Projekt für nachhaltige Fischerei


Von der Masterarbeit zur Projektkooperation: Wie aus der Förderung einer Masterarbeit ein Projekt für nachhaltige Fischerei entstand. Vor drei Jahren forschte der auch von uns unterstützte Meeresbiologe Julian Engel auf der Insel Malapascua (Philippinen) zum Logo People and the Sea Thema Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning (Haiflossenfischerei). Er bekam viel Hilfe vor Ort, unter anderem von der seit fünf Jahren auf der Insel aktiven Meeresschutzorganisation People and the sea.

Julian Engel rettet Meeresschildkröte

Zusammen mit weiteren Helfern rettete Julian Engel (rechts) eine verletzte Meeresschildkröte – Foto: Matt Reed/Evolution Diving

People and the sea

Wir freuen uns, nun in Kooperation mit Julians Verein „Stop Finning e. V.“ die tolle Arbeit von People and the sea mit dem Schwerpunkt nachhaltige Fischerei zu unterstützen! Dies ist insbesondere jetzt eine wichtige Hilfe, da aufgrund der Coronapandemie viele der vom Tourismus lebenden Inselbewohner kein Einkommen mehr haben und wieder vermehrt auf Fischfang gehen.

„Hai-Light“

Malapascua ist bei Tauchern für ein ganz besonderes „Hai-Light“ bekannt: An ihrem unterseeischen Monad Shoal befindet sich eine „Putzerstation“. Haie und andere große Fische lassen sich hier „säubern“. Es ist weltweit eine der wenigen Stellen, an denen man Pazifische Fuchshaie (Alopias pelagicus) beobachten kann.

Pazifischer Fuchshai

Der Pazifische Fuchshai ist die kleinste der drei Fuchshaiarten – Foto: Nicholas Daniel

Auch Mantarochen (Manta birostris) und andere Rochenarten finden sich ein, mitunter auch Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran), Grauhaie (Hexanchus griseus), Silberspitzenhaie (Carcharhinus albimarginatus) und Weißspitzenriffhaie (Triaenodon obesus). Die Insel ist umgeben von Seegraswiesen, Mangroven und Korallenriffen.

Rasante Entwicklung führt zu Konflikten

Die kleine Insel hat sich mit dem Tauchtourismus rasant entwickelt. Unweigerlich hat dies zu Konflikten zwischen den verschiedenen Interessengruppen geführt. Vor allem Fischer und Tourismus-Anbieter sehen sich als Kontrahenten: „Taucher, die Fischereigerät zerstören, und Fischer, die Tauchbojen kappen, sind häufige Beispiele für den Streit zwischen den beiden Gruppen“, beklagt Axelle Jorcin, Geschäftsführerin von People and the sea. Fischer würden marginalisiert, ihre Fischgründe ohne Alternativangebote verkleinert. Zudem fehle den Fischern das Wissen, wie man nachhaltig fischt oder welche Fangmethoden illegal sind.

Schrumpfende Fischbestände

People and the Sea analysiert mit dem Vermessen der Fischgröße den Zustand der Fischpopulationen.

Nicht nur die Fischbestände schrumpfen, auch die Beutefische werden immer kleiner

Das Vorkommen kommerzieller Fischarten, die für etliche Insulaner die Lebensgrundlage bilden, ist inzwischen stark geschrumpft. Zudem werden die Beutefische immer kleiner und größere Raubfische sind selten, wie eine 2018 von People and the sea durchgeführte Studie ergab.

Mit dem Ausbleiben von Touristen wenden sich viele weitere Einwohner mangels Einkommen wieder der Fischerei zu. Daher ist es gerade jetzt notwendig, die Weichen für eine nachhaltige Fischerei zu stellen.

Schutzzonen – nur auf Papier

Rund um Malapascua gibt es sechs Meeresschutzzonen: fünf, in denen Schnorcheln, aber keine Fischerei erlaubt ist, sowie ein Meeresschutzgebiet. Doch leider fehlt es bei fast allen an entsprechenden Markierungen, ebenso an Kontrollen.

Was muss getan werden?

Flachwasser Korallenriff.

People and the sea setzen sich auch aktiv für einen besseren Schutz und die Restaurierung von Korallenriffen ein – Foto: Francesco Ungaro/Pexels

Die Insel Malapascua braucht dringend ein nachhaltiges, gemeindebasiertes Management ihrer marinen Ressourcen. Dabei müssen alle lokalen Interessengruppen (Fischer, große und kleine touristische Unternehmen, die Gemeinde, Behördenvertreter) gehört und mit eingebunden werden. Denn nur so wird es gelingen, die marine Umwelt vor Zerstörung zu schützen.

Zu den wichtigsten Aktivitätsbereichen von People and the sea gehören der Schutz beziehungsweise die Wiederherstellung der Biodiversität, der Aufbau einer nachhaltigen Fischerei, Umweltbildung und Abfallmanagement.

Schutz der Biodiversität – Riffschutzmaßnahmen

Mit Hilfe der Bevölkerung („Citizen Science“-Programme) werden Daten über Riffe und ihre Bewohner durchgeführt sowie Gefahren für Riffe beseitigt. Gefährdet sind Riffe nicht nur durch Vermüllung, sondern auch durch natürlich Feinde, wie Dornenkronenseesterne, die ganze Korallenriffe zerstören können. Außerdem sollen mit der Einrichtung von künstlichen Riffen neue Korallenriffe entstehen.

Nachhaltige Fischerei

Vermessen der Fischgröße

Vermessen der Fischgröße ist Teil des Fischereimonitorings

Damit sich die Fischbestände wieder erholen können und um das marine Habitat zu schonen, bringen die Meeresschützer den Fischern nachhaltige Fangmethoden bei und klären sie über illegale Fangmethoden auf. Langzeitmonitoring der Fischerei ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Die Fischer sollen aktiv bei allen Entscheidungen zu Meeresschutz und nachhaltiger Fischerei mit einbezogen werden. Eine besondere Rolle kommt dabei einer einheimischen Koordinatorin mit zehnjähriger Erfahrung zu, die für die Zusammenarbeit mit den Fischern zuständig ist. Zudem kooperieren People and the sea mit dem Fischereiwissenschaftler Dr. Simone Franceschini von der Universität Rom.

Kinder beim Fischen

Kinder von Malapascua beim Fischen. Mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps lernen sie, ihre Meeresressourcen zu schützen.

Umweltbildung

Mit Umweltunterricht in Schulen sowie Freizeitcamps schaffen People and the sea schon bei der jungen Generationen ein besseres Verständnis für die Notwendigkeit, marine Ressourcen zu schützen.

Abfallmanagement

Jedes Jahr führen People and the sea mithilfe der Bevölkerung 60 bis 90 Müllsammlungen durch.

People and the sea beach cleanup.

Das Team sammelt jeden Monat 10 Tonnen Abfall.

2018 gründeten People and the sea zusammen mit dem Unternehmerverband und der Gemeinde Barangay Logon eine Initiative zur korrekten Mülltrennung und Müllentsorgung.

Daneben wurden Kompostierstellen eingerichtet, sodass die Inselbewohner aufgrund der besseren Bodenqualität eigenes Gemüse und Obst anbauen können.

 

People and the sea – was wir gemeinsam erreichen wollen:

People and the sea 2020 Sustainable Fisheries Report.

👉 Abschaffung von zerstörerischen und illegalen Fischereiaktivitäten

👉 Monitoring der Fischereiaktivitäten sowie Identifizierung und Monitoring ökologischer Schlüsselgebiete: Laichgründe, Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven

👉 Gesundung und Wachstum von Korallenriffen und Seegraswiesen

👉 Schaffung neuer Korallenriffe durch die Einrichtung von künstlichen Riffen

👉 Erhalt gesunder Fischbestände, die wiederum höhere Fangmengen für die Subsistenzfischerei ermöglichen

👉 Dadurch Rückkehr wichtiger Indikatorarten, wie Haie und pelagische Arten

 

Informationen und Fotos (soweit nicht anders angegeben) von People and the sea