Am 30. Juli ist der Erdüberlastungstag 2026

Mit Erreichen eines Überlastungstags (Overshoot Day) sind die natürlichen Ressourcen, die der Planet, ein Kontinent oder ein Land innerhalb eines Jahres erzeugen und regenerieren können, theoretisch verbraucht. Dass ein Erdüberlastungstag auf ein Jahresende fiel, war zuletzt 1970 der Fall. Der deutsche Overshoot Day 2026 war bereits am 10. Mai. Vergangenes Jahr lag er sogar eine Woche früher am 3. Mai. Berechnet werden die Overshoot Daten vom Global Footprint Network.

Im vergangenen Jahr fiel der Erdüberlastungstag sechs Tage früher auf den 24. Juli. 2024 war er am 1. August und 2023 am 2. August.

Die Ozeane: Schauplatz schwerwiegender, vom Menschen ausgelöster Krisen

Wir leben im Zeitalter des Anthropozäns. Ánthrōpos bedeutet im Altgriechischen „Mensch“ – es ist das geologische Zeitalter, in dem der Mensch über die Erde bestimmt. Die Menschheit übernutzt unsere Erde. Sie verbraucht deren natürliche Ressourcen schneller, als sie sich in einem Jahr erneuern können. Das ist nicht nachhaltig. Es gibt heute für immer mehr Menschen immer weniger Land und immer weniger Meere.

  • Klimakrise
  • Sechstes Massenaussterben der Erdgeschichte
  • Überfischung und illegale Fischerei
  • Lebensraumzerstörung (Küstenbaumaßnahmen, Sand- und Kiesabbau)
  • Meeresverschmutzung (Plastikmüll, Überdüngung, Umweltgifte, Lärm, Öl, Hafenschlick)
  • Übertourismus, Kreuzfahrttourismus
  • Tiefseebergbau

Jede dieser Krisen ist für sich allein betrachtet bereits ein existenzielles Problem. Zusammengenommen verstärken sie einander. Die Folgen sind mittlerweile in allen Meeresregionen zu spüren – in der Tiefsee, in den Küstenmeeren, in den Tropen wie auch in den entlegenen Polarregionen –, sondern vor allem auch an Land. Hier leben Abermillionen Menschen.

Die Menschheit verbraucht 1,73 Erden

Der Erdüberlastungstag soll die ökologischen Grenzen unseres Umgangs mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten verdeutlichen. Mit Erreichen eines Overshoot-Datums lebt man demnach auf Pump. Ab dann werden rein rechnerisch die natürlichen Ressourcen unseres Planeten übernutzt.

Derzeit nutzt die Menschheit die Natur 73 % schneller, als sich die Ökosysteme regenerieren. Das entspricht laut Global Footprint Network der Nutzung von 1,73 Erden.

  • Die Menschheit hat mehr CO₂ in die Atmosphäre emittiert, als natürliche CO₂-Speichersysteme (Wälder, Moore, Seegraswiesen, Kelpwälder, Mangrovenwälder, Salzwiesen) in einem Jahr absorbieren können.
  • Von allen natürlichen Ressourcen wie Nahrung aus dem Meer, Bäumen oder Wasser hat die Menschheit mehr verbraucht und geerntet, als der Planet in derselben Zeit nachliefern konnte.
  • Würden alle Länder derart viele natürliche Ressourcen verbrauchen und Klimagase erzeugen wie Deutschland, bräuchte die Menschheit rechnerisch etwa 2,8 Erden. 

Das frühe Datum des Erdüberlastungstag erinnert auch daran, dass die seit über einem halben Jahrhundert anhaltende Übernutzung natürlicher Ressourcen, der sogenannte Overshoot, mittlerweile unübersehbare Folgen hat.

„Mit unserem Konsum treiben wir den Raubbau auf Kosten der Artenvielfalt und nachfolgender Generationen voran. Für unseren Wohlstand zahlt besonders der Globale Süden einen hohen Preis. Nur wenn notwendige Investitionen konsequent an Nachhaltigkeit, Menschenrechten und Umweltstandards gekoppelt werden, können wir den Erdüberlastungstag weiter in Richtung ausgleichende Nutzung verschieben“, sagt Ulrich Karlowski, Biologe der Deutschen Stiftung Meeresschutz. „Die Ressourcen unseres Planeten sind endlich. Unsere Möglichkeiten, etwas zu tun, nicht. Jeder Einzelne kann nachhaltig, enkeltauglich und klimafreundlich handeln“.

Detaillierte Informationen zur Berechnung des Earth Overshoot Day findet man beim Global Footprint Network: mit Ländervergleichen und Pro-Kopf-Werten zum ökologischen Fußabdruck.

Entwicklung der Erdüberlandungstage (Earth Overshoot Days) von 1972 bis 2026.
Die Abbildung zeigt, dass die globale Überlastung 1973 beginnt. Im Laufe der Jahre wächst sie auf über 5 Monate im Jahr 2026 an. © Global Footprint Network www.overshootday.org

Kritik am Konzept

Die Berechnungen des Global Footprint Network sind nicht unumstritten. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es einen Erdüberlastungstag nicht gibt. Was auch immer stimmen mag, nicht wegzudiskutieren sind das sechste Massenaussterben, die Klimakrise mit ihren verheerenden Folgen, die massive Verschmutzung und Überfischung der Weltmeere.

Updatehinweis: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Titelfoto: pexels


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