Die MMM oder „Mangrove Macrobenthos and Management Conference“ ist die bedeutendste wissenschaftliche Konferenz, die sich ausschließlich mit Mangroven-Ökosystemen befasst. Sie bringt Forscher, Umweltschützer, Entscheidungsträger und Interessenvertreter aus aller Welt zusammen.
Der Beginn der Konferenzreihe reicht ins Jahr 2000 zurück.1 Alles begann mit MMM1 in Kenia. Seitdem trifft man sich alle drei bis sechs Jahre an wechselnden Standorten. Jeder Einzelne davon ist bekannt für seine Mangrovenvielfalt. Die MMM7 fand vom 1. bis 5. Juli 2026 auf der japanischen Insel Ishigaki (Okinawa) statt. Wir ermöglichten zwei der von unterstützten Masterstudenten, Mariana Mota Barroso und Tobias Poprick, die Teilnahme.2
Bericht von Tobias Poprick

Etwa 1.975 Kilometer von der japanischen Hauptinsel entfernt liegt Ishigaki, eine kleine Insel mit knapp 49.500 Einwohner*innen. Auf dieser Insel wurde zur MMM7 geladen, zu einer der international wichtigsten Konferenzen und Netzwerktreffen zum Thema Mangroven.
© T.Poprick
MMM7 mit großer Themenvielfalt
Abgehalten innerhalb der japanischen Kultur, die nicht respektvoller, freundlicher und organisierter sein könnte, trafen sich 336 Menschen aus 41 Ländern, um sich über den aktuellen und zukünftigen Status von Mangroven auszutauschen. Neben bedeutsamen Erkenntnissen in den Sozialwissenschaften und der Ökologie bis zu kritischen und innovativen Perspektiven auf Restaurationsprojekte war die Bandbreite der Themen sehr divers.
Mangroven auf dem Vormarsch
Präsentationen von Thomas Worthington und Daniel Friess zeigten einen neuen Trend der „natürlichen“ Ausbreitung der Mangroven. Einem Trend, der seit 2010 in eine neue Richtung zeigt und Hoffnung macht. Hoffnung auf ein Zeitalter des stetigen Rückgangs an Verlusten, Ausbreitungen in neue geeignete Gebiete und dichtere, „stabilere“ Wälder – die sich resilienter als gedacht dem Klimawandel entgegenstellen.3

Trendwende vor allem in Südostasien
Die immensen Restaurationsprojekte, Aufklärungsarbeit, strengere Gesetze gegen Abholzung, enge Zusammenarbeit lokaler Gemeinden, Regierungen und Wissenschaft und vieles mehr hat dazu beigetragen, diese Trendwende einzuläuten. Hierbei sind vor allem in Südostasien Erholungen und Zuwächse zu verzeichnen. Dort wurden bis 2010 in weiten Teilen enorme Verluste dokumentiert.
MMM7 warnt vor anhaltenden Mangrovenverlusten in Afrika
Leider ist die Mangroventrendwende in West- und Zentralafrika bislang nicht zu erkennen. Verluste sind weiterhin enorm. Dementsprechend ist die Trendwende mit Vorsicht zu genießen, betonten die versammelten Experten.
Hinzu kommt, dass man bislang nur auf ganz kleinen, vor allem regionalen Skalen weiß, wie es um viele Mangrovengebiete tatsächlich bestellt ist.
Nicolas Moity von der Charles Darwin Foundation (Galapagos) mit Tobias Poprick vor dem Poster zu seiner Masterarbeit „Variation of functional traits of three mangrove species across the Galapagos archipelago“ auf der MMM7 in Ishigaki, Japan.

Auch über Folgeschäden von Extremwetterereignissen wie beispielsweise 2026 im Zusammenhang mit dem angekündigten Super-El-Niño können wir aktuell nur spekulieren.
Wer hat Angst vor dem Mangrovenwald?
Interessant war vor allem auch der MMM7-Vortrag von Farid Dahdouh-Guebas, Professor an der Universität Brüssel. Er beleuchtete gängige und überraschende Mythen und Missverständnisse (misconceptions) über Mangroven. Dadurch wurde deutlich, dass wir vor allem in der (Wissenschafts-) Kommunikation noch viel Arbeit betreiben müssen und Perspektivwechsel erzeugen sollten.
Beispielsweise wird das Ökosystem Mangroven nach wie vor gesellschaftlich eher als sehr gefährlich eingestuft. Vor allem wurde das deutlich durch viele übermittelte Zeichnungen und Darstellungen, auf welchen in Verbund mit Mangroven immer wieder „gefährliche“ Tierarten zu sehen waren. Das befördert natürlich ein Image, welches gesellschaftlich zu Unbehagen führt und somit Schutzmaßnahmen beeinflusst.4
Projektvorstellung auf der MMM7
Ich hatte das Privileg, mein Masterprojekt „Funktionale Ökologie und Populationsgenetik der Mangroven auf Galapagos“ auf der MMM7 vorstellen zu dürfen.

Diese Konferenzreihe ist etwas Einzigartiges. Denn fernab aller akademischen Level trifft man hier auf Gleichgesinnte, die der gleichen Passion folgen – dem Schutz dieses wertvollen Ökosystems.
Eine kollektive Überzeugung, die nicht selten zu wertvollen Kooperationen und Veränderungen beigetragen hat. Ein Netzwerktreffen, welches nicht familiärer sein könnte – denn mittlerweile ist sogar die jüngste Generation an Mangroven-Enthusiasten beteiligt. Die renommiertesten Experten bringen ihre Kinder zu diesen Events mit und lassen sie daran teilhaben.
Ich bin unendlich dankbar, erneut die Chance gehabt zu haben, zu einer MMM-Konferenz reisen zu können.5
Fotos ohne weitere Angaben: © privat
- Der Name leitet sich von den bodenbewohnenden Organismen (Makrobenthos) ab. Dies sind unter anderem Krabben, Schnecken und Würmer. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Nahrungsnetz von Mangrovenwäldern und für ihre Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Was einst als kleine Konferenz für Benthos-Studien begann, hat sich zu einem umfassenden Forum entwickelt. Heute diskutieren die Teilnehmer auf den MMM-Konferenzen über globale Themen wie Küstenschutz, die Klimakrise, die CO2-Speicherkapazität von Mangrovenwäldernfür blauen Kohlenstoff (Blue Carbon), Artenschutz, Wiederaufforstung und die Einbindung lokaler Küstengemeinden. ↩︎
- Posterpräsentationen auf der MMM7-Konferenz:
P051 Tobias Poprick, Variation of functional traits of three mangrove species across the Galapagos archipelago
P116 Mariana Mota Barroso, Stand age effects on organic matter dynamics in the Matang Mangrove Forest Reserve, Malaysia ↩︎ - Zhen Zhang et al., Unexpected expansion and regrowth in Earth’s mangrove forests over the past four decades.Science392,1082-1087(2026). DOI:10.1126/science.aec9773 ↩︎
- Historische Zeichnungen und Gemälde aus Büchern und vor allem Nationalpark-Logos und Illustrationen in und von verschiedenen Nationalparks. So ist auf einem der vom Everglades National Park eingesetzten Logos ein Alligator abgebildet. ↩︎
- Wir hatten Tobias Poprick bei seiner Teilnahme an der MMM6 in Cartagena, Kolumbien, unterstützt. Dort wurde sein Projektposter mit dem „Best Student Poster Presentation Award“ ausgezeichnet. ↩︎
