Weißfleck-Geigenrochen

Voraussichtliche Lesedauer: 8 Minuten

Weißfleck-Geigenrochen (Rhynchobatus australiae) sind große, haifischähnliche Rochen. Es handelt sich um beliebte Speisefische. Die auch als Riesengitarrenrochen bekannte Art ist neben ihrer beachtlichen Größe gut an ihrer flaschen- bis schaufelförmigen Schnauze zu erkennen. Daher stammen auch englische Namen wie Bottlenose Wedgefish oder White-spotted Shovelnose Ray. Über die Biologie der Art, z. B. Angaben zu Lebenserwartung, Wanderungen oder Verhalten ist wenig bekannt.

Allerdings gibt es auch noch den gleichfalls flaschennasigen Bottlenose Guitarfish (Rhinobatos schlegelii), auf Deutsch Schlegels Gitarrenrochen. Er ist mit 1 m jedoch wesentlich kleiner als die bis zu 3 m Körperlänge erreichenden Weißfleck-Geigenrochen. Außerdem hat er keine weißen Flecken, sondern ist fast einheitlich braun gefärbt, weshalb er im Englischen auch als Brown Guitarfish bekannt ist. Zudem überschneiden sich die Lebensräume der beiden Arten lediglich in den küstennahen Regionen der Taiwanstraße.

Systematik

Die Internationale Weltnaturschutzorganisation (IUCN) zählt zur Gattung Rhynchobatus (Familie Rhinidae) derzeit 8 Arten. Weißfleck-Geigenrochen gehören zum Rhynchobatus djiddensis-Artenkomplex des westlichen Indopazifiks. Seit 2016 besteht dieser aus 3 Arten: R. djiddensis (Großer Geigenrochen) R. australiae (Weißfleck-Geigenrochen) und R. laevis (Glattnasen-Geigenrochen). Früher betrachtete man sie als eine Art (R. djiddensis). Die taxonomische Aufteilung ist allerdings nicht abschließend geklärt. In Zukunft könnten weitere Rhynchobatus-Arten beschrieben werden.

Wie sehen Weißfleck-Geigenrochen aus?

Gitarrenrochen im Ningaloo-Reef
Geigenrochen / Gitarrenrochen – © OceanImageBank/JakeWilton

Abgesehen von ihrer charakteristischen Schnauzenform sind sie durch zwei seitlich von der Körpermitte bis hinter die erste Rückenflosse verlaufende Streifen aus weißen Punkten gut zu identifizieren. Auf Höhe der beiden Brustflossen befindet sich zusätzlich an jeder Körperseite ein schwarzer Fleck, der von meist drei weißen Punkten umgeben ist. Ihre Körperfarbe variiert von Blassgrau bis gelblich Braun.

Die Körpermitte ist keilförmig angehoben. Daher auch die englische Bezeichnung wedgefish („Keilfisch“) für die Familie Rhinidae. Entlang der Körpermitte, Schulter und neben den Spirakeln (Atemöffnungen hinter den Augen) verlaufen zum Teil mehrere Reihen mit kurzen, stumpfen Dornen.

Die erste Rückenflosse ist deutlich größer als die zweite. Charakteristisch ist auch die tief konkav geformte Schwanzflosse.

Artensteckbrief

Wo leben Weißfleck-Geigenrochen?

Ihr großer Lebensraum erstreckt sich über küstennahe Regionen im Indopazifik von Mosambik über das Arabische Meer, Südostasien und im Norden bis Taiwan. Im Süden bis Australien (wo sie im Norden des Kontinents weit verbreitet sind). Im Osten sind Weißfleck-Geigenrochen bis zu den Salomonen weit verbreitet. Möglicherweise handelt es sich hier teilweise aber auch um Verwechslungen mit anderen Arten aus dem Rhynchobatus djiddensis-Artenkomplex.

Wie viele Weißfleck-Geigenrochen gibt es?

Daten zum weltweiten Bestand liegen nicht vor. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Ihre Bestandsentwicklung ist in allen Lebensräumen zum Teil sehr stark rückläufig. Fischereidaten zeigen, dass Fänge der für den menschlichen Verzehr und wegen ihrer außerordentlich teuren Flossen begehrten Rochenart in allen Fanggebieten innerhalb weniger Jahre dramatisch zurückgingen. Teilweise um über 90 Prozent. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art auf ihrer Roten Liste als vom Aussterben bedroht ein.

Wie groß werden Weißfleck-Geigenrochen?

Weibchen können etwas über 3 m lang sein, während die Männchen mit etwa 1,30 m wesentlich kleiner sind.

Wie tief können sie tauchen?

Sie bevorzugen Flachwasser-Lebensräume und tauchen bis 60 m tief.

Was fressen sie?

Weißfleck-Geigenrochen leben hauptsächlich am Meeresboden und jagen dort bodenlebende Fische, Krebstiere und Weichtiere.

Fortpflanzung

Über die Fortpflanzung weiß man nicht viel. Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife, wenn sie ca. 1,55 m groß sind, Männchen etwas früher, wenn sie zwischen 1,10 m und 1,30 m groß sind. Weißfleck-Geigenrochen sind ovovivipar (lebend gebärend). Hierbei sind die Jungtiere im Körper der Mutter aus einem Ei mit Schale geschlüpft und kommen vollständig entwickelt zur Welt. Zusätzliche Nahrung von der Mutter erhalten die Embryonen durch indirekte Absorption von Gebärmutterflüssigkeit, die mit Schleim und Proteinen angereichert ist.

Die Tragzeit ist unbekannt. Bei der Geburt sind die Jungtiere zwischen 46 und 50 cm groß. Es kommen nur jeweils 7 bis 19 Jungtiere zur Welt, durchschnittlich 14.

Gefahren für Weißfleck-Geigenrochen

Die Nachfrage nach Hai- und Rochenprodukten (Fleisch und Flossenhandel) hat den Druck auf die großen Rochen gewaltig verschärft.

Gezielter Fang

Intensive Fischerei ist die Hauptursache für die starken Bestandsrückgänge von Weißfleck-Geigenrochen. Denn Fischereiaufwand und die Zahl der Fischer hat in den letzten Jahrzehnten im gesamten Verbreitungsgebiet dieser Art zugenommen.

Zerteilte Weißfleck-Geigenrochen zum Verkauf auf lokalem Fischmarkt in Malaysia

Weißfleck-Geigenrochen zum Verkauf auf lokalem Fischmarkt in Malaysia. © PeterKyne

Allein im Roten Meer beispielsweise verdreifachte sich die Zahl der Kleinfischer zwischen 1988 und 2006 von 3.100 auf 10.000. Im indischen Bundesstaat Gujarat stieg die Zahl der Trawler von etwa 6.600 in den frühen 2000er-Jahren auf 11.582 im Jahr 2010. In indonesischen Gewässern sind über 600.000 einheimische Fischereiboote auf Fangfahrt.

Mehrere Länder im Verbreitungsgebiet dieser Art gehören zu den 20 größten Haifangnationen weltweit. Insbesondere Indonesien, Indien, Taiwan, Pakistan, Malaysia, Thailand, Sri Lanka und Iran. Zudem plündern große Fischereinationen – auch aus der EU – mit großen Schleppnetzen und Langleinen die Küstengewässer. Dabei sterben auch Weißfleck-Geigenrochen als Beifang.

Lediglich vor Nordaustralien und Papua-Neuguinea sind Weißfleck-Geigenrochen relativ sicher. In Australien werden sie nicht gezielt befischt, aber als Beifang gefangen. Seit der Einführung des „turtle excluder device“ in der nord- und ostaustralischen Krabbenfischerei, der das Entkommen von Meeresschildkröten aus Schleppnetzen ermöglicht, ist als Nebeneffekt auch die Beifanghäufigkeit von erheblich zurückgegangen.

Flossenfischerei

Dass Weißfleck-Geigenrochen recht groß sind, macht sie nicht nur wegen ihres Fleisches zur gefragten Beute. Denn die hellen Flossen von Geigen- oder Gitarrenrochen gelten, wie auch die von Sägerochen, als die hochwertigsten Flossen für den menschlichen Verzehr. Sie gehören zu den wertvollsten im internationalen Haiflossenhandel. Ein Kilogramm kann über 840 € einbringen. Deshalb befischt man Weißfleck-Geigenrochen in vielen Ländern gezielt wegen ihrer Flossen (u. a. in Indonesien, Malaysia, Mosambik und Tansania).

Zerstörung der Lebensräume

Abgesehen davon, verlieren Geigenrochen durch Abholzung von Mangrovenwäldern und Baumaßnahmen an den Küsten zahlreiche Lebensräume.

Schutzbemühungen

Es gibt nur wenige Schutzprogramme (lokale Verbote der Flossenfischerei und von Schleppnetzen, überwachte Meeresschutzgebiete) für die Art.

Internationale Schutzabkommen

Seit 2017 stehen Weißfleck-Geigenrochen auf Anhang II des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (Bonner Konvention/CMS). Damit sollen Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungsstatus der Art auf den Weg gebracht werden.

Seit Ende November 2019 stehen alle Arten der Familie Rhinidae auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Das ermöglicht den Handel mit lebenden Exemplaren, Fleisch, Flossen und anderen Körperteilen bei Vorlage entsprechender Ein- und Ausfuhrgenehmigungen.

Lokale Schutzbemühungen

Indien verbot 2001 Anlandung und Handel für die Art Rhynchobatus djiddensis (Großer Geigenrochen). Nach der Neueinteilung des Rhynchobatus djiddensis-Artenkomplexes 2016 stellte sich jedoch heraus, dass es in indischen Gewässern gar keine Großen Geigenrochen gibt. Denn hier leben Weißfleck-Geigenrochen (R. australiae) und Glattnasen-Geigenrochen (R. laevis).

Gitarrenrochen oder Gitarrenfisch im Ningaloo-Reef

Weißfleck-Geigenrochen Geigenrochen / Gitarrenrochen – © OceanImageBank/JakeWilton

Mit der Spezifizierung der Artenzusammensetzung verloren Geigenrochen in der Folge ihren Schutzstatus. Gleiches passierte in Bangladesch. Dessen ungeachtet fand eine Umsetzung der Verbote in beiden Ländern allerdings nie statt.

Kuwait verbietet den Fang aller Rochen, und in Israel sind alle Haie und Rochen geschützt. Jedoch machen beide Länder nur einen sehr kleinen Teil des Verbreitungsgebiets von Weißfleck-Geigenrochen aus.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar und Oman haben die Schleppnetzfischerei in ihren Gewässern verboten. In Malaysia gilt ein Verbot für Schleppnetzfischerei in küstennahen Gewässern.

Finning ist in mehreren Ländern des Verbreitungsgebiets von Weißfleck-Geigenrochen verboten. Darunter die VAE, Oman, Iran, Israel und Australien. Dies hat zwar dazu geführt, dass man weniger Tiere nur wegen ihrer Flossen befischt. Jedoch werden die Flossen nach wie vor gehandelt, wenn diese Gitarrenrochen intakt angelandet werden.


Zeigen Sie ein Herz für Geigenrochen!

Spendenurkunde Projekt „Ein Herz für Geigenrochen“

Engagieren Sie sich jetzt für den Schutz dieser außergewöhnlichen Rochen und unser Schutzprojekt auf Fidschi. Für Projekt-Spenden ab 50 Euro gibt es eine spezielle Projekturkunde.


Weiterführende Informationen