Robbenzentrum Föhr – Walrettung in der Nordsee

Sie sind da, wenn eine kleine Robbe die Mutter verloren hat oder verletzte und kranke Meeressäugetiere wie Seehunde, Kegelrobben oder Schweinswale Hilfe benötigen: die Helfer vom Robbenzentrum Föhr.

Projektinhalte

  • Rettung und Pflege von kranken, verletzten und gestrandeten Meeressäugern (Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale)
  • Strandsäuberungsaktionen
  • Aktion „Kippenfreies Föhr“
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen, Führungen, Tage für Kinder

Fakten zum Projekt

Projektname
Rettung und Pflege von Meeressäugern in Not
Projektregion
Insel Föhr, Insel Amrum
Laufzeit
Seit 2020/unbegrenzt
Partnerorganisation
Robbenzentrum Föhr in Wyk auf Föhr
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 14

Ein einzelnes Meeressäugetier zu retten, verändert nicht den gesamten Ozean. Aber für dieses eine Tier bedeutet es alles. Im Robbenzentrum Föhr beginnt Meeresschutz genau dort: bei der Hilfe für verletzte, verwaiste und gestrandete Robben und andere Meeressäuger – rund um die Uhr, jeden Tag, mit Fachwissen und Verantwortung.

Walrettung mit Happy End

Am nördlichen Außendeich der Nordseeinsel Föhr steckte Ende März 2026 ein Schweinswal bei Ebbe im Schlick fest. Eigentlich ein Todesurteil. Doch er hatte Glück im Unglück.

Eine Fahrradfahrerin entdeckte ihn rechtzeitig und informierte das Robbenzentrum. Dort fackelte man nicht lange, befreite den Wal aus seiner Not und transportierte ihn vorsichtig in einer Schubkarre liegend und mit feuchten Tüchern abgedeckt zum Wyker Sportboothafen, wo er dann endlich wieder in sein Element, ins Wasser, zurückkehrte.

Ein Schweinswal liegt im Watt.

Der kleine Wal musste schnellstens wieder ins tiefe Wasser, da er offenbar schon länger dort gelegen hatte. Wer die Nordsee kennt, weiß, wie weit das tiefe Wasser bei Ebbe „weg“ ist.

Die Walretter setzten den geretteten Schweinswal vorsichtig ins Hafenbecken. Er schwamm sofort und tauchte gleich lebhaft davon.

Hilfe für Robben in Not

Neben umfangreicher Informations- und Aufklärungsarbeit leistet die gemeinnützige Organisation kranken, verletzten und gestrandeten Meeressäugern Erste Hilfe und versorgt sie veterinärmedizinisch. Die Helfer sind an 365 Tagen und rund um die Uhr erreichbar. Nach erfolgreicher Rehabilitation unterstützt das Zentrum auch die Auswilderung der Tiere.

Robbenzentrum Föhr: Jedes Tier, das Hilfe braucht, bekommt auch Hilfe!

Das Robbenzentrum in Wyk auf Föhr wurde im Mai 2010 von der Tierärztin Janine Bahr- van Gemmert und dem Robbenspezialisten Andrè van Gemmert gegründet.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildung im Robbenzentrum

Zusätzlich bietet das Zentrum vielfältige Möglichkeiten für verständliche Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen, Führungen und spezielle Tage für Kinder.

Da das Infozentrum mittlerweile etwas „in die Jahre“ gekommen ist, soll es neugestaltet werden. Pläne und Konzepte für die Neugestaltung der Dauerausstellung im Innen- und einen neuen Außenbereich sind erstellt. Jetzt fehlt es noch an der Finanzierung.

Es gilt, Kosten zwischen 280.000 und 300.000 € zu stemmen. In der neuen Ausstellung sollen spezielle Themenbereiche klar voneinander gegliedert und modern gestaltet präsentiert werden. Angefangen bei „unseren“ Meeressäugern, Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund, bis zu Problemen wie Plastikmüll im Meer, mit denen Meerestiere weltweit zu kämpfen haben.

Auch die an der Nordsee typischen Lebensräume Sandflächen, Wattflächen, Deich und ihre Funktion im Ökosystem werden anschaulich dargestellt. Neben interaktiven Mitmach-Elementen für spielerische Wissensvermittlung gibt es zudem einen gesonderten Kinderbereich.

Jahresrückblick 2025 vom Robbenzentrum Föhr.

Roll-up-Ausstellung „Kein Plastik Me(h)er“

Seit dem Frühjahr 2025 ist unsere Roll-up-Ausstellung „Kein Plastik Me(h)er“ als Dauerausstellung im Robbenzentrum Föhr zu sehen. Passend dazu liegen unsere Flyer „Plastik im Meer“ und „Kleine Meerestiere, großes Leid!“ sowie Infomaterialien des Robbenzentrums aus.1

Unsere Roll-Up-Ausstellung „Kein Plastik Me(h)er“ im Robbenzentrum Föhr.

„Heulersaison“ ist Alarmsaison für das Robbenzentrum

Jedes Jahr im Frühsommer beginnen die harten Tage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Robbenzentrums. Seehunde, die wohl bekanntesten Bewohner des schleswig-holsteinischen Wattenmeers, bekommen Nachwuchs.

Immer wieder verlieren nicht entwöhnte Welpen den Kontakt zu ihren Müttern. Häufig, weil Menschen, z. B. Wattwanderer, nicht genug Abstand halten. Oder weil Schiffe zu nah an Seehundbänke heranfahren. Aber auch Nordseestürme, Todesfälle in Stell- oder Geisternetzen oder Verluste durch Kegelrobben können Ursachen dafür sein, dass Mütter nicht mehr zurückkehren.

Solcherart von der Mutter getrennte Seehundwelpen nennt man „Heuler“. Denn sie rufen (heulen) mit tiefen, heiseren Tönen. Das klingt für unsere Ohren nach Verzweiflung, Not und Einsamkeit. Auf sich allein gestellt, haben die Kleinen keine Überlebenschance.

Die Seehundbabys Kleiner Onkel und Judith auf ihren Liegeplätzen.

Kleiner Onkel und Judith auf ihren Liegeplätzen im Robbenzentrum Föhr.

Auf Föhr und soweit möglich, auch auf der Nachbarinsel Amrum stranden jedes Jahr zahlreiche verletzte, kranke oder verlassene Robbenwelpen und Jungtiere. Wenn die Tierretter rechtzeitig zur Stelle sind, können sie die meisten von ihnen gesund pflegen.

UN-Nachhaltigkeitsziele

UN-Nachhaltigkeitsziel 14 Leben unter Wasser.
  1. Premiere hatte die Ausstellung während der Hamburger Langen Nacht der Museen 2024 auf dem Museumsschiff „Rickmer Rickmers“. ↩︎
Die kleinen Lungenwurmpatienten wurden in der niederländischen Auffangstation gesund gepflegt und dann wieder ausgewildert. © Mariella En Henri Janssen

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

alle Fotos: © Robbenzentrum Föhr


Weiterführende Informationen

Israel: Renaturierung von Höhlen für Mönchsrobben

Die Meeresschutzorganisation Delphis aus Ashdod will die dauerhafte Rückkehr von Mönchsrobben an die Mittelmeerküste Israels ermöglichen. Bis 2010 galt die einzige Robbenart des Mittelmeers hier als lokal ausgestorben. Doch seit 2010 tauchen einzelne Tiere sporadisch an der 200 km langen Mittelmeerküste auf. Um diese auf natürlichem Wege erfolgende Besiedelung dauerhaft zu stabilisieren, renaturiert Delphis für die Rückkehrer geeignete Rückzugsräume (Höhlen und Grotten). Begleitet wird dieses ungewöhnliche Renaturierungsprojekt von intensiver Aufklärungsarbeit und der Vernetzung wissenschaftlicher Ressourcen.

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugetierarten in Europa und die am stärksten gefährdete Robbenart.

Projektinhalte

  • Wiederherstellung und Bau von Höhlen zur Wiederansiedlung von Mönchsrobben
  • Bildungsprogramme (Lehrer, Schüler, Betreuer von Vorschulkindern).
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen und Führungen im Informationszentrum Dolphin & Sea Center in Ashdod

Fakten zum Projekt

Projektname
Die Rückkehr der Mittelmeer-Mönchsrobben nach Israel
Bringing the monk seals back to Israel
מהיעלמות לתקווה: סיפור חזרתו של כלב הים הנזירי לים התיכון
Projektregion
Mittelmeerküste von Israel
Laufzeit
Seit August 2023/unbegrenzt
Partnerorganisation
Delphis aus Ashdod
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 4, SDG 14

Keine Lebensräume für Mönchsrobben in Israel

Nach 50 Jahren Abwesenheit tauchten im Jahr 2010 zwei Mönchsrobben für eine wenige Tage dauernde Stippvisite auf. Seitdem dokumentierte Delphis fast 100 Sichtungen. Um wie viele Individuen es sich dabei handelte, ist nicht bekannt. Immerhin konnte man vier bereits bekannte Robben identifizieren. Wahrscheinlich handelte es sich um einzelne Tiere aus der türkischen Population.

Die fast 3 m großen und bis zu 300 kg schweren Robben benötigen für Menschen nicht zugängliche Höhlen zum Ruhen und für die Geburt ihrer Jungtiere.1 Diese gibt es an der israelischen Küste nicht mehr. Entweder sind sie eingestürzt oder zerstört oder kommen wegen touristischer Nutzung nicht infrage. Einige geeignete Standorte für Renaturierungsmaßnahmen konnte Delphis allerdings finden. Es handelt sich um eingestürzte oder teilzerstörte Höhlen.

Die ständige Anwesenheit dieser Küsten-Spitzenprädatoren wäre von unschätzbarem Vorteil für die Ökosystem-Stabilität und den Erhalt der Artenvielfalt in den israelischen Meeresschutzgebieten und entlang unserer Mittelmeerküste.
Dr. Aviad Scheinin, Apexraubtierforscher, Delphis-Projektmitarbeiter

Mittelmeer-Mönchsrobbe schaut aus dem Wasser.
© Edith und Jürgen Fleissner

Im März 2023 veröffentlichte Delphis eine umfassende Bestandsaufnahme zum Zustand der israelischen Mittelmeerküste als potenzieller Lebensraum für Mönchsrobben. Das Ergebnis war niederschmetternd.2

  • Für eine dauerhafte Rückkehr gibt es in Israel keine geeigneten Lebensräume mehr.
  • Die meisten Höhlen sind eingestürzt oder wurden verändert.
  • Höhlen sind durch den Anstieg des Meeresspiegels und intensiven Tourismus nicht mehr für die Tiere nutzbar.

„Mönchsrobben, die die israelische Küste erreichen, finden nur einige wenige Höhlen vor, die für eine kurze Rast geeignet sind, mehr aber auch nicht“, erklärt Dr. Mia Elasar von Delphis.

Weibliche Mittelmeer-Mönchsrobbe ruht in einem Wellenbrecher der Marina Hertzelia.
Ein Wellenbrecher ist kein guter Ruheplatz,
© Delphis/Shumlik Landau

Delphis dokumentiert erstmals Totfunde

2025 gab es vier Sichtungen von Mönchsrobben entlang der zentralen und nördlichen Mittelmeerküste Israels. Außerdem wurden zwei Robben tot angespült. Dies war das erste Mal seit Beginn der Überwachung von Strandungen von Meeressäugern in Israel in den 1990er Jahren, dass Mönchsrobben-Totfunde dokumentiert wurden. Eines der gestrandeten Tiere war ein Weibchen.

Analysen regionaler Meeresströmungen zum Zeitpunkt der Strandung ergaben, dass diese Robbe höchstwahrscheinlich aus der Region Zypern stammte. Zypriotische Forscher erhielten eine DNA-Probe, um ihre Herkunft genauer aufzuklären.

Tote Mönchsrobbe am Strand bei Ma'agan Micha'el.
Delphis Mitarbeiter untersuchen eine tote Mönchsrobbe,
Strand bei Ma’agan Micha’el, © Amit Elasar

Engagierte Delphis-Freiwillige werteten im Jahr 2025 mehr als 30.000 Fotos von Überwachungskameras aus. Diese sind in mehreren Höhlen angebracht. Die Fotos wurden über einen Zeitraum von etwa achtzehn Monaten aufgenommen.

Um Mittelmeer-Mönchsrobben die Möglichkeit zu geben, in Israel wieder heimisch zu werden, renaturiert Delphis vorhandene Höhlen. Ein Beispiel sind die Höhlen im Meeresschutzgebiet Rosch HaNikra. Sie stürzten in den 1990er-Jahren ein.

Mönchsrobbe Maya ruht sich aus, Höhle bei Rosh Hanikra, israelische Mittelmeerküste.

Regelmäßiger Gast in der Gegend um Rosch HaNikra ist die Mönchsrobbe Maya. Sie wurde von 2010 bis 2018 fünfmal gesichtet. Hier ruht sie sich in der Rosh-HaNikra-Höhle aus.
© Avinoam Bardes

Mitarbeiter von Delphis inspizieren mit Harris Nicolaou vom zyprischen Landwirtschaftsministerium die Höhle in Rosh Hanikra.

Im Frühjahr 2025 begann Delphis unter der fachlichen Anleitung von Harris Nicolaou vom zypriotischen Landwirtschaftsministerium mit der Sanierung der natürlichen Meereshöhle in Rosh HaNikra an der Grenze zum Libanon.

Im Zuge der Zusammenarbeit mit den zypriotischen Wissenschaftlern stellte sich heraus, dass die Mönchsrobbe Maya (siehe oberes Foto) mindestens zweimal in einer Höhle im Nordwesten Zyperns Nachwuchs hatte.

Zusätzlich plant Delphis den Bau künstlicher Höhlen, wie am Küstenabschnitt zwischen HaBonim und Ma’agan Micha‘el. Zusammen mit zwei restaurierten Höhlen in Rosch HaNikra, die beide in einem Meeresschutzgebiet liegen, könnte das Gebiet einen attraktiven Lebensraum für Robben bilden.

Entgegen allen Erwartungen hat sich die Population der Mittelmeer-Mönchsrobben in den vergangenen Jahren leicht erholt. Man schätzt, dass es rund 700 Individuen gibt. Etwa 400 von ihnen leben an den Küsten Griechenlands, Zyperns und der Türkei.

„Es gibt Grund zum Optimismus“, sagt Dr. Mia Elasar. „Wenn wir wollen, dass sie hierbleiben, müssen wir ihnen Orte bieten, an denen sie ungestört leben können. Wir müssen ein Zuhause für sie schaffen.“

Delphis betreibt in Ashdod ein Informationszentrum: das Dolphin & Sea Center. Hier werden Bildungsprogramme, Führungen und Erlebnistouren für Jung und Alt rund um das Thema Delfine, Mönchsrobben und andere Meerestiere des Mittelmeers angeboten.

Das Dolphin & Sea Center von Delphis in Aschdod, Israel.

Im Jahr 2025 startete Delphis mit Unterstützung des Ministeriums für regionale Zusammenarbeit das Sea-Beyond-Projekt. Damit will man eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Ländern des Mittelmeerraums mit einem Schwerpunkt auf Mittelmeer-Mönchsrobben fördern.3

Im Jahr 2026 plant Delphis eine Ausweitung des Projekts durch verstärkte Forschungsaktivität, verstärkte Sanierungs- und Naturschutzmaßnahmen, den Ausbau von Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie den Aufbau tiefergehender langfristiger regionaler Partnerschaften.

Im Laufe des Jahres 2025 erweiterte Delphis weiterhin seine Bildungsprogramme und stärkte die Verbindung zwischen Meeresbildung, Bürgerwissenschaft, pädagogischer Innovation und Gemeinschaftsbeteiligung (Yulia-Projekt). Damit konnte man im zweiten Jahr in Folge Fortbildungsangebote für das israelische Bildungssystem bereitstellen.

Es fanden zwei landesweite Workshops zur beruflichen Weiterbildung für Lehrer der Naturwissenschaften aus Grund- und Mittelschulen statt. Im Anschluss an diese Workshops entwickelten Hunderte Schüler kreative Vorschläge für die Rückkehr der Mönchsrobben an die Mittelmeerküste Israels.

Die so entwickelten Projektideen fußten auf ingenieurwissenschaftlichen, technologischen und sozialen Lösungsansätzen. Sie verknüpften dabei ganzheitliche Denkansätze mit der praktischen Anwendung von Wissenschaft zur Lösung komplexer Umweltherausforderungen.

Aus diesen Vorschlägen wurden drei herausragende ausgewählt und dem Präsidenten Israels, Isaac Herzog, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz vorgestellt.

Isaac Herzog, Präsident von Israel, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz 2025.
Der Präsident Israels, Isaac Herzog, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz.

Mönchsrobbe Yulia verzaubert die Menschen

Die Vision, den Mönchsrobben wieder Lebensräume in Israel zu bieten, erschien anfangs wie ein ferner Traum. Dann kam Yulia. Seelenruhig suchte die etwa 2 m große Robbe für ihren Fellwechsel im Mai 2023 verschiedene Strände an der israelischen Mittelmeerküste auf.

Yulia an einem Strand von Tel Aviv, Israel.
© Gil Lupo, Delphis

„Nur zwei Monate nach dem Start des Projekts beschloss eine Mittelmeer-Mönchsrobbe aus eigenem Antrieb, ohne auf eine offizielle Einladung zu warten, in unserem Land aufzutauchen“, schreibt Delphis augenzwinkernd über Yulia. Sie kam Mitte Mai 2023 an einen Strand bei Tel Aviv-Jaffa und blieb dort eine Weile.

Ganz untypisch für diese sonst eher scheuen Robben robbte Yulia an Land. Von den vielen herbeigeeilten Schaulustigen ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Im Gegenteil: Sie ruhte sich von ihrer langen Reise von der türkischen Mittelmeerküste aus und sonnte sich ausgiebig. Freiwillige von Delphis und Behördenmitarbeiter stellten rund um die Uhr sicher, dass sie nicht gestört würde.

Yulia ist keine Unbekannte: Das reisefreudige, etwa 20 Jahre alte Weibchen wurde erstmals 2007 in der Türkei gesichtet. Türkische Forscher erkannten sie auf den Fotos aus Israel. In der Türkei trug die Robbe allerdings andere Namen. Eine Forschergruppe nannte sie Tugra, eine andere Gulgez.

Yulia verzaubert die Menschen in Israel.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

  1. Experten gehen davon aus, dass die einzigen Robben des Mittelmeers früher Sandstrände zum Ausruhen und zur Geburt der Jungen nutzten. Nach Jahrzehnten intensiver Bejagung und anschließend einsetzenden, bis heute anhaltenden Störungen durch den Tourismus, zogen sie sich jedoch zunehmend in schwer zugängliche Felsenhöhlen zurück. ↩︎
  2. Roditi-Elasar, M., Bundone, L., Goffman, O., Scheinin, A. P. and Kerem, D.H. 2021. Mediterranean monk seal (Monachus monachus) sightings in Israel 2009-2020: Extralimital records or signs of population expansion? Marine mammal Science 37: 344-351. DOI: 10.1111/mms.12734 ↩︎
  3.  Das Projekt „SeaBeyond – Blue Bridges“ wird mit Unterstützung des Ministeriums für regionale Zusammenarbeit und in Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen, Regierungsstellen und Umweltorganisationen aus der Region durchgeführt. Es soll den Schutz der Mönchsrobben durch wissenschaftliche Forschung, Aufklärung der Bevölkerung und regionalen Dialog zwischen den Ländern des Mittelmeerraums fördern ↩︎

Titelfoto: Mittelmeer-Mönchsrobbe Yulia.
Alle Fotos © Delphis (soweit nicht anders angegeben)


Weiterführende Informationen

Jagd auf Delfine: Studie für die Walfangkommission

Im Jahr 2023 förderten wir Pro Wildlife e.V. für die Erstellung des Hintergrundberichts „Small cetaceans, even bigger problems“ (Kleine Meeressäuger, noch größere Probleme). Die gemeinsam mit WDC erstellte umfassende Studie über die Jagd auf Delfine und andere Kleinwale weltweit wurde im Februar 2024 veröffentlicht und erzeugte viel Aufmerksamkeit. Denn die recherchierten Zahlen der unter dem offiziellen Artenschutz-Radar stattfindenden Nutzung kleinerer Meeressäuger überraschten die Fachwelt und Medien gleichermaßen. Jedes Jahr sterben ca. 100.000 Delfine und andere Kleinwale durch direkte Jagd: darunter auch solche, die auf der Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN stehen! Man nutzt ihr Fleisch als „Bushmeat aus dem Meer“ zur Nahrungsversorgung oder als Köder in der Hai-Fischerei.

Hinzu kommen zahlenmäßig nicht erfassbare Beifangverluste in der Industriefischerei, wie beim Einsatz von Supertrawlern oder pelagischen Stellnetzen. Letztere sind für die hohen Beifangverluste unter unseren heimischen Schweinswalen in Nord- und Ostsee verantwortlich.

Bibliothek des Grauens zur Jagd auf Delfine und andere Kleinwale

Für die Studie werteten die Artenschutzexperten mehr als 250 wissenschaftliche Studien, Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus. Die berechnete Gesamtzahl der im Kontext menschlicher Nahrungsversorgung getöteten Delfine und anderen Kleinwale ist seit einem früheren Bericht von 2018 noch weiter gestiegen.

„Die Vielzahl der Länder, in denen man derzeit erbarmungslos Jagd auf die kleinen Meeressäuger macht, ist erschütternd“, so Ulrich Karlowski, Biologe von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Ein Großer Tümmler wird zerlegt, Republik Kongo.
© Tim Collins

Artenschutz-Ungleichgewicht – Größe entscheidet über Leben und Tod

Für Großwale wie Buckel-, Finn- oder Blauwale gelten Jagdverbote und strikte internationale Handelsverbote (an die sich die Walfangländer Island, Japan und Norwegen nicht halten). Kleinwale dagegen sind nicht durch das Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) geschützt.

Bericht Jagd auf Delfine und andere Kleinwale.

Der Bericht „Small cetaceans, even bigger problems“ entlarvt Länder wie Dänemark, Russland, Japan und Peru, die verhindern, dass sich an dieser Situation etwas ändert. Deshalb sind Delfine und andere Kleinwale in vielen Ländern nahezu vogelfrei. Auf internationaler Ebene gibt es nur einen Flickenteppich aus Artenschutzbestimmungen.

In Europa denkt man beim Thema Jagd auf Delfine vermutlich an die Delfinmassaker auf den nordeuropäischen Färöer-Inseln oder an die Bilder aus der berüchtigten Bucht des japanischen Fischerstädtchens Taiji. Doch auch andernorts sind die Meeressäuger durch direkte Jagd gefährdet. Und das in erheblichem und zunehmendem Umfang!

Jagd auf Delfine und andere Kleinwale: globale Top 10

  • Peru: bis zu 15.000 Tiere (v. a. Köder für die Haifischerei)
  • Ghana: annähernd 10.000 Tiere, zunehmend (kommerzialisierter Beifang, nun v. a. als Hai-Köder)
  • Nigeria: fast 10.000 Tiere, zunehmend (kommerzialisierter Beifang)
  • Brasilien: 5–10.000 Tiere, zunehmend (v. a. als Köder in der Fischerei)
  • Venezuela: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (als Fleisch, Köder in der Fischerei und für religiöse Rituale)
  • Grönland: > 5.000 Tiere, zunehmend (deutlich über nachhaltigem Level stattfindende Subsistenzjagd)
  • Taiwan: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (v. a. als Köder für die Fischerei, auch auf hoher See)
  • Indonesien: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (für Fleischmarkt und als Fischerei-Köder)
  • Südkorea: mehrere Tausend Tiere, vermutlich zunehmend (für Fleischmarkt und Köder in der Fischerei)
  • Indien: mehrere Tausend Tiere (für Fleischmarkt und als Fischerei-Köder)

Jedoch jagt man Delfine und andere Kleinwale noch in vielen anderen Ländern. Darunter Kanada oder Malaysia. Lediglich in Japan sank in den vergangenen 20 Jahren die Zahl getöteter Delfine von mehr als 18.000 auf weniger als 1.900 Tiere.

Warum müssen so viele kleine Meeressäuger sterben?

Delfine und andere Kleinwale enden jedoch nicht nur als Nahrungsmittel oder als Haiköder. Der Bericht deckt weitere Nutzungsarten auf, wie:

Jagd auf Delfine: vier getötete Clymene-Delfine liegen and einem Strand in Ghana.
Clymene-Delfine, Ghana. © Prowildlife
  • Delfinöl als Wundermittel gegen Corona-Infektionen (Orinoko-Becken in Südamerika) oder
  • Delfinzähne als begehrter Brautschmuck auf den Salomonen

Allerdings ist nicht nur das Ausmaß der Jagd erschreckend, sondern auch ihre Grausamkeit. Die Fischer setzen Harpunen, Speere, Lanzen, Macheten, Gewehre, Messer oder Haken ein. Auch der Einsatz von Dynamit ist dokumentiert.

Vernichtungsfeldzug der Fischer

In vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens verzeichnet man einen drastischen Anstieg der Jagd auf Delfine. Das Fleisch der Meeressäuger dient als Köder für die boomende Fischerei auf Hai, Thunfisch, Piracatinga (ein welsartiger Fisch im Amazonas). Damit ist eine doppelte Tier- und Artenschutz-Tragödie entstanden: Die begehrten Fischarten sind bereits überfischt. Um trotzdem noch Beute machen zu können, töten und zerschneiden die Fischer Delfine und nutzen das Fleisch an Langleinenhaken oder in Reusenfallen.

Viele Fischer sehen in Delfinen und anderen Kleinwalen ohnehin verhasste Konkurrenten um die letzten Fische – entsprechend brutal gehen sie auch bei der Jagd auf die kleinen Meeressäuger vor.

Faktenbasierte Überzeugungsarbeit

Der Bericht „Small cetaceans, even bigger problems“ dient als Grundlage für Überzeugungsarbeit bei politischen Entscheidungsträgern im Vorfeld der 69. IWC-Tagung im Herbst 2024. Die Tagung wird in Peru stattfinden, einem der Länder, in denen Fischer jedes Jahr viele Tausend Delfine in großer Zahl jagen.

Ziel ist es, den Weg für eine IWC-Resolution zu bereiten, die die Jagd auf Delfine und Kleinwale verurteilt und einen strengeren Schutz einfordert. Für einzelne Arten, die auch für den internationalen Handel relevant sind (z. B. Narwale), soll der Bericht auch die Grundlagen liefern, um ggf. Schutzinitiativen für die CITES-Konferenz (Washingtoner Artenschutzübereinkommen) im Frühjahr 2025 den Weg zu ebnen.

Bericht Jagd auf Delfine und andere Kleinwale.

Download des Berichts von Pro Wildlife und WDC:

Titelfoto: Jagd auf Delfine, Salomon-Inseln. © Dolphin Project


Zum Hintergrund: Artenschutzexpertin Dr. Sandra Altherr

Projektleiterin der Berichterstellung ist Dr. Sandra Altherr. Die Diplom-Biologin nimmt seit 1999 für Pro Wildlife als akkreditierte Beobachterin an den IWC-Konferenzen und an den Treffen von CITES teil. Entsprechend verfügt sie über exzellente Kontakte zu Delegierten der Mitgliedsstaaten und ist mit Tier- und Artenschutzorganisationen weltweit hervorragend vernetzt.

Im September 2018 förderten wir die Teilnahme von Sandra Altherr an der 67. Tagung der Internationalen Walfangkommission, die im brasilianischen Florianópolis stattfand. Damals stand zum wiederholten Mal das weltweite Walfangverbot auf dem Spiel. Doch es wurde ein Sieg für die Wale! Japans Antrag wurde mit 41 zu 27 Stimmen abgelehnt. Neben den klassischen Walfangbefürwortern Island und Norwegen unterstützten hauptsächlich Länder aus Afrika und dem asiatischen Raum den Antrag für den Walfang.


Weiterführende Informationen

Meerestiere in der Adria 2021

Spezialisierte Veterinäre der Tierärztlichen Fakultät der Uni Zagreb kümmern sich seit vielen Jahren in der kroatischen Adria um Meeressäuger und andere Meerestiere in Not. Meist jedoch geht es um die Bergung von gestrandeten oder im Meer treibenden toten Walen oder Delfinen. Denn die Zagreber Tierärzte sind dafür zuständig, die Todesursachen von in kroatischen Küstengewässern gestorbenen Meeressäugetieren herauszufinden. So auch 2021, als 28 Totfunde gemeldet wurden, plus vier Nachträge aus dem Vorjahr. Darunter waren 25 Große Tümmler und 2 Streifendelfine. Bei fünf Tieren konnte die Art jedoch nicht mehr bestimmt werden. Bedauerlicherweise ließ sich bei keinem der gestrandeten Tiere die Todesursache feststellen. Denn coronabedingt konnte 2021 nur ein Kadaver geborgen werden. Doch es war auch ein spannendes Jahr, denn es gab einige nicht alltägliche Sichtungen.

Delfinrettung per Telefon

Delfinrettung bei Split im Oktober 2021
Foto: Pomorska policija

Zumindest in einem Fall gelang die Rettung eines Delfins vor dem sicheren Tod – per telefonischer Anleitung von Tierarzt Tom Gomerčić. Fischer hatten einen wie leblos im Wasser treibenden Großen Tümmler nahe der vor Split gelegenen kroatischen Insel Čiovo entdeckt. Er war verletzt und wirkte bereits sehr geschwächt. Seine Fluke war heillos in einem Seil verwickelt.

Über die kroatische Notrufnummer 112 forderten die Fischer Hilfe an. Gemeinsam mit einem dreiköpfigen Team der Wasserschutzpolizei gelang es den Helfern, das Tier mithilfe der telefonischen Anweisungen von Tom Gomerčić zu befreien.

Nach kurzer Zeit kam wieder Leben in den Delfin und er schwamm davon. Rettung geglückt!

Sichtungen Meerestiere in der Adria 2021

Meeressäuger

Große Tümmler (Tursiops truncatus) sind die einzigen Delfine, die das ganze Jahr über in den kroatischen Küstengewässern leben. Andere Meeressäuger schauen nur gelegentlich vorbei, vor allem wenn sie nahrungsreichen Wasserströmungen folgen.

So gab es – wie fast jedes Jahr – auch 2021 wieder eine dokumentierte Sichtung eines Finnwals (Balaenoptera physalus) im Juli bei Sušac in Süddalmatien.

Im Oktober erreichte uns eine Meldung über eine der seltenen Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) bei der Insel Pag und später noch einmal über eine Sichtung zweier Tiere bei Pula in Istrien. Mittelmeer-Mönchsrobben gelten in der Adria als ausgestorben. Man nimmt an, dass einzelne Jungtiere aus der griechischen Population in die Adria wandern.

Ganz außergewöhnliche Gäste besuchten im Frühjahr 2021 die Kvarner Bucht. Eine fünfköpfige Schule von Kleinen Schwertwalen (Pseudorca crassidens), darunter auch ein Kalb, wurde nahe dem Container-Terminal in Rijeka mehrfach gesichtet, wie der Biologe Draško Holcer und seine Kollegen berichten. Es ist die erste dokumentierte in der kroatischen Adria seit einem historischen Beleg aus dem Jahr 1936. Im gesamten Mittelmeer kommt die Art nur gelegentlich vor.

Zu den Meerestieren in der Adria zählten 2021 auch Kleine Schwertwale.

Kleine Schwertwale, die zur Delfinfamilie zählen, erreichen Größen von 5 bis 6 m. Foto: iStock.com/Debra McGuire

Meeresschildkröten

Eine Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) hatte es in die Gegend von Maslenica in Norddalmatien verschlagen – leider mit Ballast: Sie war in einem Fischernetz verheddert. Aufmerksame Bootsfahrer entdeckten das Meeresreptil, konnten es befreien und so vor einem qualvollen Tod bewahren! Lederschildkröten sind gefährdet und tauchen nur noch sporadisch in der kroatischen Adria auf.

Eine Touristin berichtete uns im August 2021 außerdem von der Sichtung einer Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) bei der Insel Vrgada. Die Art ist die häufigste der drei in der Adria vorkommenden Schildkrötenarten.

Meeresschildkröte in der Adria.

Foto: Mariella En Henri Janssen

Haie und Rochen

Zu den ungewöhnlichen Meerestieren in der Adria des Jahres 2021 zählte auch ein Riesenhai (Cetorhinus maximus). Er wurde im März zwischen der Insel Cres und dem Ort Koromačno in Istrien entdeckt. Diese mit bis zu 12 m Länge zweitgrößte Fischart ist stark gefährdet.

Mehrfach erreichten uns auch Sichtungen von Blauhaien (Prionace glauca), etwa bei den Inseln Vis, Korčula und im Norden vor der Hafenstadt Rijeka. Im Mittelmeer gilt die Art als vom Aussterben bedroht.

Im September meldete man uns sogar die Sichtung eines Meeresteufels (Mobula mobular) bei der kroatischen Insel Žirje. Die zu den Teufelsrochen zählende Art ist in der Adria eher selten. Vor allem in den Sommermonaten sollen sie mitunter teils zu Hunderten oder gar Tausenden im offenen Meer im südlichen und zentralen Teil der Adria zusammenkommen. Die Art gilt weltweit als stark gefährdet.

Mondfisch

Diese außergewöhnliche Fischart fingen Hobbyangler im Juli nahe der Insel Cres. Sie ließen das rund 200 kg schwere Tier zum Glück jedoch wieder frei. Mondfische zählen zu den schwersten und größten Knochenfischen. Weltweit gelten sie nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet.

Mola mola mit Taucher: auch Mondfische gehören zu den Meerestieren in der Adria.

Mondfische der Art Mola mola werden durchschnittlich 1,80 m groß und 1 t schwer. Foto: © istock.com/Michael Zeigler


Bedrohte Artenvielfalt in der Adria

In unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“ stellen wir insgesamt 32 Meerestiere in der Adria von Groß bis Klein vor: von Walen, Delfinen und Mönchsrobben über Haie, Schildkröten und Thunfische bis zu Seepferdchen.

Broschüre Bedrohte Artenvielfalt in der Adria: Meeresschildkröten

Neben kurzen Steckbriefen und Wissenswertem zu den Arten stellen wir auch Informationen über Sichtungen und Gefahren für die Tiere bereit sowie Leitlinien zum korrekten Verhalten bei Begegnungen mit Meeressäugern. Ebenso informieren wir darüber, wie und wo man Hilfe im Falle von verletzten Tiere holt.

Ergänzend gibt es Tipps, wie jeder zum Schutz der Adria – und der Meere überhaupt – beitragen kann.

Titelfoto: Mitglieder des DSM-Teams im Einsatz nahe der Insel Ugljan bei Zadar. Fotoidentifikation von Adria-Delfinen. Foto: Martina Đuras


Weiterführende Informationen über Meerestiere in der Adria