Abgebaut: Das gefährlichste Hainetz von Südafrika

Wichtiger Erfolg für Haie und vom Aussterben bedrohte Buckeldelfinart

Im April 2019 war es soweit. Mitarbeiter des KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) entfernten das gefährlichste Hainetz von Südafrika. Es stand viele Jahre lang vor Richards Bay (KwaZulu-Natal). Damit wird es dort nun spürbar weniger tote Delfine und weniger Beifang von kleineren Haien, Rochen oder Meeresschildkröten geben. Denn das auch „net 99“ genannte Hainetz hatte sich besonders für die vom Aussterben bedrohten Bleifarbenen Delfine als die Todesfalle schlechthin an der Ostküste von Südafrika erwiesen. Jetzt ist dieses Hainetz abgebaut. Als Ersatz installierte man vier Drumlines (Köderhaken). Ein großartiger Erfolg der von uns unterstützten südafrikanischen Meeresbiologin Shanan Atkins.

Sinnloser Strandschutz

Position der Hainetze vor Richards Bay.

Position der Hainetze vor Richards Bay. „Net 99“ befand sich vor Newark Beach (links).

Ursprünglich gedacht war „net 99“ – ein etwa 200 m langes und 6 m hohes Stellnetz – als Schutzvorrichtung für Surfer und Schwimmer vor Angriffen großer Haie.

Doch Datenanalysen von Shanan Atkins zeigten, dass in dem Netz in den letzten 10 Jahren mindestens 15 der vom Aussterben bedrohten Bleifarbenen Delfine starben.

Endlich weg: Das gefährlichste Hainetz von Südafrika!

In keinem anderen der an 37 Stränden entlang der südafrikanischen Ostküste installierten Hainetze starben derart viele Delfine. Gleichzeitig konnte „net 99“ nur einen einzigen für Menschen potenziell gefährlichen Hai abwehren.

Trotzdem dauerte es fast zwei Jahre, gefüllt mit viel Überzeugungsarbeit, bis sich Gemeindeverwaltung und KZNSB endlich dazu durchrangen, die sinnlose Todesfalle zu entschärfen.

Dann endlich wurde dieses gefährlichste Hainetz von Südafrika abgebaut und durch vier Köderhaken (Drumlines) ersetzt.

Meerwissen für Schlauberger
Drumlines und SMART drumlines

Drumlines sind am Meeresboden verankert. Von dort führt ein Tau zu einer Boje, an der wiederum ein beköderter Haken befestigt ist. Damit konnte vor Australien und Brasilien die Delfinbeifangrate im Vergleich zu Stellnetzen deutlich gesenkt werden. Doch locken die Köder gerade die Tiere an die Küste, die man hier nicht haben will: Haie. Und diese sterben an einer Drumline (Köderhaken) einen langsamen und grausamen Tod. Wenn man sie nicht rechtzeitig befreit.

In Australien setzt man daher auf SMART drumlines. Diese melden über einen Signalgeber, wenn ein Hai am Köderhaken hängt. Dann kann dieser rechtzeitig befreit werden. Auf diese Weise befreite Haie werden besendert. So kann man ihre Wanderrouten per GPS-Tracking mit der SharkSmart-App verfolgten. Bisherige Erfahrungen sind sehr positiv. Es zeigte sich beispielsweise, dass von Smart-Drumlines befreite Haie an dem betreffenden Küstenabschnitt bei ihrer Wiederkehr einen größeren Abstand einhalten. Sie haben gelernt, die Gefahr zu meiden.

 

Seltene Küstendelfine

Bleifarbener Delfin springt nah am Ufer.

Bleifarbene Delfine leben nah an der Küste und sind recht scheu
Foto: Brett Atkins

Die zu den Buckeldelfinen zählenden Bleifarbenen Delfine (Sousa plumbea) sind nur wenig erforscht. Obwohl sie sehr nah an der Küste leben.

Oft sieht man die scheuen Tiere in nur 25 m Entfernung vom Land schwimmen. Sie sind in Südafrika die am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäuger. Entlang der Ostküste (Provinz KwaZulu-Natal) soll ihre Zahl auf noch etwa 200 Individuen gesunken sein. In ganz Südafrika soll es noch etwa 500 von ihnen geben.

Da sie sich nur langsam vermehren, tragen die von Hainetzen verursachten Beifangverluste maßgeblich zum Rückgang der Population in Südafrika bei.

Buckeldelfine – Humpback Dolphins

Grafik "Humpback Dolphins" - Buckeldelfine

Grafik: Dr. Simon Elwen from Sea Search and Coen Soeteman from HAS University

Foto oben:
Bleifarbener Delfin wird aus dem „net 99“ geborgen, von David Savides; dieses Hainetz ist mittlerweile abgebaut.
Toter Bullenhai wird von KZNSB-Mitarbeitern aus einem Hainetz geborgen, von Fiona Ayerst.