Wir unterstützen ein Meeresschildkröten-Schutzprojekt der Turtle Foundation auf der Insel Sipora in Indonesien. Die Insel zählt zu den vor Sumatra liegenden Mentawai-Inseln. Schwerpunktart ist hier die größte Schildkrötenart, die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Diese in vielem noch rätselhaften Meeresreptilien sind zwischen 1,5 bis 1,8 m groß und durchschnittlich 500 kg schwer.
Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die als Leatherback Turtle bekannte Art als gefährdet mit rückläufiger Bestandsentwicklung eingestuft. Die Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans ist nur unzureichend wissenschaftlich erfasst. Deshalb gilt für sie die Einstufung „data deficient“. Sie steht unter erheblichem Druck durch Wilderei (Eierraub und Jagd auf nistende Weibchen), Verlust geeigneter Nistlebensräume und Fischerei (Beifangverluste).
Innerhalb weniger Jahre konnte eine Insel, die für das Überleben von Meeresschildkröten fast vollständig verloren war, in eine hundertprozentige Erfolgsinsel verwandelt werden!

Sipora liegt etwa 130 km westlich vor der Küste von Westsumatra im Mentawai-Archipel und ist mit 845 km² Fläche die kleinste der drei Mentawai-Inseln. Die Insel ist mit dichtem Regenwald bewachsen, weist eine Reihe abgelegener Strände auf und zeichnet sich durch eine vielfältige Fauna aus.
Der Großteil der Projektarbeiten findet am rund acht Kilometer langen Strand von Buggeisiata an der Westküste statt. Die Projektarbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der indonesischen Partnerorganisation Yayasan Penyu Indonesia (YPI), die für die operative Umsetzung vor Ort verantwortlich ist.
Neben der Lederschildkröte kommen auch Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas), Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) und Echte Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) an die Strände der Insel. Damit ist Sipora Fortpflanzungsbasis für vier der sieben Meeresschildkröten-Arten.
Schlupfergebnisse nach Arten: 2019 bis 2025/2026
Lederschildkröten
10 679
Oliv-Bastardschildkröten
3504
Grüne
Meeresschildkröten
1792
Echte
Karettschildkröten
680
Situation zu Beginn des Projekts
Eher zufällig entdeckten Mitarbeiter der Turtle Foundation im Herbst 2017 auf Sipora einen bis dahin unbekannten Nistplatz, den Strand von Buggeisiata. Wahrscheinlich nisten hier Lederschildkröten aus der Subpopulation des nordöstlichen Indischen Ozeans. Ihr Bestand ist mit geschätzt weniger als 1000 Exemplaren kritisch.
Die Abgelegenheit und schwierige Erreichbarkeit der Strände haben über viele Jahre hinweg die Wilderei begünstigt. Auf Sipora hatten nistende Schildkröten kaum eine Chance. Nester wurden geplündert und die Eier von der Bevölkerung konsumiert, Weibchen während oder nach der Eiablage getötet. Unmittelbare Hilfe war also dringend notwendig.

In Zusammenarbeit mit der örtlichen Naturschutzbehörde in Padang (BPSPL) initiierte die Turtle Foundation 2017 ein Schutzprojekt. Entscheidender Faktor dabei: die Integration der Inselbevölkerung. Durch die Ausbildung und Anstellung von Rangern und Rangerinnen, Infrastrukturmaßnahmen und Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen, gemeindebasierten Ansatz.

Die Nistsaison der Lederschildkröten beginnt auf Sipora im Oktober und endet im März. Seit Projektbeginn (Nistsaison 2017/2018) schlüpften aus von Rangern überwachten oder in die Hatchery (Freiland-Aufzuchtstation) umgebetteten Nestern 10.679 Lederschildkröten.
Foto: Ranger verlegen ein Lederschildkröten-Nest in die Hatchery und zählen die Eier.
Erfolgsbilanz der Nistsaison 2025/2026
Insgesamt dokumentierte das Rangerteam 24 Meeresschildkrötennester. Davon waren 19 von Lederschildkröten (1.631 Eier) und fünf Nester von Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) mit zusammen 455 Eiern. Damit die Gelege bestmöglich vor natürlichen Gefahren und menschlichen Einflüssen geschützt sind, siedelte das Rangerteam alle Nester in die umzäunte Hatchery um.

Der Schlupferfolg lag bei Lederschildkröten bei 54 %. Oliv-Bastardschildkröten hatten dagegen mit 38 % eine sehr viel niedrigere Erfolgsquote.
Auf Grundlage der direkten Auszählung geschlüpfter Jungtiere gelangten insgesamt rund 1.000 kleine Schildkröten sicher ins Meer.
Besonders erfreulich ist, dass in der gesamten Saison weder Nester geplündert noch Muttertiere gewildert wurde. Die Wildereiquote lag somit bei 0 %.

Neue Projektleiterin
Seit Januar 2024 leitet die Indonesierin Amelia Fepriani Silalahi das Projekt. Sie genießt große Anerkennung sowohl bei ihren Kollegen als auch bei den Dorfbewohnern. Amelia hat wesentlich zur positiven Weiterentwicklung des Projekts beigetragen. Sie ist ausgebildete Rangertrainerin.

In der Saison 2025/2026 kamen auch zwei Rangerinnen zum Einsatz. Cici Alisma und Dwimarlena. Auf dem Foto ist zu sehen, wie sie Jungtiere nach dem Schlupf ausmessen.
Diese gezielte Erweiterung des Rangerteams leistet einen Beitrag zur stärkeren Einbindung von Frauen in ein traditionell männlich geprägtes Arbeitsfeld

Optimierung der Infrastruktur
Im Jahr 2025 konnten auf Sipora mehrere Maßnahmen zur langfristigen Verbesserung der Schutz- und Monitoringarbeit am Strand von Buggeisiata umgesetzt werden.

Im Oktober wurde, rechtzeitig vor Beginn der Nistsaison, eine neue Hatchery mit Holzbegrenzungen und Schutznetzen gebaut. Die Anlage dient dem Schutz umgesiedelter Nester vor natürlichen Fressfeinden und Wilderern.
An der Ranger-Basistation entstand im November 2025 ein neuer Brunnen. Diese Maßnahme dient der Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Ranger. Sie haben nun eine verlässliche Wasserversorgung für ihre täglichen, mehrere Kilometer langen Patrouillengänge.

Ebenfalls in den November fiel der Bau von zwei neuen Unterständen an einem rund acht Kilometer langen Strandabschnitt. Die Unterstände dienen den Rangern während nächtlicher Patrouillen als Schutz- und Ruhepunkte bei langen Einsatzzeiten sowie bei plötzlichen Wetterumschwüngen.
Tagging
Seit 2024 markieren die Ranger alle nistenden Lederschildkröten individuell mit zwei Metallmarken (flipper tag) an den Hinterflossen sowie einem PIT-Tag (Passive Integrated Transponder). Dabei handelt es sich um einen dauerhaft unter der Haut implantierten Mikrochip. Das Tagging dient der Identifikation wiederholt nistender Weibchen.

Standardisierte Methoden und verbesserte Markierungstechniken helfen bei der verlässlichen Langzeitbeobachtung von Individuen weit wandernder Tierpopulation.
Langzeitdaten sind von entscheidender Bedeutung, um Bestandsentwicklungen zu überwachen, den Erfolg der Schutzmaßnahmen zu bewerten und zukünftige Managemententscheidungen auf einer fundierten datenbasierten Grundlage zu treffen.
Zum Trainingsprogramm der Ranger gehört selbstverständlich auch eine schonende Handhabung der Tiere beim Tagging. Beeinträchtigungen des Wohlbefindens der Tiere während des Markierungsvorgangs sollen so gering wie möglich sein.

Gemeindearbeit – Umweltbildungsmaßnahmen
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit des Schutzprojektes für Meeresschildkröten ist die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden. Dabei verfolgt das Projekt einen umfassenden Ansatz:
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Schulung und Anstellung von Rangerteams
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Infrastrukturmaßnahmen wie den Aufbau eines Gemüsegartens
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Umweltbildungsprogramme für Kinder und Jugendliche
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Gemeinsame Strandreinigungsaktionen




Die Weibchen benötigen hindernisfreie Strände für den beschwerlichen Weg zu einem geeigneten Nistplatz und wieder zurück.
Akzeptanz der Bevölkerung ist entscheidend
Das Sipora-Projektteam setzte auch Informationsvideos über den Schutz von Meeresschildkröten ein, die auf Fähren und in öffentlichen Einrichtungen gezeigt werden. Dies hilft bei der Sensibilisierung von Einheimischen und Besuchern für den Schutz der Tiere.
Teilhabe fördert das Vertrauen und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung und trägt maßgeblich zur nachhaltigen, lokalen Akzeptanz des Schutzprojekts bei.
Seit Beginn des Projekts starb hier keine einzige Lederschildkröte. Gleichzeitig sank die Zahl geplünderter Nester von 26 in der ersten Nistsaison auf zwei in der Nistsaison 2018/2019 und liegt seitdem bei null.

Quellen: Projektberichte Turtle Foundation, 2019 bis 2025/2026
Fotos: © Turtle Foundation
Updatehinweis: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag
