, Krebse, Quallen, Krill, Flussschildkröten, Robben, Schweinswale oder andere Delfinarten auf dem Speiseplan.

Wenn Delfine fressen, sind sie nicht wählerisch

Da diese Meeressäuger die unterschiedlichsten Lebensräume nutzen, fressen sie ganz unterschiedliche Nahrung. Auch wenn es sich um die gleiche Art handelt. Große Tümmler in der Adria fressen beispielsweise andere Fische als Große Tümmler vor der bretonischen Küste. Meist sind diese Zahnwale „gnadenlose“ Opportunisten und fressen, was ihnen schmeckt und was sie erbeuten können. Nur wenige unter ihnen sind Nahrungsspezialisten wie die „Southern Resident“-Orcas, die sich im Sommer fast nur von Königslachsen ernähren.

Delfine fressen andere Meeressäuger

Einige Arten wie Kleine Schwertwale, Zwerggrindwale oder Orcas fressen auch andere Delfinarten und Robben. Die vor der US-Westküste lebenden „Bigg’s Transient“-Orcas ernähren sich dabei fast ausschließlich von anderen Meeressäugetieren.

Beim Fressen kauen Delfine nicht

Toter Delfin mit Fisch im Maul.
Den Mund zu voll genommen. Dieser gestrandete Adria-Tümmler ist an seiner Beute erstickt. Foto: Martina Duras/VAL

Als Zahnwale besitzen alle Delfine natürlich Zähne. Davon je nach Art unterschiedlich viele. Eine Art, der Ostpazifische Delfin (Stenella longirostris), besitzt von allen Säugetieren sogar die meisten Zähne. Es sind etwas über 250.

Doch kein Delfin benutzt seine Zähne zum Kauen. Sie dienen lediglich zum Schnappen und Zerteilen der Beute, die sie dann in großen Happen herunterschlucken.

Delfine fressen auch ungewöhnliche und wehrhafte Beute

Bei der Jagd nach Beute ist es für das eigene Überleben entscheidend, dass man für die Jagd nicht mehr Energie einsetzt, als man dabei aus der Nahrung gewinnt. Deshalb jagen und fressen die flinken Meeressäuger auch wehrhafte und für sie gefährliche Beutetiere. Dabei gehen sie immer wieder hohe Risiken ein. Nicht selten endet die Jagd mit dem Tod des Jägers.

Zerteilen stachelbewehrter Kreuzwelse

Eine kleine Gruppe von im Golf von Mexiko lebenden Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) hat gelernt, bis zu 1,50 m große Kreuzwelse (Ariopsis felis) – in den USA auch als catfish bekannt – zu fressen. Fein säuberlich trennen sie vorher den Kopf der Fische vom Körper, bevor sie Letzteren verspeisen.

Wenn Delfine ungewöhnliche Beutetiere fressen: Großer Tümmler mit einem Kreuzwels.
Großer Tümmler in der Nähe der Bucht von Palma Sola (Florida) beim Angriff auf einen Kreuzwels. Die Rücken- und Bruststacheln des Fisches sind in der Verteidigungspositionen verriegelt. © PLoS ONE 12(7): e0181179. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0181179

Das ist auch notwendig, denn der Kopf von Kreuzwelsen ist mit einem Knochenschild und drei spitzen, beweglichen Stachelstrahlen gepanzert. Nicht immer geht das gut aus für die hungrigen Tümmler. Immer wieder finden Mitarbeiter des Strandungsnetzwerks der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission tote Tiere, deren Verdauungstrakt von Kreuzwels-Stacheln durchlöchert ist.

Trotz der Gefahr lohnt sich die riskante und energetisch aufwendige Jagd. Besonders zur Laichzeit sind weibliche Welse mit ihren Eiern eine verlockende Beute voller hochwertiger Proteine. Abgetrennte Fischköpfe von Kreuzwelsen tauchen im Golf von Mexiko denn auch vermehrt zu dieser Zeit auf.

Jedoch kann man sich bislang nicht schlüssig erklären, wie die Tümmler es schaffen, den Kopf der Kreuzwelse glatt vom Körper zu trennen. Abbeißen geht jedenfalls nicht. Dazu sind sie mit ihren gleichförmigen konischen Zähnen und der vergleichsweise schwachen Beißkraft ihrer Kiefer schlichtweg nicht in der Lage.

Wie frisst man einen großen Oktopus?

Einige wenige der vor der Küste von Bunbury in Westaustralien lebenden Indopazifischen Großen Tümmler (Tursiops aduncus) jagen und fressen Maori-Kraken (Macroctopus maorum). Diese Oktopusse sind mit ihren über 10 kg Körpergewicht und acht über 3 m langen Armen keine einfache Beute. Beim Kampf mit einem derart großen Kraken schlagen die Delfine den Oktopus deshalb mehrfach kräftig auf die Wasseroberfläche oder schleudern ihn wiederholt einige Meter durch die Luft. Das machen sie so lange, bis der Tintenfisch sein Bewusstsein verliert.

Delfine fressen gerne Tintenfische.
© Ina Beinhauer

Es kann über 6 Minuten dauern, bis ein großer Krake mundgerecht zubereitet ist und risikolos verspeist werden kann. Ist alles gut gegangen, winkt eine umfang- und energiereiche Mollusken-Mahlzeit.

Doch es endet nicht immer gut für die Meeressäuger. Immer wieder findet man an den Stränden von Bunbury tote Tümmler, die offensichtlich bei der Oktopus-Jagd ihr Leben verloren hatten.

Einer war an einer 2,1 kg schweren Krake erstickt. Der Kopf der Molluske befand sich zwar schon im Magen des Delfins. Doch die 1,3 m langen Arme der Krake zu verschlucken, gelang ihm nicht mehr. Australische Biologen berichten auch von Fällen, bei denen bereits abgetrennte Oktopusarme Indopazifische Große Tümmler töteten.

Was steht sonst noch auf dem Speiseplan von Delfinen?

Rauzahndelfine (Steno bredanensis) wenden ebenfalls die Technik des Kopfabtrennens an, wenn sie Goldmakrelen oder Meeräschen fressen.

Amazonasflussdelfine oder Inias (Inia geoffrensis) knacken mit ihren speziell modifizierten Hinterzähnen gepanzerte Nahrung wie Flussschildkröten oder Krabben. Darüber hinaus fressen sie noch mehr als 40 Süßwasserfischarten.

Guyana-Delfine (Sotalia guianensis) ernähren sich von einer Vielzahl kleinerer Fischarten sowie von Tintenfischen, Krebsen und Garnelen. Während die mit ihnen verwandten Amazonas-Sotalias (Sotalia fluviatilis) eine Vielzahl kleinerer Schwarmfischarten fressen.

Was fressen Delfine: Bleifarbener Delfin mit Fisch im Maul.

Bleifarbene Delfine sind nicht wählerisch. Sie fressen, was sie kriegen können: allerlei Meeräschen, Makrelen oder Sardinen. © D.Savides

Das Beutspektrum von Weißseitendelfinen (Lagenorhynchus acutus) umfasst verschiedene kleine pelagische Schwarmfische (Hering, Makrele, Kabeljau, Stint oder Seehecht) sowie Krabben und Tintenfische. Sie jagen gemeinschaftlich. Dabei verdichten sie einen Fischschwarm zu einem „Futterball“.

Gemeine Delfine (Delphinus delphis) ruhen normalerweise tagsüber und fressen nachts. Dann gehen sie auf die Jagd nach Schwarmfischen und Kopffüßern (z. B. Tintenfischen), die nachts an die Oberfläche wandern.

Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens) sind gefürchtete Jäger. Hauptsächlich abgesehen haben sie es auf Fisch und Tintenfisch. Dabei schrecken sie vor großer Beute wie Mahi Mahi oder kapitalen Thunfischen nicht zurück. Sie greifen auch kleinere Delfine, Schweinswale und Walkälber an. Sogar Angriffe auf Pottwale sind bekannt.

Vergiftete Beute

Delfine agieren ganz oben in den marinen Nahrungsnetzen. Wobei Schwertwale sogar DIE Top-Prädatoren der Ozeane sind, dicht gefolgt von Kleinen Schwertwalen. Mit der Nahrung nehmen sie mit der Zeit auch immer mehr Umweltgifte auf. Entsprechend hohe Konzentrationen von PCB (Polychlorierte Biphenyle), anderen hochtoxischen bioakkumulierenden chlorierten Kohlenwasserstoffen (langlebige organische Schadstoffe) oder Quecksilber finden sich in ihrem Muskel- und Fettgewebe.

Delfinmutter mit Kalb. Frisst die Mutter mit Umweltgiften kontamierten Fisch, leidet auch ihr Nachwuchs.
© Ulrike Kirsch

Dies schwächt nicht nur das Immunsystem der Meeressäuger. Es führt auch zu verringerter Fruchtbarkeit und hoher Kälbersterblichkeit. Bereits die Kälber kämpfen mit Vergiftungen. Denn Delfinmütter geben über die Muttermilch bis zu 90 Prozent aller gespeicherten Umweltgifte an ihren Nachwuchs weiter.

Als besonders belastet gelten dabei die Populationen im Ärmelkanal, im Mittelmeer und allgemein in europäischen Gewässern.

Eine Gruppe von Schwertwalen, die Wissenschaftler regelmäßig vor der Nordwestküste Schottlands und im Westen Irlands bis 2015 über 19 Jahre lang beobachtet hatten, hatte in dieser Zeit kein einziges Jungtier. Die Forscher führen dies auf durch Umweltgifte verminderte Fruchtbarkeit zurück.

Wie trinken Delfine?

Sie können nur trinken, wenn sie fressen. Denn ihre Wasseraufnahme findet ausschließlich über die Nahrung statt. Meist enthält diese (Fische und Tintenfische) große Mengen Wasser.


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