Unechte Karettschildkröten auf Boa Vista: erfolgreiche Eindämmung der Wildererei

Beim Schutz von Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) auf der zu den Kapverden gehörenden Insel Boa Vista setzt dieses Projekt bei der Wildereibekämpfung auf eine kluge Kombination moderner mit althergebrachten Strategien. Eingesetzt werden einheimische Ranger, Volontäre, Nachtsichtdrohnen, Nachtsichtgeräte, Ferngläser mit Wärmebildtechnik und speziell ausgebildete Artenschutzhunde. Mit diesem innovativen Ansatz im Wildtierschutz gelang es, die Wilderei erfolgreich zurückzudrängen. Seit Projektbeginn sank sie auf weniger als 0,2 % der jährlichen Nistpopulation. Entscheidend für den Erfolg sind das ausgeklügelte Zusammenspiel aller Projektbeteiligten und die Einbeziehung lokaler Polizeikräfte.

Die Kapverdischen Inseln im Atlantik sind nach Oman und Florida der drittgrößte Nistplatz für Unechte Karettschildkröten. An den Stränden von Boa Vista graben jährlich zwischen 5.000 und 30.000 weibliche Schildkröten ihre Nester zur Eiablage.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist Caretta caretta als gefährdet eingestuft. Die Kapverden-Nistpopulation des Nordatlantiks zählt zu den elf am stärksten bedrohten Meeresschildkröten-Populationen und gilt als stark gefährdet.

Fakten zum Projekt

Projektname
Schutz von Niststränden der Unechten Karettschildkröte
Projektregion
Kapverdische Inseln mit Schwerpunkt Boa Vista
Laufzeit
Seit September 2022/unbegrenzt
Partnerorganisation
Turtle Foundation
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 1, SDG 4, SDG 14, SDG 15

Nistling und Weibchen Unechte Karettschildkröte an einem Strand auf Boa Vista.

Projekterfolge 2025

  • Bei Patrouillen erfassten Ranger und Volontäre zwischen Juni und Oktober 2025 über 9.500 Nester auf den von ihnen kontrollierten Stränden
  • In der Nistsaison 2025 (Juni–Oktober) zählten drei auf Boa Vista aktive Naturschutzorganisationen insgesamt rund 63.621 Nester, gelegt von schätzungsweise etwa 13.000 Schildkröten.
  • 205 Nester wurden in die Hatchery (Aufzuchtstation) des Projekts umgesiedelt. Dies geschieht immer dann, wenn Nester zu nah an der Uferlinie liegen oder durch Überschwemmung gefährdet sind. Auch Nester, die sich direkt vor dem am Strand Lacacao gebauten Hotel Riu Touareg, im Süden Boa Vistas, befinden, gelten als stark gefährdet. Aufgrund der beträchtlichen Lichtverschmutzung durch das Hotel würden alle Jungtiere nach dem Schlupf in die falsche Richtung krabbeln und sterben. Nach Möglichkeit soll der natürliche Nistprozess allerdings ungestört bleiben.
  • Aus den in der Hatchery ausgebrüteten Eiern schlüpften schließlich 13.000 kleine Schildkröten. Alle erreichten gesichert das Meer. Das entspricht einem Schlupferfolg von über 80 %.
  • Dank kontinuierlicher Patrouillen (Drohnen und Artenschutzhunde) gelang es, 47 in Not geratene Schildkröten zu retten. Die Tiere steckten entweder in Felsspalten oder anderen Hindernissen fest oder hatten in den unübersichtlichen Dünen die Orientierung verloren. Meist sind diese Weibchen für den Arterhalt verloren, da sie ohne schnelle Hilfe an Austrocknung oder Überhitzung sterben.
  • 48 einheimische Ranger und 35 freiwillig Helfende kamen zum Einsatz.
  • Während der Nistsaison 2025 gab es auf ganz Boa Vista 22 Wildereifälle. An den vom Projekt überwachten Strandabschnitten kamen sechs Schildkröten durch Wilderei zu Tode.
Artenschutzhund Zedda hat auf Boa Vista eine gewilderte Schildkröte gefunden.

Warum Boa Vista?

Etwa zwei Drittel der auf den Kapverden nistenden Unechten Karettschildkröten zieht es auf die Insel Boa Vista. Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober kommen die Weibchen in großer Zahl nachts an die Strände, um Nester zu graben und ihre Eier abzulegen.

Zum Schutz der bedrohten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) wurde 2018 auf der Insel Boa Vista ein spezialisiertes Hunde- und Drohnen-Team eingerichtet.

Seit 1987 stehen Meeresschildkröten auf den Kapverden unter Schutz. Dennoch ging die seitdem als Wilderei geltende Jagd dadurch nur unwesentlich zurück. Die Nutzung der Meeresreptilien zur Nahrungsversorgung war tief in der ländlichen Bevölkerung verwurzelt. Allein 2007 starben an den Stränden von Boa Vista etwa 1.200 Weibchen. Die meisten von ihnen, bevor sie ihre Eier legen konnten.

2008 rief die Turtle Foundation dann ein umfassendes Projekt zum Schutz dieses bedeutenden Nistplatzes ins Leben.

Bekämpfung der Wilderei

Zu Beginn jeder Nistsaison errichtet das Turtle-Foundation-Team an strategisch günstigen Stellen fünf Feldstationen. Über die gesamte Nistzeit sind dort von Juni bis Oktober Ranger und Volontäre untergebracht. Sie patrouillieren rund 30 Kilometer der insgesamt 65 km umfassenden Niststrände.

Im Jahr 2025 kamen auf Boa Vista 48 einheimische Ranger und 35 Freiwillige zum Einsatz.

Als flankierende Maßnahmen finden ein intensives Begleitprogramm vorwiegend in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit statt. Damit fördert das Projekt die Nachhaltigkeit der direkten Schutzmaßnahmen.

Strandpatrouillen

Mithilfe der konventionellen Strandpatrouillen von Rangern und Volontären ging die Wilderei von nistenden Schildkrötenweibchen deutlich zurück.

Drohnen und Nachtsichtgeräte

Trotzdem gab es seit 2015 wieder verstärkte Wilderei-Aktivitäten, diese wurden auch aggressiver. Denn es locken finanzielle Anreize. Dank verbesserter Ausrüstung und anderer „Strategien“ konnten die Wilderer den Ranger-Patrouillen immer wieder ausweichen. Es gelang ihnen, viele Schildkröten zu töten.

Mittlerweile gilt Schildkrötenfleisch auf den Kapverden als teure Delikatesse. Dies führte dazu, dass bis 2017 in einigen Gebieten fast 5 % aller nistenden Weibchen sterben mussten. Um dies in den Griff zu bekommen, wurden die Maßnahmen zur Wildereibekämpfung in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Naturschutzbehörde und der Polizei erweitert. Zum Einsatz kommen jetzt moderne Nachtsichttechnik, Funkgeräte, Drohnen sowie Ferngläser mit Wärmebildtechnik.

Seit 2023 lokalisiert ein Drohnenpilot verirrte oder in Felsspalten festsitzende Schildkröten. Besonders kritische Strände werden täglich kontrolliert.

Auf den Kapverden stürzen Schildkröten in Felsspalten oder verirren sich auf dem Weg zurück ins Meer. Diese Tiere werden gerettet.

Nachtmissionen

Da Schildkrötenweibchen stets nachts zur Eiablage an die Strände von Boa Vista kommen, finden auch die Patrouillen nachts statt. Und das täglich an zufällig ausgewählten Stränden mit hohem Wilderei-Risiko im Norden und Osten der Insel. Häufig begleiten Polizeibeamte die Ranger.

Zwischen Juni und November 2025 führte das Team 68 derartige Nacht-Patrouillen durch. Rund 45 % der Einsätze fanden an den östlichen Strandabschnitten statt, die von Wilderern bevorzugt werden. An diesen Patrouillen nahmen durchschnittlich drei Teammitglieder teil, bei Schwerpunktaktionen bis zu sechs. 14 Missionen (23 %) wurden von Polizisten begleitet.

Kern der Anti-Wilderer-Maßnahmen auf Boa Vista sind nächtliche Patrouillen an risikoreichen Stränden.

Artenschutzhunde

Seit 2022 setzt das Projekt zusätzlich auf die Spürnasen ausgebildeter Artenschutzhunde. Damit eröffneten sich neue Dimensionen in der Wildereibekämpfung. Zur besseren Abschreckung arbeitet das Ranger-Team dabei mit aufeinander abgestimmten Einsatzkonzepten und -strategien.

Ranger-Team mit drei Artenschutzhunden und einer Drohne auf Boa Vista, Schutzprojekt für Meeresschildkröten der Turtle Foundation.

Das dreiköpfige Drohnenteam bildet mit dem Hundeteam (drei Artenschutzhunde mit ihren Hundeführern) eine Spezialeinheit zur Wildereibekämpfung. Geleitet wird sie von Team-Koordinator Adilson Monteiro Ramos.

Mit ihren feinen Nasen und Ohren spüren die Artenschutzhunde während der Strandpatrouillen zielsicher Personen auf, die an den Niststränden nichts zu suchen haben. Zudem sind sie auf Schildkrötenfleisch trainiert. Ihnen entgehen keine auch noch so gut versteckten und getarnten Überreste getöteter Meeresschildkröten. Auf diese Weise entdeckten die Ranger einige ihnen vorher nicht bekannte Wilderei-Hotspots.

Überdies nehmen die Hunde die Fährten der Täter anhand von Geruchsproben auf, denn oft hinterlassen sie Stoffreste und Seile am Tatort.

Das mobile Hunde- und Drohnenteam ist auch auf den Niststränden im Osten der Insel im Einsatz. Dann gemeinsam mit Rangern von Bios.CV und Natura 2000, zwei weiteren auf Boa Vista arbeitenden Projekten.

Strandreinigungen

Wie jedes Jahr führte das Projekt 2025 Strandreinigungen durch. Bei den zwölf Aktionen machten 208 Menschen mit. Sie sammelten auf einer Gesamtfläche von 4,8 km rund 16 Tonnen Müll. Damit hatte man über 600 m bei Schildkröten beliebter Strandabschnitte zumindest vorübergehend von Abfall befreit.

Das kann entscheidend sein. Verschmutzte Strände erschweren den Weibchen das Nisten und den Schlüpflingen den Weg ins Meer. Eine dauerhafte Lösung für das Müllproblem bieten Strandreinigungen nicht. Dennoch müssen sie immer wieder stattfinden. Wind und Wellen sorgen dafür, dass ständig neuer Müll angespült wird. Die Strände von Boa Vista leiden unter einem massiven Müllaufkommen.

Angetriener Müll wird zum Hinderniss für diese Grüne Meeresschildkröte

Bone Removal Project

Zwischen April 2023 und Anfang 2025 säuberte das Hunde- und Drohnenteam die wichtigsten Niststrände von den Überresten von über 1.000 Schildkröten. Die höchste Dichte fand sich an den nordöstlichen und östlichen Stränden von Boa Vista.

Entfernung von Schildkrötenüberresten von Stränden auf Boa Vista: Die Überreste von über 1.000 Schildkröten wurden von den Stränden entfernt.

Damit konnten vergangene Wildereifälle systematisch erfasst und kartiert werden. Das Bone Removal Project fand mit Zustimmung der Umweltbehörde statt.

Es ermöglicht künftig eine präzisere Identifikation und Prognose neuer Wildereifälle. Denn es stellte sich heraus, dass das Ausmaß der Wilderei in einigen Gebieten im Nordosten und Süden von Boa Vista bislang unterschätzt worden war.

Die gesammelten Daten sind nun Grundlage für eine verstärkte Überwachung in den Wilderei-Hochrisikozonen. Auf „gesäuberten“ Stränden lassen sich neue Fälle von Wilderei zuverlässig als aktuell identifizieren. Das Bone-Removal-Projekt soll regelmäßig stattfinden, um den klaren Basiszustand zu erhalten.


Was sind Artenschutzhunde?

Mit ihren rund 200 Millionen und mehr Geruchsrezeptoren (zum Vergleich: Der Mensch besitzt rund sechs Millionen) sind Hunde gefragte Mitarbeiter in etlichen Bereichen des Natur- und Artenschutzes. Am bekanntesten dürften Zollhunde sein, die in den Koffern von Reisenden illegal eingeführte geschützte Arten, wie Korallen oder Seepferdchen, ausfindig machen.

Trainierte Suchhunde entdecken auch bestimmte Pflanzen- oder Tierarten oder Kot von Orcas im Meerwasser.

Wir sind die Artenschutzhunde auf Boa Vista

Kelo

Artenschutzhund Kelo, Umweltbildungsarbeit Projekt für Schildkröten auf Boa Vista.

Als erfahrener Begleiter des Teams leistet der ruhige und freundliche Kelo wichtige Unterstützung – auch wenn er altersbedingt nur noch eingeschränkt eingesetzt werden kann.

Wegen seines freundlichen und geduldigen Wesens kommt Kelo jetzt hauptsächlich im Training sowie bei Bildungsaktivitäten wie Schulbesuchen zum Einsatz.

Karetta

Karetta mit João „Djola“ José Mendes de Oliveira.

Die sensible Schäferhündin Karetta wird von João „Djola“ José Mendes de Oliveira betreut.

Sie steht Kelo in der Objektsuche wie auch im Mantrailing in nichts nach, kann aber aufgrund ihrer misstrauischen Einstellung zu Fremden nicht für die Öffentlichkeitsarbeit mit Kindern eingesetzt werden. Zu ihrem Hundeführer hat sie jedoch großes Vertrauen und arbeitet mit Freude.

Olivia

Artenschutzhund Olivia mit Marcel Maierhofer.
© I.Geiser

Seit Anfang 2025 trainieren Marcel Maierhofer und seine Frau Ursula – ebenfalls eine erfahrene Hundetrainerin – Labradorhündin Olivia als Nachfolgerin ihres Onkels Kelo für den Einsatz auf Boa Vista.

Olivias neuer Hundeführer ist Carlos Monteiro, der bereits mit Kelo arbeitet. Bis Olivia einsatzbereit ist, wird es zwar noch etwas dauern, doch sie zeigt vielversprechende Anlagen für ihre zukünftigen Aufgaben.

Artenschutzhund Olivia beim Training auf Boa Vista.

Zedda

Heimliche Chefin der Artenschutzhunde auf Boa Vista ist Zedda.

Artenschutzhund Zedda beim Training an einem Strand zum Schutz von Schildkröten auf Boa Vista.

Zedda war bereits erwachsen, als sie zum Hundeteam kam. Bis dahin lebte sie selbstständig auf der Insel. Daher verfügt sie nicht über den Grundgehorsam, der für die Einsatzreife erforderlich ist. Im Zweifel entscheidet Zedda immer selbst, was sie gerade tun möchte – arbeiten oder doch lieber Krabben jagen.

Dennoch ist sie ein wertvolles Mitglied des Teams, weil sie auch Anfängerfehler von Hundeführern verzeiht. Seit 2023 ist Délvis Rodrigues ihr Hundeführer.


Welche Schildkröten nisten auf den Kapverden?

Neben der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) trifft man in den Gewässern der Kapverdischen Inseln auf vier weitere Schildkrötenarten. Allerdings kommen sie nicht regelmäßig an die Strände, um Nester zu graben.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Nach Informationen von Turtle Foundation
Alle Fotos so weit nicht anders angegeben: © Turtle Foundation

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Schutz bedrohter Meeresschildkröten: Insel Sipora, Indonesien

Seit September 2019 unterstützen wir ein Schutzprojekt für Meeresschildkröten der Turtle Foundation auf der Insel Sipora in Indonesien. Schwerpunktart ist die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), mit bis zu 1,8 m Körperlänge die größte Schildkrötenart. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind die im Englischen Leatherback Turtle genannten Meeresreptilien als gefährdet mit rückläufiger Bestandsentwicklung eingestuft.

Sipora liegt etwa 130 km westlich vor der Küste von Westsumatra im Mentawai-Archipel und ist mit 845 km² Fläche die kleinste der drei Mentawai-Inseln. Sipora ist mit dichtem Regenwald bewachsen, weist eine Reihe abgelegener Strände auf und zeichnet sich durch eine vielfältige Fauna aus.

Neben der Lederschildkröte suchen auch Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas), Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) und Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) die Strände der Insel auf, um dort Nester zur Eiablage zu graben. Damit ist Sipora Fortpflanzungsbasis für vier der sieben Meeresschildkröten-Arten.

Innerhalb weniger Jahre wurde eine Insel, die für das Überleben von Meeresschildkröten fast vollständig verloren war, in eine hundertprozentige Erfolgsinsel verwandelt!

Lederschildkröten

9799

Oliv-Bastardschildkröten

3331

Grüne
Meeresschildkröten

1792

Echte
Karettschildkröten

680

Aufzuchtstation (Hatchery) für Meeresschildkröten auf der Insel Sipora, Indonesien.
Aufzuchtstation (Hatchery) für Meeresschildkröten-Nester.

Projektstandort auf Google Maps: der ca. 8 km lange Strand von Buggeisiata. Die Projektarbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der indonesischen Partnerorganisation Yayasan Penyu Indonesia (YPI), die für die operative Umsetzung vor Ort verantwortlich ist.

Die Lederschildkröten des nordöstlichen Indischen Ozeans

Eher zufällig entdeckten Mitarbeiter der Turtle Foundation im Herbst 2017 auf Sipora einen bis dahin unbekannten Nistplatz, den Strand von Buggeisiata. Wahrscheinlich nisten hier Weibchen aus der regionalen Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans. Der Bestand dieser Subpopulation ist mit geschätzt weniger als 1000 Exemplaren kritisch.

Situation zu Beginn des Projekts

Die Abgelegenheit und schwierige Erreichbarkeit der Strände haben über viele Jahre hinweg die Wilderei begünstigt und zu einem Rückgang der Schildkrötenpopulationen in der Region geführt. Auch auf Sipora hatten nistende Schildkröten kaum eine Chance. Nester wurden geplündert und die Eier von der Bevölkerung konsumiert, Weibchen während oder nach der Eiablage getötet. Unmittelbare Hilfe war also dringend notwendig.

Meeresschildkröten Schutzprojekt Sipora: Tote Lederschildkröte am Strand.
Auf Sipora getötete Lederschildkröte.

In Zusammenarbeit mit der örtlichen Naturschutzbehörde in Padang (BPSPL) initiierte die Turtle Foundation 2017 ein Meeresschildkröten-Schutzprojekt. Entscheidender Faktor dabei: die Integration der Inselbevölkerung. Durch die Ausbildung und Anstellung von Rangern, Infrastrukturmaßnahmen und Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche verfolgt das Projekt einen umfassenden, gemeindebasierten Ansatz.

Projektverlauf

Die Lederschildkröten-Nistsaison dauert von Oktober bis März. Zwischen Dezember und Mai graben sich dann die Schlüpflinge aus ihren Nestern.

Ein Ranger auf Patrouille am Niststrand Buggeisiata, Insel Sipora, Indonesien.
Ranger auf Patrouille

Seit der ersten Nistsaison 2017/2018 schlüpften aus von Rangern überwachten oder in die Hatchery (Freiland-Aufzuchtstation) umgebetteten 217 Nestern 9.799 Lederschildkröten.

In der Nistsaison 2023/24 entdeckten die Ranger acht Lederschildkröten-Nester. Der Schlupferfolg lag bei 688. In der Nistsaison 2024/25 waren es 19 Nester.

Lederschildkröten-Schlüpflinge krabbeln am Strand von Sipora in die Brandung.

Jedes erfolgreiche Nest steht für ein überlebendes Weibchen aus der bedrohten Lederschildkröten-Population des nordöstlichen Indischen Ozeans!

Neue Projektleiterin

Seit Januar 2024 leitet die Indonesierin Amelia Fepriani Silalahi das Projekt. Sie genießt große Anerkennung sowohl bei ihren Ranger-Kollegen als auch bei den Dorfbewohnern. Amelia hat wesentlich zur positiven Weiterentwicklung des Projekts seit Jahresbeginn beigetragen.

Das neue Ranger Team zusammen mit den Projektkoordinatoren.
Das neue Ranger-Team zusammen mit den Projektkoordinatoren.

Schulung der Ranger

Zu den Aufgaben der acht einheimischen Ranger gehört nicht nur das Umbetten der Nester, sondern auch die Erfassung von Nistdaten und Nisterfolg der Hatchery. Zusätzlich patrouillieren die Ranger Strände und reinigen diese von Treibholz und Plastikmüll. Dadurch wird es für die Weibchen einfacher, den beschwerlichen Weg zu einem geeigneten Platz zum Graben des Nestes zu bewältigen.

Metallclip zur Markierung von Meeresschildkröten

2024 wurde die Markierung zur Identifikation nistender Weibchen, bestehend aus Metallmarken und PIT-Mikrochips, fortgeführt und optimiert. Standardisierte Methoden und verbesserte Markierungstechniken helfen bei der verlässlichen Langzeitbeobachtung der Schildkrötenpopulation.

Gleichzeitig wurde die Sensibilität der Ranger für eine schonende Handhabung der Tiere gestärkt, um deren Wohlbefinden während der Markierung zu gewährleisten.

Lederschildkröte am Strand von Sipora mit zwei Rangern

Gemeindearbeit – Umweltbildungsmaßnahmen

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit des Schutzprojektes für Meeresschildkröten ist die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden. Dabei verfolgt das Projekt einen umfassenden Ansatz:

  • Schulung und Anstellung von Rangerteams
  • Infrastrukturmaßnahmen wie den Aufbau eines Gemüsegartens
  • Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche
Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.
Drei Kinder mit ausgemalten Tierbildern: Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.
Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.

Im Jahr 2024 nahmen rund 140 Kinder und Jugendliche von Grund- und weiterführenden Schulen sowie Lehrkräfte an mehreren Workshops teil. Diese behandelten Themen wie Schildkrötenbiologie oder die Vermeidung von Plastikmüll. Ziel war es, Wissen über Meeresschildkröten, ihre Lebensräume und Schutzmaßnahmen kindgerecht, kreativ und interaktiv zu vermitteln – unter anderem durch Infografiken, gemeinsames Singen, Mal-Aktionen und Fragerunden.

Auf diesen Maßnahmen basiert die erfolgreiche und effektive Bilanz der Projektarbeit. Die Teilhabe der Bevölkerung an dem Schutzprojekt für Meeresschildkröten fördert das Vertrauen und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung und trägt maßgeblich zur Nachhaltigkeit und lokalen Akzeptanz des Projekts bei.

Ziel ist es, effektiven Schildkrötenschutz langfristig in der Region zu verankern.

Akzeptanz der Bevölkerung ist entscheidend

Ungewöhnlich rasch wurde dieses Schutzprojekt für Meeresschildkröten zum Anliegen der einheimischen Bevölkerung. Seit Beginn der Projektarbeit starb hier keine einzige Lederschildkröte. Gleichzeitig sank die Zahl geplünderter Nester von 26 in der ersten Nistsaison auf zwei in der Nistsaison 2018/2019 und liegt seitdem bei null.

Ausweitung auf weitere Inseln

Seit 2017 erweitert Turtle Foundation den Meeresschildkröten-Schutz auf aktuell drei Standorte: Selaut Besar (2021), Lhok Dalam und Along Beach auf Simeulue (2023) und auf den Moale Beach auf der Insel Nias ( 2024). Nias gehört nicht zum Mentawai-Archipel. Sie ist die Hauptinsel des „Nias-Archipels“, zählt zur Provinz Sumatra, ist ca. 4.771 km² groß und hat etwa 650.000 Einwohner. Nias liegt nördlich von Sipora und ist etwa 125 Kilometer lang und 40 Kilometer breit.

Wilderei-Hotspot auf der Insel Nias

Eine Vorstudie am Moale Beach zeigte, dass hier regelmäßig Lederschildkröten und Oliv-Bastardschildkröten, nisten.

Getötete Lederschildkröte auf der Insel Nias, Indonesien.

Leider wurden die meisten Nester von Einheimischen aus den umliegenden Dörfern oder von Hunden gewildert. Außerdem gibt es Wilderei auf erwachsene Schildkröten wegen ihres Fleisches.

Allein in der Nistsaison 2023/24 fand man am Moale Beach fünf tote Lederschildkröten, darunter auch ein auf Sipora markiertes Weibchen – ein Rückschlag.

Neues Schutzprojekt für Meeresschildkröten auf Nias

Im Jahr 2024 begannen sechs Ranger aus einer lokalen Dorfgemeinschaft am Moale Beach mit der Arbeit. In der Nistsaison 2024/25 zählten sie 18 Lederschildkrötennester. Davon wurden 17 Nester in die Nias-Hatchery gebracht. Ein Nest blieb am Strand, da es für eine Umbettung wahrscheinlich zu spät war. Eine Lederschildkröte wurde tot aufgefunden.

Zusätzlich zählten die Ranger 31 Nester von Oliv-Bastardschildkröten. Während es Wilderern gelang, vier Nester zu plündern, konnten die Nias-Ranger alle anderen Nester (27) in die Nias-Hatchery in Sicherheit bringen. Wie auf Sipora sind die Ranger auf Nias nur in der Lederschildkröten-Nistsaison von Oktober bis März angestellt. Einige bleiben bis Mai/Juni so lange aktiv, bis in der Nias-Hatchery sämtliche Nester geschlüpft sind.

Die Gesamtprojektkosten für das neue Schutzprojekt für Meeresschildkröten auf Nias betragen etwa 20.000 € für die kommende Nistsaison.

Niststrand auf der Insel Sipora: Eine Lederschildkröte nach der Eiablage auf dem Weg ins Meer.

Quellen: Projektberichte Turtle Foundation, 2019 bis 2025
Fotos: © Turtle Foundation

UN-Nachhaltigkeitsziele

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag


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