Schutzprojekt für Meeresschildkröten auf der Insel Sipora, Indonesien

Wir unterstützen ein Meeresschildkröten-Schutzprojekt der Turtle Foundation auf der Insel Sipora in Indonesien. Die Insel zählt zu den vor Sumatra liegenden Mentawai-Inseln. Schwerpunktart ist hier die größte Schildkrötenart, die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Diese in vielem noch rätselhaften Meeresreptilien sind zwischen 1,5 bis 1,8 m groß und durchschnittlich 500 kg schwer.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die als Leatherback Turtle bekannte Art als gefährdet mit rückläufiger Bestandsentwicklung eingestuft. Die Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans ist nur unzureichend wissenschaftlich erfasst. Deshalb gilt für sie die Einstufung „data deficient“. Sie steht unter erheblichem Druck durch Wilderei (Eierraub und Jagd auf nistende Weibchen), Verlust geeigneter Nistlebensräume und Fischerei (Beifangverluste).

Fakten zum Projekt

Projektname
Sicherstellung der Vermehrung von Lederschildkröten und anderen Meeresschildkrötenarten
Projektinhalte
Strand- und Nestschutz, Rangerausbildung, Aufzuchtstation (Hatchery), Strandsäuberungen, Gemeindeentwicklungsprogramme
Projektgebiet
Insel Sipora, Mentawai-Archipel, Indonesien
Laufzeit
Seit September 2019/unbegrenzt
Partnerorganisation
Turtle Foundation
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 1, SDG 4, SDG 14, SDG 15

Innerhalb weniger Jahre konnte eine Insel, die für das Überleben von Meeresschildkröten fast vollständig verloren war, in eine hundertprozentige Erfolgsinsel verwandelt werden!

Karte von Sumatra und den Mentawai-Inseln und Foto des rund acht Kilometer langen Strandes von Buggeisiata an der Westküste Siporas.

Sipora liegt etwa 130 km westlich vor der Küste von Westsumatra im Mentawai-Archipel und ist mit 845 km² Fläche die kleinste der drei Mentawai-Inseln. Die Insel ist mit dichtem Regenwald bewachsen, weist eine Reihe abgelegener Strände auf und zeichnet sich durch eine vielfältige Fauna aus.

Der Großteil der Projektarbeiten findet am rund acht Kilometer langen Strand von Buggeisiata an der Westküste statt. Die Projektarbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der indonesischen Partnerorganisation Yayasan Penyu Indonesia (YPI), die für die operative Umsetzung vor Ort verantwortlich ist.

Neben der Lederschildkröte kommen auch Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas), Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) und Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) an die Strände der Insel. Damit ist Sipora Fortpflanzungsbasis für vier der sieben Meeresschildkröten-Arten.

Lederschildkröten

10 679

Oliv-Bastardschildkröten

3504

Grüne
Meeresschildkröten

1792

Echte
Karettschildkröten

680

Situation zu Beginn des Projekts

Eher zufällig entdeckten Mitarbeiter der Turtle Foundation im Herbst 2017 auf Sipora einen bis dahin unbekannten Nistplatz, den Strand von Buggeisiata. Wahrscheinlich nisten hier Lederschildkröten aus der Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans. Ihr Bestand ist mit geschätzt weniger als 1000 Exemplaren kritisch.

Die Abgelegenheit und schwierige Erreichbarkeit der Strände haben über viele Jahre hinweg die Wilderei begünstigt. Auf Sipora hatten nistende Schildkröten kaum eine Chance. Nester wurden geplündert und die Eier von der Bevölkerung konsumiert, Weibchen während oder nach der Eiablage getötet. Unmittelbare Hilfe war also dringend notwendig.

Meeresschildkröten Schutzprojekt Sipora: Tote Lederschildkröte am Strand.
Auf Sipora getötete Lederschildkröte.

In Zusammenarbeit mit der örtlichen Naturschutzbehörde in Padang (BPSPL) initiierte die Turtle Foundation 2017 ein Schutzprojekt. Entscheidender Faktor dabei: die Integration der Inselbevölkerung. Durch die Ausbildung und Anstellung von Rangern und Rangerinnen, Infrastrukturmaßnahmen und Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen, gemeindebasierten Ansatz.

Sipora-Rangerteam verlegt ein Lederschildkröten-Nest in eine Hatchery und zählt dabei die Eier.

Die Nistsaison der Lederschildkröten beginnt auf Sipora im Oktober und endet im März. Seit Projektbeginn (Nistsaison 2017/2018) schlüpften aus von Rangern überwachten oder in die Hatchery (Freiland-Aufzuchtstation) umgebetteten Nestern 10.679 Lederschildkröten.

Foto: Ranger verlegen ein Lederschildkröten-Nest in die Hatchery und zählen die Eier.

Erfolgsbilanz der Nistsaison 2025/2026

Insgesamt dokumentierte das Rangerteam 24 Meeresschildkrötennester. Davon waren 19 von Lederschildkröten (1.631 Eier) und fünf Nester von Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) mit zusammen 455 Eiern. Damit die Gelege bestmöglich vor natürlichen Gefahren und menschlichen Einflüssen geschützt sind, siedelte das Rangerteam alle Nester in die umzäunte Hatchery um.

Anzahl Nester auf Sipora von Lederschildkröten und Oliv-Bastardschildkröten in der Nistsaison Oktober 2025 - April 2026.

Der Schlupferfolg lag bei Lederschildkröten bei 54 %. Oliv-Bastardschildkröten hatten dagegen mit 38 % eine sehr viel niedrigere Erfolgsquote.

Auf Grundlage der direkten Auszählung geschlüpfter Jungtiere gelangten insgesamt rund 1.000 kleine Schildkröten sicher ins Meer.

Besonders erfreulich ist, dass in der gesamten Saison weder Nester geplündert noch Muttertiere gewildert wurde. Die Wildereiquote lag somit bei 0 %.

Lederschildkröten-Schlüpflinge krabbeln am Strand von Sipora in die Brandung.
Frisch geschlüpfte Lederschildkröten auf dem Weg ins Meer

Neue Projektleiterin

Seit Januar 2024 leitet die Indonesierin Amelia Fepriani Silalahi das Projekt. Sie genießt große Anerkennung sowohl bei ihren Kollegen als auch bei den Dorfbewohnern. Amelia hat wesentlich zur positiven Weiterentwicklung des Projekts beigetragen. Sie ist ausgebildete Rangertrainerin.

Sipora-Projektleiterin Amelia Fepriani Silalahi ist als ausgebildete Ranger-Trainerin qualifiziert.

In der Saison 2025/2026 kamen auch zwei Rangerinnen zum Einsatz. Cici Alisma und Dwimarlena. Auf dem Foto ist zu sehen, wie sie Jungtiere nach dem Schlupf ausmessen.

Diese gezielte Erweiterung des Rangerteams leistet einen Beitrag zur stärkeren Einbindung von Frauen in ein traditionell männlich geprägtes Arbeitsfeld

Rangerinnen kontrollieren geschlüpfte Schildkrötenbabys.

Optimierung der Infrastruktur

Im Jahr 2025 konnten auf Sipora mehrere Maßnahmen zur langfristigen Verbesserung der Schutz- und Monitoringarbeit am Strand von Buggeisiata umgesetzt werden.

Bau der neuen Aufzuchtstation (Hatchery) auf der Insel Sipora.

Im Oktober wurde, rechtzeitig vor Beginn der Nistsaison, eine neue Hatchery mit Holzbegrenzungen und Schutznetzen gebaut. Die Anlage dient dem Schutz umgesiedelter Nester vor natürlichen Fressfeinden und Wilderern.

An der Ranger-Basistation entstand im November 2025 ein neuer Brunnen. Diese Maßnahme dient der Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Ranger. Sie haben nun eine verlässliche Wasserversorgung für ihre täglichen, mehrere Kilometer langen Patrouillengänge.

Sipora-Ranger beim einer neuen Schutzhütte.

Ebenfalls in den November fiel der Bau von zwei neuen Unterständen an einem rund acht Kilometer langen Strandabschnitt. Die Unterstände dienen den Rangern während nächtlicher Patrouillen als Schutz- und Ruhepunkte bei langen Einsatzzeiten sowie bei plötzlichen Wetterumschwüngen.

Tagging

Seit 2024 markieren die Ranger alle nistenden Lederschildkröten individuell mit zwei Metallmarken (flipper tag) an den Hinterflossen sowie einem PIT-Tag (Passive Integrated Transponder). Dabei handelt es sich um einen dauerhaft unter der Haut implantierten Mikrochip. Das Tagging dient der Identifikation wiederholt nistender Weibchen.

Metallclip zur Markierung von Meeresschildkröten

Standardisierte Methoden und verbesserte Markierungstechniken helfen bei der verlässlichen Langzeitbeobachtung von Individuen weit wandernder Tierpopulation.

Langzeitdaten sind von entscheidender Bedeutung, um Bestandsentwicklungen zu überwachen, den Erfolg der Schutzmaßnahmen zu bewerten und zukünftige Managemententscheidungen auf einer fundierten datenbasierten Grundlage zu treffen.

Zum Trainingsprogramm der Ranger gehört selbstverständlich auch eine schonende Handhabung der Tiere beim Tagging. Beeinträchtigungen des Wohlbefindens der Tiere während des Markierungsvorgangs sollen so gering wie möglich sein.

Lederschildkröte am Strand von Sipora mit zwei Rangern

Gemeindearbeit – Umweltbildungsmaßnahmen

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit des Schutzprojektes für Meeresschildkröten ist die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden. Dabei verfolgt das Projekt einen umfassenden Ansatz:

  • Schulung und Anstellung von Rangerteams
  • Infrastrukturmaßnahmen wie den Aufbau eines Gemüsegartens
  • Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche
  • Gemeinsame Strandreinigungsaktionen
Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.
Drei Kinder mit ausgemalten Tierbildern: Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.
Umweltbildungsveranstaltung in einer Schule, Insel Sipora, Indonesien.
Sipora-Rangerinnen bei einer Strandreinigungsaktion.

Die Weibchen benötigen hindernisfreie Strände für den beschwerlichen Weg zu einem geeigneten Nistplatz und wieder zurück.

Akzeptanz der Bevölkerung ist entscheidend

Das Sipora-Projektteam setzte auch Informationsvideos über den Schutz von Meeresschildkröten ein, die auf Fähren und in öffentlichen Einrichtungen gezeigt werden. Dies hilft bei der Sensibilisierung von Einheimischen und Besuchern für den Schutz der Tiere.

Teilhabe fördert das Vertrauen und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung und trägt maßgeblich zur nachhaltigen, lokalen Akzeptanz des Schutzprojekts bei.

Seit Beginn des Projekts starb hier keine einzige Lederschildkröte. Gleichzeitig sank die Zahl geplünderter Nester von 26 in der ersten Nistsaison auf zwei in der Nistsaison 2018/2019 und liegt seitdem bei null.

Lederschildkröte kriecht nach der Eiablage zurück ins Meer.

Quellen: Projektberichte Turtle Foundation, 2019 bis 2025/2026
Fotos: © Turtle Foundation

Updatehinweis: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag


Arten-Informationen

Unechte Karettschildkröten auf Boa Vista: erfolgreiche Eindämmung der Wildererei

Beim Schutz von Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) auf der zu den Kapverden gehörenden Insel Boa Vista setzt dieses Projekt bei der Wildereibekämpfung auf eine kluge Kombination moderner mit althergebrachten Strategien. Eingesetzt werden einheimische Ranger, Volontäre, Nachtsichtdrohnen, Nachtsichtgeräte, Ferngläser mit Wärmebildtechnik und speziell ausgebildete Artenschutzhunde. Mit diesem innovativen Ansatz im Wildtierschutz gelang es, die Wilderei erfolgreich zurückzudrängen. Seit Projektbeginn sank sie auf weniger als 0,2 % der jährlichen Nistpopulation. Entscheidend für den Erfolg sind das ausgeklügelte Zusammenspiel aller Projektbeteiligten und die Einbeziehung lokaler Polizeikräfte.

Die Kapverdischen Inseln im Atlantik sind nach Oman und Florida der drittgrößte Nistplatz für Unechte Karettschildkröten. An den Stränden von Boa Vista graben jährlich zwischen 5.000 und 30.000 weibliche Schildkröten ihre Nester zur Eiablage.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist Caretta caretta als gefährdet eingestuft. Die Kapverden-Nistpopulation des Nordatlantiks zählt zu den elf am stärksten bedrohten Meeresschildkröten-Populationen und gilt als stark gefährdet.

Fakten zum Projekt

Projektname
Schutz von Niststränden der Unechten Karettschildkröte
Projektregion
Kapverdische Inseln mit Schwerpunkt Boa Vista
Laufzeit
Seit September 2022/unbegrenzt
Partnerorganisation
Turtle Foundation
Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs):
SDG 1, SDG 4, SDG 14, SDG 15

Nistling und Weibchen Unechte Karettschildkröte an einem Strand auf Boa Vista.

Projekterfolge 2025

  • Bei Patrouillen erfassten Ranger und Volontäre zwischen Juni und Oktober 2025 über 9.500 Nester auf den von ihnen kontrollierten Stränden
  • In der Nistsaison 2025 (Juni–Oktober) zählten drei auf Boa Vista aktive Naturschutzorganisationen insgesamt rund 63.621 Nester, gelegt von schätzungsweise etwa 13.000 Schildkröten.
  • 205 Nester wurden in die Hatchery (Aufzuchtstation) des Projekts umgesiedelt. Dies geschieht immer dann, wenn Nester zu nah an der Uferlinie liegen oder durch Überschwemmung gefährdet sind. Auch Nester, die sich direkt vor dem am Strand Lacacao gebauten Hotel Riu Touareg, im Süden Boa Vistas, befinden, gelten als stark gefährdet. Aufgrund der beträchtlichen Lichtverschmutzung durch das Hotel würden alle Jungtiere nach dem Schlupf in die falsche Richtung krabbeln und sterben. Nach Möglichkeit soll der natürliche Nistprozess allerdings ungestört bleiben.
  • Aus den in der Hatchery ausgebrüteten Eiern schlüpften schließlich 13.000 kleine Schildkröten. Alle erreichten gesichert das Meer. Das entspricht einem Schlupferfolg von über 80 %.
  • Dank kontinuierlicher Patrouillen (Drohnen und Artenschutzhunde) gelang es, 47 in Not geratene Schildkröten zu retten. Die Tiere steckten entweder in Felsspalten oder anderen Hindernissen fest oder hatten in den unübersichtlichen Dünen die Orientierung verloren. Meist sind diese Weibchen für den Arterhalt verloren, da sie ohne schnelle Hilfe an Austrocknung oder Überhitzung sterben.
  • 48 einheimische Ranger und 35 freiwillig Helfende kamen zum Einsatz.
  • Während der Nistsaison 2025 gab es auf ganz Boa Vista 22 Wildereifälle. An den vom Projekt überwachten Strandabschnitten kamen sechs Schildkröten durch Wilderei zu Tode.
Artenschutzhund Zedda hat auf Boa Vista eine gewilderte Schildkröte gefunden.

Warum Boa Vista?

Etwa zwei Drittel der auf den Kapverden nistenden Unechten Karettschildkröten zieht es auf die Insel Boa Vista. Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober kommen die Weibchen in großer Zahl nachts an die Strände, um Nester zu graben und ihre Eier abzulegen.

Zum Schutz der bedrohten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) wurde 2018 auf der Insel Boa Vista ein spezialisiertes Hunde- und Drohnen-Team eingerichtet.

Seit 1987 stehen Meeresschildkröten auf den Kapverden unter Schutz. Dennoch ging die seitdem als Wilderei geltende Jagd dadurch nur unwesentlich zurück. Die Nutzung der Meeresreptilien zur Nahrungsversorgung war tief in der ländlichen Bevölkerung verwurzelt. Allein 2007 starben an den Stränden von Boa Vista etwa 1.200 Weibchen. Die meisten von ihnen, bevor sie ihre Eier legen konnten.

2008 rief die Turtle Foundation dann ein umfassendes Projekt zum Schutz dieses bedeutenden Nistplatzes ins Leben.

Bekämpfung der Wilderei

Zu Beginn jeder Nistsaison errichtet das Turtle-Foundation-Team an strategisch günstigen Stellen fünf Feldstationen. Über die gesamte Nistzeit sind dort von Juni bis Oktober Ranger und Volontäre untergebracht. Sie patrouillieren rund 30 Kilometer der insgesamt 65 km umfassenden Niststrände.

Im Jahr 2025 kamen auf Boa Vista 48 einheimische Ranger und 35 Freiwillige zum Einsatz.

Als flankierende Maßnahmen finden ein intensives Begleitprogramm vorwiegend in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit statt. Damit fördert das Projekt die Nachhaltigkeit der direkten Schutzmaßnahmen.

Strandpatrouillen

Mithilfe der konventionellen Strandpatrouillen von Rangern und Volontären ging die Wilderei von nistenden Schildkrötenweibchen deutlich zurück.

Drohnen und Nachtsichtgeräte

Trotzdem gab es seit 2015 wieder verstärkte Wilderei-Aktivitäten, diese wurden auch aggressiver. Denn es locken finanzielle Anreize. Dank verbesserter Ausrüstung und anderer „Strategien“ konnten die Wilderer den Ranger-Patrouillen immer wieder ausweichen. Es gelang ihnen, viele Schildkröten zu töten.

Mittlerweile gilt Schildkrötenfleisch auf den Kapverden als teure Delikatesse. Dies führte dazu, dass bis 2017 in einigen Gebieten fast 5 % aller nistenden Weibchen sterben mussten. Um dies in den Griff zu bekommen, wurden die Maßnahmen zur Wildereibekämpfung in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Naturschutzbehörde und der Polizei erweitert. Zum Einsatz kommen jetzt moderne Nachtsichttechnik, Funkgeräte, Drohnen sowie Ferngläser mit Wärmebildtechnik.

Seit 2023 lokalisiert ein Drohnenpilot verirrte oder in Felsspalten festsitzende Schildkröten. Besonders kritische Strände werden täglich kontrolliert.

Auf den Kapverden stürzen Schildkröten in Felsspalten oder verirren sich auf dem Weg zurück ins Meer. Diese Tiere werden gerettet.

Nachtmissionen

Da Schildkrötenweibchen stets nachts zur Eiablage an die Strände von Boa Vista kommen, finden auch die Patrouillen nachts statt. Und das täglich an zufällig ausgewählten Stränden mit hohem Wilderei-Risiko im Norden und Osten der Insel. Häufig begleiten Polizeibeamte die Ranger.

Zwischen Juni und November 2025 führte das Team 68 derartige Nacht-Patrouillen durch. Rund 45 % der Einsätze fanden an den östlichen Strandabschnitten statt, die von Wilderern bevorzugt werden. An diesen Patrouillen nahmen durchschnittlich drei Teammitglieder teil, bei Schwerpunktaktionen bis zu sechs. 14 Missionen (23 %) wurden von Polizisten begleitet.

Kern der Anti-Wilderer-Maßnahmen auf Boa Vista sind nächtliche Patrouillen an risikoreichen Stränden.

Artenschutzhunde

Seit 2022 setzt das Projekt zusätzlich auf die Spürnasen ausgebildeter Artenschutzhunde. Damit eröffneten sich neue Dimensionen in der Wildereibekämpfung. Zur besseren Abschreckung arbeitet das Ranger-Team dabei mit aufeinander abgestimmten Einsatzkonzepten und -strategien.

Ranger-Team mit drei Artenschutzhunden und einer Drohne auf Boa Vista, Schutzprojekt für Meeresschildkröten der Turtle Foundation.

Das dreiköpfige Drohnenteam bildet mit dem Hundeteam (drei Artenschutzhunde mit ihren Hundeführern) eine Spezialeinheit zur Wildereibekämpfung. Geleitet wird sie von Team-Koordinator Adilson Monteiro Ramos.

Mit ihren feinen Nasen und Ohren spüren die Artenschutzhunde während der Strandpatrouillen zielsicher Personen auf, die an den Niststränden nichts zu suchen haben. Zudem sind sie auf Schildkrötenfleisch trainiert. Ihnen entgehen keine auch noch so gut versteckten und getarnten Überreste getöteter Meeresschildkröten. Auf diese Weise entdeckten die Ranger einige ihnen vorher nicht bekannte Wilderei-Hotspots.

Überdies nehmen die Hunde die Fährten der Täter anhand von Geruchsproben auf, denn oft hinterlassen sie Stoffreste und Seile am Tatort.

Das mobile Hunde- und Drohnenteam ist auch auf den Niststränden im Osten der Insel im Einsatz. Dann gemeinsam mit Rangern von Bios.CV und Natura 2000, zwei weiteren auf Boa Vista arbeitenden Projekten.

Strandreinigungen

Wie jedes Jahr führte das Projekt 2025 Strandreinigungen durch. Bei den zwölf Aktionen machten 208 Menschen mit. Sie sammelten auf einer Gesamtfläche von 4,8 km rund 16 Tonnen Müll. Damit hatte man über 600 m bei Schildkröten beliebter Strandabschnitte zumindest vorübergehend von Abfall befreit.

Das kann entscheidend sein. Verschmutzte Strände erschweren den Weibchen das Nisten und den Schlüpflingen den Weg ins Meer. Eine dauerhafte Lösung für das Müllproblem bieten Strandreinigungen nicht. Dennoch müssen sie immer wieder stattfinden. Wind und Wellen sorgen dafür, dass ständig neuer Müll angespült wird. Die Strände von Boa Vista leiden unter einem massiven Müllaufkommen.

Angetriener Müll wird zum Hinderniss für diese Grüne Meeresschildkröte

Bone Removal Project

Zwischen April 2023 und Anfang 2025 säuberte das Hunde- und Drohnenteam die wichtigsten Niststrände von den Überresten von über 1.000 Schildkröten. Die höchste Dichte fand sich an den nordöstlichen und östlichen Stränden von Boa Vista.

Entfernung von Schildkrötenüberresten von Stränden auf Boa Vista: Die Überreste von über 1.000 Schildkröten wurden von den Stränden entfernt.

Damit konnten vergangene Wildereifälle systematisch erfasst und kartiert werden. Das Bone Removal Project fand mit Zustimmung der Umweltbehörde statt.

Es ermöglicht künftig eine präzisere Identifikation und Prognose neuer Wildereifälle. Denn es stellte sich heraus, dass das Ausmaß der Wilderei in einigen Gebieten im Nordosten und Süden von Boa Vista bislang unterschätzt worden war.

Die gesammelten Daten sind nun Grundlage für eine verstärkte Überwachung in den Wilderei-Hochrisikozonen. Auf „gesäuberten“ Stränden lassen sich neue Fälle von Wilderei zuverlässig als aktuell identifizieren. Das Bone-Removal-Projekt soll regelmäßig stattfinden, um den klaren Basiszustand zu erhalten.


Was sind Artenschutzhunde?

Mit ihren rund 200 Millionen und mehr Geruchsrezeptoren (zum Vergleich: Der Mensch besitzt rund sechs Millionen) sind Hunde gefragte Mitarbeiter in etlichen Bereichen des Natur- und Artenschutzes. Am bekanntesten dürften Zollhunde sein, die in den Koffern von Reisenden illegal eingeführte geschützte Arten, wie Korallen oder Seepferdchen, ausfindig machen.

Trainierte Suchhunde entdecken auch bestimmte Pflanzen- oder Tierarten oder Kot von Orcas im Meerwasser.

Wir sind die Artenschutzhunde auf Boa Vista

Kelo

Artenschutzhund Kelo, Umweltbildungsarbeit Projekt für Schildkröten auf Boa Vista.

Als erfahrener Begleiter des Teams leistet der ruhige und freundliche Kelo wichtige Unterstützung – auch wenn er altersbedingt nur noch eingeschränkt eingesetzt werden kann.

Wegen seines freundlichen und geduldigen Wesens kommt Kelo jetzt hauptsächlich im Training sowie bei Bildungsaktivitäten wie Schulbesuchen zum Einsatz.

Karetta

Karetta mit João „Djola“ José Mendes de Oliveira.

Die sensible Schäferhündin Karetta wird von João „Djola“ José Mendes de Oliveira betreut.

Sie steht Kelo in der Objektsuche wie auch im Mantrailing in nichts nach, kann aber aufgrund ihrer misstrauischen Einstellung zu Fremden nicht für die Öffentlichkeitsarbeit mit Kindern eingesetzt werden. Zu ihrem Hundeführer hat sie jedoch großes Vertrauen und arbeitet mit Freude.

Olivia

Artenschutzhund Olivia mit Marcel Maierhofer.
© I.Geiser

Seit Anfang 2025 trainieren Marcel Maierhofer und seine Frau Ursula – ebenfalls eine erfahrene Hundetrainerin – Labradorhündin Olivia als Nachfolgerin ihres Onkels Kelo für den Einsatz auf Boa Vista.

Olivias neuer Hundeführer ist Carlos Monteiro, der bereits mit Kelo arbeitet. Bis Olivia einsatzbereit ist, wird es zwar noch etwas dauern, doch sie zeigt vielversprechende Anlagen für ihre zukünftigen Aufgaben.

Artenschutzhund Olivia beim Training auf Boa Vista.

Zedda

Heimliche Chefin der Artenschutzhunde auf Boa Vista ist Zedda.

Artenschutzhund Zedda beim Training an einem Strand zum Schutz von Schildkröten auf Boa Vista.

Zedda war bereits erwachsen, als sie zum Hundeteam kam. Bis dahin lebte sie selbstständig auf der Insel. Daher verfügt sie nicht über den Grundgehorsam, der für die Einsatzreife erforderlich ist. Im Zweifel entscheidet Zedda immer selbst, was sie gerade tun möchte – arbeiten oder doch lieber Krabben jagen.

Dennoch ist sie ein wertvolles Mitglied des Teams, weil sie auch Anfängerfehler von Hundeführern verzeiht. Seit 2023 ist Délvis Rodrigues ihr Hundeführer.


Welche Schildkröten nisten auf den Kapverden?

Neben der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) trifft man in den Gewässern der Kapverdischen Inseln auf vier weitere Schildkrötenarten. Allerdings kommen sie nicht regelmäßig an die Strände, um Nester zu graben.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Nach Informationen von Turtle Foundation
Alle Fotos so weit nicht anders angegeben: © Turtle Foundation

Updatehinweis: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag