Was ist die IOTC?

Die Thunfischkommission für den Indischen Ozean (IOTC, Indian Ocean Tuna Commission) ist eine von fünf regionalen Organisationen für das Fischereimanagement (Regional fisheries management organisations/RFMOs) von weit wandernden Fischarten wie Thunfischen, Schwertfischen und Haien. Diese RFMOs regeln die Fischerei in internationalen Gewässern (Hohe See) und der AWZ (Ausschließlichen Wirtschaftszone, 200-Seemeilen-Zone) und den Küstenmeeren (12-Meilen-Zone) von Küstenstaaten. Ihnen gehören dabei nicht nur Anrainerstaaten der Fischereigebiete an, sondern auch Nationen, die verstärkt in Meeresregionen fischen, für die die RFMOs zuständig sind, sogenannte „Long-Distance-Fang-Nationen“. Dies sind im Falle der IOTC, insbesondere Japan, Korea, China und die EU mit ihren Gebieten in äußerster Randlage, den französischen Überseedepartements La Réunion und La Mayotte im Indischen Ozean.

Aus der EU sind hauptsächlich spanische, portugiesische und französische „Long-Distance-Fangflotten“ im Fangebiet der IOTC unterwegs.

Kernaussagen

  • Die IOTC (Thunfischkommission für den Indischen Ozean) regelt den Fang weit wandernder Fischarten in internationalen Gewässern und der AWZ von Küstenstaaten des Indischen Ozeans.
  • Die IOTC ist zerrissen von internen Auseinandersetzungen zwischen Industrienationen und Ländern des Globalen Südens.
  • Dennoch hat die Kommission Erfolge erzielt, wie die Einführung von Fangmengenbegrenzungen für Blauhaie ab 2026 und neue Höchstfangmengen für Bonito.
  • Trotz ihrer Probleme bei der Überwachung von Beständen und der Kontrolle illegaler Fischerei ist die IOTC das entscheidende Gremium für nachhaltiges Fischereimanagement im Indischen Ozean.

Was macht die IOTC?

Das Gründungsjahr der Thunfischkommission für den Indischen Ozean war 1993. Am 27. März 1996 nahm sie ihre Arbeit auf. Ihr Sitz befindet sich in Victoria auf den Seychellen. Derzeit hat sie 29 Vollmitglieder. Darunter Australien, China, Indien, Indonesien, Frankreich, Großbritannien, die Malediven, Bangladesch sowie die EU. Taiwan fischt als weitere „Long-Distance-Fang-Nation“ zwar im Indischen Ozean, ist selbst aber kein offizielles Mitglied der Kommission, sondern lediglich ein sogenanntes kooperierendes Nichtmitglied. Liberia nimmt seit 2015 als kooperierende Nichtvertragspartei an Tagungen teil.

Die Zuständigkeit der Kommission erstreckt sich über den gesamten Indischen Ozean, einschließlich angrenzender Meeresgebiete, in denen Thunfischarten vorkommen. Es handelt sich um die FAO-Fanggebiete 51 (Westlicher Indischer Ozean) und 57 (Östlicher Indischer Ozean).

IOTC-Kompetenzbereich im Westlichen und im Östlichen Indischen Ozean.

Im Jahr 1999 erfolgte eine Ausweitung des Zuständigkeitsbereichs vom 30. Breitengrad östlicher Länge auf den 20°E. Seitdem grenzen die RFMOs IOTC und ICCAT (Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs) unmittelbar aneinander an.
© IOTC/FAO

Die IOTC spielt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Thunfischbestände und dem Schutz der Ökosysteme im Indischen Ozean.

Für welche Fischarten ist die IOTC zuständig?

In den Zuständigkeitsbereich der Kommission fällt das Fischereimanagement (Bestandsbewirtschaftung und -erhaltung) verschiedener bedeutender Thunfischarten und verwandter Spezies, darunter:

Arbeitsgruppen

Die Kommission hat verschiedene Ausschüsse und Arbeitsgruppen, die sich mit spezifischen Problemen befassen, wie die Arbeitsgruppe zu Ökosystemen und Beifang. In dieser Arbeitsgruppe geht es um Fragen, wie Beifänge von Haien, Meeresschildkröten, Meeressäugetieren, Seevögeln und Nichtzielfischarten beim Thunfischfang reduziert werden können.

Etablierung nachhaltiger Bewirtschaftung und Schutz der Ökosysteme

Dabei steht sie vor großen Problemen. Denn es gilt nicht nur, die Überfischung der Thunfischbestände zu verhindern und bereits überfischte Bestände wieder auf ein nachhaltig befischbares Niveau zu bringen. Sondern es geht zunehmend auch darum, die Einflüsse auf bedrohte Arten und das Ökosystem insgesamt zu reduzieren, vorrangig die anhaltende Überfischung der im Indischen Ozean lebenden Haipopulationen.

Denn viele Haie sterben nicht als Beifang. Man befischt sie gezielt. Darunter vor allem Blauhaie, aber auch Kurzflossen-Makohaie, Seidenhaie und Hammerhaie. Für keine dieser Arten hat die IOTC bislang Managementpläne aufgestellt oder Fanggrenzen vorgegeben.

Hinzu kommt der unzureichend dokumentierte Beifang von Haien und Rochen beim Einsatz von unselektivem Fanggerät (Kiemennetze, Langleinen).

Beim Einsatz von FADs wird der natürliche Schutzinstinkt von Schwarmfischen ausgenutzt, die sich gerne unter an der Wasseroberfläche treibenden Objekten versammeln.

Auch die im Indischen Ozean häufig eingesetzten FADs (Fischsammler) in Kombination mit Ringwadennetzen führen zu viel Beifang. Hier trifft es auch Meeresschildkröten und Meeressäuger.

Hinzu kommen erhebliche Umweltbelastungen durch verloren gegangene FADs (Geisternetzproblematik).
© IPNLF

Konflikte

Innerhalb der IOTC herrschen seit Jahren schwere Konflikte zwischen den Industriefischerei-Nationen – hier besonders denen der EU – und Küstenstaaten des Globalen Südens wie Pakistan oder den Malediven. Küstenstaaten wie die Malediven sind auf nachhaltige Fischerei angewiesen. Sie praktizieren diese auch mit großem Engagement und haben mit Unterstützung der International Pole and Line Foundation (IPNLF) eine der nachhaltigsten Fischereien aufgebaut. Aber auch zwischen einer Großzahl der Mitglieder und Japan und China gibt es immer wieder heftige Auseinandersetzungen.

Von der Einführung von ökosystemarem Mehrarten-Management bei der Bewirtschaftung von Fischbeständen, wie es die NAFO (Nordwestatlantische Fischereimanagement-Organisation) bereits begonnen hat, ist die IOTC noch weit entfernt.

Das Versagen der IOTC

Bisher gelingt es der Kommission nicht, eine Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen, Meeresschutz und Befriedung von Nord-Süd-Konflikten zu finden. Meist geraten die Interessen der IOTC-Mitgliedsstaaten des Globalen Südens unter die Räder, denn den großen Fischerei-Nationen wie Spanien gelingt es immer wieder, ihre Interessen durchzusetzen.

Da sich die Mitgliedsländer oft nicht auf strenge Fangquoten einigen können, bleiben hochpreisige Arten wie Gelbflossen- und Großaugenthunfische dauerhaft überfischt. Dies führt zu einem spürbaren Rückgang der Bestände und gefährdet ihre langfristige und nachhaltige Bewirtschaftung.

  • Überfischung primär beim Gelbflossenthunfisch und beim Großaugenthunfisch.
  • Gezielter Fang von Haien ohne Fangmengenbegrenzung, Quotenverteilung bei vollkommen unzureichender Dokumentation von Fängen und Rückwürfen.
  • Viel zu hoher Beifang an Haien, fehlende Maßnahmen zur Reduzierung der Sterblichkeit dieses Beifangs oder für Möglichkeiten, lebende Haie entkommen zu lassen.
  • Bekämpfung der illegalen Fischerei (IUU).
  • Eindämmung der FAD-Fischerei und Senkung der Verluste an verloren gegangenen FADs. Korallenriffe der Küstenstaaten des Indischen Ozeans werden durch die Netze verloren gegangener FADs schwer geschädigt.
  • Durchsetzung der von der Kommission festgelegten Fangquoten für bestimmte Arten.
Großaugen- und Gelbflossenthune, Fischmarkt, Philippinen.
Großaugen- und Gelbflossenthune, Philippinen, © Eleanor Partridge/Marine Photobank

Das Versagen der IOTC zieht schwerwiegende sozioökonomische Folgen, Umweltschäden und Biodiversitätsverluste in den betroffenen Küstenstaaten des Indischen Ozeans nach sich.

Unser Einsatz

Wir sind seit 2025 als offizielle Beobachter akkreditiert und nehmen an den Konferenzen und Workshops teil, zu denen wir unsererseits auch mit wissenschaftlichen Arbeiten beitragen.

30. IOTC-Konferenz 2026, Malediven

Teufelsrochen, Blauhaie, Walhaie und Gelbflossenthunfische standen im Fokus auf der 30. IOTC-Jahreskonferenz, die vom 11. bis zum 15. Mai in Malé, der Hauptstadt der Malediven, stattfand.

Iris Ziegler, 30. IOTC-Generalversammlung auf den Malediven, 2026.
Unsere akkreditierte Beobachterin: Iris Ziegler

Zentrales Thema der Jahreskonferenz waren dabei Fragen zum Fischereimanagement der begehrten Gelbflossenthunfische im Indischen Ozean. Im Ergebnis einigte man sich leider auf Fangmengen, die laut ISSF (International Seafood Foundation), deutlich über dem von Wissenschaftlern empfohlenen Niveau liegen.

Gruppenbild der NGOs, 30. IOTC-Jahreskonferenz, Malediven, 2026.
Gruppenbild der NGOs

Das klarste positive Ergebnis ist die Verabschiedung von Maßnahmen für Skipper und Besatzungen zur Verringerung der Sterblichkeit von nach dem Fang freigesetzten Teufelsrochen. Dies entspricht den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Komitees der IOTC.1

Ein weiteres positives Ergebnis ist die Entscheidung für eine weiterhin strenge Auslegung, illegal operierende Fangkutter (IUU-Fischerei) auf der IOTC-IUU-Schiffsliste zu behalten.

Für Blauhaie, Seidenhaie, Kurzflossen-Makohaie und Walhaie brachte die 30. IOTC-Jahreskonferenz enttäuschenderweise keine nennenswerten Fortschritte.

29. IOTC-Konferenz 2025, La Réunion

Gemeinsame Einladung von Deutsche Stiftung Meeresschutz, WWF, PEW Charitable Trusts für einen Vortrags-Hai-Event am 14. April 2025 auf der IOTC-Konferenz.

Um die Delegierten der Kommission für die Haie im Allgemeinen und für Blauhaie im Besonderen zu gewinnen, organisierten wir während der 29. IOTC-Konferenz 2025 auf La Réunion gemeinsam mit dem WWF und The Pew Charitable Trusts einen Hai-Event.

Denn die Bestandssituation von Haien spielt bei der Aufstellung von Fischerei-Managementplänen für die IOTC noch keine Rolle. Dabei erleiden die Bestände der ikonischen Meeresjäger gerade im Fanggebiet Indischer Ozean massive Beifang-Verluste. Besonders betroffen: Blauhaie.2

In den Medien

  1. Der Indische Ozean ist Schauplatz der weltweit höchsten Beifänge von Teufelsrochen (Gattung Mobula). Zu dieser Gattung zählen die zwei größten Rochenarten, der Riffmanta (M. alfredi) und der Riesenmanta (M. birostris). ↩︎
  2. Der Blauhai (Prionace glauca) steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet (near threatened), mit abnehmender Bestandsentwicklung. Blauhaie können bis zu 3,8 m groß und 200 kg schwer werden. Im Vergleich zu anderen Haiarten hat die Art mit ca. 30 Jungtieren pro Weibchen und Jahr eine hohe Vermehrungsrate. Gleichwohl halten die Bestände intensiver Befischung nicht lange stand. Seit November 2022 stehen Blauhaie wie die meisten anderen Requiemhaie auf CITES Anhang 2. Damit fällt der internationale Handel mit Blauhaiprodukten unter die Kontrolle des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und darf nur mit den hierfür notwendigen CITES-Dokumenten erfolgen. ↩︎

Zuletzt aktualisiert:

Autor: Ulrich Karlowski

Titelfoto: Gelbflossenthunfisch, © Ocean Image Bank/Ellen Cuylaerts


Equal access principles: für einen gleichberechtigten Zugang zu den globalen, regionalen Fischereiorganisationen (RFMOs).

Wir unterstützen die Initiative von principles.fish für einen gleichberechtigten Zugang zu den globalen regionalen Fischereiorganisationen (RFMOs):


Weiterführende Informationen