Am 3. März ist Tag des Artenschutzes (UN World Wildlife Day). „An diesem besonderen Tag will man die Einzigartigkeit der Artenvielfalt wilder Tiere und Pflanzen würdigen und ihre Bedeutung für Menschen und den Planeten anerkennen“, sagt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.1
Der Welttag des Artenschutzes geht zurück auf einen Beschluss der UN-Generalversammlung aus dem Jahr 2013. Er erinnert speziell an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) am 3. März 1973.
Kernaussagen
- Der Tag des Artenschutzes am 3. März würdigt die Artenvielfalt und deren Bedeutung für den Planeten.
- 2026 stehen Heil- und Aromapflanzen im Fokus.
- Die UN-Generalversammlung beschloss diesen Tag 2013 zur Erinnerung an das Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES von 1973.
- Eine Studie zeigt, dass bis zu 2 Millionen Arten bedroht sind.
- Die Biodiversitätskrise gefährdet die Gesundheit und Ernährung von Milliarden Menschen, da viele Arten für diese Zwecke genutzt werden.
Traurige Bilanz am Tag des Artenschutzes
Von geschätzt 8 Millionen Arten sind laut einem Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) rund 1 Million bedroht.2 Eine neuere Studie eines Forschungsteams vom luxemburgischen Nationalmuseum für Naturgeschichte legt nahe, dass es sogar bis zu 2 Millionen Arten sind.3
Demzufolge sprechen Wissenschaftler vom Zeitalter des sechsten globalen Massenaussterbens.
Unbekannter Artenreichtum in den Ozeanen
„Für die Ozeane sind Zahlen zum Artensterben mit Vorsicht zu betrachten. Niemand weiß, wie viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sowie Bakterien und Archaeen überhaupt im Meer leben. Für die Arten, die wir kennen, fehlt es oft an Daten zur Bewertung des Aussterberisikos. Andere sind vielleicht bereits ausgestorben, nur wissen wir nichts davon“, erklärt Ulrich Karlowski.
Wissenschaftler schätzen, dass die Biodiversität der Ozeane bei mindestens 2,2 Millionen Arten liegt. Vielleicht sind es auch sehr viel mehr. Nur etwa 248.000 Arten sind wissenschaftlich erfasst. Jedes Jahr kommen ca. 2.300 neu beschriebene marine Arten hinzu.
Dunkle Biodiversität
Von dunkler Biodiversität (dark diversity/versteckter Artenvielfalt) spricht man, wenn Arten, die es in einem Lebensraum eigentlich geben sollte, dort nicht (mehr) gefunden werden können.
Sind sie bereits ausgestorben oder so selten, dass man sie mit den gängigen Methoden nicht mehr finden kann?

Stark betroffen von dunkler Biodiversität sind beispielsweise fast alle der 633 anerkannten Rochenarten. Für die meisten von ihnen gibt es keine Bestandsdaten. Viele von ihnen sind wahrscheinlich bereits unbemerkt ausgestorben.
Typisches Beispiel ist der Clown- oder Raunasen-Geigenrochen (Rhynchobatus cooki). Lebendig gesehen wurde der etwas über 80 cm große Fisch noch nie. Die Art ist nur durch einige in Südostasien auf Fischmärkten entdeckte Exemplare bekannt (siehe Foto).
Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN gab es in den vergangenen 23 Jahren nur einen einzigen Nachweis. Das war 2019.
Biodiversitätskrise gefährdet die Gesundheit von Milliarden Menschen
Die vom Menschen befeuerte Biodiversitätskrise gefährdet die Ernährung und Gesundheit von Milliarden von Menschen. Zu diesem Schluss kam der Weltbiodiversitätsrat in einer im Juli 2022 vorgestellten umfangreichen Analyse zur Nutzung wild lebender Tiere und Pflanzen.
Demnach nutzt der Mensch rund 50.000 verschiedene Arten für seine Zwecke. Davon allein 10.000 Arten unmittelbar zur Ernährung. Dies verdeutlicht noch einmal die Dringlichkeit, in den Artenschutz zu investieren: um der Arten willen, aber auch um der Menschen und unseres gesamten Planeten willen!
„Es ist also in unserem ureigensten Interesse, nicht nur am internationalen Tag des Artenschutzes innezuhalten. Die hemmungslose Übernutzung natürlicher Ressourcen muss gestoppt, Schutzzonen müssen eingerichtet und die Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit muss konsequent vorangetrieben werden“, fordert Ulrich Karlowski.
Heil- und Aromapflanzen im Fokus am Tag des Artenschutzes 2026
Im Jahr 2026 stehen Heil- und Aromapflanzen als Gesundheits- und Kulturerbe im Fokus am Tag des Artenschutzes. Pflanzen aus dem Meer spielen hier eine bedeutende Rolle. Seit Jahrhunderten gehört die Nutzung von Algen (Mikro- und Makroalgen), Seegras und Mangroven als Nahrungsquelle oder für medizinische Anwendungen zum Kulturgut der Menschheit.
Verblüffender Blasentang
Ein Beispiel von vielen ist die Braunalge Fucus vesiculosus, besser bekannt als Blasentang. Allein diese eine Algenart enthält 44 wirktechnisch interessante Komponenten. Deren Menge oder Konzentration schwankt jedoch im Lauf der Jahreszeiten. Manche Wirkstoffe produziert der Blasentang nur im Winter, andere dagegen nur im Sommer.
An der Ostsee jedoch ist er bereits derart selten geworden, dass seine Ernte hier verboten ist. Geerntet wird wilder Blasentang in Europa vor der irischen Küste. In der Erprobung befinden sich Zuchtversuche an den Fundamenten von Offshore-Windkraftanlagen.4
- United Nations World Wildlife Day (WWD) is celebrated every year on 3 March to celebrate wild animals and plants and recognize the unique roles and contributions of wildlife to people and the planet. ↩︎
- Globales IPBES-Assessment zu Biodiversität und Ökosystemleistungen ↩︎
- Hochkirch A, Bilz M, Ferreira CC, Danielczak A, Allen D, Nieto A, et al. (2023) A multi-taxon analysis of European Red Lists reveals major threats to biodiversity. PLoS ONE 18(11): e0293083.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0293083 ↩︎ - Für eine bessere Wasserqualität der Ostsee: Neues Forschungsprojekt testet Züchtung von Algen an Windkraft-Fundamenten (Universität Rostock, des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) ↩︎
Titelbild: © UN World Wildlife Day
Weiterführende Informationen
- WOR 9 (world ocean review): Marine Biodiversität – das vitale Fundament unserer Meere
- Rote Listen informieren über die Gefährdung von Tieren, Pflanzen, Pilzen
- Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora
- Weltbiodiversitätsrat (IPBES)
- UN-Vertrag zum Schutz der Hohen See
- Strenger Schutz für 54 Hai- und über 30 Rochenarten dank CITES
- Welttag des Seegrases: Ein Meeresökosystem der Superlative in Gefahr
- Biodiversitätskonvention (CBD)
- Rochen – Die vergessenen Haie
- Neue Rochenart: der Fidschi-Maskenrochen
- Tödlicher Lärm in den Meeren – zum „Internationalen Tag gegen Lärm“


