Für den Schutz des Mittelmeers

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Deutsch-österreichische Zusammenarbeit für einen besseren Schutz des Mittelmeers – Project Manaia und Deutsche Stiftung Meeresschutz

Die Deutsche Stiftung Meeresschutz/DSM verstärkt ihren Einsatz beim Schutz des Mittelmeers: Gemeinsam mit ihrem neuen Partner Project Manaia werden dabei Seegraswiesen kartiert und renaturiert, das Vorkommen invasiver Arten dokumentiert und Meeresmüll beseitigt.

Das Mittelmeer ist eines der beliebtesten Urlaubsziele weltweit. Doch das hat seinen Preis: Mit dem Massentourismus, aber auch mit der wachsenden Bevölkerung, steigt die Meeresverschmutzung. Außerdem gehört es zu den Meeresgebieten mit dem stärksten Schiffsverkehr und gilt als Hotspot der Plastikvermüllung. Laut eines Berichts der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) zum Zustand des Mittelmeerraums landen hier jeden Tag schätzungsweise rund 730 Tonnen Plastikabfälle im Meer.

Aktiver Meeresschutz im Mittelmeer

Kopf und Herz von „Project Manaia“ ist der österreichische Meeresbiologe Manuel Marinelli. Er hat sich ganz dem Schutz des Mittelmeers verschrieben.

Schwerpunkte sind dabei Schutz und Erhalt von Seegraswiesen, Meeressäuberungen und die Erforschung invasiver Arten. Die so gesammelten Daten bilden wichtige Grundlagen für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten und andere Schutzmaßnahmen. Zudem stellt der Forscher sie öffentlich zur freien Verfügung: „Wenn wir alle zusammenarbeiten und im selben Team spielen, können wir mit unseren Bemühungen viel mehr erreichen“, erklärt Manuel Marinelli. Die Deutsche Stiftung Meeresschutz unterstützt Project Manaia seit Jahresbeginn.

Forschungsfahrten

Im Mittelmeer ist Marinelli mit wechselnder, aus Volontären bestehender Crew seit vier Jahren mit seinem Forschungsschiff SY Independence unterwegs. Mit dem Segelboot des Typs Bruce Roberts Mauritius 43 erforschten er und seine Helfer*innen damit bislang griechische Gewässer und die Adria.

Nothilfe für die Lunge des Mittelmeers

Posidonia oceanica ist eine im Mittelmeer endemische Seegrasart. Man nennt sie auch die Lunge des Mittelmeers. Seegraswiesen sind nicht nur wichtige Lebens- und Rückzugsräume für unzählige Meerestiere. Grüne Meeresschildkröten, die auch im Mittelmeer vorkommen, ernähren sich fast ausschließlich davon.

Grüne Meeresschildkröte frisst Seegras.

Grüne Meeresschildkröte. Foto: P. Lindgren, CC BY-SA 3.0

Außerdem speichert Seegras große Mengen des Klimagases CO2. Als wirkungsvolle Kohlenstoffsenken haben Seegraswiesen damit eine wichtige, bislang oft unterschätzte Funktion beim Kampf gegen den Klimawandel.

Doch wie in den meisten Meeresgebieten wird auch die Lunge des Mittelmeers immer kleiner. Ursachen sind Umweltverschmutzung und Küstenentwicklungsmaßnahmen. Dieses Fazit zieht Marinelli nach drei Jahren aufeinanderfolgender Forschungsfahrten in der Adria: „Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs um die zwanzig Prozent Verlust, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“, erklärt er.

Forschung und Renaturierung – Meeresgärtner

Um der für das gesamte Ökosystem des Mittelmeers fatalen Entwicklung entgegenzuwirken, kartiert Project Manaia nicht nur die Ausbreitung von Seegraswiesen. An Stellen, wo sie zu verschwinden drohen, wird das Projekt als Meeresgärtner tätig und pflanzt Seegras neu an.

Taucher in Seegraswiese

Taucher in Seegraswiese, Griechenland. Foto: Dimitris Poursanidis/Ocean Image Bank

„Die Verluste an Seegraswiesen sind teilweise dramatisch. Dadurch gehen wertvolle marine Lebensräume verloren. Gemeinsam mit Project Manaia können wir jetzt aktiv gegen diesen fatalen Negativtrend arbeiten“, freut sich Ulrich Karlowski, Biologe von der Deutschen Stiftung Meeresschutz, über die neue Kooperation.

Neues Citizen-Science-Projekt

Wie man als Kroatien-Urlauber bei der Seegras-Renaturierung helfen kann

Ocean Cleanups im Mittelmeer

Die Forschungsfahrten nutzt Project Manaia auch zum Saubermachen: Gemeinsam mit Partnern vor Ort, wie Tauchbasen, Schulen oder Gemeinden, organisiert man Meeres- und Strandsäuberungen. Gesammelte PET-Flaschen zerkleinert und verarbeitet die Bordcrew dann mithilfe eines speziellen „PetBot“-Geräts zu Kunststofffäden. Mittels eines 3-D-Druckers entstehen daraus Anhänger, Karabinerhaken und andere Gegenstände aus recyceltem Meeresplastik.

Petbot-Maschine zum Recyceln von PET

Mit dem PetBot-Gerät kann man PET-Flaschen zerkleinern und zu Kunststofffäden verarbeiten. Foto: Project Manaia

Citizen Science für besseren Schutz des Mittelmeers

Interessierte können sich mit der Teilnahme an den Fahrten aktiv in die Forschung einbringen. Die Törns stehen jedem offen, egal ob Spezialist*in oder einfach als Bürgerforscher*in.


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