ICYMARE, Konferenz für junge Meeresforschende vom 7. bis 11. September im BIOM in Bremen

Vom 7. bis zum 11. September läuft zum achten Mal ICYMARE. In diesem Jahr findet diese internationale Konferenz für junge Meeresforschende im BIOM der Universität Bremen statt. Es handelt sich um eine Bottom-up-Initiative, die ausschließlich von leidenschaftlichen Freiwilligen vorangetrieben wird und an wechselnden Standorten stattfindet. ICYMARE fördert den Austausch zwischen Forschenden und Studierenden der Meereswissenschaften und setzt sich für nachhaltige Praktiken ein.

Fakten zur Förderung

Name
ICYMARE (International Conference for Young Marine Researchers)
Standorte
Deutschland, Bremen und Bremerhaven
Hintergrund
Förderung junger Meeresforschender
Laufzeit
Seit 2024/unbegrenzt
Partnerorganisation
Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 4, SDG 12, SDG 13, SDG 14, SDG 15

Logo International Conference for YOUNG Marine Researchers – ICYMARE

Was ist ICYMARE?

Jackson, Support Dog von ICYMARE.
Jackson, Support Dog

ICYMARE will Angehörige verschiedener Fachrichtungen der Meereswissenschaften und -technologie zusammenbringen, um durch Vorträge, Workshops und Diskussionen das wissenschaftliche Verständnis zu fördern.

Außerdem fungiert das Portal als Plattform für den Austausch von Forschenden und Studierenden im Bereich der Meereswissenschaften und ‑technologien. Zusätzlich werden nachhaltige Praktiken unterstützt und Innovationen für besseren Meeresschutz vorangetrieben.

„Wir legen Wert auf die Gleichberechtigung der Stimmen in unserer Forschungsgemeinschaft – jede Meinung zählt und ist uns wichtig. Wir legen großen Wert auf gegenseitigen Respekt und schaffen ein Umfeld, in dem jede*r gehört wird“, erklärt Chiara Sickert vom Organisationskomitee.

Das war ICYMARE 2025

  • 2025 zog die Konferenz mit 230 Teilnehmer*innen aus 37 Ländern zahlreiche junge Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachrichtungen an. Einige der Teilnehmenden kamen sogar aus Costa Rica und den Falklandinseln.
  • 2025 fand ICYMARE zum zweiten Mal in Bremerhaven statt. In den Vorjahren traf man sich auch in Oldenburg und Bremen.
  • Die Konferenz bot ein vielfältiges Programm mit Vorträgen und Postersessions zu Themen wie Seeschlangen und Korallenriffschutz.

„Unsere Open Session war beliebter, denn je und vollgepackt mit großartigen Vorträgen – von Seeschlangen, und den Auswirkungen von Fast Fashion auf Korallenriffe bis zum Abbau von Makroalgen im industriellen Maßstab. Die Postersession mit 40 Beiträgen war ebenso vielfältig – vom tropischen Naturschutz bis zur Tiefseemodellierung – und es war definitiv nicht einfach, dieses Jahr einen Favoriten auszuwählen“, heißt es im Abschlussbericht.

Gruppenbild der Konferenzteilnehmer.

Meeresbiologie studieren: Ein besonderes Studium!

Shari studiert Meeresbiologie in Bremen. In ihrer Bachelorarbeit untersucht sie die Auswirkungen des Tauchtourismus auf das Verhalten der gefährdeten Mantarochen.

Doch wie kommt sie zu ihren Daten? Reisen in ferne Länder und ausgiebige Forschungstauchgänge, um die Geheimnisse der Ozeane zu ergründen, oder doch eher Laborarbeit? Und wie bringt sie alles unter einen Hut? Denn sie leitet nebenbei auch noch Tauchexpeditionen auf den Azoren, um ihr Studium zu finanzieren.

Ein Beitrag aus dem BR-Format alpha Uni. alpha Uni begleitet Studierende und junge Berufseinsteiger aus ganz Deutschland bei ihren Herausforderungen im Studium und ihren ersten Schritten im Beruf.


Einige unserer Förderungen für junge Meeresforschende

Mangroven im Fokus auf der MMM7-Konferenz

Die MMM oder „Mangrove Macrobenthos and Management Conference“ ist die bedeutendste wissenschaftliche Konferenz, die sich ausschließlich mit Mangroven-Ökosystemen befasst. Sie bringt Forscher, Umweltschützer, Entscheidungsträger und Interessenvertreter aus aller Welt zusammen.

Der Beginn der Konferenzreihe reicht ins Jahr 2000 zurück.1 Alles begann mit MMM1 in Kenia. Seitdem trifft man sich alle drei bis sechs Jahre an wechselnden Standorten. Jeder Einzelne davon ist bekannt für seine Mangrovenvielfalt. Die MMM7 fand vom 1. bis 5. Juli 2026 auf der japanischen Insel Ishigaki (Okinawa) statt. Wir ermöglichten zwei der von unterstützten Masterstudenten, Mariana Mota Barroso und Tobias Poprick, die Teilnahme.2

Bericht von Tobias Poprick

Auf Ishigaki gibt es ausgedehnte Mangrovenbestände.

Etwa 1.975 Kilometer von der japanischen Hauptinsel entfernt liegt Ishigaki, eine kleine Insel mit knapp 49.500 Einwohner*innen. Auf dieser Insel wurde zur MMM7 geladen, zu einer der international wichtigsten Konferenzen und Netzwerktreffen zum Thema Mangroven.

© T.Poprick

MMM7 mit großer Themenvielfalt

Abgehalten innerhalb der japanischen Kultur, die nicht respektvoller, freundlicher und organisierter sein könnte, trafen sich 336 Menschen aus 41 Ländern, um sich über den aktuellen und zukünftigen Status von Mangroven auszutauschen. Neben bedeutsamen Erkenntnissen in den Sozialwissenschaften und der Ökologie bis zu kritischen und innovativen Perspektiven auf Restaurationsprojekte war die Bandbreite der Themen sehr divers.

Mangroven auf dem Vormarsch

Präsentationen von Thomas Worthington und Daniel Friess zeigten einen neuen Trend der „natürlichen“ Ausbreitung der Mangroven. Einem Trend, der seit 2010 in eine neue Richtung zeigt und Hoffnung macht. Hoffnung auf ein Zeitalter des stetigen Rückgangs an Verlusten, Ausbreitungen in neue geeignete Gebiete und dichtere, „stabilere“ Wälder – die sich resilienter als gedacht dem Klimawandel entgegenstellen.3

Tobias Poprick bei der Feldarbeit.
Tobias Poprick bei seiner von uns unterstützten Mangrovenstudie auf den Galapagos-Inseln

Trendwende vor allem in Südostasien

Die immensen Restaurationsprojekte, Aufklärungsarbeit, strengere Gesetze gegen Abholzung, enge Zusammenarbeit lokaler Gemeinden, Regierungen und Wissenschaft und vieles mehr hat dazu beigetragen, diese Trendwende einzuläuten. Hierbei sind vor allem in Südostasien Erholungen und Zuwächse zu verzeichnen. Dort wurden bis 2010 in weiten Teilen enorme Verluste dokumentiert.

MMM7 warnt vor anhaltenden Mangrovenverlusten in Afrika

Leider ist die Mangroventrendwende in West- und Zentralafrika bislang nicht zu erkennen. Verluste sind weiterhin enorm. Dementsprechend ist die Trendwende mit Vorsicht zu genießen, betonten die versammelten Experten.

Hinzu kommt, dass man bislang nur auf ganz kleinen, vor allem regionalen Skalen weiß, wie es um viele Mangrovengebiete tatsächlich bestellt ist.

Nicolas Moity von der Charles Darwin Foundation (Galapagos) mit Tobias Poprick vor dem Poster zu seiner Masterarbeit „Variation of functional traits of three mangrove species across the Galapagos archipelago“ auf der MMM7 in Ishigaki, Japan.

Nicolas Moity von der Charles Darwin Foundation mit Tobias Poprick auf der MMM7 in Ishigaki, Japan.

Auch über Folgeschäden von Extremwetterereignissen wie beispielsweise 2026 im Zusammenhang mit dem angekündigten Super-El-Niño können wir aktuell nur spekulieren.

Wer hat Angst vor dem Mangrovenwald?

Interessant war vor allem auch der MMM7-Vortrag von Farid Dahdouh-Guebas, Professor an der Universität Brüssel. Er beleuchtete gängige und überraschende Mythen und Missverständnisse (misconceptions) über Mangroven. Dadurch wurde deutlich, dass wir vor allem in der (Wissenschafts-) Kommunikation noch viel Arbeit betreiben müssen und Perspektivwechsel erzeugen sollten.

Beispielsweise wird das Ökosystem Mangroven nach wie vor gesellschaftlich eher als sehr gefährlich eingestuft. Vor allem wurde das deutlich durch viele übermittelte Zeichnungen und Darstellungen, auf welchen in Verbund mit Mangroven immer wieder „gefährliche“ Tierarten zu sehen waren. Das befördert natürlich ein Image, welches gesellschaftlich zu Unbehagen führt und somit Schutzmaßnahmen beeinflusst.4

Projektvorstellung auf der MMM7

Ich hatte das Privileg, mein Masterprojekt „Funktionale Ökologie und Populationsgenetik der Mangroven auf Galapagos“ auf der MMM7 vorstellen zu dürfen.

Tobias Poprick beim Vortrag auf der MMM7 2026.

Diese Konferenzreihe ist etwas Einzigartiges. Denn fernab aller akademischen Level trifft man hier auf Gleichgesinnte, die der gleichen Passion folgen – dem Schutz dieses wertvollen Ökosystems.

Eine kollektive Überzeugung, die nicht selten zu wertvollen Kooperationen und Veränderungen beigetragen hat. Ein Netzwerktreffen, welches nicht familiärer sein könnte – denn mittlerweile ist sogar die jüngste Generation an Mangroven-Enthusiasten beteiligt. Die renommiertesten Experten bringen ihre Kinder zu diesen Events mit und lassen sie daran teilhaben.

Ich bin unendlich dankbar, erneut die Chance gehabt zu haben, zu einer MMM-Konferenz reisen zu können.5

Fotos ohne weitere Angaben: © privat

  1. Der Name leitet sich von den bodenbewohnenden Organismen (Makrobenthos) ab. Dies sind unter anderem Krabben, Schnecken und Würmer. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Nahrungsnetz von Mangrovenwäldern und für ihre Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Was einst als kleine Konferenz für Benthos-Studien begann, hat sich zu einem umfassenden Forum entwickelt. Heute diskutieren die Teilnehmer auf den MMM-Konferenzen über globale Themen wie Küstenschutz, die Klimakrise, die CO2-Speicherkapazität von Mangrovenwäldernfür blauen Kohlenstoff (Blue Carbon), Artenschutz, Wiederaufforstung und die Einbindung lokaler Küstengemeinden. ↩︎
  2. Posterpräsentationen auf der MMM7-Konferenz:
    P051 Tobias Poprick, Variation of functional traits of three mangrove species across the Galapagos archipelago
    P116 Mariana Mota Barroso, Stand age effects on organic matter dynamics in the Matang Mangrove Forest Reserve, Malaysia ↩︎
  3. Zhen Zhang et al., Unexpected expansion and regrowth in Earth’s mangrove forests over the past four decades.Science392,1082-1087(2026). DOI:10.1126/science.aec9773 ↩︎
  4. Historische Zeichnungen und Gemälde aus Büchern und vor allem Nationalpark-Logos und Illustrationen in und von verschiedenen Nationalparks. So ist auf einem der vom Everglades National Park eingesetzten Logos ein Alligator abgebildet. ↩︎
  5. Wir hatten Tobias Poprick bei seiner Teilnahme an der MMM6 in Cartagena, Kolumbien, unterstützt. Dort wurde sein Projektposter mit dem „Best Student Poster Presentation Award“ ausgezeichnet. ↩︎

Mikrobiom-Transplantationen können Korallen vor dem Hitzekollaps schützen

Anfang 2026 unterstützten wir das Masterprojekt von Jakob Bornhäuser von der Universität Bremen (Internationaler Studiengang aquatische tropische Ökologie/ISATEC). Er erforschte während eines Aufenthalts auf den Seychellen, inwieweit die Übertragung von geeigneten Korallen-Mikrobiomen die Widerstandsfähigkeit der Empfängerkorallen gegenüber marinen Hitzewellen steigern kann. Korallen sollen also einen mikrobiellen Hitzeschutz erhalten.

Fakten zum Projekt

Titel:
Bewertung des Potenzials einer Behandlung mit lokal aus Mikrobiomen gewonnenen Korallenprobiotika im Rahmen eines Restaurationsprojekts
Verantwortlich:
Jakob Bornhäuser, Uni Bremen, Internationaler Studiengang aquatische tropische Ökologie (International Studies in Aquatic Tropical Ecology/ISATEC)
Projektpartner:
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung Bremen (ZMT)
Reef Rescuers/Nature Seychelles
Betreuung:
Dr. Sonia Bejarano (ZMT)
Prof. Dr. Christian R. Voolstra, Universität Konstanz
Hintergrund:
Masterarbeit zur Entwicklung einer innovativen Renaturierungsmethode für Projekte der unterstützenden Korallen-Restauration
Projektstandorte:
Bremen, Praslin (Seychellen)
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 13, SDG 14

Bericht von Jakob Bornhäuser

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich im Zeitraum von Januar bis Mai 2026 ein Forschungsprojekt auf Praslin, Seychellen, durchgeführt. Als Partner vor Ort stand mir die NGO Nature Seychelles zur Seite, bei der ich sowohl als Freiwilliger als auch zur Arbeit an meinem Projekt ein Praktikum absolvierte.

Erfolgreiche Evolution durch Teamwork

Korallenriffe sind weltweit bedroht und stehen unter enormem globalen sowie lokalen Stress. Riffbildende Korallen sind anpassungsfähig und haben sich über Jahrmillionen entwickelt und dabei sämtliche Massensterben überdauert. Teamwork scheint ein Teil des Erfolgsrezepts zu sein: Korallen sind weder nur ein Tier noch lediglich eine Pflanze. Sie sind eine Symbiose aus beidem.

Korallenriff

Kleine tierische Polypen, verwandt mit freischwimmenden Quallen und sesshaften Anemonen, bilden einen Kolonieorganismus, den wir als Koralle kennen. Diese beheimatet pflanzliche Symbionten, die je nach Art durch Fotosynthese für einen Großteil der Energiegewinnung der Koralle verantwortlich sind.
© Brook Peterson/Ocean Image Bank

Diese Zusammenarbeit ist zwar bewährt, stößt jedoch in Zeiten von drastischem Temperaturanstieg der Meere infolge von menschengemachten Treibhausgasemissionen an ihre Grenzen.

Wenn das Erfolgsteam auseinanderbricht

Übersteigt das Wasser eine gewisse Temperatur, wird die Beziehung zwischen Koralle und Alge toxisch, bricht auseinander, und das Phänomen der Korallenbleiche tritt auf. Sie ist zwar für einige Tage bis Wochen umkehrbar, sinkt die Temperatur jedoch nicht rechtzeitig auf ein normales Niveau, stirbt die Koralle mangels Energie.

Das Mikrobiom, ein unterschätztes Teammitglied

Die Lebensgemeinschaft Koralle besteht allerdings nicht nur aus Tier und Pflanze. Insbesondere in der Schleimschicht, die Korallenpolypen zum Schutz und zur Nahrungsaufnahme um sich bilden, leben unzählige Bakterien und andere Mikroorganismen in hoher Dichte. Es handelt sich um komplexe Gemeinschaften aus Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilzen und Archaeen.

Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass bestimmte, mit Korallen assoziierte Bakterien, eine große Rolle für deren Stressresistenz spielen. Denn in Experimenten konnte gezeigt werden, dass eine Transplantation des Mikrobioms hitzetoleranter Korallen die Temperaturtoleranz bei weniger hitzetoleranten Empfängerkorallen verbessert.1

Jacob Bornhäuser steckt Mikrobiom behandelte Korallen auf mit einem Temperatursensor bestückte Gitter.
Behandelte Korallen werden auf Gitter gesteckt, die mit einem Temperatursensor bestückt sind

Es ist jedoch nach wie vor unklar, ob man derartige probiotische Behandlungen auch bei Wiederherstellungsmaßnahmen auf Ökosystemebene anwenden kann.

Seychellen führend bei der Entwicklung von Methoden für die Restauration von Korallenriffen

In vielen Ländern, in denen es tropische Korallenriffe gibt, ist deren Restauration seit mehreren Jahrzehnten gängige Praxis.2 In den Seychellen ist die Organisation Nature Seychelles treibende Kraft bei der Weiterentwicklung von Methoden und Techniken.

Probiotische Behandlung durch Mikrobiom-Transplantation

Die Korallen für das Mikrobiom-Masterprojekt wurden von Experten von Nature Seychelles aus einem gesunden Riff entnommen. Dabei wählte man die Probengröße so klein wie möglich, um Schäden zu minimieren.

Einsatzboot der Reef Rescuer von Nature Seychelles vor der Insel Cousin, Seychellen.
Boot der Reef Rescuer von Nature Seychelles

Anschließend fanden Tests zur Hitzetoleranz der Korallen statt. Hierbei kam das von Prof. Christian Voolstra und Kollegen entworfene Coral Bleaching Automated Stress System (CBASS) zum Einsatz (siehe Titelfoto). Mit CBASS lassen sich kostengünstig und schnell standardisierte Daten zur Hitzetoleranz von Korallen gewinnen.3

Ermutigend: Hitzetoleranz lässt sich von Koralle zu Koralle übertragen

Mein Projekt hatte die Zielsetzung, eine niedrigschwellige Methode der probiotischen Behandlung von Korallen zu testen. Hierzu testete ich 15 Korallenkolonien der schnell wachsenden Korallenart Acropora tenuis cf. macrostoma auf ihre Temperaturtoleranz und teilte sie anschließend in zwei Gruppen auf. Eine mit niedriger und eine mit höher Toleranz.

Mikrobiom-Behandlung von Korallenfragmenten im Labor von Nature Seychelles, Praslin, Seychellen.

Es folgte die Entnahme des Schleims von Korallen aus den Kolonien mit höherer Toleranz. Der Schleim wurde auf Korallenfragmente mit niedriger Temperaturtoleranz übertragen.

Nach einer Anpassungsphase von 24 Stunden fanden dann erneute Tests auf Temperaturtoleranz statt.

Den Geheimnissen des Mikrobioms auf der Spur

Die Ergebnisse zeigen einen Trend dahin, dass sich Hitzetoleranz durch Übertragen des im Schleim befindlichen Mikrobioms steigern lassen könnte.

Nahaufnahme von Korallenfragmenten im Mikrobiom-Experiment auf den Seychellen.
Korallenfragmente im Mikrobiom-Experiment

Es bleibt allerdings noch zu klären, ob diese Steigerung vollständig auf die mikrobielle Zusammensetzung zurückzuführen ist oder ob andere Faktoren wie Aufnahme des Schleims als Nahrung durch die Koralle eine Rolle spielen.

Außerdem wäre es spannend, das Experiment mit Korallen weiterer Arten zu wiederholen, womöglich solche, deren erhöhte Hitzetoleranz bereits nachgewiesen wurde.

Kernaussagen

  • Jakob Bornhäuser untersuchte in seiner Masterarbeit, ob die Übertragung von Korallen-Mikrobiomen deren Hitzetoleranz erhöht.
  • Das Projekt zeigte, dass Hitzetoleranz durch Mikrobiom-Transplantation von hitzetoleranten auf weniger tolerante Korallen übertragen werden kann.
  • Die Studienergebnisse werden auf der ICYMARE 2026 in Bremen präsentiert.
  • Korallen-Mikrobiome bestehen aus Mikrobengesellschaften (Bakterien und andere Mikroorganismen), die in der von Korallen gebildeten Schleimschicht leben, sie gegen Krankheitserreger und Stress schützen und mit Nährstoffen versorgen.
  1. Doering, T., Wall, M., Putchim, L. et al. Towards enhancing coral heat tolerance: a “microbiome transplantation” treatment using inoculations of homogenized coral tissues. Microbiome 9, 102 (2021). https://doi.org/10.1186/s40168-021-01053-6. ↩︎
  2. Boström-Einarsson, Lisa; Babcock, Russell C.; Bayraktarov, Elisa; Ceccarelli, Daniela; Cook,
    Nathan; Ferse, Sebastian C. A. et al. (2020): Coral restoration – A systematic review of
    current methods, successes, failures and future directions. In PloS one 15 (1), e0226631.
    DOI: 10.1371/journal.pone.0226631. ↩︎
  3. Evensen, N.R., Parker, K.E., Oliver, T.A., Palumbi, S.R., Logan, C.A., Ryan, J.S., Klepac, C.N., Perna, G., Warner, M.E., Voolstra, C.R. and Barshis, D.J. (2023), The Coral Bleaching Automated Stress System (CBASS): A low-cost, portable system for standardized empirical assessments of coral thermal limits. Limnol Oceanogr Methods, 21: 421-434. https://doi.org/10.1002/lom3.10555. ↩︎

Weiterführende Informationen

Immer weniger Haie vor Curaçao: Forscher nutzen das Wissen lokaler Fischer

Bis ca. 2010 gab es in den türkisblauen Gewässern der zu den Niederlanden gehörenden Karibikinsel Curaçao eine atemberaubende Vielfalt an Haien. Doch seitdem sinken die Bestände stellenweise dramatisch. Informationen zum Ausmaß und den Gründen für das Verschwinden gab es bisher kaum.

Die Meeresbiologin Lisa Hübner von der Universität Groningen (Niederlande) untersuchte im Jahr 2022 die Bestandssituation von 11 Hai- und 3 Rochenarten, die in den Gewässern vor Curaçao leben. Dabei ging sie auch der Frage nach, warum es vor Curaçao immer weniger Haie gibt. Wir unterstützen ihre Forschungsarbeit.

Anfang Juni 2025 veröffentlichte das Magazin Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems (Volume 35, Issue 6) die Forschungsergebnisse: Unseen Experts of the Sea: Fishers‘ Local Ecological Knowledge Reveals Elasmobranch Hotspot Decline Around Curaçao, Dutch Caribbean 1

Kernaussagen

  • Die Meeresbiologin Lisa Hübner und ihr Team untersuchen den Rückgang der Hai-Bestände vor Curaçao, indem sie das Wissen einheimischer Fischer (FLEK) nutzen.
  • Die von der Deutschen Stiftung Meeresschutz unterstützte Forschung zeigt einen alarmierenden Rückgang der Hai-Artenvielfalt, insbesondere in früheren Hotspots.
  • Überfischung sowie Tourismuseffekte tragen möglicherweise zur Bedrohung der Haie vor Curaçao bei.
  • Ein ganzheitlicher Ansatz zum Schutz der Haie erfordert die Einbindung lokaler Fischer in zukünftige Schutzmaßnahmen.
  • Zukünftige Studien sind notwendig, um den sozio-ökonomischen Wert und die Einflüsse der Fischerei auf die Haibestände besser zu verstehen.

Haie vor Curaçao unter Druck

Eine Auswertung der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN vom September 20212 zeigt, dass 32 % aller Knorpelfischarten (Haie, Rochen und Chimären), zu denen Daten vorliegen, durch Überfischung vom Aussterben bedroht sind. Darunter der Karibische Riffhai (Carcharhinus perezii) und der Atlantische Ammenhai (Ginglymostoma cirratum) – Arten, deren Vorkommen einst die Normalität an karibischen Riffen und Küstenökosystemen widerspiegelten.

Für einen besseren Schutz von Haien, nicht nur in der Karibik, benötigt man jedoch ganzheitliche wissenschaftliche Einblicke, die aufzeigen, wie stark und vor allem wieso die Bestände zurückgegangen sind. Auch müssen lokale Bevölkerungsgruppen in nachfolgende Schutzmaßnahmen eingebunden werden.

Lisa Hüber und ein Groninger Forschungsteam griffen deshalb auf einen oft vernachlässigten Wissensschatz zurück: die Kenntnisse lokaler Fischer. Dieses Wissen – auch Fisher’s Local Ecological Knowledge (FLEK) genannt – nutzten die Forschenden als Ergänzung zu ihren eigenen Bestandserfassungen mit beköderten Unterwasserkameras (Baited Remote Underwater Video Systems/BRUVS). Dadurch gewannen sie ein umfassendes Bild über den besorgniserregenden Rückgang der früher reichhaltigen Artenvielfalt der Haie vor Curaçao.

Bericht von Lisa Hübner

A Fisherman‘s Tale: Wie Fischer uns helfen können, Haie zu schützen

Haie sind weitaus mehr als ikonische Geschöpfe des Meeres, sie sind unerlässlicher Bestandteil mariner Nahrungsketten und Ökosysteme. Die Knorpelfische sind systemrelevant. Verschwinden sie, entstehen Kaskadeneffekte in niedrigeren Trophieebenen3. Vor allem Korallenriffe, Seegraswiesen und die pelagische Zone sind auf einen gesunden Bestand dieser Raubfische angewiesen.

Projekt Haie in der Karibik – Curaçao: Ammenhai ruht unter Mangroven.

Ein Ammenhai. Diese Haie sieht man in der Karibik nur noch selten,
© Amanda Cotton/Ocean Image Bank

Fisher´s Local Ecological Knowledge (FLEK)

Für unsere Forschungsarbeit wandten wir uns an die Experten der Insel: einheimische Fischer. Fischer verbringen den Großteil ihres Lebens auf See. Sie nehmen bewusst Veränderungen wahr, beispielsweise in der Zusammensetzung ihres täglichen Fangs oder im Vorkommen verschiedener Fischarten in speziellen Fanggebieten. Dieses Wissen – als Fisher’s Local Ecological Knowledge (FLEK) bezeichnet – dokumentierten wir auf Curaçao.

Dazu führten wir 25 tiefgreifende, semistrukturierte Interviews mit Fischern. In unsere Datenauswertung flossen schlussendlich 21 Interviews ein.

Baited Remote Underwater Video System/BRUVS

Die Auswertungen von Baited Remote Underwater Video Systems/BRUVS (beköderte Unterwasserkameras) ergänzen die Ergebnisse der FLEK-Studie. Beides zusammen bildet die ganzheitliche Basis dieses Projekts.4

Wie erhebt man Fisher´s Local Ecological Knowledge?

Unser Team befragte Fischer unterschiedlicher Generationen zu Fängen und Sichtungen. Dazu stellten wir Fragen zu 14 Hai- und Rochenarten.

  • Atlantischer Ammenhai (Ginglymostoma cirratum)
  • Weißspitzen-Hochseehai (Carcharhinus longimanus)
  • Bullenhai (Carcharhinus leucas)
  • Kleiner Schwarzspitzenhai (Carcharhinus limbatus)
  • Karibischer Riffhai (Carcharhinus perezii)
  • Walhai (Rhincodon typus)
  • Tigerhai (Galeocerdo cuvier)
  • Blauhai (Prionace glauca)
  • Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus)
  • Hammerhai (Sphyrna spp.)
  • Zitronenhai (Negaprion brevirostris)
  • Riesenmanta (Mobula birostris)
  • Southern Stingray (Hypanus americanus)
  • Gefleckter Adlerrochen (Aetobatus narinari)

Für die Interviews legten wir den Fischern Bilder dieser Arten (im Folgenden gesammelt als „Haie“ bezeichnet) vor. Sie berichteten uns, ob und wenn ja, wo sie eine bestimmte Art zu Beginn ihrer Karriere sowie heutzutage fangen oder vom Boot aus regelmäßig sichten.

Forschungsprojekt Haie in Curaçao: Fischer präsentiert ein Haigebiss.
Fischer aus Curaçao zeigt das Gebiss eines Haies,
© Lisa Hübner

Um die Aufbereitung der Daten zu erleichtern, wurden die Fang- und Sichtungsinformationen in zwei Perioden aufgeteilt: „Vergangenheit“ (1957 bis 2009) und „Gegenwart“ (2010 – 2022).

Artenreichtums-Karten zeigen Rückgang von Hai-Hotspots

Die gesammelten FLEK-Daten wurden anschließend statistisch noch einmal reduziert, sodass nur statistisch relevante „Hotspots“ – also Orte, an denen eine hohe, statistisch relevante Artenvielfalt vorhanden ist – abgebildet wurden5. Als Ergebnis erhält man folgende Hai-Hotspots (in Rot) um die Insel Curaçao:

Um mehr über die räumliche Verbreitung der Knorpelfische in den Küstengewässern der Insel zu erfahren (Identifizierung von Hai-Hotspots), ließen wir die Fischer den genauen Ort einer Begegnung (Fang oder Sichtung vom Boot) auf einer Karte einzeichnen. Daraus erstellten wir zwei Artenreichtums-Karten für beide Zeiträume. Wichtig dabei waren Informationen, wie oft die Fischer Haie zu Beginn ihrer Fischerkarriere und im Vergleich zu heute gesichtet oder gefangen haben. Der Fischer mit der längsten Erfahrung ist seit 1957 aktiv.

Zutage kam ein deutlicher und alarmierender Rückgang der in der „Vergangenheit“ existierenden Hai-Hotspots um fast die Hälfte im Vergleich zur „Gegenwart“. Doch nicht nur das. Auch die durchschnittliche Artenvielfalt der in den Hotspots lebenden Haiarten ist signifikant von sieben auf drei zurückgegangen. Der Blauhai wurde dabei von keinem der Fischer erwähnt.

Warum gibt es immer weniger Haie vor Curaçao?

Unklar ist allerdings, warum die Haibestände derart hohe Verlustraten aufweisen. Überfischung in der Region könnte eine von mehreren Ursachen sein.

Überfischung

Portioniertes Haifleisch, © Lisa Hübner
Portioniertes Haifleisch, © Lisa Hübner

Auf die Frage, warum sie Haie fangen, gaben die Fischer unterschiedlichste Antworten. Manche sagten, sie fangen Haie nicht mit Absicht, bringen diese dann aber an Bord aus Angst, die für sie kostbare Ausrüstung nicht zu verlieren.

Andere wiederum meinten, sie fangen die Tiere wegen des reinen Nervenkitzels. Das macht es schwierig, das tatsächliche Ausmaß der Haifischerei vor Curaçao festzustellen.

Fakt ist allerdings, wenn erst einmal am Haken, werden die Karibik Haie hauptsächlich verkauft oder selbst konsumiert. Nur ein geringer Teil wird wieder ins Meer entlassen.

Das lässt vermuten, dass Haifänge einen sozio-ökonomischen Wert für die Fischer darstellen. Wie hoch dieser Wert genau ist, muss sich in zukünftigen Studien zeigen.

Übertourismus, Küstenbaumaßnahmen und Meeresverschmutzung

Möglicherweise ist die starke Abnahme der lokalen Hai-Artenvielfalt vor Curaçao auch das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Überfischung und anderen Faktoren. So könnte der zunehmende Tourismus auf der Insel ebenfalls eine maßgebliche Rolle einnehmen.

In den vergangenen Jahren kam es zu einer starken Zunahme der Küstenbebauung durch Resorts und Hotels. Dies wiederum wirkt sich negativ auf die ohnehin ungenügende Abfall- und Abwasserwirtschaft der Karibikinsel aus.


Wie geht es weiter?

Die bisherigen Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit für besseren Haischutz auf Curaçao. Sie zeigen auch, wie wertvoll Fisher’s Local Ecological Knowledge (FLEK) – das Wissen von Fischern – für die wissenschaftliche Aufbereitung historischer Informationen sein kann.

„Um den zukünftigen Haischutz so nachhaltig und effizient wie möglich zu gestalten, sollte die Einbringung von Fischern als eigene Interessenvertretungsgruppe hier nicht aufhören. Fischer und ihre Bedürfnisse einzubeziehen ist wichtig, um Meeresartenschutz, der Fischer eventuell benachteiligen könnte, moralisch vertretbar zu machen. Studien zeigen auch, dass die Einbindung von Fischern dazu führt, dass mögliche Fischereibeschränkungen tatsächlich eingehalten werden“, erläutert Meeresbiologin Lisa Hübner.

Beliebte Beute bei lokalen Fischern: Haie in der Karibik.
© Lisa Hübner

Haie vor Curaçao gemeinsam mit Fischern schützen, nicht gegen sie!

Einer der Co-Autoren der Studie ist der Nature Specialist Advisor für das Ministerium für Gesundheit, Umwelt und Natur, Javier Diaz. Er war und ist stark in das Projekt involviert und agiert als direkter Draht zwischen den Forschenden und den zuständigen Behörden auf Curaçao. Auch die Fischer sollen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Haischutz in der Region soll gemeinsam mit den Fischern, nicht gegen sie, entstehen.

Außerdem informierte Lisa Hübner die Dutch Caribbean Nature Alliance (DCNA) über die Ergebnisse der Studie. DCNA setzt sich schwerpunktmäßig für die Erweiterung des Yarari Shark and Marine Mammal Sancturary Schutzgebietes in der Niederländischen Karibik ein.

  1. Hübner, L., Leurs, G., Bruil, L., Grimm, I., Diaz, J., Dilrosun, F., Mercelina, F., Meijer, K., McClenachan, L., de Boer, K., Vermeij, M. . and Govers, L. (2025), Unseen Experts of the Sea: Fishers‘ Local Ecological Knowledge Reveals Elasmobranch Hotspot Decline Around Curaçao, Dutch Caribbean. Aquatic Conserv: Mar Freshw Ecosyst, 35: e70159. https://doi.org/10.1002/aqc.70159 ↩︎
  2. Overfishing drives over one-third of all sharks and rays toward a global extinction crisis ↩︎
  3. Stellung eines Tiers oder einer Pflanze in der Nahrungskette ↩︎
  4. Baited Remote Underwater Video Systems (BRUVs) werden regelmäßig in Studien zur Bestandsbestimmung von Raubtieren eingesetzt. Haie werden durch den für sie attraktiven Köder angelockt und so von der angebrachten Kamera gefilmt. Die Filmaufnahmen werden im Nachhinein ausgewertet, um Anzahl und Artenvielfalt einer Region zu bestimmen. ↩︎
  5. Dieses Verfahren nennt sich „Hotspot Analysis (Getis Ord Gi * Statistic)“. ↩︎

Hintergrund: Schutz von Haien in der Karibik

Im Jahr 2015 entstand um die Gewässer der Inseln Saba und Bonaire in der Niederländischen Karibik das „Yarari Shark and Marine Mammal Sanctuary.

Meeresschutzgebiete (MPAs/Marine Protected Areas), insbesondere mehrere in Verbindung gebrachte MPAs, können die über weite Strecken wandernden Raubfische effektiv schützen. Leider fehlen solche Schutzgebiete um die anderen Inseln der Niederländischen Karibik.

Im Juni 2016 verhängten die Regierungen der Karibik-Inseln St. Maarten und der Kaimaninseln ein Fangverbot für die kommerzielle Haifischerei in ihren Hoheitsgewässern. Gleichzeitig gaben Curaçao und Grenada bekannt, noch im Laufe des Jahres gleichfalls den kommerziellen Fang von Haien verbieten zu wollen. Damit erhöhte sich die Zahl von Haischutzgebieten zum damaligen Stand auf weltweit 17, mit einer Fläche von etwa 20 Millionen Quadratkilometern.

Die karibischen Haischutzgebiete sind das Ergebnis wachsenden Engagements von karibischen und pazifischen Staaten. Sie wollen die Ausrottung der Karibik-Haie verhindern. Dieses gründet sich auch auf den Ergebnissen eines internationalen karibischen Haischutz-Symposiums. Es fand im Juni 2016 auf St. Maarten statt. An dem Treffen von Regierungsvertretern und nicht staatlichen Haischutzorganisationen nahm auch Haischützer Sir Richard Branson teil.

Foto oben: Karibischer Riffhai, © Guido Leurs


Weiterführende Informationen