Meeresschutz im Mittelmeer mit Delphis, Israel: Restauration von Höhlen für Mönchsrobben

Die Meeresschutzorganisation Delphis aus Ashdod will die dauerhafte Rückkehr von Mönchsrobben an die Mittelmeerküste Israels ermöglichen. Bis 2010 galt die einzige Robbenart des Mittelmeers hier als lokal ausgestorben. Doch seit 2010 tauchen einzelne Tiere sporadisch an der 200 km langen Mittelmeerküste auf. Um diese auf natürlichem Wege erfolgende Besiedelung dauerhaft zu stabilisieren, renaturiert Delphis für die Rückkehrer geeignete Rückzugsräume (Höhlen und Grotten). Begleitet wird dieses ungewöhnliche Renaturierungsprojekt von intensiver Aufklärungsarbeit und der Vernetzung wissenschaftlicher Ressourcen.

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugetierarten in Europa und die am stärksten gefährdete Robbenart.

Projektinhalte

  • Wiederherstellung und Bau von Höhlen zur Wiederansiedlung von Mönchsrobben
  • Bildungsprogramme (Lehrer, Schüler, Betreuer von Vorschulkindern).
  • Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen und Führungen im Informationszentrum Dolphin & Sea Center in Ashdod

Fakten zum Projekt

Projektname
Die Rückkehr der Mittelmeer-Mönchsrobben nach Israel
Bringing the monk seals back to Israel
מהיעלמות לתקווה: סיפור חזרתו של כלב הים הנזירי לים התיכון
Projektregion
Mittelmeerküste von Israel
Laufzeit
Seit August 2023/unbegrenzt
Partnerorganisation
Delphis aus Ashdod
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 4, SDG 14

Keine Lebensräume für Mönchsrobben in Israel

Nach 50 Jahren Abwesenheit tauchten im Jahr 2010 zwei Mönchsrobben für eine wenige Tage dauernde Stippvisite auf. Seitdem dokumentierte Delphis fast 100 Sichtungen. Um wie viele Individuen es sich dabei handelte, ist nicht bekannt. Immerhin konnte man vier bereits bekannte Robben identifizieren. Wahrscheinlich handelte es sich um einzelne Tiere aus der türkischen Population.

Die fast 3 m großen und bis zu 300 kg schweren Robben benötigen für Menschen nicht zugängliche Höhlen zum Ruhen und für die Geburt ihrer Jungtiere.1 Diese gibt es an der israelischen Küste nicht mehr. Entweder sind sie eingestürzt oder zerstört oder kommen wegen touristischer Nutzung nicht infrage. Einige geeignete Standorte für Renaturierungsmaßnahmen konnte Delphis allerdings finden. Es handelt sich um eingestürzte oder teilzerstörte Höhlen.

Die ständige Anwesenheit dieser Küsten-Spitzenprädatoren wäre von unschätzbarem Vorteil für die Ökosystem-Stabilität und den Erhalt der Artenvielfalt in den israelischen Meeresschutzgebieten und entlang unserer Mittelmeerküste.
Dr. Aviad Scheinin, Apexraubtierforscher, Delphis-Projektmitarbeiter

Mittelmeer-Mönchsrobbe schaut aus dem Wasser.
© Edith und Jürgen Fleissner

Im März 2023 veröffentlichte Delphis eine umfassende Bestandsaufnahme zum Zustand der israelischen Mittelmeerküste als potenzieller Lebensraum für Mönchsrobben. Das Ergebnis war niederschmetternd.2

  • Für eine dauerhafte Rückkehr gibt es in Israel keine geeigneten Lebensräume mehr.
  • Die meisten Höhlen sind eingestürzt oder wurden verändert.
  • Höhlen sind durch den Anstieg des Meeresspiegels und intensiven Tourismus nicht mehr für die Tiere nutzbar.

„Mönchsrobben, die die israelische Küste erreichen, finden nur einige wenige Höhlen vor, die für eine kurze Rast geeignet sind, mehr aber auch nicht“, erklärt Dr. Mia Elasar von Delphis.

Weibliche Mittelmeer-Mönchsrobbe ruht in einem Wellenbrecher der Marina Hertzelia.
Ein Wellenbrecher ist kein guter Ruheplatz,
© Delphis/Shumlik Landau

Delphis dokumentiert erstmals Totfunde

2025 gab es vier Sichtungen von Mönchsrobben entlang der zentralen und nördlichen Mittelmeerküste Israels. Außerdem wurden zwei Robben tot angespült. Dies war das erste Mal seit Beginn der Überwachung von Strandungen von Meeressäugern in Israel in den 1990er Jahren, dass Mönchsrobben-Totfunde dokumentiert wurden. Eines der gestrandeten Tiere war ein Weibchen.

Analysen regionaler Meeresströmungen zum Zeitpunkt der Strandung ergaben, dass diese Robbe höchstwahrscheinlich aus der Region Zypern stammte. Zypriotische Forscher erhielten eine DNA-Probe, um ihre Herkunft genauer aufzuklären.

Tote Mönchsrobbe am Strand bei Ma'agan Micha'el.
Delphis Mitarbeiter untersuchen eine tote Mönchsrobbe,
Strand bei Ma’agan Micha’el, © Amit Elasar

Engagierte Delphis-Freiwillige werteten im Jahr 2025 mehr als 30.000 Fotos von Überwachungskameras aus. Diese sind in mehreren Höhlen angebracht. Die Fotos wurden über einen Zeitraum von etwa achtzehn Monaten aufgenommen.

Um Mittelmeer-Mönchsrobben die Möglichkeit zu geben, in Israel wieder heimisch zu werden, renaturiert Delphis vorhandene Höhlen. Ein Beispiel sind die Höhlen im Meeresschutzgebiet Rosch HaNikra. Sie stürzten in den 1990er-Jahren ein.

Mönchsrobbe Maya ruht sich aus, Höhle bei Rosh Hanikra, israelische Mittelmeerküste.

Regelmäßiger Gast in der Gegend um Rosch HaNikra ist die Mönchsrobbe Maya. Sie wurde von 2010 bis 2018 fünfmal gesichtet. Hier ruht sie sich in der Rosh-HaNikra-Höhle aus.
© Avinoam Bardes

Mitarbeiter von Delphis inspizieren mit Harris Nicolaou vom zyprischen Landwirtschaftsministerium die Höhle in Rosh Hanikra.

Im Frühjahr 2025 begann Delphis unter der fachlichen Anleitung von Harris Nicolaou vom zypriotischen Landwirtschaftsministerium mit der Sanierung der natürlichen Meereshöhle in Rosh HaNikra an der Grenze zum Libanon.

Im Zuge der Zusammenarbeit mit den zypriotischen Wissenschaftlern stellte sich heraus, dass die Mönchsrobbe Maya (siehe oberes Foto) mindestens zweimal in einer Höhle im Nordwesten Zyperns Nachwuchs hatte.

Zusätzlich plant Delphis den Bau künstlicher Höhlen, wie am Küstenabschnitt zwischen HaBonim und Ma’agan Micha‘el. Zusammen mit zwei restaurierten Höhlen in Rosch HaNikra, die beide in einem Meeresschutzgebiet liegen, könnte das Gebiet einen attraktiven Lebensraum für Robben bilden.

Entgegen allen Erwartungen hat sich die Population der Mittelmeer-Mönchsrobben in den vergangenen Jahren leicht erholt. Man schätzt, dass es rund 700 Individuen gibt. Etwa 400 von ihnen leben an den Küsten Griechenlands, Zyperns und der Türkei.

„Es gibt Grund zum Optimismus“, sagt Dr. Mia Elasar. „Wenn wir wollen, dass sie hierbleiben, müssen wir ihnen Orte bieten, an denen sie ungestört leben können. Wir müssen ein Zuhause für sie schaffen.“

Delphis betreibt in Ashdod ein Informationszentrum: das Dolphin & Sea Center. Hier werden Bildungsprogramme, Führungen und Erlebnistouren für Jung und Alt rund um das Thema Delfine, Mönchsrobben und andere Meerestiere des Mittelmeers angeboten.

Das Dolphin & Sea Center von Delphis in Aschdod, Israel.

Im Jahr 2025 startete Delphis mit Unterstützung des Ministeriums für regionale Zusammenarbeit das Sea-Beyond-Projekt. Damit will man eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Ländern des Mittelmeerraums mit einem Schwerpunkt auf Mittelmeer-Mönchsrobben fördern.3

Im Jahr 2026 plant Delphis eine Ausweitung des Projekts durch verstärkte Forschungsaktivität, verstärkte Sanierungs- und Naturschutzmaßnahmen, den Ausbau von Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie den Aufbau tiefergehender langfristiger regionaler Partnerschaften.

Im Laufe des Jahres 2025 erweiterte Delphis weiterhin seine Bildungsprogramme und stärkte die Verbindung zwischen Meeresbildung, Bürgerwissenschaft, pädagogischer Innovation und Gemeinschaftsbeteiligung (Yulia-Projekt). Damit konnte man im zweiten Jahr in Folge Fortbildungsangebote für das israelische Bildungssystem bereitstellen.

Es fanden zwei landesweite Workshops zur beruflichen Weiterbildung für Lehrer der Naturwissenschaften aus Grund- und Mittelschulen statt. Im Anschluss an diese Workshops entwickelten Hunderte Schüler kreative Vorschläge für die Rückkehr der Mönchsrobben an die Mittelmeerküste Israels.

Die so entwickelten Projektideen fußten auf ingenieurwissenschaftlichen, technologischen und sozialen Lösungsansätzen. Sie verknüpften dabei ganzheitliche Denkansätze mit der praktischen Anwendung von Wissenschaft zur Lösung komplexer Umweltherausforderungen.

Aus diesen Vorschlägen wurden drei herausragende ausgewählt und dem Präsidenten Israels, Isaac Herzog, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz vorgestellt.

Isaac Herzog, Präsident von Israel, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz 2025.
Der Präsident Israels, Isaac Herzog, auf der Nationalen Jugendklimakonferenz.

Mönchsrobbe Yulia verzaubert die Menschen

Die Vision, den Mönchsrobben wieder Lebensräume in Israel zu bieten, erschien anfangs wie ein ferner Traum. Dann kam Yulia. Seelenruhig suchte die etwa 2 m große Robbe für ihren Fellwechsel im Mai 2023 verschiedene Strände an der israelischen Mittelmeerküste auf.

Yulia an einem Strand von Tel Aviv, Israel.
© Gil Lupo, Delphis

„Nur zwei Monate nach dem Start des Projekts beschloss eine Mittelmeer-Mönchsrobbe aus eigenem Antrieb, ohne auf eine offizielle Einladung zu warten, in unserem Land aufzutauchen“, schreibt Delphis augenzwinkernd über Yulia. Sie kam Mitte Mai 2023 an einen Strand bei Tel Aviv-Jaffa und blieb dort eine Weile.

Ganz untypisch für diese sonst eher scheuen Robben robbte Yulia an Land. Von den vielen herbeigeeilten Schaulustigen ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Im Gegenteil: Sie ruhte sich von ihrer langen Reise von der türkischen Mittelmeerküste aus und sonnte sich ausgiebig. Freiwillige von Delphis und Behördenmitarbeiter stellten rund um die Uhr sicher, dass sie nicht gestört würde.

Yulia ist keine Unbekannte: Das reisefreudige, etwa 20 Jahre alte Weibchen wurde erstmals 2007 in der Türkei gesichtet. Türkische Forscher erkannten sie auf den Fotos aus Israel. In der Türkei trug die Robbe allerdings andere Namen. Eine Forschergruppe nannte sie Tugra, eine andere Gulgez.

Yulia verzaubert die Menschen in Israel.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

  1. Experten gehen davon aus, dass die einzigen Robben des Mittelmeers früher Sandstrände zum Ausruhen und zur Geburt der Jungen nutzten. Nach Jahrzehnten intensiver Bejagung und anschließend einsetzenden, bis heute anhaltenden Störungen durch den Tourismus, zogen sie sich jedoch zunehmend in schwer zugängliche Felsenhöhlen zurück. ↩︎
  2. Roditi-Elasar, M., Bundone, L., Goffman, O., Scheinin, A. P. and Kerem, D.H. 2021. Mediterranean monk seal (Monachus monachus) sightings in Israel 2009-2020: Extralimital records or signs of population expansion? Marine mammal Science 37: 344-351. DOI: 10.1111/mms.12734 ↩︎
  3.  Das Projekt „SeaBeyond – Blue Bridges“ wird mit Unterstützung des Ministeriums für regionale Zusammenarbeit und in Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen, Regierungsstellen und Umweltorganisationen aus der Region durchgeführt. Es soll den Schutz der Mönchsrobben durch wissenschaftliche Forschung, Aufklärung der Bevölkerung und regionalen Dialog zwischen den Ländern des Mittelmeerraums fördern ↩︎

Titelfoto: Mittelmeer-Mönchsrobbe Yulia.
Alle Fotos © Delphis (soweit nicht anders angegeben)


Weiterführende Informationen