Was ist die ICCAT?

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Die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (ICCAT, International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) ist eine von fünf regionalen Organisationen für das Fischereimanagement (Regional fisheries management organisations/RFMOs), die für weit wandernde Fischarten verantwortlich sind. Diese regeln die Fischerei in internationalen Gewässern außerhalb der AWZ (Ausschließlichen Wirtschaftszone, 200-Seemeilen-Zone von Küstenstaaten). Den RFMOs gehören dabei nicht nur Anrainerstaaten der Fischereigebiete an, sondern auch Nationen, die verstärkt in diesen Meeresregionen fischen. ICCAT reguliert die Fischerei von 30 Fischarten. Gegründet wurde sie 1966 in Rio de Janeiro. Heute gehören ihr 52 Mitglieder an. Darunter die EU, die USA, Kanada, Korea, China, Russland, Japan, Brasilien, Norwegen und die Philippinen.

ICCAT bestimmt Fangquoten von 30 Fischarten im Atlantik

Zwar liegt der Fokus der ICCAT im Fischereimanagement hochpreisiger Thunfischarten (Blauflossenthune wie Roter Thunfisch, Skipjack, Weißer Thunfisch oder Gelbflossenthunfisch) und thunfischähnlicher Arten wie Makrelen. Doch ist sie auch für die Befischung von Haien (Bogenstirnhammerhaie, Makohaie, Fuchshaie, Bullenhaie), Merlinen und Schwertfischen zuständig.

ICCAT ist für das Fischereimanagement von etwa 30 weit wandernden Fischarten im gesamten Atlantik zuständig. Ein riesiges Gebiet. Es umfasst sechs atlantische FAO-Fanggebiete (FAO = Food and Agricultural Organization of the United Nations/Welternährungsorganisation).

Das Versagen der ICCAT

Viele Jahre lang setzten sich bei den jährlichen Kommissionstreffen die Interessenvertreter der Fischerei-Industrie durch. In der Folge verabschiedete man regelmäßig viel zu hohe Fangquoten. Insbesondere für den begehrten Roten Thunfisch. Es half nicht, dass der ICCAT-Wissenschaftsausschuss regelmäßig nachhaltige Fangquoten oder Fangverbote für bestimmte Arten empfohlen hatte. Damit erwies sich der von Kritikern wegen ihres schlechten Fischereimanagements verballhornte Name der ICCAT zu „International Conspiracy to Catch All Tuna“ (Internationale Verschwörung zum Fang aller Thunfische) als recht passend.

Makohaie

Auch beim Management der Makohai-Bestände im Nord- und Südatlantik hat die ICCAT lange versagt. Die Bestände des Kurzflossen-Makohais im Nordatlantik standen 2020 durch Überfischung kurz vor dem Zusammenbruch. Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich im Südatlantik ab.

Blauflossenthunfische

2011 waren alle drei Blauflossenthunfischarten vom Aussterben bedroht. Im türkischen Teil des Mittelmeers und im Schwarzen Meer gilt der Rote Thun bis heute als ausgerottet. In der Folge verschwanden auch Weiße Haie aus diesen Gebieten. Noch bis in die 1980er-Jahre folgten sie den zu ihren Laichplätzen im Marmarameer wandernden Thunfischen.

Gelbflossenthunfische

ICCAT reguliert auch den Fang von Großaugenthunen und Gelbflossenthunfischen im Atlantik. Auslage beider Arten auf einem lokalen Fischmarkt.
Großaugen- und Gelbflossenthunfische. Foto: Eleanor Partridge/Marine Photobank

Die von der ICCAT festgelegten Höchstfangmengen (TAC, total allowable catch) von jährlich 110.000 t Gelbflossenthunen wurde in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren überschritten. Insbesondere im Jahr 2020 mit 149.202 t (35 % über der TAC).

Treibende Fischsammler

Der (noch) unregulierte Einsatz frei treibender Fischsammler (FADs) zum Fang von Großaugen- und Gelbflossenthunfischen im Atlantik führt zu deutlich überhöhten Fängen von Jungfischen dieser beiden Arten.

Lichtblicke

Mittlerweile jedoch kann sich die ICCAT, in der meist Vertreter der Fischereiministerien der Mitgliedsländer sitzen, immer öfter auf strengere Fangquoten einigen. Auch Maßnahmen gegen illegale Fischereien (IUU-Fischerei) zeigten Wirkung. Einige Bestände begannen sich zu erholen.

2021 verschob sich der Status für den Roten Thunfisch bei der letzten Aktualisierung der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN von „gefährdet“ auf „nicht gefährdet“.

Im November 2021 verhängte die ICCAT dann nach überaus zähen Verhandlungen ein mindestens zweijähriges Fangverbot für Makohaie im Nordatlantik.

ICCAT-Jahrestagung 2022

Auf ihrer Jahrestagung 2022 in Faro, Portugal, verabschiedete die ICCAT nach fast zehnjährigen Verhandlungen eine neue Fangstrategie für den Roten Thunfisch. Hierbei will man sich zur Berechnung der zulässigen Gesamtfangmenge (TAC) zukünftig auf ein wissenschaftlich abgesichertes Bewirtschaftungsverfahren stützen. Kanada, die EU, Japan und die USA hatten sich hierfür eingesetzt.

Meeresschützer sehen hier einen bahnbrechenden Paradigmenwechsel im Fischereimanagement der Kommission. Es gibt nun eine ICCAT-weite Verpflichtung, mehr Nachhaltigkeit beim Fang von Blauflossen-Thunfischen, zu denen der Rote Thunfisch gehört, anzustreben.

Für andere hochpreisige Arten, wie Makohaie, Großaugen- und Gelbflossenthunfische, Weiße Thunfische oder den Echten Bonito konnte sich die Kommission jedoch nicht auf einen öksystemaren Ansatz für nachhaltiges Fischereimanagement einigen.

Kaum Ansätze für ökosystemares Mehr-Arten-Management

Zwar macht es durchaus Sinn, die Bestände wandernder Fischarten über ihren gesamten Lebensraum zu erfassen und dann Quoten für deren Befischung festzulegen. Doch überlappt sich der Bewirtschaftungsraum der ICCAT zwangsläufig mit Gebiets-Fischereikommissionen wie z. B. der NAFO im Nordostatlantik. Die NAFO bestimmt Fangquoten für Beutearten der Raubfischarten, deren Fangquoten wiederum von der ICCAT festgelegt werden.

Und in Teilen des ICCAT-Fanggebiets des Südatlantiks unterliegen Fangquoten für Südliche Blauflossenthunfische (Thunnus maccoyii) der Kommission zur Erhaltung von Südlichen Blauflossenthunfischen (CCSBT, Commission for the Conservation of Southern Bluefin Tuna).

Ein nach modernen Gesichtspunkten für nachhaltige und bestandserhaltende Fischerei ausgerichtetes ökosystemares Mehr-Arten-Management ist angesichts derart unterschiedlicher Zuständigkeiten kaum umsetzbar.

Nach wie vor richtet die Fischereikommission ihre Entscheidungen über Fangquoten für hochpreisige Fischarten kaum nach dem Vorsorgeprinzip, sondern vorrangig nach den Interessen der Fischereiindustrie aus.

Titelfoto: Ocean Image Bank/Ellen Cuylaerts


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