Stop Finning EU erfolgreich!

Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Erfolg: Auch die zweite Hürde ist geschafft! EU-Bürgerinitiative „Stop Finning – Stop the Trade“ erreicht 1.119.996 gültige Stimmen. Es hat sich hingezogen, doch das Warten hat sich gelohnt. Seit Mitte Mai 2022 lief in den 27 Mitgliedsstaaten die Gültigkeitsüberprüfung der für Stop Finning EU abgegebenen 1.202.122 Stimmen für ein Ende des Handels mit Haiflossen in der EU. Ursprünglich sollte dies bereits am 20. Juni beendet sein. Doch einige Länder hatten wegen personeller Engpässe durch Covid-19 eine Verlängerung beantragt. Die EU-Kommission stimmte dem zu. Die erste Hürde, eine notwendige Mindestanzahl an Stimmen aus mindestens sieben EU-Staaten, hatte „Stop Finning – Stop the Trade“ frühzeitig übersprungen.

Wir unterstützen die EU-Bürgerinitiative seit ihrem Start am 1. Februar 2020 tatkräftig und freuen uns sehr, dass es sich gelohnt hat. „Wir danken allen, die sich an diesem gemeinsamen Kraftakt beteiligt haben. Der Erfolg von Stop Finning EU könnte zum entscheidenden Schlag gegen den internationalen Handel mit Haiflossen und die starke Lobby der industriellen Fischerei in der EU werden“, hofft Ulrich Karlowski, Biologe der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Stop Finning EU für ein Haiflossen-Handelsverbot in Europa

Die EU-Bürgerinitiative für ein Ende des Handels mit Haiflossen endete nach 2 Jahren Dauer am 31. Januar 2022. Bis zur buchstäblich allerletzten Minute riefen Stop Finning EU und ihre Unterstützer dazu auf, für besseren Haischutz in der EU abzustimmen. Erst ganz zum Ende der Zeichnungsfrist war klar, dass Stop Finning EU die notwendige Zielmarke von 1 Millionen Stimmen übertroffen hatte. Bei 1.202.122 abgegebenen Stimmen hätte es aber noch knapp werden können. Denn erfahrungsgemäß fallen während der Gültigkeitsprüfung 15 bis 20 % der abgegebenen Stimmen aus der Wertung.

Endspurt der EU-Bürgerinitiative Stop Finning EU.

Die EU-Bürgerinitiative steht unter Federführung von Stop Finning EU. Mehr als 100 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen und viele Prominente zählen zu den Unterstützern. Darunter Meeresbiologe und Tierfilmer Robert Marc Lehmann oder der bekannte Naturfilmer Hugo Clement aus Frankreich. Auch Sportler wie Tennisspieler Dominic Thiem und Nationalspieler Kai Havertz machten sich für die Haie stark.

Als Nächstes folgt eine Anhörung von Vertretern der Initiative Stop Finning EU im EU-Parlament. Hierbei besteht für die EU-Kommission eine Anhörungspflicht. Daran anschließend hat die Kommission dann drei Monate lang Zeit, um eine Antwort über das weitere Vorgehen zu geben. Dies kann im besten Fall zu einer Annahme des Vorschlags von Stop Finning EU und einer Gesetzesänderung führen. Allerdings kann die EU-Kommission eine Bürgerinitiative auch ablehnen, sofern sie Gründe dafür erläutert.

Lukrativ: Handel mit Haiflossen und Rochenflossen

Jedes Jahr sterben zwischen 63 und 273 Millionen Haie und eine unbekannte Zahl von Rochen. Meist sterben die eleganten Knorpelfische einzig und allein wegen ihrer Flossen (Shark Finning). Die gezielte Flossenfischerei hat beträchtlichen Anteil am Zusammenbruch vieler Hochseehai– und Rochenbestände. Diese gingen seit den 1970er-Jahren um mindestens 70 % zurück.

Von den rund 500 Haiarten sind 143 gefährdet, etliche sind vom Aussterben bedroht. Insbesondere die Bestände von Kurzflossen-Makohaien und Blauhaien sind als Folge von unselektiven Fangmethoden dramatisch zurückgegangen. Hai- und Rochenflossen gelten in Asien als Delikatesse. Eine Portion Haiflossensuppe, die nur wenige Gramm Flossen enthält, kann bis zu 90 € kosten. Ein lukratives Geschäft. Die Gewinnmargen im Handel mit Haiflossen sind gewaltig.

In Hong Kong boomt der Handel mit Haiflossen.

Haiflossen zum Verkauf in Hong Kong. Foto: Jessica King/ Marine Photobank

Schlüsselrolle der EU beim Handel mit Haiflossen

Die EU nimmt eine Schlüsselrolle im globalen Handel mit Hai- und Rochenprodukten ein. Sowohl bei Export und Import als auch beim Konsum. Insgesamt exportiert die EU jährlich durchschnittlich knapp 3.500 Tonnen Flossen. Das entspricht einem Gesamtwert von etwa 52 Millionen Euro. Allein Spanien exportierte von 2009 bis 2019 etwa 184.000 Tonnen Haifleisch in 85 Länder. Mit 22 Prozent Anteil am globalen Im- und Export durchläuft mehr als jeder fünfte gefischte Hai die EU. Sie ist einer der Hauptlieferanten der südostasiatischen und östlichen Märkte.

In der EU ist das Shark Finning seit 2013 mit der sogenannten „Fins Naturally Attached“-Verordnung (Ganzkörperanlandung) verboten. Dies wird aber kaum kontrolliert. Deshalb kann niemand sagen, wie viele Haiflossen illegal angelandet werden. Und solange der Handel mit Haiflossen erlaubt ist, floriert auch die Haiflossenfischerei.


Die Europäische Bürgerinitiative

Seit 2012 können EU-Bürger*innen sich mit einer Europäischen Bürgerinitiative direkt an die Europäische Kommission wenden. Mindestens eine Million Unterschriften werden dazu benötigt. Zudem bedarf es einer Mindestanzahl in mindestens einem Viertel der EU-Staaten. In Deutschland sind das z. B. 72.000 Unterschriften. Die Abstimmung findet sowohl schriftlich als auch online statt.

Beispiele für erfolgreiche EU-Bürgerinitiativen:


Verbote für den Handel mit Haiflossen

Großbritannien

Stop Finning: Der Haiflossen-Handel ist in Großbritannien bereits verboten.
Foto: M. Kilarski

Die zu diesen Themen traditionell starken Briten nahmen nach dem Brexit nicht mehr an der EU-Bürgerinitiative teil. Mit dem Brexit befreite sich Großbritannien allerdings auch von den nicht nur aus Sicht der Briten völlig unzureichenden EU-Fischereirichtlinien – zumindest teilweise.

Beim Thema Haiflossenhandel zögerte man auf der Insel nicht lang. Im August 2021 verbot Großbritannien kurzerhand den Haiflossenhandel und kam damit Stop Finning EU zuvor. Das Import- und Exportverbot umfasst sowohl Haiflossen als auch Produkte daraus, wie etwa Haiflossensuppe in Dosen.

Großbritannien übernimmt damit eine führende Rolle im Kampf gegen Hai-Finning und den Handel mit Haiflossen. „Shark finning ist unvorstellbar grausam, Tausende Haie sterben dabei einen furchtbaren Tod. Die Praxis ist zudem unentschuldbar verschwenderisch. Mit Recht ist sie in den Gewässern des Vereinigten Königreichs verboten, doch der Handel geht weiter und hat schlimme Auswirkungen auf die Zukunft dieser wundervollen Lebewesen“, begründet der britische Tierschutzminister Lord Goldsmith den Schritt seiner Regierung.

Fidschi

Die Regierung von Fidschi setzt sich lokal und global aktiv für die Erhaltung und das Management von Haien und Rochen ein. Zu den Maßnahmen zählt auch ein Import- und Exportverbot für Haifischflossen, welches der pazifische Inselstaat 2019 einführte.

Haiflossen-Handelsverbot auch in den USA?

In den Vereinigten Staaten befindet ein Handelsverbot für Haiflossen noch in einem seit 2021 laufenden Gesetzgebungsverfahren. Sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus haben verschiedene Versionen des Gesetzes zusammen mit anderen Bestimmungen in einer umfassenden Gesetzgebung bereits verabschiedet.

Ein gemeinsamer Ausschuss beider Häuser arbeitet jetzt daran, die Differenzen zwischen den vorliegenden Versionen auszuräumen. Hat sich der Ausschuss auf einen gemeinsamen Wortlaut geeinigt, müssen dem anschließend Senat und Repräsentantenhaus zustimmen und das Gesetz ratifizieren. Nach Informationen des Earth Island Institute (EII) aus San Francisco akzeptieren beide Häuser derartige Ausschussvorlagen normalerweise ohne Änderungen. Anschließend muss das Gesetz für ein Haiflossen-Handelsverbot noch von US-Präsident Joe Biden unterschrieben werden.

Das Ausmaß des US-Haiflossenhandels ist so kaum einzuschätzen. Nach Meinung von Shark Stewards aus Berkely (Kalifornien), spielen die USA allerdings eine wichtige Rolle im globalen Handel mit Haifischflossen. Zum Beispiel schätzte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass die Vereinigten Staaten 2007 über 1.000 Tonnen Haiflossen importierten. Für das gleiche Jahr meldete die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (National Oceanic and Atmospheric Administration – NOAA) jedoch nur etwa 29 Tonnen.

Die Diskrepanz zwischen den Zahlen von FAO und NOAA ist auf unterschiedliche Zählweisen und mangelnde Kontrollen zurückzuführen. So erfasst NOAA nur getrocknete Haiflossen. Frisch abgeschnittene Haifischflossen sowie eisgekühlte Flossen werden nicht gezählt. Shark Stewards weisen auch darauf hin, dass in den Haiflossen der USA auch eine große Menge von Haiflossen eingeschleust wird, die aus Ländern stammen, in denen es keinerlei Vorschriften für Shark Finning gibt.


Airline-Kampagne: Fly Without Fins

Der kommerziellen Haifischerei bläst der Wind nicht nur mit der Bürgerinitiative Stop Finning EU, sondern auch aus ganz anderer Richtung ins Gesicht. So verkündete die Fluggesellschaft Cathay Pacific aus Hongkong bereits Mitte 2016 ein Embargo für den Transport von Haiflossen. Cathay Pacific gehört zu den weltweit größten Frachtfluggesellschaften.

Logo FLY WITHOUT FINS - Kampagne gegen den Transport von Haiflossen durch Cargo-Airlines

Fly Without Fins

Unterstütze die internationale Kampagne und hilf mit, Fluglinien davon zu überzeugen, keine Haiflossen zu transportieren.

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

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Weiterführende Informationen

Projekt Haie in der Karibik – Curaçao

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Die Meeresbiologin Lisa Hübner von der Universität Groningen (Niederlande) wird den Haibestand und Artenreichtum um die Gewässer der zu den Niederlanden gehörenden Insel Curaçao in der Karibik erforschen. Dafür muss man wissen, wie der Bestand in der Vergangenheit aussah und wie er heute aussieht (Baseline). Des Weiteren müssen die Hintergründe des vermeintlichen Verschwindens der Haie vor Curaçao in der Karibik erforscht werden. Zudem will Lisa Hübner den ökologischen Wissensstand von Fischern sowie deren ökonomische Abhängigkeit vom Fischfang untersuchen.

Meeresschutz kann nur funktionieren, wenn lokale Bevölkerungsgruppen in die Maßnahmen eingebunden werden. Deshalb fördern wir die Arbeit von Lisa Hübner auf Curaçao.

Projektziel

Ziel ihrer Forschungsarbeit ist ein dringend nötiger und effektiver Meeres- und Haischutz in Curaçao in Zusammenarbeit mit den einheimischen Fischern. Eine Kombination aus tiefgreifenden, semi-strukturierten Interviews mit einheimischen Fischern und der Installation von Unterwasserkameras (Baited Remote Underwater Video Systems/BRUVS1) bilden eine ganzheitliche Basis dieses Projekts.

Hier der gekürzte Hintergrundbericht von Lisa Hübner:

„A Fisherman‘s Tale“: Wie Fischer uns helfen können, Haie zu schützen

Haie sind weitaus mehr als ikonische Geschöpfe des Meeres – ohne sie steht das marine Ökosystem auf dem Kopf. Sie bilden einen essenziellen Bestandteil der Nahrungskette. Verschwinden sie, löst das einen negativen Kaskadeneffekt auf niedrigere Trophieebenen² aus. Vor allem Korallenriffe, Seegraswiesen und die pelagische Zone sind Ökosysteme, die auf einen gesunden Bestand der Raubtiere angewiesen sind.

Viele Haiarten vom Aussterben bedroht

Umso besorgniserregender ist eine kürzlich veröffentlichte Red-List-Bewertung der Weltnaturschutzunion IUCN, die zeigt, dass 31 % aller Haiarten vom Aussterben bedroht sind. Darunter der Karibische Riffhai (Carcharhinus perezii) und der Atlantische Ammenhai (Ginglymostoma cirratum) – Arten, deren Vorkommen einst die Normalität an karibischen Riffen und Küstenökosystemen widerspiegelten. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Haie von bereits 20 % aller weltweiten Korallenriffe verschwunden sind.

Ein Ammenhai ruht unter Mangroven.

Ein Ammenhai. Diese Haie sieht man in der Karibik nur noch selten. © Amanda Cotton/Ocean Image Bank

Gefahren

Haie werden gezielt gefischt, verenden als Beifang in den für sie verheerenden Langleinen oder Kiemennetzen oder werden selbst als Köder für den Fang anderer Arten benutzt. Durch ihr relativ langsames Wachstum und die damit zusammenhängende späte Geschlechtsreife können Haie sich nur schwer von der stets wachsenden Überfischung erholen.

Fehlender Haischutz vor Curaçao

Aus diesen Gründen entstand im Jahr 2015 das sogenannte „Yarari Shark and Marine Mammal Sanctuary“ um die Gewässer der Inseln Saba und Bonaire in der Niederländischen Karibik. Meeresschutzgebiete (MPAs/Marine Protected Areas), insbesondere mehrere in Verbindung gebrachte MPAs, können die über weite Flächen wandernden Raubtiere effektiv schützen. Leider fehlen solche Schutzgebiete großflächig um die restlichen Inseln wie Curaçao, wo Haie bis heute vollständig ungeschützt bleiben. Dabei gibt es gerade auf Curaçao anekdotische Beweise für andauernden Hai-Beifang und einen historisch viel höheren Haibestand. Bisher gibt es allerdings keine ganzheitlichen wissenschaftlichen Bewertungen der Entwicklung des Haibestandes und der Artenvielfalt für diese Region.

Projekt Haie in der Karbik: Angelandete Haie in Curacao.

Angelandete Haie in Curaçao © Van Beek et al

Haie in der Karibik vor Curaçao gestern und heute

Eine historische Baseline ist essenziell für effektives, zukünftiges Schutzmanagement, da sie als Referenzpunkt für Zielsetzungen dient. Selbstverständlich ist die komplementierende Erforschung des gegenwärtigen Bestandes hier unumgänglich. Es müssen Brücken zwischen den gewünschten, historischen und den momentan vorhandenen Beständen gebaut werden. Brücken, die sich nicht nur auf die biologischen Hintergründe, aber auch auf sozio-ökonomische Entwicklungen stützen, die zu einer vermeintlichen Reduzierung des Haivorkommens beigetragen haben. Nur so kann ein zukünftig ganzheitlicher und nachhaltiger Plan zum Schutz der Haie vor Curaçao entwickelt werden.

Haie in der Karibik vor Curacao: Darstellung der Zusammenhänge zwischen Teilzielen des Projekts.

Vereinfachte grafische Darstellung der Zusammenhänge zwischen Teilzielen des Projekts. Hier wird die Komplementierung von Teilzielen zum geschlossenen Kreislauf sichtbar. © Lisa Hübner

Essenziell: Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort

Hierfür soll eine Zusammenarbeit mit den Menschen entstehen, deren Lebensunterhalt nicht nur von einem gesunden Ozean abhängt, sondern deren gezieltes Handeln die Gesundheit des Ozeans bestimmt: einheimische Fischer. Ihre Erfahrungsberichte haben enormes Potenzial, zur Aufbereitung des Haibestandes beizutragen. Ein weiterer, entscheidender Vorteil der aktiven Einbeziehung von Fischern ist die enorme Stärkung des Wertschätzungsgefühls und des damit verbundenen Pflichtbewusstseins.

Projekt für Haie in der Karibik vor Curacao: Beköderte Hai Kamerafalle.
Links: Ein einheimischer Student im Interview mit einem lokalen Fischer während der Pilotstudie in Guinea-Bissau, um den historischen Haibestand zu bestimmen. Rechts: Skizze eines Baited Remote Underwater Systems (aus Watson et al., 2010), das zur Bestimmung des gegenwärtigen Haibestands eingesetzt werden soll. © Lisa Hübner

1 Baited Remote Underwater Video Systems (BRUVS) werden regelmäßig in Studien zur Bestandsbestimmung von Raubtieren eingesetzt. Haie werden durch den für sie attraktiven Köder angelockt und so von der angebrachten Kamera gefilmt. Die Filmaufnahmen werden im Nachhinein ausgewertet, um Anzahl und Artenvielfalt einer Region zu bestimmen.

2 Stellung eines Tiers oder einer Pflanze in der Nahrungskette

Foto oben: Karibischer Riffhai, © Guido Leurs


Haischutzgebiete in der Karibik

Im Juni 2016 verhängten die Regierungen der Karibik-Inseln St. Maarten und der Kaiman-Inseln ein Fangverbot für die kommerzielle Haifischerei in ihren Hoheitsgewässern. Gleichzeitig gaben Curaçao und Grenada bekannt, noch im Laufe des Jahres gleichfalls den kommerziellen Fang von Haien verbieten zu wollen. Damit erhöhte sich die Zahl von Haischutzgebieten zum damaligen Stand auf weltweit 17 mit einer Fläche von etwa 20 Millionen Quadratkilometern.

Die karibischen Haischutzgebiete sind Ergebnis wachsenden Engagements von Karibischen und Pazifischen Staaten. Sie wollen die Ausrottung der Haie in ihren Gewässern verhindern. Dieses gründet sich auch auf den Ergebnissen eines internationalen Karibischen Haischutz-Symposiums. Es fand im Juni 2016 auf St. Maarten statt. An dem Treffen von Regierungsvertretern und nichtstaatlichen Haischutzorganisation nahm auch der engagierte Haischützer Sir Richard Branson teil.

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Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

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Weiterführende Informationen

Ein Herz für Bullenhaie

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Mit unserem Projekt „Ein Herz für Bullenhaie“ wollen wir gemeinsam mit der Schweizer Meeresbiologin und Haiforscherin Dr. Kerstin Glaus junge Bullenhaie in Fidschi schützen. Denn im Rewa, dem größten Fluss auf Fidschi, gibt es für das Überleben dieser spektakulären Haiart bedeutende Kinderstuben. Zunächst geht es darum, die kleinen Haie und ihre Lebensräume aufzuspüren. Dies geschieht mit einer cleveren, nicht invasiven Untersuchungsmethode: der Analyse von Umwelt-DNA (eDNA). Parallel dazu arbeitet Kerstin Glaus auch für unser neues Projekt „Ein Herz für Geigenrochen“.

Neues Schutzprojekt für Bullenhaie

Ein Herz für Bullenhaie“ ist bereits unser zweites Bullenhai-Projekt mit Kerstin Glaus auf Fidschi. Diesmal gilt es herauszufinden, ob und wenn ja wo, im Fluss Rewa junge Bullenhaie, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), und ältere Jungtiere leben. Im Anschluss sollen daraus Konzepte für eine bessere Umsetzung bereits bestehender und eventuell neue Schutzmaßnahmen entstehen.

Bullenhai im Shark-Reef Meeresschutzgebiet Fidschi

Zufluchtsort für Haie: Bullenhai im Meeresschutzgebiet Shark-Reef Marine Reserve (SRMR) in Fidschi. Das SRMR erhielt als erstes seiner Art in Fidschi 2014 den Status eines nationalen Meeresparks. Es ist ein besonderer Ort, an dem man 8 verschiedene Haiarten an einem Tag sehen kann. Für jeden Taucher wird eine Gebühr an die traditionellen Nutzer des Gebiets gezahlt, um sie für die Aufgabe ihrer Fischereirechte zu entschädigen. Eine Win-Win-Situation für alle. – © Valerie Tayler

eDNA-Analyse

Bei diesem Schutzprojekt für Bullenhaie kommt eine clevere, nicht invasive und relativ neue Methode zum Einsatz: die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA). Sie basiert auf der Gewinnung von genetischem Material. Denn jeder Organismus hinterlässt genetische Spuren (DNA) in seiner natürlichen Umgebung. Auf diese Weise lässt sich das Vorkommen selbst seltenster oder schwer auffindbarer Arten in einem Ökosystem effizient untersuchen.

Deshalb muss man junge Bullenhaie weder einfangen noch aufwendig unter Wasser aufspüren. Auch auf andere gängige Methoden wie den ressourcenintensiven Einsatz ferngesteuerter Unterwasservideokameras mit Ködern kann verzichtet werden. Aus zeitlich wiederholten Wasserproben isolierte eDNA wird anschließend im Labor vervielfältigt und sequenziert.

Ein Abgleich mit Artendatenbanken liefert dann das Ergebnis. Man weiß dann, welche Arten an einem bestimmten Ort leben oder dort vorbeigeschwommen sind. Zudem lassen sich örtliche und saisonale Schwankungen der Artenzusammensetzung anhand unterschiedlicher eDNA-Konzentrationen nachweisen.

Dringend gesucht: junge Bullenhaie

Aus früheren Arbeiten von Kerstin Glaus wissen wir, dass der Fluss Rewa der wichtigste Lebensraum für neugeborene Bullenhaie in Fidschi ist (siehe Karte mit Fundstellen). Damals gelang es ihr, 161 Neugeborene einzufangen. Sie markierte die Haibabys und ließ sie sofort wieder frei. Ältere Jungtiere, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), waren jedoch kaum zu finden. Wo sind sie geblieben? Wo leben sie? Dies wollen wir klären.

Fundstellen im Fluss Rewa, Fidschi

aus: Glaus KBJ, Brunnschweiler JM, Piovano S, et al. Essential waters: Young bull sharks in Fiji’s largest riverine system. Ecol Evol. 2019;00:1–12. https://doi.org/10.1002/ece3.5304

Offene Fragen

Haben die kleinen Haie vielleicht gelernt, Netze zu meiden? Oder sterben zu viele in den Netzen lokaler Fischer? Gibt es andere ökologisch für junge Bullenhaie negative Einflüsse, wie Wasserverschmutzung oder Eutrophierung? Finden sie nicht mehr genug Beute?

Titelfoto: Bullenhaie von Fiona Ayerst/Marine Photobank


Zeigen Sie ein Herz für Bullenhaie!

Spendenurkunde Projekt „Ein Herz für Bullenhaie“

Engagieren Sie sich für den Schutz dieser außergewöhnlichen Haie und dieses einzigartige Haischutzprojekt auf Fidschi! Für Projekt-Spenden ab 50 Euro gibt es eine spezielle Projekturkunde.

Titelfoto: Fiona Ayerst/Marine Photobank


Bullenhaie

Sie tragen kein „Lächeln“ im Gesicht, sind von bulliger Statur und lassen sich so schnell nicht einschüchtern – die Rede ist von Bullenhaien. Man kennt diese Requiemhaie auch als Stierhai oder Sambesihai.

Bullenhai vor Fidschi.

Foto: Terry Goss-2007/Marine Photobank

Als Top-Prädatoren sind sie bedeutend für die Gesundheit von Meeres- und Süßwasserökosystemen und müssen nur wenige natürliche Feinde fürchten. Und doch ist ihr Überleben, wie das vieler anderer Haiarten, gefährdet. Bullenhaie leben entlang von Küsten, Mündungsgebieten und sogar in Flüssen. Sie fühlen sich in Flüssen, Flussmündungen und Seen so wohl, dass sie dort auch ihre Jungen zur Welt bringen.

Ihre Lebensraumnnutzung macht sie allerdings anfällig für die Folgen von Zerstörung und Veränderung von Küstengebieten und Flussläufen. Zudem stehen sie unter enormem Fischereidruck. Bullenhaie, auch junge, werden gezielt befischt. Dabei sind vor allem ihr Fleisch und die Flossen begehrt.

Hohe Beifangverluste treten aber auch in der Stell- oder Treibnetzfischerei, in Schleppnetzen und in der Langleinenfischerei auf. Eine weitere Gefahr droht ihnen von der sogenannten Sportfischerei, wo sie als beliebte Trophäe herhalten müssen. Andere sterben in Hainetzen, mit denen zahlreiche südafrikanische Badestrände ausgerüstet sind.

Gefährdungsstatus

Lebensraumverluste und fischereiliche Ausbeutung setzen dieser Haiart hart zu. In der Folge sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten um 30–49 % zurückgegangen. Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzorganisation IUCN ist sind Bullenhaie als gefährdet mit abnehmender Bestandsentwicklung gelistet.

Toter Bullenhai in Hainetz Provinz KwaZulu-Natal.

Toter Bullenhai in einem Hainetz – Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Artensteckbrief Bullenhai

Warum heißen Bullenhaie Bullenhaie?

Bullenhaie (Carcharhinus leucas) verdanken ihren Namen nicht nur ihrem bulligen Aussehen. Denn sie stoßen potenzielle Beute erst mit ihrem Kopf an. Mit dieser unberechenbaren Jagdstrategie (bump and bite) prüfen sie blitzschnell, ob z. B. ein Fisch, den sie in den oft trüben Küsten- und Flussgewässern nur schlecht erkennen können, auch tatsächlich essbar ist. Denn Haie haben keine Hände.

Wo leben Bullenhaie?

Man findet Bullenhaie vor Amerika im Atlantik und Pazifik, südlich der Sahara vor Afrika, vor Indien, Südostasien und Australien. Weil sie so küstennah leben und zu den Arten gehören, die hin und wieder Menschen angreifen, werden sie gezielt bejagt.

Was fressen Bullenhaie?

Sie fressen im Prinzip alles, was ihren Weg kreuzt: von Wirbellosen über Knochenfische, Knorpelfische, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine oder Innereien von Walen. Aber auch Landsäugetiere stehen auf ihrem Speiseplan.

Wie groß ist ein Bullenhai?

Bullenhai-Männchen sind mit bis zu 2,1 m Länge deutlich kleiner als die die bis zu 3,5 m großen Weibchen.

Wie schwer sind sie?

Bullenhai-Weibchen können ca. ca. 320 kg schwer sein, während Männchen auf nur etwa 90 kg kommen.

Wieviel Nachwuchs haben sie?

Nach 10 bis 11 Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen in geschützten Küstengewässern nur bis zu dreizehn lebendgeborene Jungtiere zur Welt.

Warum können Bullenhaie im Süßwasser leben?

Bullenhaie gehören zu den wenigen Haiarten, die auch im Süßwasser leben. So sollen schon Exemplare mehr als 4.000 km landeinwärts im südamerikanischen Amazonas-Flusssystem gesichtet worden sein! Möglich ist dies, weil sich ihr Organismus an den Salzgehalt des Umgebungswassers anpasst. Je weniger salzhaltig, desto mehr trinken Bullenhaie, mitunter 20-mal mehr als andere Haie.

Schutz von Haien und Rochen in Indonesien

Voraussichtliche Lesedauer: 5 Minuten

Der Banda-Archipel ist ein Hotspot der Biodiversität. Hier gibt es sie noch: die ebenso faszinierenden wie hochgradig bedrohten Bogenstirn-Hammerhaie. Aber auch viele andere Hai- und Rochenarten leben hier. Damit das so bleibt und sie eine Überlebenschance bekommen, unterstützen wir BandaSEA e. V. aus Bonn beim Haischutz im Meeresschutzgebiet Banda Islands Marine Protected MPA Network in Indonesien. Denn Haie haben in Indonesien einen schweren Stand. Hier werden weltweit die meisten gefangen.

Haie und Rochen in Indonesien langfristig schützen

2010 gründete ein engagiertes Team aus Meeresbiologen, Tauchlehrern und Projektmanagern mit langjähriger Asienerfahrung BandaSEA. Der Name stammt von den in der indonesischen Bandasee gelegenen Banda-Inseln (Bandas). Hier liegt der Fokus der Meeresschutzarbeit. So gehört auch der Schutz von Haien und Rochen sowie die Einrichtung von Meeresschutzgebieten zu den Kernaktivitäten.

In Indonesiens Gewässern sterben weltweit die meisten Haie

Mit mehr als 120.000 t gefangener Haie pro Jahr hält Indonesien eine unrühmliche Spitzenposition inne. So ist es kein Wunder, dass die heimischen Haibestände bereits stark gesunken sind.

Haie in Indonesien haben es schwer: abgetrennte Haiflossen (Shark Finning) auf einem indonesischen Fischerboot.

Der Großteil der Haie in Indonesien fällt der illegalen Haiflossenindustrie (Shark Finning) zum Opfer. Und Hauptabnehmer der begehrten Flossen ist Hongkong. Außerdem sterben pelagische Hai- und Rochenarten zuhauf als Beifangopfer in der Kiemennetz-, Ringwaden- und Langleinenfischerei.

BandaSEA setzt beim Haischutz in Indonesien auf regional umsetzbare, realistische und finanzierbare Strategien. Darunter fällt die Einrichtung von küstennahen Haischutzzonen, die die Paarungs- und Aufwuchsgründe umfassen. Sie kann man gut mit kleinen Booten patrouillieren.

Selbst im Fall einer großen Fangnationen für Haie wie Indonesien lässt sich damit viel erreichen. Denn auch bei der lokalen Bevölkerung ist oft Interesse vorhanden, die eigenen Gewässer vor dem Zugriff großer Trawler zu schützen.

Im Visier: Bogenstirn-Hammerhaie

Die in der Bandasee am häufigsten vorkommende pelagische Haiart ist der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini).

Toter Bogenstirnhammerhai.

Der Hammerkopf kann je nach Größe des Haies eine Breite von 90 bis 130 cm erreichen. Immerhin gehören die imposanten, bis zu 4,30 m großen und etwa 150 kg schweren Hammerhaie zu den 5 Haiarten, die seit 2013 indonesienweit unter Schutz stehen.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) sind Bogenstirnhammerhaie als „critically endangered“, also vom Aussterben bedroht, eingestuft. Eine Stufe vor „extinct in the wild“ – ausgestorben. Und die Bestände gehen weltweit weiter zurück.

Überwachung der Haifänge für besseren Schutz von Haien in Indonesien

In Banda lässt sich der Fang großer Haie gut kontrollieren. Damit gehört das Gebiet zu einem der ersten in Indonesien, in dem konkret an der Umsetzung der neuen Haischutzbestimmungen gearbeitet wird.

Zu den wichtigsten Zielen von BandaSEA gehört, die derzeitige Banda-Schutzzone zu einem Schutzzonennetzwerk auszuweiten. Auch dort soll dann „No Take“ für Haie gelten – kein Fang von Haien. So kommt der Schutz von Haien und Rochen in Indonesien Schritt für Schritt voran.


Banda-Archipel – Hotspot der Biodiversität

Das Banda Islands Marine Protected Area Network soll eine sichere Heimat für Haie und Rochen in Indonesien werden.

Die Banda-Inseln liegen in den Molukken im Osten Indonesiens. Der Archipel besteht aus 11 Inseln. Etwa 22.000 Einheimische leben hier. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Fischfang und dem Export von Muskatnuss, Zimt und Mandeln.

Die Bandas liegen in der etwa 5000 m tiefe Bandasee. Sie ist Heimat für eine überwältigende Zahl von Meereslebewesen. Darunter fallen 64 % der weltweit bekannten Korallenarten. Über 500 Riff-Fischarten leben hier, darunter die seltenen Mandarinfische oder die Napoleonwrasse. Aber auch große pelagische Arten halten sich gerne in der Bandasee auf. Die Palette reicht von Thunfischen, Makrelen bis hin zu vielen Hai- und Rochenarten.

Bisher im Banda-Archipel gesichtete Haiarten

Bisher im Banda-Archipel gesichtete Rochenarten

  • Teufelsrochen (Mobula thurstoni)
  • Ozeanischer Mantarochen (Mobula birostris)
  • Gefleckter Adlerrochen (Aetobatus narinari)
  • Blaupunktrochen (Taeniura lymma)
  • Schwarzpunkt-Stechrochen (Taeniura meyeni)
  • Pinker Peitschenschwanzrochen (Himantura fai)
  • Federschwanzstechrochen (Hypolophus sephen)
  • Igelrochen (Urogymnus asperrimus)

Am stärksten besiedelt sind die beiden zentralen Inseln, Banda Neira und Banda Besar. Sie befinden sich innerhalb des Meeresschutzgebietes „Taman Wisata Perairan Laut Banda“ (TWP Laut Banda). Es wurde bereits 1977 ins Leben gerufen und umfasst ca. 2.500 ha. Hauptzwecke des Schutzgebiets sind Küstenschutz und Erholung.

Nach Informationen BandaSEA e.V.
Fotos: BandaSEA

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

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